Leben > Krisen & HilfeDeutsch und Schweizerdeutsch? Ausländer durch Sprache integrierenNeu in der Schweiz – und plötzlich klingt sogar «Deutsch» anders als erwartet: Viele Familien merken schnell, dass es im Alltag weniger um perfekte Grammatik geht als um Verstehen, Mitmachen und sich sicher fühlen. Dieser Artikel zeigt dir, warum Hochdeutsch und Schweizerdeutsch unterschiedliche Rollen haben, wie du typische Missverständnisse entschärfst und wie du dein Kind in Kita und Schule sprachlich stärkst – ohne Druck und ohne die eigene Erstsprache zu verlieren. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Deutsch Schweizerdeutsch: Viele kleine Unterschiede, die Einwanderer erst lernen müssen. Kulturelle Integration kommt vor allem über die Sprache zustande. Deutsch vs. Schweizerdeutsch: Wenn du neu in der Deutschschweiz bist, triffst du meist auf zwei «Sprachwelten»: Hochdeutsch (Standardsprache) wird oft in formelleren Situationen verwendet – zum Beispiel schriftlich, in Behördenbriefen oder in vielen Schulmaterialien. Schweizerdeutsch ist in vielen Regionen die Standardsprache im Alltag: im Quartier, auf dem Spielplatz, im Laden, im Verein und häufig auch in Teams am Arbeitsplatz. Für die Integration ist deshalb weniger entscheidend, ob du selber Dialekt sprichst – sondern ob du im Alltag genug verstehst, um mitreden zu können, Fragen zu stellen und dich nicht ausgeschlossen zu fühlen. Genau hier setzen viele erfolgreiche Strategien an: Hörverstehen aufbauen, typische Redewendungen kennenlernen und gleichzeitig beim Sprechen bei dem bleiben, was für dich sicher ist. Ein Abend in Basel: Was Zugezogene an der Schweiz überrascht Im Zunftsaal am Rümelinsplatz in Basel sitzen rund 80 Menschen an Gruppentischen zusammen. Die Kulisse ist typisch schweizerisch, die Personen darin nach eigenem Empfinden weniger. Eine heitere Stimmung liegt in der Luft, als die erste Aufgabenstellung bekannt wird: «Male eine Situation, die dich in der Schweiz erstaunt hat.» Und die Teilnehmenden der Abendveranstaltung «Wie ticken die Schweizer/innen?» der Ausländerberatung GGG scheinen sich einig zu sein: Das Teilen einer Waschmaschine im Mietshaus mit striktem Waschplan stösst auf allgemeines Unverständnis. Nur alle zwei Wochen einen Tag waschen können? «Schweizer und Schweizerinnen leben gerne nach Prinzipien», kommentiert Patrycja Sacharuk, Referentin des Abends und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ausländerberatung. Allerdings sind die Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Ländern wie beispielsweise Deutschland, den Niederlanden oder der Türkei nicht nur zur Veranstaltung gekommen, um etwas über Waschregeln zu lernen. Sie sind neu in der Schweiz und stellen sich der Herausforderung, in der Fremde Fuss zu fassen. Ob im Arbeits- oder Alltagsleben: Vieles an der Schweizer Mentalität ist für Migrant:innen auf den ersten Blick noch unverständlich. Die Zurückhaltung, das Qualitätsdenken und die Genauigkeit. In der Schweiz zu leben bedeutet für die meisten nicht nur eine gute Arbeitsstelle und eine Wohnung zu finden, sondern auch in die neue Kultur einzutauchen. Patrycja Sacharuk erklärt deshalb zuerst, welche historischen Ereignisse die Eidgenossinnen und Eidgenossen bis heute prägen. Rütlischwur, Wiener Kongress und Gründung des Bundes – alle wichtigen Wegmarken müssen Zugezogene verstehen lernen. Dies kann zum Verständnis der kulturellen Unterschiede beitragen. Doch nicht nur die Geschichte