Zweites Kind: Erstgeborene gut vorbereiten und einbeziehen

Sein ganzes bisheriges Leben lang war es Mittelpunkt gewesen – von Mama und Papa, von Oma und Opa umsorgt. Bis jetzt. Denn nun ist ein zweites Kind auf die Welt gekommen. Eltern können jedoch einiges dafür tun, dass sich das Erstgeborene weiterhin geborgen und einbezogen fühlt.

Zweites Kind: Vorbereitung auf das Geschwisterchen

Wenn Erstgeborene ein Geschwisterchen bekommen, ändert sich vieles. Foto: iStock, Thinkstock

«Bu, Bu!» Wenn Linda früher diese Silben rief, wussten die Eltern immer, was zu tun war. Mama oder Papa kuschelte sich dann mit ihr auf das Sofa und las eine kleine Geschichte vor. Nun aber scheint es, als hätten die Eltern vergessen, dass «Bu» nichts anderes als «Buch» bedeutet. Statt «Du willst lesen? Na, dann komm!» sagt Mama meist: «Tut mir leid, das geht gerade nicht. Später, ja?» Denn Linda hat nun einen Bruder, der gestillt und herumgetragen werden will. Klar, dass Linda manchmal wütend ist.

Von heute auf morgen Zeit und Zuwendung der Eltern zu teilen, ist nicht leicht. Auch die Eltern fühlen sich nicht immer wohl in ihrer Haut. Sie wollen beiden Kindern gerecht werden, doch das klappt oft nicht reibungslos im Alltag. Zum Glück gibt es einige Tricks, Erst- und Zweitgeborene besser unter einen Hut zu bekommen.

Realistisches Bild vom zweiten Kind entwerfen

Klar, dass Eltern sich wünschen, dass sich das Erstgeborene auf das zweite Kind freut. Dem Kind das Geschwisterchen als künftigen Spielkameraden schmackhaft zu machen, ist allerdings kontraproduktiv. Denn zieht statt des neuen Freundes ein stets schreiendes oder schlafendes Baby in die Wohnung ein, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Und es werden noch viele Monate ins Land gehen, bis die beiden Kinder beginnen können, miteinander zu spielen – für das Erstgeborene ein nicht zu überblickender Zeitraum. Besser ist daher, von Anfang an ein realistisches Bild vom Neuankömmling zu zeichnen: „Das Baby wird anfangs viel schlafen und oft schreien. Du darfst ihm dann den Nuggi geben», so könnte eine Ansage lauten.

Auch Bilderbücher bereiten Kleinkinder gut auf das zweite Kind vor.  Der Ravensburger Verlag richtet sich mit seinen Büchern «Wieso? Weshalb? Warum? Unser Baby» und dem Pappbilderbuch «Wir sind jetzt vier» an Kinder ab zwei Jahre. «Olli wird grosser Bruder» heisst ein neues Buch von Hilke Rosenboom für Kinder ab sechs Jahren.

Oft macht es Eltern und Erstgeborenen Spass, alte Fotos anzusehen: «Schau mal, wie gemütlich du als kleines Baby an Mamas Brust lagst!», «Das war dein Lieblingsspielzeug, damit hast du gern gerasselt», «Hier haben wir Dich zum ersten Mal gebadet und du hast Papa nass gespritzt!» So kann sich das Erstgeborene am eigenen Beispiel ein gutes Bild von dem Leben mit einem Baby machen.

Schon vor der Geburt den Alltag an das zweite Kind anpassen

Sinnvoll ist es, schon vor der Geburt des zweiten Kindes den Alltag an das künftige Leben mit zwei Kindern anzupassen. So kann sich das Erstgeborene  langsam an neue Strukturen gewöhnen. «Wenn sich ein weiteres Kind ankündigt, dann muss man sich überlegen, welche Rituale (zum Beispiel morgendliches Kuschelritual, Gute-Nacht-Rituale), die dem älteren Kind wichtig sind, fortgeführt werden können», rät darüber hinaus Erziehungsexperte Uwe Rogge. Sollte das nicht möglich sein, sind andere Rituale einzuführen, auf die sich das Kind auch künftig verlassen kann.

