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Chaos im Kinderzimmer: So klappt das Aufräumen!

Das Kinderzimmer gleicht einem Schlachtfeld? Davon können die meisten Eltern ein Lied singen. Unsere Autorin konnte dies nicht länger mit ansehen und nahm sich vor: mehr Ordnung in das Kinderzimmer bringen. Hier teilt sie Ihre Tipps.

Kinderzimmer aufräumen: So klappts

In einem ordentlichen Kinderzimmer hat alles seinen Platz. Bild: iStock

Eigentlich wollte ich nur das Fenster im Zimmer meiner Tochter lüften. Auf dem Weg dorthin stieg ich über ein Trampolin, umschiffte ein Puppenhaus, schob mit dem Fuss einen Stapel Kinderbücher zur Seite und stolperte schliesslich über einen bunten Hüpfball. Auch das Öffnen des Fensters war nicht so einfach. Stifte, Pixibücher und diverse kleine Kuscheltiere stapelten sich auf der Fensterbank. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon den Entschluss gefasst: In dieses Kinderzimmer muss Ordnung einkehren. Schliesslich konnte ich ja schlecht von meiner fünfjährigen Tochter verlangen Ordnung in das Chaos zu bringen, wenn ich selbst davor kapitulierte.

Ich hörte mich im Freundeskreis um, wie andere Mütter Herrscher über das Durcheinander werden. Oft hörte ich die Antwort: «Ganz einfach, ich selbst räume es jeden Abend auf. So habe ich keine Streitereien mit den Kindern und habe es so, wie ich es möchte.» Diese Lösung finde ich wenig hilfreich, denn ich bin der Meinung, wer Puzzleteile auf den Fussboden werfen kann, kann diese auch wieder aufräumen. Und schliesslich möchte ich meinem Kind auch Ordnung beibringen und nicht in zehn Jahren noch Bravohefte und Lippenstifte in ihr Regal räumen.

Mut zum Minimalismus 

Ich betrieb Grundlagenforschung und lernte im Ratgeber «Simplify your Life», dass wer ein überschaubares und strukturiertes Leben haben möchte, sich erstmals auf das Wesentliche beschränken muss.

In den nächsten Tagen beobachtete ich das Spielverhalten meiner Tochter. Mit welchen Gegenständen beschäftigt sie sich? Was liegt nur unbeachtet in der Gegend herum? Nach dem Kindergarten wollte ich mit ihr aussortieren, ganz wie es im Ratgeber empfohlen wird. Diesen Versuch musste ich abbrechen – ALLES ist lebenswichtig, sie kann auf nichts verzichten. Den angenagten Schokoosterhasen will sie mir zum Geburtstag schenken, das zerknitterte Bild will sie in einen Rahmen packen und dann aufhängen und mit der Babyrassel soll mal ihr eigenes Kind spielen.

Man kann es mir vorwerfen, vielleicht ist es nicht ganz richtig über ihre Besitztümer zu entscheiden. In diesem Fall erscheint es mir als absolut richtig, ihre nächste Abwesenheit produktiv zu nützen.

Aber nach welchen Kriterien dezimiert man Spielsachen? Ich entsorgte als Erstes alles Schadhafte: unvollständige Puzzles, angenagte Bilderbücher, trockene Filzstifte. Und nahm mir vor, ein Viertel der Spielsachen auszusortieren: Bücher, die niemand gerne liest, Spiele, die niemand gerne spielt, Sachen aus Plastik, die billig hergestellt sind und mit denen man nichts anfangen kann. Tatsächlich hat meine Tochter bis heute nicht bemerkt, dass das billige Kegelset, die Gummientenfamilie und die Kiste mit den Überraschungseierfiguren in der schwarzen Tonne verschwunden sind.

Möbel die Ordnung schaffen

Bislang waren alle Spielsachen kunterbunt in Regalen untergebracht. Dieses chaotische Arrangement gefällt mir nicht mehr. Ich fahre ins Möbelhaus und decken uns mit Boxen, Kisten und Schächtelchen ein. Ihre Haarbandsammlung findet in einem hübschen Körbchen Platz, die Lieblingskuscheltiere in einer XXL-Wanne, den Hüpfball, über den ich gestolpert bin, hänge ich in Kinderhöhe an einen Wandhaken. Ein Wunder ist geschehen: Der Boden des Kinderzimmers ist sichtbar.