prägt die Bevölkerung der Schweiz. Da die Alpen einen Grossteil des Landes einnehmen, kommen etwa 450 Personen im nichtgebirgigen Drittel pro Quadratkilometer zusammen. «Dass die Schweizer und Schweizerinnen so eng aufeinander wohnen, kann auch eine Erklärung dafür sein, dass sie gerne mal Abstand halten», erklärt Sacharuk. Hoerdeutsch in Schule/Behörden, Dialekt im Alltag: typische Situationen Viele Eltern berichten, dass sich Sprache je nach Ort und Situation stark verändert. Diese Beispiele helfen dir, Erwartungen realistisch zu setzen: Typisch Hochdeutsch Briefe von Schule, Gemeinde, Krankenkasse, SVA/IV Formulare, E-Mails, Aushänge Elterninformationen, Lernplattformen, Beurteilungen (je nach Schule unterschiedlich) Typisch Schweizerdeutsch (oder stark dialektal) Spielplatzgespräche und «Tür-und-Angel»-Momente vor Kita/Schule Vereine, Quartierleben, Eltern-Treffen, Apéros Telefonate, kurze Absprachen, Teamhumor im Job Wichtig: Es gibt regionale und institutionelle Unterschiede. Manche Lehrpersonen sprechen konsequent Hochdeutsch, andere wechseln – häufig situativ (z.B. Hochdeutsch im Unterricht, Dialekt in der Pause). Wenn du unsicher bist, darfst du das offen ansprechen: Es ist ein normaler Teil von Ankommen. Unterschiedlicher als viele denken Besonders die Deutsch-Schweizerdeutsch-Unterschiede interessieren die Teilnehmenden. So müssen sich alle in einem Quiz über Schweizerdeutsche Ausdrücke wie schnädere (schwatzen), Guetzli (Plätzchen), Finken (Hausschuhe), Schofsseggel (ein Trottel) oder pfuuse (schlafen) beweisen. Patrycja Sacharuk erklärt die Rolle des Dialekts, den viele Teilnehmende noch nicht verstehen können: «Die Deutschen unterschätzen oft, dass doch ein grosser Unterschied zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch besteht. Wir verbinden mit Hochdeutschen immer Seriosität, während der Dialekt sehr emotional ist. Hochdeutsch ist eine Fremdsprache, die wir nicht sehr gerne sprechen. Lerne also Schweizerdeutsch verstehen, das hilft uns Schweizern sehr. Wenn du es lernen willst, ist das toll. Gib nicht so schnell auf!» Allerdings sind die Meinungen zu diesem Thema zwiespältig: Viele Einheimische finden es toll, wenn ein Zugezogene:r Schweizerdeutsch lernen würde, andere finden es befremdlich. Am besten soll jede Person so sprechen, wie sie kann. Schliesslich sprechen ja auch nicht alle Schweizerinnen und Schweizer wie beispielsweise Romands oder Tessiner Dialekt, so die Meinung von anwesenden Schweizer:innen. Beim Grüssen lohnt es sich, regionale Gepflogenheiten zu beobachten. «Grüezi», «Guten Tag», «Hallo», «Adieu» oder «Tschüss» können je nach Kanton, Arbeitsumfeld und Nähe unterschiedlich wirken. Als sichere, freundliche Standardvariante in vielen Situationen gelten «Grüezi» und «Adieu» – und wenn du lieber Hochdeutsch sprichst, ist «Guten Tag» meist ebenso passend. Entscheidend ist weniger das einzelne Wort als Ton, Blickkontakt und ein kurzer, respektvoller Abschluss (z.B. «Danke, einen schönen Tag»). Missverständnisse vermeiden: freundlich nachfragen und paraphrasieren Viele Missverständnisse entstehen nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Unsicherheit: Wer Dialekt nicht gut versteht, nickt manchmal aus Höflichkeit – und merkt später, dass es um etwas anderes ging. Du kannst das elegant verhindern, ohne dich zu rechtfertigen. Praktische Sätze für den Alltag «Habe ich dich richtig verstanden: …?» «Meinst du heute oder nächste Woche?» «Kannst du