Gesundheit > Therapien & HilfeHohes Fieber beim Kind: Was du tun kannst und wann du zum Arzt musst Sigrid Schulze Ab einer Körpertemperatur von 39°C spricht man bei Kindern von hohem Fieber. Das wirkt auf viele Eltern beunruhigend – ist aber häufig Teil der normalen Immunreaktion. Entscheidend ist weniger die Zahl allein, sondern wie es deinem Kind insgesamt geht, ob es genug trinkt und ob Warnzeichen dazukommen. Du kannst hohes Fieber zu Hause oft mit einfachen Massnahmen begleiten; in bestimmten Situationen solltest du jedoch ärztlich abklären lassen, was dahintersteckt. Hier findest du einen klaren Wenn-dann-Plan für die Schweiz. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Hat Ihr Kind Fieber, können Sie versuchen, die Temperatur mit Hausmitteln und Medikamenten zu senken. Bild: FamVeld, Getty Images Sofort-Check: Muss mein Kind heute zum Arzt? Wenn du unsicher bist, hilft eine einfache Ampel. Sie ersetzt keine ärztliche Beurteilung, gibt dir aber Struktur – besonders nachts oder am Wochenende. Grün: Beobachten und zu Hause begleiten Dein Kind wirkt insgesamt stabil (spielt phasenweise, reagiert auf dich, hat normale Hautfarbe). Es trinkt regelmässig (auch kleinere Mengen sind ok) und macht noch nasse Windeln bzw. geht normal auf die Toilette. Es atmet ruhig, hat keine starken Schmerzen und keine auffälligen Hautflecken. Gelb: Heute den/die Kinderärzt:in kontaktieren Hohes Fieber (ab 39°C) und dein Kind wirkt deutlich matt, klagt über starke Schmerzen oder du hast ein «komisches Bauchgefühl». Es trinkt deutlich weniger als sonst oder zeigt Zeichen von Austrocknung: trockener Mund, wenig/kein Urin über viele Stunden, keine Tränen beim Weinen, eingesunkene Fontanelle (bei Babys), ungewöhnliche Schläfrigkeit. Fieber länger als 24 Stunden bei Kleinkindern oder wiederkehrende Fieberschübe ohne klare Erklärung. Begleitsymptome wie starker Durchfall, wiederholtes Erbrechen, starke Ohr- oder Halsschmerzen. Rot: Notfall – sofort handeln Dein Kind ist schwer weckbar, wirkt verwirrt, reagiert kaum oder hat eine auffällig graue/bläuliche Hautfarbe. Atemnot, sehr schnelle/angestrengte Atmung oder Einziehungen am Brustkorb. Rote oder bläuliche Hautpunkte/-flecken, die nicht wegdrückbar sind (Petechien/Purpura), besonders zusammen mit Fieber. Starke Kopfschmerzen mit steifem Nacken und Lichtempfindlichkeit. Fieber über 40°C und deutlich schlechter Allgemeinzustand. Fieberkrampf (mehr dazu unten), besonders wenn er länger als 3 Minuten dauert oder sich wiederholt. In der Schweiz kannst du bei einem medizinischen Notfall den Rettungsdienst unter 144 alarmieren. Wenn du unsicher bist, ist es besser, einmal zu früh Hilfe zu holen als zu spät. Ab wann spricht man von hohem Fieber? Bei kleinen Kindern und Babys sprechen Ärzt:innen ab 38,5°C von Fieber. Erst wenn die Körpertemperatur 39°C überschreitet, spricht man von hohem, ab 40 Grad von sehr hohem Fieber. Zwischen 37,5 und 38,5 Grad Celsius gilt die Körpertemperatur lediglich als erhöht. Fieber beim Baby Wichtig: Ein Sonderfall ist eine erhöhte Temperatur bei Säuglingen. Säuglinge unter drei Monaten mit erhöhter Temperatur von ≥ 38°Celsius sollten unverzüglich einem Arzt vorgestellt werden. Bei so jungen Babys können Infektionen schneller ernst werden, weil ihre Abwehrmechanismen noch unreif sind. Warte daher nicht ab, sondern lass dein Baby ärztlich beurteilen. Wieso der Körper mit Fieber reagiert Fieber ist keine Krankheit an sich, zeigt aber häufig eine an. Wie hoch das Fieber ist oder wie schnell es ansteigt, sagt dabei nichts darüber aus, wie schwer eine Krankheit ist. Durch das Fieber schützt sich der Körper gegen Krankheitserreger. Der Körper heizt auf, um Viren und Bakterien schlechtere Bedingungen für ihre Vermehrung zu bieten. Eine hohe Körpertemperatur sei deshalb zunächst ein «Zeichen der aktiven Immunabwehr des Körpers», die sich wieder normalisiere, sobald die Infektion überstanden sei, erklärt das Kinderspital Zürich. Was du zu Hause tun kannst, wenn dein Kind hohes Fieber hat Ziel ist nicht «sofort 37,0°C», sondern: dein Kind entlasten, Austrocknung vermeiden, Beschwerden lindern und Warnzeichen früh erkennen. 