Die ersten Wochen mit dem Baby werden anstrengend für die Mutter. Gut, wenn Papa jetzt viel Zeit mit dem Erstgeborenen verbringt. Das funktioniert umso besser, je öfter er auch vor der Geburt des zweiten Kindes präsent ist, regelmässig das Erstgeborene vom Kindergarten abholt oder es ins Bett bringt. Auch Oma und Opa sollten schon vor der Geburt des zweiten Kindes die Beziehung zum Erstgeborenen stärken, wenn sie nach der Geburt des zweiten Kindes aushelfen wollen.

Das zweite Kind ist da!

Erstgeborenes klein lassen
«Na, mein Kleiner, alles klar?», «Komm mal her, Mini-Maus», solche Ansprachen kennen kleine Kinder. Mit der Geburt des zweiten Kindes jedoch kommen neue Töne: «Bleib mal kurz bei deinem Brüderchen. Du bist doch schon gross!» Uups – so schnell geht das? Nein, auch das grosse Kind ist in Wahrheit noch klein. «Übertreiben Sie es nicht mit Appellen an Rücksicht und Verantwortung», rät Helga Gürtler, Autorin verschiedener Erziehungs-Ratgeber. Kleine Kinder können in der Regel noch nicht verstehen, warum sie zugunsten eines Babys lieb gewonnene Gewohnheiten aufgeben müssen.

Böse Gefühle zulassen
Bestimmt freut sich das Kind über seinen Bruder oder seine Schwester. Aber sicher nicht immer. Gut, wenn es seine Wut zeigen darf! « Stehen die bösen Gefühle unter einem moralischen Tabu, muss das Kind sie verdrängen, darf sie nicht einmal vor sich selbst zur Kenntnis nehmen. Aber weg sind sie deshalb noch lange nicht», warnt Helga Gürtler.

Mit unterschiedlichem Mass messen
Eltern wollen gerecht sein und fühlen sich oft zerrissen. Wie sollen sie nur den Geschwistern das Gleiche bieten – gleich viel Zeit, gleich viel Aufmerksamkeit? Doch Eltern müssen nicht die Energie, die sie in ihre Kinder stecken, gegeneinander aufrechnen. «Jedes Kind verlangt nach unserer Aufmerksamkeit auf seine ganz eigene Weise. Und deshalb ist es auch gerechter, mit dem einen anders umzugehen als mit dem anderen», erklärt Helga Gürtler. «Geben wir jedem Kind das, was es gerade braucht – jedem das Seine, nicht allen das Gleiche.»

Das Erstgeborene an das zweite Kind heranführen

Das Erstgeborene soll sich nicht ausgeschlossen fühlen? Das beste Mittel dagegen ist, das Kind miteinzubeziehen! Das geht nicht immer, aber oft ist es ganz leicht. Schon während der Schwangerschaft kann das Erstgeborene sein Ohr auf den Bauch legen und nach dem zweiten Kind lauschen. Was für ein Erlebnis, wenn es an der Bauchdecke fühlen kann, wie es sich bewegt! Sicher will es dem Baby ein Willkommensgeschenk machen! Mag es aus seinen eigenen Spielzeugen etwas auswählen, was es weitergeben kann?

Ist das zweite Kind auf der Welt, kann das Erstgeborene die Babypflege begleiten. Das Baby weint? «Siehst du, wenn du deinen Bruder streichelst, hält er kurz mit Weinen inne!», «Eine tolle Idee, den Schnuller zu holen!», «Die Kuschelmaus wird dem Baby sicher gut tun!» - mit solchen Sätzen fördern Eltern eine gute Beziehung zwischen den Geschwistern.

Oft genug wird das Baby gewickelt. Der Wickelplatz wird schöner, wenn das Erstgeborene für das zweite Kind ein selbst gemaltes Bild an die Wand hängt. Und wer weiss, vielleicht findet es auch heraus, wie herum die Windel an den Babypopo muss. Natürlich kann das Erstgeborene auch den Body und das Shirt aussuchen, die das Baby heute tragen soll. Mobile aufziehen, Babys Söckchen auf die Wäscheleine hängen, Kinderwagen schieben – Eltern begeistern Kinder am besten für das Geschwisterkind, wenn sie es möglichst immer dann mitwirken lassen, wenn es mitwirken will.

HiPP

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