«Das fliegt weg»: Entrümpeln im Kinderzimmer

Das Kinderzimmer sieht aus, als würde ein Messie darin wohnen. Doch mit dem Entrümpeln und Ausmisten tun sich Kinder meist schwer. Dürfen Eltern den Ballast heimlich aussortieren? Wir haben nachgefragt.

Das Kinderzimmer ganz leicht entrümpeln

Es ist Zeit im Kinderzimmer zu entrümpeln. Foto: Howard Shooter, Dorling Kindersley RF, Thinkstock

Billige Verschenk-Artikel einer Fastfood-Kette, Give-aways von Kindergeburtstagen, ein schlapper Gas-Luftballon, Hefte und Bücher aus dem letzten Schuljahr, Stöcke aus dem Wald, Steine vom Fluss, ausrangierte Dinge von Grosis Estrich, der alte Brummkreisel: Im Kinderzimmer häufen sich oft Dinge, die es so vollstopfen, dass kaum noch Platz zum Spielen bleibt. «Das brauchst du nicht mehr», «Damit spielst du doch gar nicht», «Das liegt doch nur rum!» Kinder weisen solche Appelle zum Entrümpeln und Ausmisten oft entsetzt und vehement ab.

Sicher, die Weigerung auszumisten, mag teilweise an einer generellen Aufräum-Unlust liegen. Kinder haben in der Regel wenig Lust, aufzuräumen und auszusortieren, weil sie den Nutzen der Aktion noch nicht sehen. Erwachsene dagegen gehen eher motiviert ans Werk – sie freuen sich auf die Ordnung, die sie schaffen. Doch die Weigerung, allein oder mit den Eltern zusammen zu entrümpeln, hat meist eine andere Ursache: Das Herz vieler Kinder hängt an den Dingen, die sich im Kinderzimmer, wenn auch scheinbar nutzlos, häufen.

Das Spielzeug – ein Teil des Kindes

Kinder identifizieren sich mit den Dingen, die sie gebastelt haben, mit den Heften, die sie beschrieben haben, mit den Geschenken, über die sie sich gefreut haben. Dinge, an denen ein Kind hängt, vermitteln Geborgenheit im Kinderzimmer. Der Gedanke, etwas abzugeben oder wegzuwerfen, ist für viele Kinder deshalb unerträglich, weil sie das Gefühl haben, dieses Ding sei ein Teil von ihnen selbst. Diese Phase sei besonders akut im zweiten und dritten Lebensjahr.

Mädchen sehen Seele in den Dingen

Vor allem Mädchen tun sich schwer, sich von Dingen zu trennen – und loszulassen. Denn sie neigen dazu, den Gegenständen eine Seele zu geben. «Den grossen Stein aus dem Kinderzimmer verbannen und in den Garten legen? Dann ist er doch sicher traurig!» Solche Einstellungen zeugen durchaus von Einfühlungsvermögen. Aus diesem Grund fällt es Kindern auch schwer, das Baby-Spielzeug oder den alten Roller zu verschenken. Mit Geiz und «Haben-wollen» hat das nichts zu tun.

Ausmisten: Kinderzimmer heimlich aussortieren?

Es ist hilfreich zu verstehen, warum Kinder wie ein Messie so stark an Dingen hängen. Doch das Kinderzimmer so überfüllt zu lassen, wie es ist, scheint auch keine Lösung zu sein. So lässt sich weder spielen noch sauber machen. Was tun mit all den Sachen, die ins Haus flattern, zur Herzensangelegenheit der Kinder werden, aber für Eltern wenig Wert haben?

«Nie ungefragt etwas wegwerfen! Denn Sachen, die in unseren Augen wertlos sind, können für Kinder sehr wertvoll sein», sagte Aufräumcoach Karin Schrag aus Bern dem Bieler Tagblatt. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas wirklich Wichtiges weggeworfen wurde, ist hoch. Der Schnipsel auf dem Schreibtisch scheint vielleicht schon lange unbeachtet, doch kann er einen hohen Wert für das Kind haben. Und selbst Dinge, die ein Kind lange Zeit vergessen hatte, kommen ihm vielleicht gerade in den Sinn, wenn sie entsorgt wurden. Das ist peinlich für die Eltern, die mit dem Entrümpeln einen klaren Vertrauensbruch begangen haben.

Entrümpeln: Lösungen für weniger Zeug im Kinderzimmer

Ab in die Kiste
Eltern können eine klare Anordnung treffen: «Wir sortieren aus!». Doch was im Kinderzimmer aussortiert wird, darf das Kind bestimmen. «Kaum etwas», lautet im schlimmsten Fall das Ergebnis der Aktion. Helfen kann folgende Idee: Aussortierte Dinge werden nicht direkt weggeworfen, sondern erst mal eine Zeitlang aufgehoben – in einer Kiste in einem Schrank oder im Keller, wo sie wenig stören. Später, wenn das Kind sich leichter von Dingen trennen kann, ist immer noch Zeit, die Kiste zu durchstöbern und (teilweise) endgültig zu entsorgen.

Flohmarkt
Viele ältere Kinder haben Lust, sich auf dem Flohmarkt als Verkäufer zu versuchen. Steht der Flohmarkt-Termin fest, wird das Kind von ganz allein das Kinderzimmer nach Dingen durchforsten, die es nicht mehr braucht.

In kleinen Schritten
Wer gleich das ganze Kinderzimmer aufräumen will, nimmt sich zu viel vor. «Ausmisten mit Kindern dauert meistens länger als man denkt, zudem werden Kinder von Erwachsenen oft überfordert», so Karin Schrag. Besser ist es, beim Entrümpeln in kleinen Schritten vorzugehen. Heute ist das Regal dran, in ein paar Tagen erst der Schrank.

Manche Eltern fürchten, dass ihr Kind eine leichte Neigung zum Messie hat. Doch keine Sorge. Spätestens, wenn die Kindheit zu Ende geht und das Leben als Teenager beginnt, misten Kinder aus. Das Kinderzimmer wandelt sich zum Jugendzimmer. Die grossen und verstaubten Lego-Kisten dürfen dann doch in den Keller.

Mehr zum Thema Kinderausstattung gibt es auch in diesem Dossier.

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