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Wie Sie einen Seitensprung verzeihen können

Niemand spricht offen über einen Seitensprung, weil es zu peinlich und verletzend ist. Wenn es aber passiert ist, stehen beide Beteiligten vor einem grossen Scherbenhaufen. Wie es danach weitergeht und wie Paare vorbeugen können, lesen Sie hier.

Nach einem Seitensprung eine Trennung zu vermeiden, geht nur, wenn man Vertrauen zurück gewinnt.

Wenn der Partner einem betrogen hat, fällt es vielen schwer, zu verzeihen. Foto: iStock, Thinkstock

Schweizer Paare können sich zurücklehnen, denn der Grossteil von ihnen ist treu. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus dem Jahr 2007, die das Sexualverhalten von 6500 Frauen und Männern untersucht hat und von der Universität Bern veröffentlicht wurde. Demnach gaben 68 Prozent der Deutschschweizer und 80 Prozent der Deutschschweizerinnen an, ihren Partner oder Partnerin in den letzten fünf Jahren nicht betrogen zu haben. Ob jeder der Befragten absolut ehrlich war, kann angezweifelt werden, denn Möglichkeiten den Partner zu betrügen gibt es viele: auf der berüchtigten Weihnachtsfeier, auf einer ausgelassenen Party oder via Flirtportal im Internet. Diese Gelegenheiten unterscheiden sich im Grundsätzlichen. Eine angeheizte Stimmung mit viel Alkohol in der Disco und ein sympathisches Gegenüber, so kann auch der treueste Mensch einmal in die Seitensprungfalle tappen. Sein Verhalten ist spontan und ungeplant, während eine Anmeldung bei einem Online-Date vorsätzlich und mit voller Absicht, den Partner zu betrügen, geschieht. Die meisten Betrogenen können den Partyausrutscher wohl eher verzeihen, wenn überhaupt.

Fremdgehen ist der grösste Vertrauensmissbrauch in einer Partnerschaft. Es ist enorm schwer dies zu verzeihen, denn der Mensch, mit dem man seit Jahren sein Leben teilt, Kinder hat und ihm Liebe schenkt, ist für diesen unsäglichen Schmerz verantwortlich. Er hat diese seelischen Schmerzen in Kauf genommen für eine simple Affäre oder einen One-Night-Stand. Wie soll und kann man dies überhaupt verzeihen?

Wie Verzeihung gelingt

Bevor über Verzeihung nachgedacht werden kann, müssen zunächst alle Karten auf den Tisch. Der oder die Betrogene hat das Recht auf die ganze Wahrheit! Wer war es? Wie lange ging es? Wann kam das schlechte Gewissen? Ging es nur um Sex oder sind Gefühle im Spiel? In der ersten Phase geht es darum, den Schaden zu begrenzen und die Verletzung so niedrig wie möglich zu halten. Tägliche Streitereien und Anfeindungen können den bestehenden Graben vertiefen und das Aufeinanderzugehen erschweren.

Eine Möglichkeit ist eine Auszeit, um die Situation sacken zu lassen und sich langsam an das Geschehene zu gewöhnen. Sind ein paar Tage vergangen, reagieren die meisten Betrogenen besonnener und nicht mehr so impulsiv. Die erste dringende Frage ist wohl das Warum? Wie kam es dazu? Der Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger erklärt in einem sueddeutsche.de-Interview, dass an einem Seitensprung nicht die Gene schuld sind, sondern immer soziale und emotionale Gründe zur Untreue führen. «Häufig liegt die Ursache in der Beziehung. Man ist so ausgehungert nach Verständnis, Lebendigkeit und Sexualität, dass man einer Versuchung erliegt.» Krüger sieht den Grund auch in der mangelnden Anerkennung und rät «es heisst, dass wir den Partner fünf Mal loben müssen, um ihn ein Mal kritisieren zu dürfen. Sonst kippt die Beziehung, der andere zieht sich zurück - und ist offen für Charme-Offensiven.»

Was aber, wenn diese Tipps zu spät kommen und es schon passiert ist? Dann ist vielleicht die Frage nach dem Warum der Schlüssel zur Lösung: Was hat dazu geführt? Sind beide glücklich in der Beziehung? Erfüllt sie das gemeinsame Leben? Was fehlt? Was wird vermisst? Was war schön? Was liebt man am Anderen? Mit welchen Charakterzügen kommt man überhaupt nicht klar? Möchte man zusammenbleiben?

Sind diese Hintergründe geklärt, beginnt die eigentliche Arbeit: die Veränderung, das Gesprochene in die Tat umzusetzen! Beiden Partnern sollte bewusst sein, dass es nicht mit einer Aktion getan ist. Eine Veränderung braucht Zeit, kostet Nerven und Disziplin. Erst am Ende der Veränderungsphase kann realistisch entschieden werden, ob die Beziehung auf Dauer Bestand hat. Eine Paartherapie kann helfen, Beziehungsprobleme herauszuarbeiten und diese Erkenntnisse positiv umzusetzen.

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