«Nicht nur schwierige Jugendliche kommen in den Jugendtreff!»

Die Offene Jugendarbeit Zürich (OJA) feiert ihr 10-jähriges Jubiläum. Vor zehn Jahren wurde der Verein gegründet, um die Jugendtreffs der Stadt Zürich stärker zu vernetzen und um sie als Institution tragbar zu machen. Im Interview erzählt Jugendarbeiterin Martina Amrein, weshalb sie die Jugendarbeit fasziniert und entschärft einige Klischees rund um ihren Job.

In der Jugendarbeit geht es um gegenseitigen Respekt.

Martina Amrein arbeitet als Jugendarbeiterin und schätzt den freundschaftlichen
Umgang mit den Jugendlichen. Foto: iStock, Thinkstock

An elf Standorten, verteilt in den Wohnquartieren der Stadt Zürich, bietet die Offene Jugendarbeit OJA Freiräume an, führt Veranstaltungen durch und unterstützt junge Leute bei der Umsetzung ihrer Ideen. Einer dieser sogenannten Jugendtreffs ist schon seit Gründungszeiten der OJA als «Jugendfoyer» bekannt und liegt im Zürcher Kreis 4. Darin befinden sich ein Billardtisch, eine Küche, zwei Computer mit Internetanschluss, ein Tanzraum, viele Sofas und Sessel - und an drei Tagen die Woche jede Menge junge Leute aus dem Quartier im Alter von 12 bis 18 Jahren.

Im Jugendfoyer ertönt bereits am frühen Nachmittag laute Hip-Hop-Musik, zumeist deutscher Gangster-Rap. Die Wände des geräumigen Containers beben. Jugendarbeiterin Martina Amrein dreht die Musik «mindestens dreissig Mal am Tag» runter. Die junge Frau pflegt einen entschlossenen und doch lockeren Umgang mit den Jugendlichen im Treff. Sie begrüsst diese mit freundschaftlichen Grüssen und Händedrücken und empfängt uns daraufhin in ihrem Büro. Mit zwei anderen JugendarbeiterInnen, Ihrem Stellenleiter und einer Praktikantin betreut sie den Jugendtreffpunkt der Stadtkreise 3 und 4.

Welche Ziele verfolgt die OJA in der Arbeit mit Stadtzürcher Jugendlichen?

An erster Stelle steht ganz klar, mit unseren Einrichtungen für die Jugendlichen Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und ihnen eine Stimme zu geben. Sie sind nun mal der wichtigste Teil der Bevölkerung für unsere Zukunft! Wir fördern zudem die Partizipation. Die Jugendlichen sollen ihre Ideen einbringen, wir von der OJA helfen ihnen, sie umzusetzen. Wir begleiten sie auch durch die schwierigeren Zeiten der Jugend – Jobsuche, Schulprobleme, Konflikte – ohne ihnen Druck zu machen.

Ist die Stimme, welche die OJA den Jugendlichen geben möchte, auch eine politische Stimme?

Die meisten JugendarbeiterInnen der OJA pflegen gute Kontakte zu PolitikerInnen und dem Gemeinderat der Stadt Zürich. Einer davon ist beispielsweise Agron Ibraj, unser Stellenleiter hier bei der OJA Kreis 3+4, der für die Jugendlichen vor wenigen Jahren ein Treffen mit dem Stadtrat organisieren konnte. Die Jugendlichen konnten ihre Wünsche äussern und ihre Ideen präsentieren. Solche Events bauen die Schwellen zwischen Jugend und Politik ab.

Weshalb ist es wichtig, dass Jugendliche ein Angebot wie die OJA nutzen können?

Dank den Jugendtreffs als Orte der Begegnung können sie ihr soziales Netzwerk pflegen, sich austauschen, sich öffnen. Die OJA bietet auch Übungsmöglichkeiten für das Organisieren von Partys und anderen Veranstaltungen. Wenn Jugendliche mithelfen oder sogar ihre Ideen verwirklichen können, gewinnen sie an Selbstvertrauen. Die Eltern sind zudem froh, wenn sie wissen, dass ihre Kinder im Jugendtreff sind und nicht irgendwo auf den Strassen. Zwischen Tür und Angel entstehen oft auch Diskussionen oder ernste Gespräche zwischen uns Jugendarbeitern und den Kids. Die Jugendlichen stossen bei uns auf ein offenes Ohr. Sie sehen uns Jugendarbeiter nicht als Autoritäten, wir sind eher Bezugspersonen.

Durch die Arbeit mit den Jugendlichen eröffnen sich Ihnen bestimmt immer wieder neue Blickwinkel. Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Mir war es bei meiner Berufswahl wichtig, dass ich mit Menschen zu tun habe, die freiwillig kooperieren, die wirklich Lust haben, mitzumachen. Viele Jugendliche bei uns haben einen Migrationshintergrund. Sie erzählen mir oft die erstaunlichsten Geschichten von ihrer Ankunft in der Schweiz oder von ihrem Alltag als Migrantenkind. Ich denke dann häufig: «Wow, die sind so stark! Das hätte ich in ihrem Alter nicht geschafft.» In meinem Job werden mir so ständig neue kulturelle Perspektiven gezeigt.

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