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Lehrplan 21 – wie sich der Unterricht in der Schweiz verändert

Der Lehrplan 21 bringt Veränderung in die obligatorischen Schulen der Schweiz. Viele Eltern wollen wissen, wie sich der Unterricht wandelt und auf welche Art sie Ihr Kind optimal begleiten können. Wir geben Antworten.

In den Deutschschweizer Schulen wird der Lehrplan 21 eingeführt.

Alles, was Sie zum Lehrplan 21 wissen sollten. Foto: Tim Mossholder, Unsplash 

Künftig wird es für Familien in der Schweiz einfacher in einen anderen Kanton zu ziehen, denn der Lehrplan 21 wurde von den Deutschschweizer Kantonen einheitlich entwickelt. Die bisherige Gliederung nach Schulstufen gibt es nicht mehr, stattdessen durchlaufen die Schüler drei Zyklen. Das klingt soweit harmlos, doch es gibt auch Kritiker. Wir beantworten wichtige Fragen zum Lehrplan 21 und geben eine Übersicht über die Einführung in den verschiedenen Deutschschweizer Kantonen. 

Wozu wurde ein neuer Lehrplan entwickelt? Was soll er bewirken?

Der Lehrplan 21 ist ein gemeinsamer Lehrplan für die Volksschulen. Die 21 Kantone in der Deutschschweiz haben diesen bereits umgesetzt oder werden ihn bis 2021 einführen. Das Projekt wurde zwischen 2010 und 2014 von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz erarbeitet. Die Stufen der Volksschulzeit waren bislang von Kanton zu Kanton verschieden. Der Lehrplan 21 legt drei Zyklen fest, die in allen Kantonen auf die gleiche Weise durchgeführt werden sollen. Dennoch gibt es kantonale Unterschiede, wie zum Beispiel die Auswahl an Fremdsprachen.

Ziel des Lehrplans 21 ist, die Unterrichtsinhalte zu harmonisieren. Ausserdem sollen neue Module wie «berufliche Orientierung» und «Medien und Informatik» auf die heutige Zeit und das spätere Berufsleben vorbereiten. Bei einem Umzug in einen anderen Kanton ist es sowohl für Familien als auch für Lehrbeauftrage einfacher, sich im jeweiligen Schulsystem zurecht zu finden. 

Ein Beispiel aus dem Lehrplan 21: Was wird in «Medien und Informatik » gelehrt?

«Medien und Informatik» vermittelt den Schülern die automatisierte Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung von Informationen. Sie lernen zum Beispiel wie man einen Roboter programmiert und werden in Informations- und Kommunikationstechnologien unterrichtet. Es wird gelehrt, Medien selbstständig zu nutzen, aber auch sie kritisch zu betrachten. Aufgeklärt werden die Schüler über «Fake News», Soziale Medien und Datennutzung.

Was ändert sich mit dem Lehrplan 21?

Bisher waren die Lehrpläne nach Schulstufen gegliedert und diese haben sich je nach Kanton unterschieden. Nun hat man sich auf drei Zyklen geeinigt. Der erste Zyklus umfasst den Kindergarten und die 1. und 2. Primarstufe, der 2. Zyklus die 3. bis 6. Klasse und der 3. Zyklus geht von der 7. bis zur 9. Klasse. Jeder Zyklus beinhaltet verschiedene Fachbereiche, die sich über alle Zyklen ziehen können oder beispielsweise erst mit dem 3. Zyklus beginnen. Anstatt der bisherigen Schulfächer gibt es verschiedene Fächergruppierungen. Ein Beispiel: Die Gruppierung «Natur, Mensch, Gesellschaft» ist aufgeteilt in «Natur und Technik», «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt»,«Räume, Zeiten, Gesellschaften» und «Ethik, Religionen, Gemeinschaft».

Die bekannten Fächer Physik, Chemie und Biologie fallen unter die Rubrik «Natur und Technik». Die Hauswirtschaft fällt unter «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt». Der bisherige Sportunterricht heisst im Lehrplan 21 «Bewegung und Sport». Beim Lehrplan 21 soll nicht nur die reine Wissensvermittlung im Zentrum stehen, sondern die Vermittlung von Kompetenzen. Dem Lehrplan zufolge sind drei Aspekte wichtig, um eine Kompetenz zu erwerben: Wissen, Können und Wollen. 

Welche Kritik gibt es am Lehrplan 21?

Die offizielle Webseite des Lehrplans 21 wird von der Bildungsdirektoren-Konferenz gepflegt und führt einige Kritikpunkte zum Lehrplan 21 auf. Wir haben ein paar Punkte sowie die Antworten von Vertretern des Lehrplans zusammengefasst.

  • Der Erwerb von Wissen stehe nicht mehr im Zentrum, sondern der Erwerb von Kompetenzen. Damit verliere das Wissen und die Inhalte an Relevanz. Antwort: «Wissen ist die Basis für Kompetenz. Man kann nicht kompetent sein, wenn man sich in der Sache nicht auskennt. Der Lehrplan 21 weist daher aus, welches Wissen die Schule vermitteln soll, bleibt aber dort nicht stehen.»
  • Kinder sollen überwiegend selbstständig arbeiten. Die Lehrer seien demnach nur noch Lernbegleiter und die fundamentale Aufgabe des Lehrens gehe verloren. Antwort: «Von all dem steht im Lehrplan 21 nichts. Das Lern- und Unterrichtsverständnis, das dem Lehrplan 21 zu Grunde liegt, ist in der Broschüre „Grundlagen“ dargestellt. Darin wird auf die zentrale Bedeutung der Lehrerinnen und Lehrer für die Gestaltung des Unterrichts, die Führung der Klasse und die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler hingewiesen.»
  • Der Lehrplan vermittle neben Kompetenzen auch Werte und Einstellungen. Das führe zu einer ideologischen Beeinflussung der Schüler. Antwort: «Der Lehrplan 21 respektiert die Privatsphäre der Schülerinnen und Schüler und ihrer Familien. Eine ideologische Beeinflussung der Schülerinnen und Schüler ist nicht zulässig. Der Lehrplan enthält keine Aufträge zur Vermittlung spezifischer Haltungen und Einstellungen. Hingegen gehört die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Haltungen und Einstellungen zum Auftrag der Schule.»

Wann wurde oder wird der Lehrplan in Ihrem Kanton umgesetzt?

Zürich

  • 2018/19: Kindergarten und Primarschule (bis 5. Klasse) 
  • 2019/20: 6. Klasse Primar- und Sekundarschule 

Aargau

  • 2020/2: Kindergarten, Primarschule und 1. Oberstufe 
  • 2021/22: 2. Oberstufe 
  • 2022/23: 3. Oberstufe 

Thurgau, Nidwalden

  • 1 August 2017

Basel

  • 2015/16: Primarstufe 
  • 2018/19: Sekundarstufe 

Bern

  • 1. August 2018

Luzern, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden, Uri

  • 2017/18

Schwyz

  • 2017/18: Kindergarten- und Primarstufe
  • 2018/19:  Sekundarstufe I

Graubünden, Wallis, Appenzell Innerrhoden, Solothurn

  • 2018/19

Freiburg, Schaffhausen, Zug

  • 2019/20

Glarus

  • ab 2017/18 bis 2021

 

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