Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen

Nach Schätzungen der Stiftung Kinderschutz Schweiz wird etwa jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge im Laufe der Kindheit Opfer sexueller Übergriffe oder Gewalt. Wie können Sie Ihr Kind vor sexueller Ausbeutung schützen? Infos und Tipps finden Sie hier.

Eltern können das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken, um sexuellen Missbrauch zu verhindern

Kinder, die sexuell missbraucht wurden, brauchen Menschen, die ihnen glauben.

Von sexuellem Missbrauch betroffen sind gemäss einem Bericht des «Schweizerischen Bündnisses zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen» vor allem Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis zwölf Jahren. Über drei Viertel der Täter sind Verwandte und Vertrauenspersonen. Es sind Väter oder Stiefväter, Mütter oder Stiefmütter, Brüder, Verwandte oder Freunde der Familie, Pfarrer oder Betreuer. Je besser ein Pädophiler das Kind kennt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er sich mehrmals an ihm vergeht.

Um das zu verhindern, hat sich das «Schweizerische Bündnisses zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen» gegründet. Dahinter stecken die Stiftung Kinderschutz Schweiz, Swiss Olympic, die Schweizerische Kriminalprävention und Terre des hommes Kinderhilfe. Sie haben im Jahr 2007 die dreisprachige Internetplattform «Schau hin» lanciert. Diese bietet Eltern, Fachpersonen und Kindern Rat und Informationen.

Was können Eltern tun, um ihren Nachwuchs vor sexueller Gewalt zu schützen? Um Ihr Kind so stark wie möglich gegen Übergriffe zu machen, müssen Sie es nicht gleich in einen Selbstverteidigungskurs stecken. «Ein solcher Kurs kann sein Selbstbewusstsein stärken», sagt Cordula Sanwald, Sprecherin von der Stiftung Kinderschutz Schweiz . «Ein Garant für mehr Sicherheit ist das aber natürlich nicht.» Viel wichtiger ist zunächst, Kinder und ihre Gefühle ernst zu nehmen.

Selbstbewusstsein stärken

Fördern Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes und ermuntern Sie sie, den eigenen Gefühlen zu vertrauen. Denn selbstbewusste Kinder werden seltener zu Opfern als ängstliche Kinder. Das fängt bereits in Alltagssituationen an. Wenn ein Kind einen Pullover nicht anziehen möchte, weil er kratzt, sollten Eltern es nicht zwingen, diesen anzuziehen. Denn dann vermitteln sie ihm, dass seine Empfindung falsch ist. «Kinder müssen spüren, dass sie klar vertreten dürfen, was sie wollen und was nicht», sagt Cordula Sanwald. Sie müssten wissen, dass sie in ihrem Empfinden ernst genommen werden.

Kinder altersgerecht aufklären

Eine offene Gesprächsatmosphäre in der Familie, in der auch sexuelle Themen altersgerecht angesprochen werden, fördert zudem den unbefangenen Umgang mit dem eigenen Körper. Schon bei Kindern im Vorschulalter ist eine altersgerechte Aufklärung sinnvoll. «Wenn Kinder ein ganzheitliches Wissen über ihren Körper besitzen und eine Sprache für Sexualität haben, gelingt es ihnen leichter, sexuelle Übergriffe und Gewalt zu erkennen und darüber zu reden», schreibt die Stiftung Kinderschutz Schweiz in der Broschüre «Mein Körper gehört mir».

Der Kinderschutz und die Mütter- und Väterberatung Schweiz haben 2009 den Ratgeber «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt» herausgebracht. Er gibt Hinweise, welche Inhalte Sexualerziehung je nach Alter bis sechs Jahren haben kann. Sie können ihn über info@kinderschutz.ch kostenlos bestellen.

Cordula Sanwald erklärt, dass Eltern Kindern erlauben sollten, sinnliche und sinnvolle Erfahrungen zu machen – das fange bei der Nahrungsaufnahme an, gehe über die tägliche Körperpflege bis hin zur Schamentwicklung und den Doktorspielen. Die Sexualerziehung solle Kinder dabei unterstützen, beispielsweise für sich herausfinden und definieren zu dürfen, welche Verhaltensweisen zur Rolle eines Mädchens oder eines Bubens gehören. Sie soll ihnen helfen, eine positive Einstellung und Vertrauen gegenüber dem eigenen Körper und der eigenen Sexualität zu erlangen.

Der Sexualpädagoge Bruno Bühlmann empfiehlt im Interview mit der Initiative «Schau hin»: «Eltern sollen ermuntert werden, Kinder entdecken zu lassen, was ihnen Lust bereitet». So würden sie lernen, zu was sie «Ja» und zu was sie «Nein» sagen wollen. Sie sollten wissen, dass sie ein Recht auf Selbstbestimmung haben und nicht jeder mit ihnen machen kann, was er will.

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