1 Viel trinken (wichtiger als Essen) Mit Fieber steigt der Flüssigkeitsbedarf. Biete regelmässig kleine Mengen an, besonders wenn dein Kind müde ist. Geeignet sind Wasser, ungesüsster Tee oder Saftschorle. Bei Babys: häufiger stillen oder den gewohnten Schoppen anbieten. Wenn dein Kind wiederholt alles erbricht, gar nicht trinken mag oder über viele Stunden kaum Urin hat, solltest du ärztlich abklären lassen, ob eine Austrocknung droht. 2 Leicht anziehen, Raum angenehm temperieren Zu warmes Einpacken kann das Wohlbefinden verschlechtern. Leichte Kleidung und eine dünne Decke reichen meist. Wichtig: Wenn dein Kind stark friert und schüttelt (Schüttelfrost), hilft Wärmen fürs Wohlbefinden – kühle Wickel sind dann keine gute Idee. 3 Ruhe, Nähe und Beobachten – mit einfachem Protokoll Fieber macht müde. Ruhe ist hilfreich, Zwang zu Aktivität nicht. Notiere dir bei Bedarf Uhrzeit, Temperatur, Trinkmenge, Urin/Windeln, Medikamente (falls gegeben) und Auffälligkeiten. Das hilft dir und dem/der Ärzt:in, den Verlauf besser einzuschätzen. 4 Fiebersenkende Mittel Wirkt dein Kind trotz Temperatur zufrieden (es spielt phasenweise, reagiert normal, trinkt), muss das Fieber nicht zwingend gesenkt werden. Wenn dein Kind sich aber deutlich unwohl fühlt, schlecht schläft, Schmerzen hat oder sehr matt wirkt, kann ein fiebersenkendes Mittel sinnvoll sein. Ein Zäpfchen senkt das Fieber etwa um ein halbes bis ein Grad und entlastet auf diese Weise den Kreislauf. In der Regel empfehlen Kinderärzte, ein Fieberzäpfchen ab 39°C und maximal alle sechs Stunden pro Tag zu geben. Am Abend hilft ein Zäpfchen dabei, gut ein- und weiterzuschlafen. Es vergehen allerdings 60 bis 90 Minuten, bis das Medikament seine maximale Wirkung beim kranken Kind erreicht hat. Frag deine Kinderärzt:in nach einem Fiebersaft, wenn sich dein Sohn oder deine Tochter gegen das Zäpfchen wehrt oder Durchfall hat. 5. Hausmittel mit Augenmass: Wadenwickel Hausmittel wie Wadenwickel können helfen, wenn dein Kind warme Beine hat, der Kreislauf stabil wirkt und es nicht fröstelt. Tauche einen Lappen in lauwarmes Wasser, wickle ihn um die Wade und erneuere den Wickel nach etwa 20 Minuten, wenn er sich erwärmt hat. Wenn dein Kind den Wickel als unangenehm erlebt, brich ab – Wohlbefinden geht vor. So misst du Fieber richtig Es gibt viele Möglichkeiten, um Fieber zu messen. Ohrthermometer wirken praktisch, bieten aber oft nur einen ersten Anhaltspunkt, da Ohrenschmalz das Ergebnis verfälschen kann. Wer die Temperatur genau messen will, misst im Darmausgang bzw. After (rektale Messung) mit einem digitalen Thermometer. Dies ist vor allem bei jungen Säuglingen unter 12 Monaten zu empfehlen. Eine flexible Spitze verhindert Verletzungen. Mit einer kleinen Geschichte kannst du das Warten auf das Signal des Thermometers besser überbrücken. Bei älteren Kindern lässt sich die Temperatur auch unter der Achsel oder im Mund messen. Die Spitze des Thermometers gehört dann unter die Zunge, der Mund wird geschlossen. Fieberkrampf: Was du tun kannst - und wann 144 Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, ist aber bei Kindern zwischen etwa 6 Monaten und 5 Jahren relativ häufig und in den meisten Fällen kurz und ohne bleibende Schäden. Trotzdem braucht dein Kind danach eine ärztliche Beurteilung – besonders beim ersten Ereignis. Erste Hilfe bei einem Fieberkrampf Bleib wenn möglich ruhig und schau auf die Uhr: Wie lange dauert der Krampf? Leg dein Kind sicher hin (am besten auf den Boden), entferne harte Gegenstände in der Nähe. Bring dein Kind in die stabile Seitenlage, sobald das möglich ist, damit Speichel oder Erbrochenes abfliessen kann. Löse enge Kleidung am Hals, sorge für frische Luft. Steck nichts in den Mund und halte die Zunge nicht fest. Gib nichts zu trinken oder zu essen, bis dein Kind wieder ganz wach ist. Wann du 144 rufen solltest Der Krampf dauert länger als 3 Minuten oder hört nicht auf. Dein