Wenn die Scheidung droht

Bis dass der Tod uns scheidet. Diesen Satz hat jeder von uns schon gehört. Doch Tatsache ist, dass viele Ehen diesem Versprechen nicht gerecht werden können. Jede zweite Ehe wird wieder geschieden. Lesen Sie hier, was auf Betroffene zu kommt, die sich scheiden lassen wollen und warum sich mit Einigkeit viel Geld und Zeit sparen lässt.

Einer Scheidung gehen oft ernste Konflikte voraus.

Scheidungen kosten oft viel Nerven und Geld. Foto: Pixland, Thinkstock

Die Zahl der Scheidungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Im Jahre 1970 wurden gemäss Bundesamt für Statistik 13 Prozent der Ehen wieder geschieden. Heute sind es rund 54 Prozent.

Was sind die Ursachen dafür? Soziologieprofessor François Höpflinger hat dafür gegenüber der «Schweizer Familie» folgende Erklärung: «Während früher wirtschaftliche Sicherheit bei der Eheschliessung im Zentrum stand, wird heute primär aus Liebe geheiratet.» Wenn gegenseitige Liebe und partnerschaftliches Verständnis als die Basis einer modernen Zweierbeziehung betrachtet würden, beinhalte das Verschwinden dieser emotionalen Basis gleichzeitig auch die Möglichkeit einer Trennung, weil in einer Liebesehe die Ehe ohne Liebe sinnlos werde. Frauen sind ausserdem nicht mehr auf die finanzielle Sicherheit in einer Ehe angewiesen. Sie können ihren Unterhalt selber verdienen. Das negative Bild geschiedener Männer und Frauen ist zudem aus der Gesellschaft verschwunden.

Die Ehe – ein willkürlich kündbarer Vertrag

Im neuen Scheidungsrecht gilt die Ehe als willkürlich kündbarerer Vertrag. Die Eheleute müssen keinen Grund mehr aufführen, weshalb sie die Scheidung einreichen möchten. Sich einer Scheidung zu widersetzten ist daher fast unmöglich geworden.

Trotzdem können Scheidungen Jahre lang dauern, wenn es sich dabei um sogenannte Kampfscheidungen handelt. Dabei streiten sich die Eheleute hart um jeden Punkt und ziehen jedes mögliche Rechtsmittel hinzu. Wenn die Scheidung jedoch in gegenseitigem Einvernehmen getroffen wird, sparen beide Parteien viel Zeit und Geld. Die Scheidungspapiere können auch ohne Anwalt eingereicht werden. Es ist jedoch zu empfehlen einen zu engagieren, wenn der Noch-Partner sich von dieser Seite bereits Hilfe geholt hat. Wer nicht in der Lage ist Gerichts- und Anwaltskosten selber zu berappen, kann beim Gericht die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung beantragen.

Scheidung: Einvernehmlich oder durch Klage

Unterschieden wird zwischen zwei Varianten der Scheidung. Bei der einvernehmlichen Scheidung einigen sich die Ehepartner über die Nebenfolgen der Scheidung. Grundlage für diese Form ist die sogenannte Scheidungskonvention. Dies ist ein Vertrag, den die Ehegatten gemeinsam aufsetzen. Darin regeln sie die Nebenfolgen der Scheidung: wie

  • das Sorgerecht über die Kinder,
  • Besuchs- und Ferienrecht,
  • Kinderunterhalt,
  • Ehegattenunterhalt,
  • berufliche Vorsorge und
  • Güterrecht.

Die Scheidungskonvention wird von beiden Parteien unterzeichnet. Wenn sie sich damit einverstanden erklären, reichen sie anschliessend das gemeinsame Scheidungsbegehren beim Gericht ein. Dieses prüft die Angemessenheit der Scheidungskonvention. Erachtet es das als in Ordnung, spricht das Gericht die Scheidung aus. Ab dem Zeitpunkt der Einreichung der Scheidungskonvention bis zur endgültigen Scheidung dauert es drei bis vier Monate. In der Regel dauert die Scheidungsverhandlungen ein bis zwei Monate. Anschliessend muss eine zweimonatige Wartefrist eingehalten werden.

Wird die Scheidung mittels Klage eingereicht, können sich die Ehegatten über die Scheidungsfolgen und die Scheidungskonvention nicht einigen. Ist ein Ehepartner mit der Scheidung nicht einverstanden, kann er sich, nachdem sich die Partner getrennt haben, während zwei Jahren der Scheidung widersetzten. Nach Ablauf der zwei Jahre hat derjenige, der sich scheiden lassen will, auf jeden Fall Anspruch geschieden zu werden.

Wenn für einen der Partner die Ehe nicht mehr zumutbar ist, kann er die Scheidung durch eine Klage sofort erwirken. Dies gilt aber nur in besonders schweren Fällen.

Eine Scheidung kostet nicht nur Nerven, sondern auch Geld

Das Scheidungsrecht wird zwar vom Bund geregelt. Gebühren, Gerichtskosten und Verfahrensdauer fallen jedoch je nach Kanton anders aus. Bei einer einvernehmlichen Scheidung liegen die Kosten gemäss der Beratungsplatform für Scheidung Scheidungskonvention.ch zwischen 1000 und 3000 Franken. Verzichten die Paare auf eine schriftliche Begründung des Urteils, reduziert sich der Betrag um die Hälfte. Zur Gerichtsgebühr hinzu kommen noch Schreib- und Zustellungsgebühren von ca. 250 bis 500 Franken.

Kampfscheidungen sind oft, durch langwierige Prozesse verursacht, besonders teuer. Ohne weiteres können sich die Kosten auf 10'000 Franken oder mehr belaufen. Die Gerichtskosten bei Kampfscheidungen muss diejenige Partei bezahlen, die ganz oder teilweise mit ihren Anträgen unterliegt. Bei einvernehmlichen Scheidungen werden die Kosten meist geteilt.

Beim Zuziehen professioneller Hilfe durch einen Anwalt oder Mediator wird dieser nach Aufwand bezahlt. Günstiger kommt es wenn ein Anwalt oder ein Mediator gemeinsam beauftragt wird. So können die Kosten geteilt werden.

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