Baby > Stillen & ErnährungStillpositionen: Bequem stillen in allen Lebenslagen – auch nachts Sigrid Schulze Bei den ersten Stillversuchen fällt es nicht immer leicht, eine bequeme Stillposition zu finden, in der das Trinken deinem Baby leicht fällt. Doch nach und nach wachst du mit deinem Kind zu einem Stillteam zusammen, das gemeinsam die individuell besten Stillpositionen herausfindet. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Jede Frau wählt ihre persönliche Stillposition. Aber für alle gilt: Richte dich an deinem Stillplatz möglichst gemütlich ein. Foto: Vagengeym_Elena, iStock, Thinkstock Stillpositionen: Halbliegend stillen – für Stillanfängerinnen Sitzt du auf dem Sofa? Dann lehne dich – im Rücken von Kissen gestützt – weit zurück. Im Bett legst du dich mit Kopf und Schultern auf mehrere weiche Kissen. Jetzt positionierst du dein Baby so, dass es mit seinem Bauch auf deinem Bauch und mit der Wange in der Nähe der Brust liegt. Sinnvoll kann es sein, die Stirn des Babys abzustützen, damit es nicht zu stark in der Brust versinkt. «Diese Position ist besonders geeignet für die Anfangs- und Kennenlernzeit», informiert die La Leche Liga. In dieser zurückgelehnten Haltung findet dein Baby die Brustwarze meist selbständig, und sie fördert das Bonding – für die ersten Tage und Wochen nach der Geburt ist sie deshalb eine gute Wahl [1]. Hilfreich ist sie auch dann, wenn aus der Brust sehr viel Milch fliesst, also der Milchspende-Reflex stark ist. Denn in dieser Position kann dein Baby nicht zu viel Milch auf einmal saugen. Die Gefahr, dass es sich verschluckt, ist also geringer als in anderen Stillpositionen. Bildet deine Brust dauerhaft mehr Milch, als dein Kind trinkt, kannst du sie abpumpen und aufbewahren. Stillpositionen im Sitzen Mach es dir richtig bequem, wenn du im Sitzen stillst. So könnt ihr beide besonders gut entspannen. Vielleicht magst du dir eine gemütliche Stillecke einrichten? Den Platz liebevoll zu gestalten lohnt sich, denn hier wirst du mit deinem Baby viel Zeit verbringen. So freust du dich beim Stillen im Sessel oder in der Sofa-Ecke sicher über viele Kissen, eine Decke, einen Hocker für die Füsse, Getränke, Knabbereien und ein paar Spucktücher. Stell dir ein Glas Wasser oder ungesüssten Tee bereit, bevor du anlegst [1]. Die Wiegehaltung Die Wiegehaltung gehört zu den klassischen Stillpositionen. «Sie ist unkompliziert und kann fast überall angewendet werden. Wenn Sie Ihren Arm mit einem Kissen unterstützen, können Sie entspannt stillen», informiert die Stillförderung Schweiz. Halte dein Baby mit einem Arm so, dass sein Kopf bequem in deiner Armbeuge und auf der Höhe deiner Brust und sein Bauch an deinem Bauch liegt. Gleichzeitig stützt du Rücken und Po. Ein Kissen unter dem Arm macht die Haltung bequemer, und unterwegs ist sie besonders praktisch [1]. Die Kreuzwiegehaltung eignet sich besonders für Babys, die Probleme mit dem Ansaugen haben. Foto: Marcin Balcerzak, Hemera, Thinkstock Die Kreuz-Wiegehaltung Babys, die Schwierigkeiten beim Ansaugen der Brust haben, kommen oft besser mit der Kreuz-Wiege-Haltung zurecht. Stillst du mit der linken Brust, liegt das Baby auf dem rechten Arm und dabei mit dem Kopf in dessen Hand. Trinkt das Baby an der rechten Brust, liegt es dagegen auf dem linken Arm. Dabei sollte das Baby dir zugewandt sein. Mit der freien Hand kannst du deine Brust stützen und