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Kreuzfahrt mit Kindern: Die ehrliche Erfahrung unserer Autorin

Eine Kreuzfahrt mit Kindern – das klingt nach Sommer, Sonne, Traum-Urlaub für die ganze Familie. Unsere Autorin hat es getestet. Ihre Erfahrung der Familienkreuzfahrt war nicht ganz so perfekt. Doch es gibt ein Happy End.

Kreuzfahrt mit Kindern: Eine ehrliche Erfahrung

Wechselhaftes Wetter, das seekrank macht: Auch damit muss man bei einer Kreuzfahrt rechnen. Foto: Thanaphiphat, iStock, Getty Images Plus

So hatte ich mir das nicht vorstellt. Einen ganzen Tag lang bei der Mittelmeer-Kreuzfahrt auf dem neuesten Schiff seekrank in meiner Kabine danieder zu liegen. Und das bei Regen und Sturm. Wo war der strahlend blaue Himmel auf dieser Reise? Das entspannte Lächeln während des stundenlangen Nichtstuns auf den Liegen an Deck? Der Horizont in weiter Ferne?

Aber so ist das mit dem Mittelmeer, es ist eben unberechenbar. Und wir quasi mittendrin. Das Wetter spielte verkehrt: Während zu Hause die erste Hitzewelle rollte, konnte man im Süden gerade mal 12 Grad Celsius messen. Man musste es nehmen, wie es kam. Zumindest bis zum nächsten Hafen.

Es hatte alles so perfekt begonnen

Dabei hatte die Reise ans Mittelmeer am Flughafen mit der sechsjährigen Tochter doch so reibungslos begonnen – bei heissem Vor-Sommer-Wetter übrigens. Die Aufregung des Kindes vor der ersten Kreuzfahrt seines Lebens – es ist kaum zu bändigen. Und auch ich bin guter Dinge, standen doch Rom, Genua, Marseille und Barcelona auf unserem Reiseplan: Ein Feuerwerk der Metropolen, der Geschichte und der Kultur.

Mit allen nötigen Unterlagen über die Reise dieser Mittelmeer-Kreuzfahrt vom Anbieter schon wochenlang vor der Abreise gut versorgt und jetzt in Händen, stehen wir auch schon beim Check-in der Eingangshalle des Schiffes. Der Transfer mit Bussen vom Flughafen in Palma de Mallorca dorthin, gut organisiert, läuft wie am Schnürchen.

Die Mit-Reisenden sind fast alle deutschsprachig, so auch die Angestellten auf dem Kreuzfahrtschiff. Die Reise von der Insel Mallorca aus aufs Mittelmeer mit anderen Familien an Bord kann beginnen. Es gibt viel zu entdecken auf dieser Familienkreuzfahrt.

2500 Kabinen, 6000 Passagiere, Stau im Restaurant

2500 Kabinen, 6000 Passagiere. Das Schiff ist bei dieser Familienkreuzfahrt ausgebucht. Und so fühlt es sich zu den Stosszeiten vor allem am Mittag und am Abend herum auch an, Schlangestehen in den inklusive-Restaurants gehört dazu. Immer wieder kommt es zu kleineren Drängeleien wie an der Kasse im Supermarkt, obgleich es doch fast rund um die Uhr – so scheint es – Tonnen an zubereitetem Essen gibt.

Doch die Kinder, und davon gibt es viele, nehmen das offenbar gar nicht wahr. Sie wimmeln herum und gewinnen langsam Terrain. «Mama, darf ich alleine zu den Spiele-Tischen auf dem sechsten Stockwerk gehen?» Plötzlich wird das zur Standardfrage an die Eltern, kaum ist der Teller leer. Freunde finden sich bei dieser Familienkreuzfahrt auf dem Mittelmeer schnell. Nicht nur im Kidsclub, der immer am Tag vorher schon von den Eltern gebucht werden muss.

Es gibt aber auch noch so viel anderes zu tun für die ganze Familie. An erster Stelle das Planschen in den Pools. Wir kommen leider nur in den Genuss der Innenanlage, weil es draussen zu kalt ist. Während der Seetage auf dem Mittelmeer ist der allerdings überfüllt und man fühlt sich schnell wie in einer Sardinendose. Wie gut, dass es die Landtage als Ausflug im Angebot gibt und wir unsere üppig ausgestattete Insel auch mal verlassen

Vom Meer aufs Land: Ausflugszeit!