mir das kurz aufschreiben?» «Welche Regel gilt hier genau?» Kommunikationspsychologisch hilfreich ist Paraphrasieren (mit eigenen Worten wiederholen). Das wirkt respektvoll und reduziert Fehler – besonders bei Abmachungen (Treffzeiten, Fristen, Elterntermine). Indirekte Kommunikation und Streitkultur An der Veranstaltung der GGG Ausländerberatung lernten die Teilnehmer nicht nur einiges über ihr neues Heimatland, sondern tauschen sich auch rege aus. Besonders ecken die deutschen Einwanderer bei der indirekten Kommunikation an. Ein Deutscher erzählt von einer Situation mit seinen Nachbarn: Er wollte seine Badetasche vom Rheinschwimmen im Treppenhaus trocknen. Gleich am nächsten Tag prangte ein Beschwerdezettel an seiner Tür. Er solle doch seine schmutzige Wäsche nicht im Hausflur trocknen. Der Deutsche wunderte sich darüber, warum niemand bei ihm geklingelt oder direkt das Gespräch gesucht hatte. Er spielte mit und schrieb zurück, er hätte nur eine Badetasche trocknen wollen, nicht die Wäsche. Am nächsten Morgen hing die Hausordnung an seiner Tür, mit markiertem Absatz zur entsprechender Regel. «Für mich war diese Situation symbolisch. Man ist in unangenehmen Situationen nicht so direkt und versteckt sich hinter der schriftlichen Kommunikation», meint er. Patrycja Sacharuk erklärt dieses Verhalten mit der Mühe der Schweizer auf die Menschen zuzugehen und direkt zu kommunizieren. «Brich das Eis und geh auf die Schweizer und Schweizerinnen zu. Wir schätzen das und haben weniger Angst vor Konfrontation», rät sie. Wenn Schweizer Zugezogenen ihre Meinung sagen, sind diese oft nicht sicher, ob ein mildes Urteil gut oder schlecht war. Sacharuk erklärt dies auch mit der Mentalität der Einheimischen und dem Streben nach Harmonie: «Wir passen sehr darauf auf niemanden zu verletzen. Wir reden oft im Konjunktiv, den Befehlston mögen wir gar nicht. Dass wir subtil oder indirekt kommunizieren, merken wir oft nicht. Mein Tipp: Frag nach. Das ist immer erlaubt.» Duzis machen beim Apéro Privatleben und Arbeitsleben sind oft strikt getrennt. Der Apéro ist eine gute Gelegenheit, um das Du anzubieten und auch mal über Privates zu reden. Viele Teilnehmende loben während der Veranstaltung das freundliche Arbeitsklima, dennoch musst du dich als neue Person oft erst beweisen. «Wir sind im täglichen Miteinander schnörkelloser, pflegen eine höfliche Alltagssprache und unkomplizierte Umgangsformen. Auf der anderen Seite gibt es eine gewisse Igel-Mentalität. Die Gene des Bergbauern, der allem Neuen mit Skepsis oder Ablehnung begegnet, stecken heute immer noch in den Schweizerinnen und Schweizern», erklärt Sacharuk. Sprache in Kita und Schule: Was Eltern entlastet Für Familien ist Sprache nicht nur Integration, sondern Alltag: Verstehen, was im Elternbrief steht. Mit dem Kind über den Tag sprechen. Beim Elternabend folgen können. Und bei Unsicherheiten rechtzeitig nachfragen. Deutsch als Zweitsprache (DaZ): Was das für dein Kind bedeutet Viele Schulen unterstützen Kinder, die Deutsch neu lernen, mit DaZ-Unterricht. DaZ ist keine «Sonderbehandlung», sondern eine etablierte Förderung, die Sprachaufbau systematisch begleitet. Wichtig für Eltern: Sprachlernen braucht Zeit und ist bei mehrsprachigen Kindern nicht automatisch langsamer – oft profitieren Kinder sogar von einer stabilen Erstsprache. Die Forschungslage wird in der Schweiz unter anderem von der Pädagogischen Hochschule Zürich im Bereich Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache