Die sechs Phasen einer Beziehung: Langer Weg von der Verliebtheit zur Liebe

Sich verlieben und sich dann ein Leben lang gegenseitig lieben und schätzen – so sieht der Traum von einer Beziehung aus. Doch eine Partnerschaft ohne Enttäuschungen gibt es nicht. Die sechs Phasen einer Beziehung bringen typische Probleme mit sich.

Sechs Phasen einer Beziehung: Gemeinsam durch Höhen und Tiefen gehen

Jedes Paar durchläuft verschiedene Phasen einer Beziehung. Doch auch Tiefs haben das Potenzial, die Liebe wachsen zu lassen. Foto: Ridofranz, iStock, Thinkstock

Schon wieder ist ein Streit entbrannt! Warum kann der Partner denn nicht einsehen, dass seine Meinung einfach unsinnig ist? Gefühle wie Wut und Ohnmacht steigen auf. Schnell wird die ganze Partnerschaft in Frage gestellt. Andere Paare im Freundeskreis scheinen sich viel besser zu verstehen, oder?

Phasen einer Beziehung mit typischen Hindernissen

Auch in anderen Beziehungen herrscht längst nicht so oft und viel Harmonie, wie es den Anschein hat. Denn jede Partnerschaft besteht aus verschiedenen Stadien, die sie durchläuft. Die amerikanische Ehe- und Paartherapeutin beschreibt in ihrem Buch «Building a Reality-Based Relationship: The Six Stages of Modern Marriage» sechs Phasen einer Beziehung, die in allen Partnerschaften für typische Höhen und Tiefen sorgen. Wer diese Phasen kennt, kann mit ihren Herausforderungen leichter umgehen und sie positiv lenken.

Phasen einer Beziehung nicht statisch

Die sechs Stadien, die von Verliebtheit über Ernüchterung, Kampf und Resignation bis hin zur Reflexion und Liebe reichen, sind typisch für Partnerschaften. Dennoch ist das Modell der Beziehungsphasen nicht statisch zu sehen. Zum einen erleben Partner die Phasen in unterschiedlicher Länge zum anderen befinden sie sich nicht unbedingt zeitgleich in denselben Phasen. So kann sich der eine Partner durchaus noch in der Verliebtheitsphase befinden, während der andere Partner bereits die rosarote Brille verlegt hat.

Phasen der Beziehung: 1. Verliebtheit

Die Schmetterlinge im Bauch flattern. Endlich ist der Partner gefunden, der so lange ersehnt wurde! Die grosse Verliebtheit macht aus dem tristen Alltag ein buntes und leichtes Leben. Am schönsten ist es jetzt, zusammen und sich nah zu sein. Die Hormone fahren Achterbahn. Glückshormonen wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin nebst Testosteron und Östrogen, die für das Verlangen nach sexueller Befriedigung sorgen, überschütten die Verliebten. Frisch gebackene Paare verbringen die Verliebtheitsphase zu einem grossen Teil zusammen im Bett.

Tipp: Geniessen Sie die Zeit der Verliebtheit, der Freude und der besonderen Intimität! In dieser Zeit entsteht die Basis Ihrer Partnerschaft. Wenn eines Tages die Beziehung ins Trudeln kommt, geben Ihnen Erinnerungen an diese Zeit immer wieder Kraft, die neuen Herausforderungen anzunehmen.

Phasen der Beziehung: 2. Ernüchterung

Die Verliebtheit lässt nach. Nach all den vielen Nächten, in denen geredet und gekuschelt wurde, tut es gut, einfach mal wieder eine Nacht auszuschlafen und sich wieder um das eigene Leben zu kümmern. Erstaunt bemerken die Partner, dass der andere nicht nur Stärken, sondern auch Seiten hat, die der Traumprinz oder die Traumfrau nicht haben sollte. Eine erste Ernüchterung tritt ein. Gleichzeitig lässt die extreme Aufmerksamkeit nach, die sich die Verliebten in der ersten Zeit geschenkt haben. Ist der Partner etwa eine Mogelpackung? Enttäuschung stellt sich ein. Eigene Schwächen werden oft dem Partner angelastet. Der Partner wird kritisiert. Viele Paare trennen sich bereits in dieser Phase.

