Leben > HaustiereKatzen zusammenführen: Gesundheitscheck, Rückzugsorte – was gilt es zu beachten?Katzen sind für ihren Eigensinn bekannt. Zieht ein zweiter Stubentiger ein, wird er von der ersten Katze oft als Konkurrenz gesehen. Mit Gesundheitscheck, getrennten Ressourcen und viel Geduld gelingt die Zusammenführung trotzdem. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken So sieht es aus, wenn zwei Katzen sich arrangiert haben. Bis dahin vergehen oft Wochen. (Foto: Ifness/Thinkstock, iStock) Katzen sind Einzelgänger – so die gängige Vorstellung. Tatsächlich ist ihr Sozialverhalten ausgeprägter, als der Mythos vom einsamen Jäger glauben macht. Es stimmt zwar, dass Katzen allein jagen. Doch viele von ihnen suchen den Kontakt zu Artgenossen, und wer bereits mehrere Katzen hält, kennt die Freundschaften, die zwischen ihnen entstehen können. Der Schweizer Tierschutz STS formuliert es so: Eine Katze, die gut sozialisiert und das Zusammenleben mit Artgenossen gewohnt ist, sollte nicht allein gehalten werden.[1] Umgekehrt gilt aber genauso, dass man eine ausgesprochene Einzelgängerin nicht zum Zusammenleben zwingen sollte.[1] Die Frage ist also nicht, ob zwei Katzen grundsätzlich besser sind als eine. Die Frage ist, ob deine Katze eine zweite will. Was das Gesetz verlangt – und was nicht Ein verbreitetes Missverständnis vorweg: Eine Pflicht zur Zweitkatze gibt es in der Schweiz nicht. Die Tierschutzverordnung hält in Artikel 80 lediglich fest, dass einzeln gehaltene Katzen täglich Umgang mit Menschen oder Sichtkontakt mit Artgenossen haben müssen.[2] Das ist ein Oder. Wer seiner Wohnungskatze jeden Tag Zeit und Zuwendung schenkt, verstösst nicht gegen das Gesetz. Trotzdem bleibt es problematisch, wenn eine Wohnungskatze den ganzen Tag allein ist.[3] Eine zweite Katze kann diese Lücke füllen. Sie ist aber kein Ersatz für Beschäftigung und Zuwendung, sondern eine zusätzliche Verantwortung. Vor dem ersten Kontakt: Gesundheitscheck und Kastration Dieser Schritt wird in Ratgebern gern übersprungen, und er ist der wichtigste. Bevor sich die beiden Tiere zum ersten Mal beschnuppern, sollte der Neuzugang tierärztlich untersucht sein: Impfstatus, Entwurmung, Parasiten. Dazu gehört die Frage nach dem Status beim felinen Leukämievirus (FeLV). Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin empfiehlt die FeLV-Impfung ausdrücklich für Katzen mit Kontakt zu Tieren mit unbekanntem FeLV-Status – und zwar erst nach einem negativen Antigentest.[4] Genau der enge Kontakt, den du mit der Zusammenführung herstellst, ist der Übertragungsweg. Sprich diesen Punkt bei der Übernahme aktiv an. Bei Tieren aus dem Tierheim ist der Gesundheitsstatus meist dokumentiert. Bei Katzen vom Bauernhof oder aus privater Hand ist er es häufig nicht – solche Tiere sind manchmal weder geimpft noch entwurmt.[3] Bleibt der Status ungeklärt, gehört der Tierarztbesuch vor die erste Begegnung, nicht danach. Der zweite grosse Hebel heisst Kastration. Kastrierte Kater streunen weniger und tragen seltener Bissverletzungen davon, und viele Katzenkrankheiten werden gerade bei Rangeleien und Sexualkontakten übertragen.[3] Vor allem aber sind nach der Kastration beide Geschlechter sozialer und deutlich friedlicher.