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Ist vegane Kinderernährung gesund? Darauf müssen Sie achten

Immer mehr Menschen entscheiden sich aus Tier- und Umweltschutzgründen dafür, vegan zu leben. Auf vegane Kleidung und Lifestyleprodukte zu achten, ist eine Sache. Sich komplett ohne tierische Produkte zu ernähren die andere. Vor allem, wenn man Kinder hat. Kann sich schon ein Kind im Wachstum vegan ernähren? Worauf Sie achten müssen, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden.

Die vegane Kinderernährung braucht Planung und erfordert Disziplin.

Vegane Kinderernährung erfordert viel Zeit, Planung und Disziplin. Bild: Imgorthand, Getty Images

Zuallererst: Ja, Sie können Ihre Kinder grundsätzlich vegan ernähren. Warnten vor einigen Jahren Ernährungsexperten und Ärzte noch vor der «tödlichen» Ernährungsform, sprechen sie sich heute nicht mehr gänzlich gegen eine vegane Ernährung aus. Zwar ist die allgemeine Empfehlung weiterhin ausgewogene Mischkost, aber auch Expertinnen befassen sich intensiver mit den Auswirkungen von Verzicht auf tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Milchprodukte. Während vegan leben nach wie vor kritisch betrachtet wird, ist der vegetarische Ernährungsplan aber mittlerweile nicht mehr verpönt.

Eine vegane Kinderernährung will geplant sein

Bei veganer Kinderernährung müssen Sie als Eltern ganz besonders auf Ausgewogenheit und die richtige Nährstoffzufuhr achten – viel mehr als bei vegetarischer oder omnivorer Ernährung. Gerade bei Kindern kann ein Nährstoffmangel fatale Folgen haben. Für alle Eltern, die in Erwägung ziehen, ihr Kind vegan zu ernähren, sollte deshalb der erste Schritt eine ärztliche Beratung sein. Ist mein Kind gesund? Spricht aus medizinischer Sicht etwas gegen eine vegane Kinderernährung? Wäre vielleicht ein vegetarischer Speiseplan die bessere Variante?

Sind diese Fragen geklärt, geht es an die Auseinandersetzung mit Nährstoffen und den Lebensmitteln, die eine vegane Ernährung enthält. Eltern sollten hier genug Zeit in die Planung und Auseinandersetzung investieren, um dafür zu sorgen, dass ihre Kinder alles bekommen, was sie für ein gesundes Leben brauchen. 

Wie das Baby alles bekommt, was es braucht

In welcher Entwicklungsphase brauchen Kinder welche Nährstoffe? Ein Baby bekommt in den ersten Monaten alles, was es braucht über die Muttermilch. Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe – unter der Voraussetzung, dass die Mutter gesund lebt und sich ausgewogen ernährt. Stillen ist in den ersten Monaten also die beste Ernährungsform. Und ja: Stillen ist auch nach der veganen Ideologie absolut unbedenklich, da dabei keine Milch von einem Tier konsumiert wird. 

Während der ersten Lebensmonate ist Stillen somit die einfachste und gesündeste Variante der Kinderernährung. Falls Sie nicht stillen können oder wollen, sollten Sie auf speziell hergestellte Babymilchprodukte zurückgreifen. Diese enthalten je nach Entwicklungsstufe die Inhaltsstoffe, die für eine gesunde Entwicklung Ihres Babys wichtig sind. Falls Sie nicht Stillen können oder wollen, sollten Sie auf speziell hergestellte Babymilchprodukte zurückgreifen. Pflanzenmilchprodukte wie Hafermilch, Sojamilch oder auch Mandelmilch sind genau wie die tierische Variante ungeeignet. Lassen Sie sich im Zweifelsfalle beraten!

Vitamin B12 und weitere Nährstoffe

Generell gibt es noch wenige Untersuchungen, die die langfristigen Auswirkungen einer veganen Ernährung bei Kindern aufzeigen. Solange kein Nährstoffmangel vorliegt, sind vegane Kinder tendenziell etwas kleiner und leichter als Kinder, die Fleisch, Eier und Milchprodukte konsumieren. Bei der kognitiven und motorischen Entwicklung zeigen sich aber keine Unterschiede.