den Mund des Babys gezielt zur Brustwarze führen [1]. Die Seitenhaltung Wer einen Kaiserschnitt hinter sich oder sehr grosse und schwere Brüste hat, fühlt sich beim Stillen mit der Seitenhaltung oft wohler. Sie eignet sich auch bei unruhigen Babys und bei einem Milchstau im Bereich der Achsel [1]. Lege das Stillkissen an einer Seite um die Taille herum oder positioniere ein Kissen auf dem Schoss und ein Kissen neben dir. Nun legst du das Baby so neben dich, dass seine Hüfte an deiner Hüfte liegt. Dein Unterarm hält den Rücken des Babys, während die Hand locker Nacken und Kopf umschliesst. Wenn du dich anlehnen möchtest, zieh das Baby neben dir weit zurück und nimm ein dickes, gut stützendes Kissen. Öffnet dein Baby den Mund weit, kannst du seinen Kopf sanft und gezielt an die Brust führen [1]. So legst du dein Kind an Einige Regeln solltest du beim Anlegen beachten: Bring das Baby zur Brust – nicht umgekehrt. Unterstütze den Körper des Babys. Dreh dein Baby zu dir (Bauch zu Bauch). Ohr, Schulter und Hüfte des Kindes bilden eine Linie [1]. Positioniere dein Baby so, dass die Brustwarze gegenüber der Nase liegt. So kann das Baby mit dem Kopf etwas zurückgehen und erfasst mehr vom Warzenhof, der im Unterkieferbereich liegt. Die Zunge kann so besser arbeiten [1]. Unterstütze die Brust, um dem Baby das Erfassen der Brustwarze zu erleichtern. Achte darauf, dass das Baby durch die Nasenflügel ohne Probleme atmen kann. Zieh den Po des Kindes etwas näher an deinen Körper, sollte die Nase zu nahe in der Brust sein. Leg an, bevor dein Baby weint – und warte, bis es den Mund weit geöffnet hat [2]. (Quelle: Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen) Daran erkennst du, dass es klappt: Der Mund deines Babys ist mit Brust gefüllt, die Lippen sind nach aussen gewölbt, und du siehst und hörst, wie es schluckt. Satt ist dein Baby, wenn es entspannt ist, die Fäustchen geöffnet hat und deine Brust wieder weicher ist. Dass es genug bekommt, zeigen 5 bis 6 nasse Windeln pro Tag und in den ersten Wochen mehrmals täglich Stuhlgang [2]. Wenn das Stillen wehtut: Hol dir Hilfe Ein kurzer Schmerz beim Ansaugen kann vorkommen, und in den ersten Wochen sind die Brustwarzen oft empfindlich. Hast du aber mehrere Tage wunde oder rissige Brustwarzen und starke Schmerzen beim Stillen, stimmt etwas nicht: Meist liegt das Baby nicht richtig an der Brust oder es saugt nicht richtig. Gib das Stillen dann nicht gleich auf, sondern frag deine Hebamme oder eine Stillberaterin um Rat [1]. Das gilt auch für die häufigsten Stillprobleme wie Milchstau, wunde Brustwarzen oder zu wenig Milch. Hilfe zu holen kostet in der Schweiz wenig bis nichts: Die Krankenkasse bezahlt die Hausbesuche deiner Hebamme und drei Stillberatungen einer Stillberaterin – das sind Pflegefachpersonen, Hebammen und Ärztinnen oder Ärzte mit einer Zusatzausbildung im Stillen. Brauchst du mehr als drei Beratungen, frag deine Krankenkasse, ob sie weitere übernimmt [1]. Eine Beraterin in deiner Nähe findest du beim Berufsverband der Schweizerischen Still- und Laktationsberaterinnen [5]. Kostenlos beraten dich ausserdem die Mütter- und Väterberatung sowie die La Leche League Schweiz – telefonisch, per E-Mail oder an einem Stilltreffen, auch ausserhalb der Bürozeiten [4]. Stillpositionen: Nachts stillen Nachts aufstehen, um das Kind zu stillen? Das muss nicht sein. Wer ein Beistellbettchen