breit aufgearbeitet: Entscheidend sind regelmässiger Kontakt zur Umgebungssprache, gute Sprachvorbilder, und gleichzeitig die Wertschätzung und Pflege der Familiensprache(n). Mehrsprachig aufwachsen: Erstsprache stärken, Deutsch lernen Ein häufiger Irrtum: «Zuhause nur noch Deutsch, dann geht es schneller.» Für viele Kinder und Eltern führt das zu Stress – und kann die Qualität von Gesprächen zuhause verschlechtern. Wenn du dich in deiner stärksten Sprache ausdrückst, kannst du deinem Kind emotional reichhaltiger antworten, Geschichten erzählen, Regeln erklären und Nähe herstellen. Das ist für die Entwicklung zentral. Gleichzeitig lernt dein Kind Deutsch (und später Schriftdeutsch) über Kita, Schule, Freundschaften und den Alltag. DaZ/Sprachförderung: wie Eltern unterstützen können Alltagsstrategien, die wirklich wirken Routinen sprachlich begleiten: Beim Kochen, Anziehen, Einkaufen einfache Sätze, klare Wörter, Wiederholungen. Gemeinsam lesen: Lieber kurz und regelmässig als selten und lange. Nachfragen («Was ist passiert?»), Bilder beschreiben, Wörter erklären. Spiel statt Drill: Reime, Lieder, Rollenspiele, Brettspiele – Sprache lernt sich nebenbei. Wertschätzend korrigieren: Nicht «Das ist falsch», sondern korrekt wiederholen («Ah, du meinst: Ich bin gegangen.»). Red Flags bei Kursangeboten Sei skeptisch, wenn Angebote «Dialekt in wenigen Wochen» versprechen oder mit Scham arbeiten («Ohne Dialekt wirst du nie dazugehören»). Seriöse Sprachförderung setzt realistische Ziele, stärkt Selbstwirksamkeit und arbeitet mit Alltagssituationen statt Perfektionismus. Elterngespräche, Elternabende, Klassenchat: praktische Formulierungen Gerade in der Schule kann Sprache schnell zum Stressfaktor werden. Du darfst Vereinfachung einfordern – freundlich, klar, ohne dich zu entschuldigen. Wenn du im Gespräch nicht alles verstehst «Ich möchte sicher sein, dass ich alles richtig verstanden habe. Kannst du die wichtigsten Punkte am Schluss kurz zusammenfassen?» «Gibt es das auch schriftlich? Dann kann ich es in Ruhe nachlesen.» «Ich verstehe Hochdeutsch gut, bei Dialekt fehlt mir noch Übung. Wäre Hochdeutsch möglich?» Für Klassenchats «Danke für die Info. Was ist die Abgabefrist?» «Nur zur Sicherheit: Treffpunkt ist bei … um …?» «Könnte jemand ein Foto vom Zettel schicken? Bei uns ist er nicht angekommen.» Schweizerdeutsch-Hörverstehen trainieren Viele Zugezogene erleben Dialekt wie «ein Rauschen». Das ist normal: Dein Gehirn muss Laute, Rhythmus und Wortschatz neu sortieren. Hilfreich ist ein Training mit niedriger Hürde – täglich ein wenig. Alltagstaugliche Methoden Untertitel nutzen: Wenn möglich Dialekt hören und Hochdeutsch mitlesen (oder umgekehrt). Immer gleiche Situation, gleiche Wörter: Bäckerei, Kita-Garderobe, Tram – Wiederholung hilft enorm. Schlüsselwörter sammeln: z.B. «grad», «gäll», «scho», «äbe», «nöd» – sie tauchen ständig auf. Nachfragen ohne Scham: Ein kurzes «Wie bitte?» ist absolut normal. Medien & Alltag: SRF, Kinderhörspiele, Untertitel, Vereine Für Familien bewährt sich eine Mischung aus Medien und realen Kontakten: SRF-Formate (je nach Sendung Dialekt/Hochdeutsch) zum Einhören. Kinderhörspiele und Geschichten – weil sie langsam, wiederholend und alltagsnah sind. Bibliotheken als niederschwelliger Ort: Bilderbücher, Vorlesestunden, Kontakte. Vereine (Sport, Musik, Elterninitiativen): Dort entsteht Zugehörigkeit oft schneller als über «Smalltalk». Kulturelle