Trotz diesen Erkenntnissen, ist zu beachten, dass Kinder noch wachsen und verglichen mit Erwachsenen einen weitaus höheren Nährstoffbedarf haben. Mangelt es dem Körper an Nährstoffen, sind die langfristigen Schäden grösser, je jünger das Kind ist. Egal ob Mischkost, vegetarische oder vegane Ernährung – auf eine ausreichende Versorgung sollte immer geachtet werden. Unter kinderandentisch.ch hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) alles Wichtige zusammengefasst. Auch finden Sie hier Tipps zur vegetarischen und veganen Kinderernährung. Merkblätter und Unterlagen für eine gesunde Ernährung für Kinder stellt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung zur Verfügung. Auf der Seite stellt die SGE auch die Lebensmittelpyramide vor.

Pille statt Fleisch: Wichtige Nahrungsergänzungsmittel

Wird auf Fleisch oder generell Lebensmittel tierischer Herkunft komplett verzichtet, ist laut den Handlungsanweisungen für eine vegetarische und vegane Ernährung im Säuglings- und Kindesalter der Schweizer Ärztinnen und Ärzten für Kinder und Jugendliche die Versorgung mit «Omega-3 Fettsäuren, Eisen, Zink, Jod, Calcium, Vitamin D, Ribovlavin und insbesondere Vitamin B12» kritisch. Die regelmässige Kontrolle der Nährstoffwerte ist unabhängig von der Ernährungsweise empfehlenswert. Ernähren Sie ihr Kind vegan, sprechen Sie in ihrer Kinderarztpraxis darüber und lassen sich zu notwendigen Nahrungsergänzungsmitteln und Präparaten beraten.

Ein besonderes Augenmerkt sollte dabei auf die B12-Werte gelegt werden. Denn während viele der Nährstoffe bei ausgewogener Ernährung über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden können, kommt Vitamin B12 in ausreichender Menge nur in tierischen Produkten vor. Da es für die Zellteilung, Blutbildung und gute Funktion des Nervensystems enorm wichtig ist, muss es in synthetischer Form – das heisst im Labor als Pille oder Tropfen – eingenommen werden.

Wenn ein Mangel entsteht

Ein Mangel an Mikronährstoffen oder Fettsäuren macht sich oft erst Jahre später bemerkbar. Neben Haarausfall und depressiven Verstimmungen können bei einem Vitamin-B12-Mangel auch Erkrankungen wie Blutarmut entstehen. Sollte ein Mangel an wichtigen Vitaminen bei Ihrem Kind festgestellt werden, ist es wichtig, dass Sie die ethischen oder moralischen Gründe beiseite lassen und die Gesundheit Ihres Kindes an erste Stelle setzen. Die vegane Kinderernährung kann in solchen Fällen vorübergehend vegetarisch gehalten werden. Sprechen Sie in Ihrer Kinderarztpraxis darüber und lassen sich zu notwendigen Nahrungsergänzungsmitteln und Präparaten beraten.

Vegane Ernährung ist nicht alles

Sie sehen: Ein Kind vegan zu ernähren ist möglich. Aber nur, wenn man weiss wie. In jedem Fall setzt eine vegane Ernährung einiges an Information, Planung, Disziplin und Kontrolle voraus. Wer die Umwelt schützen, aber nicht mit einer rein pflanzlichen Ernährung leben möchte, kann durch bewusstes und ökologisches Konsumverhalten seinen Beitrag leisten oder vorerst auf klassische tierische Nahrungsmittel wie Fleisch verzichten.

Ein weiteres Beispiel wäre hier die flexitarische Ernährung, also eine überwiegend vegetarische Ernährung mit maximal einmal die Woche Fleischkonsum. Fleisch vom Metzger nebenan zu kaufen, ist oftmals ökologischer, als auf Massenprodukte in den Lebensmitteln zu setzen. Das trägt erheblich zur Reduktion von Treibhausgasen bei.

Auf saisonale, biologisch angebaute Lebensmittel zu achten und nur so viele Lebensmittel zu kaufen, wie auch verwendet werden, ist ebenfalls empfehlenswert. Abseits von Lebensmitteln bei Kleidung, Spielzeug und Alltagsgegenständen auf vegane und fair produzierte Produkte zu setzen, bewirkt ebenfalls viel, ohne dass es eine vegane Ernährung benötigt.