Vokabeln lernen leicht gemacht

Hausaufgaben sind für viele Kinder ein lästige Pflicht am Nachmittag, ganz besonders, wenn «Vokabeln lernen» auf dem Plan steht. Vier goldene Regeln helfen beim Pauken.

Vokabeln lernen

Mit einfachen Tipps geht das Vokabeln lernen leichter. Foto: Urs Wolf

«Ok, was heisst denn «anxious»?» fragt die Mutter. Fabian zuckt die Schultern. «Calm?» - «Mmh», murmelt Fabian. «Und «caterpillar»?» - «Weiss nicht», gibt Fabian zu. «Hast du die Vokabeln denn noch gar nicht gelernt?» fragt die Mutter ärgerlich. Fabian wird wütend. Natürlich hat er gelernt, na, immerhin hat er die Wörter eine halbe Stunde lang angestarrt. Aber dabei sind sie offensichtlich nicht wie erhofft in seinen Kopf gerutscht. Wie soll er sich denn auch merken können, dass «caterpillar» «Raupe» heisst? Fabian ist frustriert. Am liebsten würde er das Vokabelheft aus dem Fenster werfen und keine Vokabeln lernen.

«Der sogenannte Grundwortschatz von etwa 2.000 Wörtern ist sehr wichtig, denn er macht etwa 80 Prozent der Alltagssprache aus. Diese häufigen Wörter müssen gut sitzen, sie sind wie ein Gerüst», erklärt die Lernspezialistin Dr. Heidi Wolf aus Greifensee, die mit ihrem Mann Urs Wolf unter dem Namen «Erfolg in der Schule» seit vielen Jahren Lernstrategien entwickelt. Zum Glück gibt es Tricks, die Sprachen lernen leichter machen.

Vier goldene Regeln helfen beim Vokabeln lernen

Dr. Heidi Wolf hat vier goldenen Regeln entwickelt, wie Eltern ihrem Kind zu Hause helfen können, sich Vokabeln zu merken. «Schon eine einzige Regel hilft, besser in der Sprache zu werden», so Dr. Heidi Wolf. «Die Kinder verstehen die Regeln sehr gut.»

  1. Mindestens eine Woche vor der Prüfung beginnen, Vokabeln zu lernen.
  2. Gelernte Wörter wiederholen und erst dann neue Wörter lernen.
  3. Eselsbrücken ausdenken für besonders schwierige Wörter.
  4. Exakt schreiben lernen.

Sprachen lernen: Vokabeln immer wieder wiederholen

Wichtig ist, mindestens eine Woche vor der Klassenarbeit oder der Prüfung zu beginnen, die geforderten Vokabeln zu lernen. Denn nur dann ist genug Zeit, die Vokabeln so oft zu wiederholen, dass sie vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis gelangen. «Sinnvoll ist es beim Vokabeln lernen, sich pro Tag nur fünf bis zehn Wörter vorzunehmen», rät Heidi Wolf. Zunächst soll das Kind die Wörter in ein Heft sauber abschreiben, links die Fremdwörter, rechts die deutschen Übersetzungen. «Bei einem schwierigen Wort kann das Kind ein bisschen verweilen, es farbig übermalen oder eine kleine Zeichnung dazu machen. Aber nur auf der linken Seite, die deutschen Wörter rechts sollten neutral bleiben.»

Nun lassen sich die Wörter stufenweise lernen. «Zuerst liest das Kind die Wörter laut vor - so geht auch der Klang der Wörter ins Gedächtnis», erklärt Heidi Wolf. Dann deckt das Kind die rechte Seite ab, und schaut, ob es die deutsche Übersetzung noch kennt. Zum Schluss deckt es die Fremdwörter ab, die es dann auf ein Notizblatt schreibt. Nicht immer sind bereits alle Wörter im Gedächtnis. «Schwierige Wörter, die das Kind nach ein paar Wiederholungen immer noch nicht kann, markiert es mit einem Kreuz», rät die Expertin für Sprachen lernen.

Länger als 15 Minuten muss das Vokabeln lernen nicht dauern. «Ideal wäre es allerdings, wenn das Kind diese Wörter nach einer 15minütigen Pause nochmals ein bis zwei Minuten lang repetiert», sagt Heidi Wolf hin. Diese Wiederholung sei sehr effektiv und verschaffe dem Kind zusätzlich ein Erfolgserlebnis. Spätestens am nächsten Tag gilt es, alle Wörter noch einmal zu wiederholen. Erst dann geht es mit dem Lernen von neuen Vokabeln weiter.

Eselsbrücken helfen beim Vokabeln lernen

«Bright» ist englisch- und heisst «hell». Gar nicht so einfach zu merken. Deshalb ist es wichtig, eine Brücke zwischen den beiden Wörtern zu bauen. Am besten ist es, das Kind findet selbst eine solche Eselsbrücke, gleichgültig, ob sie Erwachsenen unlogisch oder logisch, albern oder sachlich vorkommen. Hauptsache ist, die Eselsbrücke hilft dem Kind, sich ein fremdes Wort und seine Bedeutung einzuprägen. Heidi Wolf nennt ein Beispiel: «Der Junge in meiner Nachhilfestunde dachte spontan an die Lampen in Schulzimmer: Sie sind breit und scheinen hell.»

Exakt schreiben

Prima, die Vokabeln sitzen fest im Kopf. Doch kann das Kind sie wirklich exakt schreiben? «Viele Kinder nehmen das Schreiben nicht so genau», weiss Heidi Wolf. Eine Kontrolle ist deshalb sinnvoll. Oft gilt es, die Schreibweise einfach auswendig zu lernen. «Dazu muss das Kind das Wort ganz genau lesen», so die Lernexpertin. Bei besonders schwierigen Wörtern helfe es, wenn das Kind das Wort so ausspricht, wie es geschrieben wird.

Video: Vokabeln lernen Tipps

Weitere Tipps zum Vokabeln lernen hat der Psychologe und Lerncoach Fabian Grolimund aus Fribourg in einem kindgerechten Video zusammengefasst:



Video: Mit Kindern lernen, YouTube

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