Wenn das Schiff nämlich im Hafen anlegt, werden die meisten Familien und alle anderen Kreuzfahrer flügge. Wer an Bord des Schiffs bleibt, hat die Pools dann fast für sich alleine. Wir aber machen uns auf den Weg und gehen in Italien von Bord. Man will ja im Urlaub auch etwas sehen. In Bussen werden wir zum nächsten Bahnhof gefahren.

In Civitavecchia, dem ersten Halt, nehmen wir einen etwas heruntergekommenen Bummelzug, der aber als Express verkauft wird, nach Rom. Und dann per Extra-Buchung ab in den nächsten Bus mit erstklassiger Reiseführerin. Mit Kindern ist es besonders entspannt, nicht selbst an jeder Ecke den Stadtplan zücken zu müssen und die quengelnde Kleinen gleichzeitig vertrösten zu müssen, dass es ja nicht mehr weit ist.

So übergeben wir uns bei diesem Ausflug einfach dem Flow der Gruppe, bekommen einen guten Eindruck von der Stadt, zu Fuss und im Bus, und müssen auch nicht nach einem Restaurant suchen. Alles ist auch hier inklusive, wenn auch der Ausflug nicht gerade ein Schnäppchen ist. In die Schlange zum Petersdom reihen wir uns allerdings nicht ein. Eineinhalb Stunden Warten – mindestens – und dann mit den Kindern durch die Kirche hetzen, da ziehen wir einen gemütlichen Spaziergang über den Platz vor. Auch eine schöne Erfahrung.

Die Kinder entdecken das Kreuzfahrtschiff

Zurück auf dem Schiff haben wir wieder die Qual der Wahl, was wir essen wollen: asiatisch, italienisch, deutsch? Wem das all-inklusive-Niveau nicht zusagt, muss schnell einen Tisch in einem der exklusiveren Restaurants, wie zum Beispiel einem mit Sushi, reservieren. Denn auch die sind schnell ausgebucht.

In manchen Inklusive-Restaurants, die vor allem für die Familien an Bord ausgerichtet sind, also mit Pizza und Nudeln im Angebot, kann man schon eine halbe Stunde früher essen als in den anderen. Dann ist es noch etwas ruhiger. Danach schwirren die Kinder wie üblich los: Ab an den Spieletisch mit elektronischen Anwendungen, selbstverständlich.

Die nicht allzu kleinen Kids kennen sich mittlerweile an Bord schon so gut aus, dass sie ihre Eltern so schnell auf später vertrösten, dass die sich kaum umdrehen können, schon sind sie weg. Wir Überbleibsel der Familie, nun wirklich entspannt, lassen uns in einen der Polstersessel sinken und beobachten eine Vorführung im Atrium-Theater: Eine Tanztruppe gibt ein Stück zum Besten. Spätestens wenn der Kapitän am selben Ort allen Rede und Antwort steht, ballt es sich dort wieder.

Das Wetter macht nicht mit

Dann eine kleine Hiobsbotschaft: Der Kapitän hat sich entschieden Marseille auf dieser Mittelmeer-Kreuzfahrt nicht anzufahren. Weiter macht das Wetter nämlich einen Strich durch die Rechnung. Es zieht noch einmal Sturm auf dem Mittelmeer auf. Es soll von La Spezia direkt weiter an den Hafen von Barcelona gehen. Das bedeutet einen weiteren Tag auf See.

Aber keine Sorge: Die Kinder sind auf dieser Familienkreuzfahrt ja versorgt. Und die eigene Enttäuschung Marseille nicht zu sehen, lässt sich verkraften. Denn nach den ersten regnerischen Tagen und der überstandenen Seekrankheit auf dem Schiff – zu spät habe ich erfahren, dass es an der Rezeption umsonst Tabletten dagegen gibt – , lässt sich endlich das Deck am kommenden Tag in ein paar Rundgängen geniessen.

Na also: doch blauer Himmel und Sonne. Raus aus der Kabine! Aber Marseille liegt schon weit hinter uns. Wer sich nun auf dem obligatorischen Liegestuhl einrichtet, braucht zwar wegen des Windes noch eine Decke, aber mach einer oder eine traut sich schon etwas Haut zu zeigen.

Und die Kinder vergnügen sich im Inneren des Schiffes im Kletterpark oder bei anderen Aktivitäten des Kidsclub. Die Familienkreuzfahrt bietet eben für jedes Alter Aktivitäten. Wer will, kann seine Kinder an Bord fast rund um die Uhr einbinden und abgeben. Bei diesem umfassenden und abwechslungsreichen Angebot kann es ihnen einfach nicht langweilig werden. Das ist auch gut so.