Um keine falschen Hoffnungen zu wecken - nach einem langen Spielenachmittag sieht das Kinderzimmer erneut aus, wie nach einer Invasion eines 40-köpfigen Kindergartens. Der grosse Vorteil ist aber, dass dieses Chaos innerhalb von fünf Minuten von einer Fünfjährigen allein behoben werden kann: alle Kuscheltiere in die Wanne, die Spiele in die Truhe, den Hüpfball an die Wand.

Tipps für mehr Ordnung im Kinderzimmer

1 Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Wie wirkt das Kinderzimmer auf Sie? Vollgestopft? Unordentlich? Unstrukturiert? Leblos? Wie oft hält sich Ihr Kind darin auf? Was macht es im Kinderzimmer? Passt die Einrichtung zu seinen Bedürfnissen? Sprechen Sie anschliessend mit Ihrem Kind darüber. Fühlt es sich darin wohl? Hat es auch den Wunsch etwas zu verändern? Jüngere Kinder sind mit dieser Fragestellung noch etwas überfordert.

2 Beobachten Sie Ihr Kind. Mit was spielt Ihr Kind darin? Steht der Kaufladen nur unbeobachtet in der Ecke, das Kind malt stattdessen viel lieber. So kann der Kaufladen durch ein kleines Tischchen mit Stühlen ersetzt werden. Vielleicht ist noch Platz für eine Wandtafel. Dies entspricht nun den Bedürfnissen des Kindes. Es muss nicht mehr auf dem kalten Boden liegen, um zu malen, sondern hat mehrere Möglichkeiten seiner Lieblingsbeschäftigung nachzukommen.

3 Aussortieren: Ob mit oder ohne Kind muss jede Mutter selbst entscheiden. Eine Möglichkeit ist, Sachen, bei denen Sie oder Ihr Kind unentschlossen sind, in Kisten zu packen und im Keller zu verstauen. Wird der Gegenstand in den nächsten Wochen oder Monaten vermisst, kann er wieder hergeholt werden. Wenn nicht, kann er getrost aussortiert, verschenkt oder für ein weiteres Kind aufbewahrt werden.

4 Eltern sollten beim Aussortieren nicht zu zaghaft sein. Kinder sind mit zu vielen Spielsachen überfordert. Und können das Überangebot nicht richtig nützen. Kein Kind braucht 20 Kuscheltiere, fünf Bälle und zehn Puzzles. An Weihnachten, Ostern und zum Geburtstag kommen ausserdem immer wieder neue Sachen nach, so muss zwangsläufig Platz geschaffen werden. Es ist besser in hochwertigere Spielsachen zu investieren, mit denen sich Kinder länger und intensiver beschäftigen können, als viel Spielzeug, welches nach dem ersten Spielen schon langweilig ist.

5 Das Kinderzimmer muss unbedingt über eine Freifläche verfügen, auf dieser können Kinder Autos rollen lassen, die Kuscheltiere versorgen und zum Lieblingslied tanzen. Am besten Sie legen auf diese freie Fläche einen schönen, bunten, warmen Teppich. So wird sich das Kind dort wohl fühlen. Eine solche Fläche kann leicht geschaffen werden, denn nicht alle grossen Spielstationen wie Kaufladen, Werkbank, Spielzelt oder Puppenhaus müssen immer präsent sein. Diese können auf mehrere Zimmer verteilt oder können auf dem Estrich und im Keller bis zum nächsten Gebrauch zwischengelagert werden. So bleibt das Spielgerät für den Nachwuchs immer interessant und wird jedes Mal quasi neu entdeckt.

6 Stehen nun alle Spielsachen fest, die oft genützt werden, brauchen diese einen festen Platz. Schaut das Kind vor dem Einschlafen immer Bilderbücher an, können diese in unmittelbarer Nähe vom Bett in einem Regal verstaut werden. Spielt der Junge leidenschaftlich mit Legosteinen, so sind diese am besten in einer grossen Kiste aufgehoben. Malt das Kind am liebsten, so kann ein kleiner Container mit vielen Schubladen nützliche Dienste leisten.

7 Wichtig ist, dass alles seinen festen Platz hat. Körbe, Eimer und Kisten sind für Kinder ideal. So können sie das Spielzeug schnell verstauen und müssen es nicht umständlich in Regalen arrangieren. In dem Zimmer herrscht eine übersichtliche Atmosphäre, denn die diversen Kleinteile lagern ja in ihrem Heimatort. Und liegen nicht überall verstreut umher.

von Natascha Mahle

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