Leben > PartnerschaftDie 6 Phasen der Liebe: So verändert sich deine Beziehung – und was in jeder Phase hilft Sigrid Schulze Vanessa Gygax Sich verlieben und dann ein Leben lang die Schmetterlinge im Bauch geniessen. So der Traum. Doch eine Partnerschaft wandelt sich im Laufe der Jahre und durchläuft verschiedene Phasen der Liebe. Auch wenn einige davon eine echte Herausforderung sind: Es gibt immer auch Lösungen. Wir zeigen dir, was auf deine Beziehung zukommt und wie du aus jeder Beziehungsphase das Beste machst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken InhaltsverzeichnisPhasen der LiebeLässt die Verliebtheit nach?Schwierigste ZeitEnde einer BeziehungGründe für den WandelBeratung in der SchweizMehr anzeigen Gemeinsam die Phasen der Liebe durchlaufen: Vertrauen und eine gute Kommunikation sind in einer Partnerschaft wichtig. © Jason Leung / Unsplash Am Anfang ist alles schön, leicht und wunderbar. Doch irgendwann legst du in jeder Beziehung die rosarote Brille ab und siehst deinen Partner oder deine Partnerin so, wie er oder sie ist: als Mensch mit Makeln und Eigenschaften, die dich stören und die du vielleicht sogar gerne ändern möchtest. Das heisst aber nicht, dass du die andere Person nicht mehr liebst und deine Beziehung zu Ende ist. Im Gegenteil: Du bist einfach in der nächsten Phase der Liebe angelangt. Phasen der Liebe: Diese Phasen gibt es in einer Beziehung Woher stammt die Einteilung in sechs Phasen? Ehrlich gesagt: Ein einheitliches, wissenschaftlich abgesichertes Phasenmodell der Liebe gibt es nicht. In der Ratgeberliteratur und in der Paarberatung kursieren Einteilungen mit drei, fünf, sechs oder noch mehr Phasen – je nachdem, wer sie beschreibt. Am bekanntesten ist das Modell der US-Psychologin Susan Campbell, die in ihrem Buch «The Couple’s Journey» (1980) auf Basis von Gesprächen mit über hundert Paaren fünf Phasen beschrieb [1]. Die folgende Einteilung in sechs Phasen ist also kein Naturgesetz und kein Fahrplan, den jede Beziehung in dieser Reihenfolge abarbeitet. Sie ist ein Ordnungsmodell aus der Beratungspraxis – hilfreich, um zu verstehen, was gerade passiert, aber nicht mehr. Denn eines gilt für jede Beziehung: In jeder Phase lernst du dich selbst und die andere Person besser kennen. Von leichter Verliebtheit über das Erkennen von Makeln bis zu tiefer Akzeptanz. Wenn du die Phasen kennst, kannst du mit ihren Herausforderungen leichter umgehen und sie positiv lenken. Verliebtheitsphase: Die Welt durch die rosa Brille In der ersten Phase hast du Schmetterlinge im Bauch. Diese Phase der Liebe ist sehr intensiv und schafft eine gemeinsame Basis. Alles fühlt sich leicht an und du willst am liebsten nur noch Zeit mit deinem Partner oder deiner Partnerin verbringen. Auch der Hormonhaushalt spielt verrückt: Dopamin und Noradrenalin sorgen für den Rausch, die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen für das sexuelle Verlangen. Beim Serotonin ist es allerdings genau umgekehrt, als oft behauptet wird: Eine viel zitierte italienische Studie fand bei frisch Verliebten eine deutlich niedrigere Dichte des Serotonin-Transporters auf den Blutplättchen – auf einem ähnlichen Niveau wie bei Menschen mit einer Zwangsstörung [2]. Das erklärt, warum sich Verliebtsein so wenig steuerbar anfühlt und warum die Gedanken ständig um die eine Person kreisen. Wenn die Schmetterlinge nach und nach weniger werden, bedeutet das nicht, dass etwas kaputtgeht: Du bist bereit für die nächste Phase. Ernüchterungsphase: Das wahre Ich zeigt sich Die Verliebtheit lässt nach und du bist froh, wieder auszuschlafen und dich um dein eigenes Leben zu kümmern. In dieser Phase stellst du fest, dass dein Partner oder deine Partnerin nicht nur Stärken hat, sondern auch Eigenschaften, die du noch nicht kanntest und vielleicht gar nicht so magst. Kleinigkeiten fangen