Eine kleine Stadt auf dem Meer

Für die Kinder ist auch die Notfall-Übung, die für jeden Passagier der Kreuzfahrt verbindlich ist, eine spannende Erfahrung. Mit den orangefarbenen Rettungswesten am Leib, werden die Sammelpunkte angepeilt – und zwar nach den unüberhörbaren, notwendig schrillen Tönen aus dem Lautsprecher. Familien mit Kleinkindern versammeln sich mit ihren Kindern stattdessen im einem der Vorführungssäle, wo auf kindgerechte Weise das Verhalten bei einer Notsituation erklärt wird.

Das Schiff, geradezu eine Stadt auf dem Meer, bietet natürlich noch viel mehr zu entdecken, vor allem abends: Vorführungen, Shops, Konzerte, Kino, Tanzen, Kunst-Auktionen und und und sind Teil der Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer und locken die Reisenden aus ihrer Kabine. Aber die Seeluft macht auch müde, sodass ich davon kaum etwas wahrnehme. Gottseidank haben wir dann doch eine schöne Kabine mit Balkon, sodass ich dort den Trubel innen im Schiff von Zeit zu Zeit hinter mir lassen kann, wenn ich will.

Wie umweltfreundlich ist diese Reise eigentlich?

Während ich bei unserem letzten Anlegemanöver morgens in Barcelona genau dort auf dem Balkon meiner Kabine sitze und die anderen sechs, acht oder zehn Kreuzfahrtschiffe, an denen wir vorbei gleiten, bis wir halten, beobachte, frage ich mich, wie sich das wohl mit der Umwelt verträgt, all diese Abgase.

Ich beruhige mein Gewissen damit, dass unser Luxusliner ja das erste Kreuzfahrtschiff weltweit ist, das mit Flüssigerdgas angetrieben wird und damit anscheinend 90 Prozent weniger Emissionen in die Welt schleudert. Im Gegensatz zu Schweröl können durch den Einsatz von Liquefied Natural Gas (LNG), dem «saubersten» fossilen Brennstoff der Welt, wohl die Emissionen von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent und der CO2-Ausstoss um bis zu 20 Prozent verringert werden.

Das hört sich ja ganz gut an. Also ein sauberes Schiff sozusagen? Nicht ganz: Die Motoren werden mit Diesel angefahren. Und erst bei 25 Prozent der erreichten Leistung wird auf 100 Prozent Erdgas-Betrieb umgeschaltet. Obwohl nun auch andere Reedereien Erdgas-betriebene Schiffe planen und bauen lassen, bleibt zu bedenken, dass auch Erdgas nicht zu den erneuerbaren Energien gehört und irgendwann aufgebraucht sein wird.

Ich werde vom schönen sonoren Schiffshupen beim Ablegen aus meinen Gedanken und zurück in den Urlaub gerissen. Von Barcelona aus gleiten wir in den (nun endlich doch) wunderbar warmen Mittelmeer-Abend hinaus auf das offene ruhige Wasser. Ein leichtes Fahrtlüftchen. Ein Sonnenuntergang, der den Horizont noch unendlicher werden lässt. So hatte ich mir das vorgestellt.

Reedereien entdecken die Umwelt: Kreuzfahrt mit gutem Gewissen?

Mit der Aida auf Familienkreuzfahrt.

Foto: Aida

Die Autorin war mit der Aida Nova auf Kreuzfahrt, dem weltweit ersten Kreuzfahrtschiff, das mit Flüssigerdgas angetrieben wird – und nicht mit Schweröl oder Marinediesel. die sehr umweltschädlich sind. Die neue Technologie wird auch als LNG bezeichnet, Liquified Natural Gas, und verspricht rund 90 Prozent weniger CO-Emissionen als die bisherigen Antriebsformen. Kritiker bemängeln jedoch, dass auch Erdgas keine erneuerbare Energiequelle ist.

Auch andere Reedereien wie MSC oder TUI Cruises wollen bei ihren Cruises in Zukunft auf den Einsatz von Flüssigerdgas setzen, um ihren Gästen eine umweltfreundlichere Reise zu bieten.

Was meinen Sie? Bieten AIDA, TUI Cruises, MSC und Co. wirklich ein Angebot, mit dem man guten Gewissens die Familienkreuzfahrt starten kann? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar.

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