Tipp: «Nach der Verliebtheitsphase produziert das Gehirn ruhigere Botenstoffe wie Oxytocin und Vasopressin», erklärt Sexualtherapeutin Gabriela Kirschbaum aus Brugg. «Und das ist gut so, denn der Ausnahmezustand der Verliebtheit, so wunderschön er auch ist, lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten, er würde uns auf Dauer doch erschöpfen.» Lassen Sie sich also nicht beirren, wenn die Schmetterlinge im Bauch nachlassen. Das ist völlig normal. Auch Ihr Partner darf Ecken und Kanten haben!

Phasen der Beziehung: 3. Kampf

Standen in der ersten Phase der Beziehung die Gemeinsamkeiten im Vordergrund, so dreht sich jetzt vieles um die Unterschiede, die als störend empfunden werden. «Viele Paare gehen unbewusst davon aus, dass die eigenen Wertvorstellungen universell sind. Wenn der Partner diese Vorstellungen nicht erfüllt, scheint er ein Versprechen nicht einzulösen, das er in seinem Erleben aber gar nicht gegeben hat», schreibt Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer in seinem «Coaching in der Liebe». «Man fühlt sich gekränkt: «Wir können doch in dieser Nähe nicht miteinander auskommen, wenn du dich nicht so änderst, dass ich nicht mehr ständig enttäuscht bin!»» Doch Änderungsversuche werden vehement abgelehnt, Machtkämpfe branden auf. «Immer bist Du am Meckern.» «Nie unterstützt Du mich.» Solche Vorwürfe prägen jetzt die Partnerschaft, die mehr und mehr aus der Balance geraten kann.

Tipp: Niemand kann einen anderen Menschen ändern, jeder kann nur sein eigenes Verhalten korrigieren. «In der Paartherapie arbeiten wir deshalb auch heraus: «Was sind meine Bedürfnisse und wie kann ich sie ausdrücken? Wo habe ich mich angepasst und verloren?», berichtet Anja Grunert, Paartherapeutin aus Zürich. Es gilt, zunächst Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben und das eigene Glück.

Phasen der Beziehung: 4. Resignation

Der Partner lässt sich nicht ändern. Aus Ernüchterung wird Resignation. Zwei Menschen, die einst so verliebt ineinander waren, finden sich nicht  mehr oft. Während manche Paare nicht aus dem Streit heraus finden, geben andere das Streiten auf. Schweigen schleicht sich ein. Könnte das Leben ohne den anderen nicht leichter sein? Viele Partner leben sich in dieser Phase auseinander, die Verlockung, fremd zu gehen, ist gross.

Tipp: Wenn Sie das Gefühl haben, keine Brücke zum Partner schlagen zu können, zeigen Sie Ihre Gefühle. Gefühle schaffen Nähe und Verständnis. «Mein Partner hat nicht den Anspruch, dass ich mich ihm zuliebe verändere, aber er hat das Recht, in diesem Wunsch verstanden zu werden! Das heisst, beide Partner müssen Ängste, Wünsche und Bedürfnisse äussern», so Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer. Wichtig ist, dass einer beginnt.

Phasen der Beziehung: 5. Überraschende Einsichten

Alle Versuche, den anderen umzukrempeln, haben nichts genutzt. Das Nachdenken setzt ein. Eine diffuse Ahnung bildet sich: Ein Partner kann auch dann eine Bereicherung sein, auch wenn er nicht allen Erwartungen gerecht werden kann! Die Partner kommen sich wieder näher. Jetzt kann wahre Liebe entstehen.

Tipp: Denken Sie nach, vielleicht zusammen mit dem Partner: Wo sind Ihre Gemeinsamkeiten, auf denen Sie aufbauen und die Sie pflegen können? Wie können Sie mit den Seiten Ihres Partners, die Sie weniger liebe, sinnvoll umgehen? Welche Wege in Ihrem Leben wollen Sie gemeinsam und welche alleine gehen?

Phasen der Beziehung: 6. Liebe und Genuss

Der Partner wird geliebt, so wie er ist. auch ein Gefühl der Dankbarkeit, in einer Beziehung zu Hause sein zu dürfen, ist immer wieder spürbar. Zu einer Beziehung gehören Gemeinsamkeiten und Unterschiede – diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Konflikte werden konstruktiver als bisher gelöst.

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