an, dich zu nerven, und ihr kritisiert euch gegenseitig. Gabriela Kirschbaum, Sexual- und Paartherapeutin aus Brugg, erklärt: «Nach der Verliebtheitsphase produziert das Gehirn ruhigere Botenstoffe wie Oxytocin und Vasopressin. Und das ist gut so, denn der Ausnahmezustand der Verliebtheit, so wunderschön er auch ist, lässt sich nicht ewig aufrechterhalten, er würde uns auf Dauer doch erschöpfen.» Tipp: Diese Phase fühlt sich oft wie ein Verlust an, ist aber vor allem eine Verschiebung: von Rausch zu Verbindlichkeit. Wer das weiss, gerät weniger in Panik – und merkt, dass Schmetterlinge im Bauch keine Voraussetzung für eine gute Beziehung sind. Kampf: Vorwürfe und Erwartungen prägen die Partnerschaft In dieser Phase der Liebe dreht sich vieles um die Unterschiede, die du als störend empfindest. Vielleicht kommst du jetzt in die Versuchung, gewisse Eigenarten deines Partners oder deiner Partnerin ändern zu wollen. Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer schreibt in seinem Buch «Coaching in der Liebe»: «Viele Paare gehen unbewusst davon aus, dass die eigenen Wertvorstellungen universell sind. Wenn der Partner diese Vorstellungen nicht erfüllt, scheint er ein Versprechen nicht einzulösen, das er in seinem Erleben aber gar nicht gegeben hat.» Du hast jetzt das Bedürfnis, dass die andere Person sich ändert, damit du nicht mehr enttäuscht bist. Doch diese Änderungsversuche werden gegenseitig vehement abgelehnt und Machtkämpfe branden auf. Vorwürfe wie «Immer bist du am Meckern!» prägen jetzt die Partnerschaft und stellen sie auf eine Probe – können aber auch die Beziehung mit neuem Leben füllen. Tipp: In dieser Phase ist es wichtig, dass du deine Bedürfnisse kennenlernst und lernst, diese auszudrücken. Reflektiere auch, wo du dich angepasst und wo du dich selbst verloren hast. Anstatt deinen Partner oder deine Partnerin zu ändern, gilt es zunächst Verantwortung für das eigene Leben und das eigene Glück zu übernehmen. Hilfreich ist auch, konstruktiv streiten zu lernen. In dieser Phase kann dich auch eine Paartherapie aus der Krise führen. Resignation: Es ist, wie es ist In der vierten Phase macht sich Resignation breit. Du hast gemerkt, dass dein Partner oder deine Partnerin sich nicht ändern lässt. Du beginnst dich zu fragen, ob das Leben ohne die andere Person nicht einfacher wäre. Viele Paare leben sich in dieser Phase auseinander. Auch die Verlockung, fremdzugehen, die Beziehung zu öffnen oder nach Neuem ausschauzuhalten, ist gross. Während manche Paare nicht aus dem Streit herausfinden, geben andere das Streiten auf. Wichtig zu wissen: Diese Phase ist kein Urteil über deine Beziehung. Sie ist ein Punkt, an dem sich vieles entscheidet – und an dem viele Paare zum ersten Mal Hilfe von aussen holen. Das ist kein Eingeständnis des Scheiterns, sondern der pragmatischste Schritt, den es an dieser Stelle gibt. Tipp: Wenn du das Gefühl hast, dass du nicht mehr an deinen Partner oder deine Partnerin herankommst, solltest du in dieser Beziehungsphase deine Gefühle offen zeigen. Denn Gefühle schaffen Nähe und Verständnis – auch Kuscheln tut einer Partnerschaft gut. Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer erklärt: «Mein Partner hat nicht den Anspruch, dass ich mich ihm zuliebe verändere, aber er hat das Recht, in diesem Wunsch verstanden zu werden. Das heisst, beide Partner müssen Ängste, Wünsche und Bedürfnisse äussern.» Im Interview erklärt er ausführlicher, wie sich eine Beziehung retten lässt. Die Phase der überraschenden Einsichten: Stell eine Balance her Du erkennst, dass alle Versuche, die andere Person umzukrempeln, nichts nützen. Das Nachdenken setzt ein und du beginnst zu verstehen: Eine Partnerin oder ein Partner kann auch dann eine Bereicherung sein, wenn sie oder er nicht allen Erwartungen gerecht wird. In dieser Phase findest du die Balance