[3] Für eine Zusammenführung ist das der Unterschied zwischen Nachbarschaft und Dauerkonflikt. Was der Eingriff bedeutet und wann er sinnvoll ist, liest du im Beitrag Warum du Katzen kastrieren lassen solltest. Sorgfältige Planung Die Zusammenführung muss gut vorbereitet sein und in Ruhe ablaufen. Sorge für räumliche Trennung und stelle dem neuen Mitbewohner ein separates Zimmer zur Verfügung. Hinein gehört alles, was eine Katze braucht: ein eigener Napf, eine Katzentoilette, eine Kratzgelegenheit, Spielzeug und eine Kuscheldecke. Eine Übersicht über die Grundausstattung findest du in unserem Beitrag zur Erstausstattung für Katzen. Kümmere dich in dieser Zeit besonders ausgiebig um deine erste Katze. Sie darf nicht das Gefühl bekommen, plötzlich abgemeldet zu sein. Durch den Geruch, der sich unter der geschlossenen Tür hindurch verbreitet, lernen sich die beiden Samtpfoten allmählich kennen. Nach einigen Tagen kannst du Kuscheldecken und Spielzeuge tauschen, damit der Geruch der anderen Katze vertrauter wird. Einfühlsam zusammenführen – Schritt für Schritt Öffne die Tür erst dann versuchsweise, wenn beide Tiere entspannt wirken: Sie fressen normal, benutzen ihre Toilette und liegen nicht dauernd angespannt in Deckung. Das ist die bessere Richtschnur als eine feste Anzahl Tage. Stelle in den Rahmen ein Schutzgitter oder eine Plexiglasscheibe, damit sich die Katzen sehen, aber nicht erreichen können. Klappt das über mehrere Durchgänge hinweg ruhig, kommt der grosse Moment. Entferne die Barriere und beobachte, wie die Tiere aufeinander reagieren. Fauchen und Buckeln gehören dazu. Lenke die beiden bei Bedarf mit Worten oder einem Spiel ab und lass sie zunächst nur für ein paar Stunden am Tag zusammen. Unterstützend werden häufig Katzenpheromone aus der Steckdose eingesetzt. Sie können die Stimmung dämpfen, ersetzen aber weder Geduld noch getrennte Rückzugsorte. Brich einen Durchgang ab, sobald eine der Katzen in die Enge getrieben wird und nicht mehr ausweichen kann. Dasselbe gilt bei anhaltendem Knurren oder aufgestellten Nackenhaaren. Ein Warnzeichen ist auch, wenn ein Tier plötzlich nicht mehr frisst, trinkt oder sein Geschäft verrichtet. Dann gehst du einen Schritt zurück zur Barriere. Ein Rückschritt ist kein Scheitern. Wenn es kracht: trennen, ohne dich zu verletzen Droht eine Eskalation, müssen die beiden sofort getrennt werden. Greife dabei nicht mit blossen Händen dazwischen. Zwei kämpfende Katzen unterscheiden im Affekt nicht zwischen Gegnerin und Hand, und Katzenbisse entzünden sich leicht. Wirf stattdessen eine Decke über eines der Tiere, schiebe ein Kissen oder einen Kartondeckel zwischen die beiden oder erzeuge ein lautes Geräusch. Danach bringst du die Katzen in getrennte Räume und lässt sie zur Ruhe kommen. Genug für alle: Toiletten, Futterplätze, Verstecke Viele Zusammenführungen laufen in den ersten Tagen gut und kippen Wochen später. Der Grund ist selten Charakter, sondern Knappheit. Wo zwei Katzen um dieselbe Toilette und denselben Napf konkurrieren, entsteht Dauerstress. Drei Regeln helfen: Katzentoiletten: pro Katze eine Toilette plus eine zusätzliche, verteilt auf verschiedene Räume und nicht dort, wo gefressen oder geschlafen wird.[1]Futter- und Wasserstellen: mit Abstand und ohne Sichtkontakt aufstellen. Katzen fressen zwar oft scheinbar problemlos nebeneinander, auch wenn sie sich nicht verstehen – verlangen sollte man es von ihnen nicht.[5] Erhöhte Futterplätze werden von der unsichereren Katze bevorzugt.[5]Verstecke und erhöhte Liegeplätze: Im Mehrkatzenhaushalt braucht es davon ein Überangebot, damit Konflikte gar nicht erst entstehen.