Integration: Freundschaften schliessen Sie ticken also eigen aber herzlich, die Einheimischen. Wie schliesst du als Zugezogene:r Freundschaften? Patrycja Sacharuk rät: «Geh in einen Verein. Dort triffst du auf Schweizerinnen und Schweizer. Erwarte nicht, dass sie auf dich zukommen. Das machen sie meistens nicht, ausser sie waren mal im Ausland und wissen, wie es ist irgendwo neu zu sein.» Ebenso schwierig wie Kontakte zu finden, sind spontane Treffen: Lieber plant man Termine ein paar Wochen im Voraus, ist dann aber pünktlich und gut vorbereitet. Patrycja Sachajuk erinnert an die Fruchtmetapher von Margaret Oertig- Davidson: Schweizer sind Kokosnüsse, Amerikaner sind Pfirsiche. Hat man die Eidgenossinnen und Eidgenossen einmal geknackt, gibt es viel Fruchtfleisch. Bei den Amerikanern sei es leichter Kontakte zu finden, aber der Kern ist sehr klein. Einen bestehenden Freundeskreis pflegen Herr und Frau Schweizer auch. Da wird es für Zugezogene schwieriger hineinzukommen. Ein Teilnehmer kommentiert: «Während du in einem anderen Land einen Freund in zwei Tagen finden kannst, braucht man hier ein bis zwei Jahre. Man muss ständig dran bleiben und nicht aufgeben.» Wenn Sprache zu Stress oder Diskriminierung führt: was du tun kannst Sprachunsicherheit kann Scham auslösen – bei Eltern und Kindern. Und manchmal kommt es zu abwertenden Kommentaren. Wichtig ist: Du musst das nicht allein tragen. Was Kindern hilft Gefühle benennen: «Das war unangenehm. Du bist nicht schuld.» Stärken erinnern: Mehrsprachigkeit ist Kompetenz, keine Schwäche. Mit der Schule sprechen: Frühzeitig klären, wie dein Kind unterstützt wird und wie respektvolle Kommunikation in der Klasse gesichert ist. Was dir als Elternteil hilft Grenzen setzen: «Ich möchte respektvoll angesprochen werden.» Verbündete suchen: Lehrperson, Schulleitung, Elternrat, Integrationsstelle. Dokumentieren: Bei wiederholten Vorfällen Datum/Ort notieren, um das Gespräch zu erleichtern. Hilfe in der Schweiz: Integrationsstellen, Kurse, Tandems, Beratung Du musst nicht alles allein herausfinden. In der Schweiz gibt es je nach Kanton und Gemeinde sehr unterschiedliche Angebote – oft auch kostenlos oder vergünstigt: Kantonale und kommunale Integrationsfachstellen (Information, Kurse, Vernetzung) Sprachkurse (Deutsch, Konversation, Eltern-Kind-Angebote) Tandem-Programme (Sprachaustausch mit Einheimischen) Bibliotheken und Familienzentren (Vorlesen, Treffpunkte, niederschwellige Beratung) GGG Ausländerberatung in Basel Die Ausländerberatung der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige ist die älteste und grösste Anlaufstelle für Migrantinnen und Migranten im Kanton Basel-Stadt. Seit 1962 baut sie Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Sprachen. Sie gliedert sich in eine Beratungsstelle, eine Informationsstelle Integration und einen Übersetzungsdienst. Beratungen können von Firmen, Fach- als auch Privatpersonen in 15 verschiedenen Sprachen bezogen werden. Daneben gibt es Willkommensveranstaltungen, Stadtrundgänge, Deutsch- und Integrationskurs und Hilfe bei Behördengängen. mehr Text und Bilder: Michèle Graf. Jens-Rainer Wiese lebt mit seiner Familie seit über zehn Jahren in der Schweiz. Auf seinem Blog blogwiese.ch nimmt er die kleinen und grossen Unterschiede zwischen Schweizern und Deutschen humorvoll unter die Lupe. Besonders die sprachlichen Eigenheiten und Kuriositäten reizen ihn: Über die Jahre ist er zu einem Deutsch-Schweizerdeutsch-Experten