zwischen Ich, Du und Wir. Mit dieser Erkenntnis kommt ihr euch als Paar wieder näher und die Liebe findet wieder ihren Platz. Tipp: Überlege – wenn möglich gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Partnerin – wo eure Gemeinsamkeiten liegen, die ihr aufbauen und pflegen könnt. Sucht einen sinnvollen Umgang mit den Eigenschaften der anderen Person, die ihr nicht so mögt. Und stellt euch die Frage, welche Wege ihr gemeinsam und welche allein gehen wollt – Kompromisse sind nicht immer eine Lösung. Das kann beispielsweise ein eigenes Hobby sein oder eine gemeinsame Investition für die Zukunft. Liebe und Genuss: Wenn die Liebe Sicherheit bietet Nachdem du die fünf vorherigen Phasen der Liebe durchlebt hast, fühlst du Dankbarkeit, in dieser Beziehung zu Hause sein zu dürfen. Du fühlst dich sicher und akzeptiert. Du weisst: Zu einer Partnerschaft gehören Gemeinsamkeiten und Unterschiede – diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Konflikte löst ihr konstruktiver als bisher und akzeptiert die andere Person in allen Eigenheiten. Ist es normal, dass die Verliebtheit nachlässt? Ja. Das Nachlassen der Verliebtheit ist der Normalfall, nicht die Ausnahme – und es ist kein Zeichen dafür, dass du die falsche Person gewählt hast. Der Ausnahmezustand der ersten Monate ist körperlich und psychisch ein Ausnahmezustand: Er lässt sich schlicht nicht dauerhaft aufrechterhalten. Wenn du dich also fragst, ob mit deiner Beziehung etwas nicht stimmt, weil sich alles ruhiger anfühlt als am Anfang: Wahrscheinlich stimmt genau das Gegenteil. Aus dem Rausch wird Bindung. Problematisch wird es nicht, wenn die Verliebtheit nachlässt, sondern wenn an ihre Stelle nichts tritt – keine Gespräche, keine Nähe, keine gemeinsamen Pläne. So lange dauern die einzelnen Beziehungsphasen Jede Phase bringt in der Liebe neue Herausforderungen mit sich. © Redaktion Ehrliche Antwort vorweg: Einen verbindlichen Zeitplan gibt es nicht. Die Dauer der einzelnen Phasen der Liebe hängt von der Persönlichkeit, den Lebensumständen und der Geschichte des Paares ab – und die Phasen laufen nicht sauber nacheinander ab, sondern überlappen sich, kehren zurück oder werden übersprungen. Wer dir eine Phase auf den Monat genau vorhersagt, erfindet sie. Diese drei Anhaltspunkte sind aber belastbar: Verliebtheit: Monate, nicht Jahrzehnte. Die Studie, die die veränderte Serotonin-Aktivität bei frisch Verliebten gemessen hat, untersuchte Menschen, die sich innerhalb der letzten sechs Monate verliebt hatten [2]. Der Ausnahmezustand ist also von seiner Natur her befristet. Die schwierigste Zeit liegt meist in den ersten zwei Jahren. Dann trifft das Bild, das du dir gemacht hast, auf den Menschen, der tatsächlich neben dir sitzt. Das Trennungsrisiko ist am Anfang am grössten und sinkt danach kontinuierlich. Bei unverheirateten Paaren geht die jährliche Trennungsrate über zwanzig Jahre von knapp 60 auf rund 10 Prozent zurück [3]. Am besten lässt du zu, dass sich deine Beziehung auf natürliche Weise entwickelt, und versuchst nicht, die Phasen zu erzwingen oder zu beschleunigen. Wann ist die schwierigste Zeit in einer Beziehung? Nach der Verliebtheit und der Leichtigkeit folgt oft ein Realitätscheck. Deshalb gilt die zweite Phase einer Beziehung als die schwierigste. In dieser Phase lernst du den Charakter deines Partners oder deiner Partnerin besser kennen und merkst, dass er teilweise nicht mit deiner Wunschvorstellung durch die rosarote Brille übereinstimmt. Meistens fällt diese Phase in die ersten zwei Jahre. Diese schwierige Phase übersteht ihr gut, wenn ihr offen miteinander kommuniziert und euch gegenseitig respektiert und wertschätzt. In dieser Liebesphase hören die meisten Beziehungen auf Das Trennungsrisiko ist ganz am Anfang am höchsten und sinkt danach mit jedem gemeinsamen Jahr. Belegt hat das der