Kind hat Atemprobleme, wird blau oder bleibt danach auffallend benommen. Mehrere Krämpfe innerhalb von 24 Stunden. Dein Kind ist jünger als 6 Monate oder du bist dir unsicher, ob es wirklich ein Fieberkrampf ist. Wann muss das Kind bei hohem Fieber zum Arzt? Fieber ist erstmal kein Grund, dein Kind sofort ärztlich untersuchen zu lassen. Erhöhte Temperatur kann dein Kind zwar schlapp, müde und empfindlich machen, doch sie schadet in der Regel nicht – vorausgesetzt, dein Kind trinkt genug und zeigt keine Warnzeichen. Akutes Fieber kann auch nicht unbegrenzt steigen. «Im Gegensatz zu einer Überhitzung, die zum Beispiel durch heisse Umgebung entstehen kann, steigt das Fieber nie höher als auf einen Wert zwischen maximal 41 und 42 Grad», erklärt Kinder- und Jugendarzt Dr. Elmar Veh aus Cham. Bei über 40°C handelt es sich allerdings bereits um eine potenziell lebensbedrohliche Körpertemperatur – besonders, wenn dein Kind dabei sehr krank wirkt. Meist sind es die Symptome der Infektion wie starker Durchfall, Erbrechen, Husten und Halsschmerzen, die einen Arztbesuch notwendig machen. Auch wenn die hohe Temperatur beim fiebernden Kind länger als einen Tag anhält oder schubweise auftritt, solltest du dein Kind ärztlich untersuchen lassen, um die Ursache abzuklären. Wann es sich um einen Notfall handelt In manchen Fällen von hohem Fieber ist es wichtig, dass du dein Kind sofort ärztlich vorstellen lässt. «Wenn das Fieber über 40°C steigt, das Bewusstsein verändert ist und das Kind nicht mehr so auf die Eltern reagiert wie sonst, bei roten und blauen Hautflecken oder wenn das Kind einen Fieberkrampf hat, der länger als drei Minuten dauert, sollten Eltern mit dem Kind umgehend einen Arzt aufsuchen», rät das Ostschweizer Kinderspital. In der Nacht sind Notfallambulanzen geöffnet; auch lässt sich der Rettungsdienst unter der Nummer 144 alarmieren. Suchen Sie bei folgenden Symptomen umgehend einen Arzt auf: Ihr Kind hat eine Körpertemperatur von über 40°C. Der Säugling ist weniger als drei Monate und hat eine Körpertemperatur von 38 Grad Celsius und höher. Das Kind hat Kopfschmerzen, einen steifen Nacken und ist lichtempfindlich. Das Kleinkind zeigt einen Ausschlag am Körper mit roten Punkten oder Flecken. Das Kind erbricht sich wiederholt und will nichts trinken. Das Kind wird zunehmend teilnahmslos und passiv. Das Fieber sinkt nicht, obwohl das Kind regelmässig Paracetamol oder Ibuprofen erhält. Das fiebernde Kind hat Atemnot. Das Kleinkind hat einen Fieberkrampf. Quelle: Notfall Elterninformation Fieber des Universitätsspitals Zürich Wann darf mein Kind wieder in Kita/Schule? Eine feste «Fieber-Grenze» gibt es nicht. Praktisch bewährt hat sich: Dein Kind sollte wieder teilnehmen können, wenn es insgesamt wieder fit wirkt, genug trinkt und im Alltag belastbar ist. Viele Betreuungseinrichtungen erwarten zusätzlich, dass dein Kind 24 Stunden fieberfrei ist (ohne fiebersenkende Mittel). Wenn dein Kind noch sehr müde ist oder schnell wieder «zusammenklappt», ist ein zusätzlicher Ruhetag oft sinnvoll. FAQ: Häufige Fragen zu hohem Fieber Ist 39°C beim Kind immer gefährlich? Nicht automatisch. Hohes Fieber kann bei banalen Virusinfekten auftreten. Wichtiger sind Allgemeinzustand, Trinkmenge, Atmung und Warnzeichen (z.B. Nackensteife, nicht wegdrückbarer Ausschlag, Teilnahmslosigkeit). Soll ich Fieber immer senken? Nicht zwingend. Zunächst steht die Linderung von Beschwerden im Vordergrund. Wenn dein Kind leidet, Schmerzen hat oder sehr matt ist, kann Senken sinnvoll sein. Kann Fieber das Gehirn schädigen? Fieber durch Infekte allein führt typischerweise nicht zu «Überhitzungsschäden». Kritisch sind vor allem Situationen mit ernsthaften Ursachen oder Warnzeichen. Bei sehr hohem Fieber und schlechtem Allgemeinzustand solltest du rasch ärztlich abklären lassen. Wann ist es bei Babys besonders dringend? Bei Säuglingen unter 3 Monaten gilt: ab 38°C immer zeitnah ärztlich beurteilen lassen, auch wenn dein Baby sonst ruhig wirkt (Kinderspital Zürich, Notfall Elterninformation Fieber).