für das Baby benutzt, kann das Kind schnell zu sich herüberheben. Im Bett lässt es sich auch im Liegen stillen, wenn Baby und Mutter beide auf der Seite liegen, Bauch an Bauch. Wichtig ist, dass Brustwarze und Mund des Babys auf einer Höhe sind. Ein zusammengerolltes Handtuch oder ein Stillkissen gibt dem Baby im Rücken den notwendigen Halt. «In einer stabilen Seitenlage können Sie Ihr Baby sowohl an der nun unteren Brust als auch an der oberen Brust anlegen, ohne sich zwischendurch umdrehen zu müssen», so die La Leche Liga. Diese Position ist auch nach einem Kaiserschnitt oder einer Geburtsverletzung angenehm [1]. Wo dein Baby danach schläft, ist eine eigene Frage. Der sicherste Schlafort für einen Säugling ist nach den Empfehlungen einer Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaften für Pädiatrie und Neonatologie das eigene Kinderbett im Schlafzimmer der Eltern; eine sinnvolle Alternative sind Betten, die sich ans Elternbett andocken lassen [3]. Schläfst du mit deinem Baby im Elternbett, stellt das Anforderungen: Das Bett muss gross genug und die Matratze fest sein, und auf Kissen, Fellunterlagen oder Ähnliches im Bereich des Babys solltest du verzichten [3]. Auf das Bettteilen verzichten solltest du, wenn du oder dein Partner raucht, wenn ihr Alkohol, beruhigende Medikamente oder Drogen eingenommen habt oder wenn ihr selbst krank oder übermüdet seid – dann ist das Risiko für einen plötzlichen Kindstod deutlich erhöht [3]. Riskant ist auch, das Baby nachts auf dem Sofa zu stillen und dort einzuschlafen [3]. Weil sich die Risikofaktoren von Familie zu Familie unterscheiden, empfiehlt die Arbeitsgruppe ausdrücklich, die eigene Situation mit einer Fachperson durchzugehen, statt sich an einer pauschalen Regel zu orientieren [3]. Sprich das Thema bei deiner Hebamme, der Mütter- und Väterberatung oder in der Kinderarztpraxis an. Stillen im Gehen Manchmal ist das Baby so unruhig, dass es sich kaum anlegen lässt. Dann kann es sinnvoll sein, im Stehen zu stillen. Auch dabei ist wichtig, dass das Köpfchen ganz dicht an der Brust liegt. Nur so kann dein Baby die Brustwarze gut ansaugen. Ein Tragetuch entlastet Rücken und Arme. Wenn du dein Baby in einem Tragetuch oder einer Trage stillst, achte darauf, dass es frei atmen kann: Nichts darf Nase und Mund verdecken, und das Kinn soll nicht auf der Brust aufliegen. Das Baby sitzt hoch genug, wenn du seinen Kopf mit einem Kuss erreichst, und sein Rücken ist gestützt statt zusammengesunken [6]. Nach dem Stillen bringst du es wieder in die aufrechte Trageposition zurück. Quellen Stillförderung Schweiz: Stillen – ein gesunder Start ins Leben (PDF, Ausgabe 2026), S. 16–18, 30 und 42. Abgerufen am 10.08.2026. Stillförderung Schweiz: Faltblatt Stillanleitungen (PDF, 2023). Abgerufen am 10.08.2026. Jenni O. et al.: Bedsharing und plötzlicher Kindstod: Aktuelle Empfehlungen. Paediatrica 5/2013, pädiatrie schweiz. Erarbeitet von einer Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie zusammen mit der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens. Abgerufen am 10.08.2026. La Leche League Schweiz: Stillberatung. Abgerufen am 10.08.2026. Berufsverband der Schweizerischen Still- und Laktationsberaterinnen (BSS): stillen.ch. Abgerufen am 10.08.2026. La Leche League International: Babywearing (internationale Quelle, ersatzweise verwendet). Abgerufen am 10.08.2026.