US-Soziologe Michael Rosenfeld von der Stanford University mit der Langzeitstudie «How Couples Meet and Stay Together», für die rund 3000 Paare über mehrere Jahre begleitet wurden: Von den unverheirateten Paaren, die zu Studienbeginn erst weniger als zwei Monate zusammen waren, hatten sich ein Jahr später 60 Prozent getrennt. Bei unverheirateten Paaren sinkt die jährliche Trennungsrate im Verlauf von zwanzig Beziehungsjahren von knapp 60 auf rund 10 Prozent [3]. Wichtig ist die Einordnung: Die Studie misst, wann Paare sich trennen – sie sagt nichts darüber aus, dass auf die Verliebtheit zwingend Desillusionierung und Resignation folgen müssten. Wer die erste Zeit übersteht, hat statistisch gesehen deutlich bessere Karten. Und für die Schweiz? Das Bundesamt für Statistik rechnet vor: Bleibt das heutige Scheidungsverhalten gleich, enden zwei von fünf der heute bestehenden Ehen in einer Scheidung [4]. Das heisst umgekehrt: Drei von fünf halten. Eine Trennung ist also weder unausweichlich noch aussergewöhnlich – sie ist eine von mehreren möglichen Entwicklungen. Wie eine Trennung abläuft und wie du sie verarbeitest, liest du im Beitrag über die vier Phasen der Trennung. Liebe im Wandel: Darum verändert sich eine Beziehung Es ist völlig normal, dass sich deine Beziehung mit der Zeit verändert. Der Grund dafür ist simpel: Wir verändern uns und damit auch unsere Bedürfnisse und Erwartungen. In einer Partnerschaft will man gemeinsam wachsen und sich entwickeln. Das ist richtig und wichtig. Mach dir bewusst, dass eine Beziehung kein statisches Gebilde ist, sondern einem ständigen Wandel unterliegt. Eine gesunde Beziehung braucht Zeit und Pflege. Es ist wichtig, miteinander zu kommunizieren und die Bedürfnisse der anderen Person zu respektieren. Wenn beide bereit sind, miteinander zu wachsen und offen zu kommunizieren, kann eine Beziehung langfristig glücklich und erfüllend sein. Manchmal wachsen Paare aber auch in unterschiedliche Richtungen und die Bedürfnisse passen nicht mehr zusammen. Auch äussere Einflüsse können zu Veränderungen führen. Jobwechsel, Umzüge oder die Geburt eines Kindes können eine Partnerschaft stark beeinflussen. Wenn du nicht mehr weiterweisst: Beratung in der Schweiz Es gibt keinen Punkt, ab dem eine Beratung «verdient» ist. Wenn ihr seit Wochen dieselben Streits führt, wenn Gespräche nur noch eskalieren oder abbrechen, oder wenn du dich in deiner eigenen Beziehung einsam fühlst, ist das Grund genug. Paarberatung und Paartherapie: In vielen Kantonen gibt es Beratungsstellen, die nach Einkommen abrechnen und konfessionsneutral arbeiten, etwa die von Kanton und Kirchen getragene Fachstelle Paarberatung & Mediation im Kanton Zürich. Auch Hausärztinnen und Hausärzte kennen in der Regel regionale Anlaufstellen. Wenn es akut ist: Die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr unter der Nummer 143 erreichbar, kostenlos und anonym – auch dann, wenn du einfach nur reden möchtest. Beratung ist übrigens kein Trennungsvorbereitungskurs. Ein grosser Teil der Paare, die sich Unterstützung holen, bleibt zusammen – nur eben mit anderen Spielregeln. Quellen Susan Campbell: The Couple’s Journey: Intimacy as a Path to Wholeness. Erstausgabe 1980; Modell der fünf Beziehungsphasen auf Basis von Gesprächen mit über 100 Paaren. Abgerufen am 06.08.2026. Marazziti D., Akiskal H.S., Rossi A., Cassano G.B.: Alteration of the platelet serotonin transporter in romantic love. Psychological Medicine 29(3), 1999, S. 741–745. Abgerufen am 06.08.2026. Michael J. Rosenfeld: Couple Longevity in the Era of Same-Sex Marriage in the U.S. Journal of Marriage and Family 76, 2014, S. 905–918; Daten der Studie «How Couples Meet and Stay Together» (N = 3009), Stanford University (PDF). Abgerufen am 06.08.2026. Bundesamt für Statistik (BFS): Scheidungshäufigkeit. Abgerufen am 06.08.2026.