geworden. Im Interview verrät er, warum gerade eine sprachliche Integration für Zugezogene entscheidend ist. Fondue essen reicht nicht: Blogger Jens Wiese rät Zuwanderern kulturell aufmerksam zu sein und sich ins Schweizerdeutsche einzuhören. Bild: iStockphoto, Thinkstock. Herr Wiese, Sie leben mit Ihrer Familie seit über zehn Jahren in der Schweiz: Welches war das grösste Problem am Anfang? Jens-Rainer Wiese: Die Sprache. Sie haben keine Ahnung was es bedeutet, wenn wirklich alle Dialekt im Alltag sprechen. Wir haben uns da schnell reingehört, da wir schon vorher in Süddeutschland lebten. Für einen Norddeutschen ist das oft schwieriger. In Ihren Blog schreiben Sie: «Wer sich nicht anpasst, kommt in der Schweiz nicht zum Ziel». Wie sieht Anpassung für Sie konkret aus? Das beste Beispiel ist die Übernahme der anderen Kommunikationskultur bei Begegnungen, am Telefon, bei Kontakt mit Behörden und vielem mehr. Wenn Sie da auf direkt deutsch und stur schalten, kommen Sie mit Sicherheit nicht zum Ziel. Was haben Sie und Ihre Familie gemacht, um in der Schweiz Anschluss zu finden? Unser Kind ging in die Primarschule, was ungemein integriert. Wir engagierten uns ausserdem in der Kirche, in einem Chor und waren einfach nett und offen zu den Schweizer Nachbarn. Einen Hund zu haben und viel mit ihm ausgehen hilft auch, viele andere «Hündeler» kennenzulernen. Was behindert in Ihren Augen die kulturelle Integration in der Schweiz? Die Unfähigkeit sein Hörverständnis für Schweizerdeutsch zu verbessern. Das passiert aber nur selten bei Deutschen, die kein gutes Sprachgefühl haben oder sich nicht zutrauen sich einzuhören. Es geht hier nicht um das aktive Erlernen von Schweizerdeutsch, sondern um das reine Verstehen. Über welche Kleinigkeiten stolpern Sie im Umgang mit Schweizern immer wieder? Ich beginne immer noch gern spontan direkte Kommunikation ohne Einleitung und renne dabei gegen eine Mauer. Auch Ironie kommt bei manchen Schweizern nicht immer gut an. Würden Sie sich heute als integriert bezeichnen? Ich bleibe wohl immer Deutscher, «verschweizere» aber langsam. Zu 40 Prozent bin ich es vielleicht. Wer fand schneller in die neue Kultur: Sie oder Ihre Kinder? Ich denke, wir gewöhnten uns gleich schnell oder langsam an die andere Kultur. Wir hatten ja quasi keine andere Wahl. Was sollte man als Neuzugezogener auf keinen Fall machen? Laut sein, alles kritisieren und mit Deutschland vergleichen. Und glauben, nur weil es in Deutschland «ein Pils» gibt in der Kneipe, gibt es das auch in der Schweiz. Man sollte kulturell auf «aufmerksam» schalten, beobachten und lernen. Was sollte man sich abgewöhnen, wenn man in die Schweiz kommt? Nach Schwarzbrot oder Graubrot in der Migros zu suchen und Tschüss am Ende eines Telefongesprächs mit Geschäftspartner zu sagen. Und man sollte nicht laut «Guten Tag» entgegnen, wenn der Schweizer «Grüezi» sagt. Auf die Frage am Telefon «Sind sie noch da?» sollten Zuzügler nicht antworten: «Nein, ich bin explodiert» oder «Nein, sie sprechen nur noch mit meinem Beantworter.» Welches ist das grösste Schweizer Fettnäpfchen? Meiner Meinung nach ist es nicht zu wissen, wie die derzeitige, letzte und vorletzte Miss Schweiz heisst. Ein Fettnäpfchen, in das Schweizer häufig selbst treten ist, das merkwürdige Verhalten, auf «rüder» und «ungehobelter» schalten, wenn sie mit Deutschen kommunizieren. Sie denken, das würden die Deutschen so wollen oder besser verstehen. Interview: Michèle Graf.