[1] Ein Regalbrett, ein Karton mit seitlichem Loch oder ein Tuch über dem Sessel genügen. Wichtig ist, dass jedes Tier jederzeit ausweichen kann. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn eine Katze auf beschränktem Raum dauernd von der anderen drangsaliert wird und nicht fliehen kann.[1] Wer passt zu wem? Mit der richtigen Wahl steigt die Chance auf ein friedliches Miteinander deutlich. Am einfachsten ist es mit Wurfgeschwistern oder mit Kitten aus verschiedenen Würfen. Die Kätzchen lernen sich beim Herumtollen schnell kennen. Kleine Kitten sollten allerdings frühestens mit zwölf, besser mit vierzehn Wochen von Mutter und Geschwistern getrennt werden.[3] Schwieriger wird es, wenn zwei erwachsene Katzen vergesellschaftet werden sollen. Als Faustregel gilt: Tiere von ähnlichem Charakter, Alter und Temperament finden schneller zueinander. Der Schweizer Tierschutz beobachtet zudem, dass gleichgeschlechtliche Gruppen oft besser miteinander klarkommen.[3] Eine ältere, ruhige Katze ist überfordert, wenn ein Jungspund einzieht. Welcher Rasse der neue Mitbewohner angehört, spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Worauf du bei der Auswahl sonst noch achten solltest, steht im Beitrag zum Kauf einer Katze. Zu den Geschlechterunterschieden im Verhalten kursieren viele Behauptungen. Kater würden raufen und toben, weibliche Tiere lieber mit Spielzeug hantieren: Das berichten viele Halterinnen und Halter, belastbare Studien dazu gibt es laut Schweizer Tierschutz jedoch keine.[3] Verlass dich deshalb lieber auf das, was du beim Kennenlernen im Tierheim beobachtest, als auf das Geschlecht im Ausweis. Eine Frage der Geduld Ehe sich zwei Katzen wirklich aneinander gewöhnen, vergehen oft Wochen bis Monate. Kleine Reibereien sind normal und gehören zur Klärung der Rangordnung. Entscheidend ist, ob die Kurve nach oben zeigt: längere ruhige Phasen, gemeinsames Schlafen im selben Raum, gegenseitiges Putzen. Bleibt es dagegen bei anhaltenden Kämpfen, zieht sich ein Tier dauerhaft zurück oder wird unsauber, hol dir fachliche Hilfe, bevor du über eine Abgabe nachdenkst. Erste Ansprechperson ist deine Tierärztin: Unsauberkeit und Aggression können auch körperliche Ursachen haben. Reicht das nicht, vermittelt die Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Verhaltensmedizin spezialisierte Verhaltensmedizinerinnen und Verhaltensmediziner.[5] Und manchmal lautet die ehrliche Antwort trotzdem, dass es nicht passt. Manche Katze möchte keine Gesellschaft, und das zu akzeptieren ist kein Versagen.[1] Wenn eine dauerhafte Trennung nötig wird, ist eine gute Vermittlung an einen neuen Platz für beide Tiere besser als ein Zusammenleben, aus dem keines von ihnen herauskommt. QuellenSchweizer Tierschutz STS: STS-Merkblatt «Artgerechte Katzenhaltung» (PDF). Abgerufen am 21.08.2026.Schweizerische Eidgenossenschaft: Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1), Art. 80 Abs. 1, Stand 1. Februar 2026. Abgerufen am 21.08.2026.Schweizer Tierschutz STS: Katzenhaltung – die besten Tipps rund um das Halten von Katzen. Abgerufen am 21.08.2026.Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin SVK-ASMPA: Impfempfehlungen 2022 (PDF, bereitgestellt vom Universitären Tierspital Zürich). Abgerufen am 21.08.2026.Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Verhaltensmedizin STVV: Informationsblatt «Artgerechte Fütterung der Katze» (PDF, 2022). Abgerufen am 21.08.2026. (Erstellt von Red.)