Facebook Pixel

Sonnenallergie: Juckender Ausschlag im Sommer

Die Haut ist entzündet – und sie juckt. Mit der richtigen Behandlung kann eine Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose oder auch Mallorca-Akne) mit ihren Symptomen schnell verschwinden, weiss die Fachärztin für Dermatologie & Venerologie, Dr. Monique Stengel.

Sonnenallergie kann bei Kindern und Erwachsenen auftreten.

Bildunterschrift

Polymorphe Lichtdermatose und ihre Behandlung – Das Wichtigste in Kürze:

  • Das UV-Licht der Sonne kann besonders bei hellhäutigen Menschen zu Juckreiz, Pickeln, Rötungen, Knötchen oder Bläschen führen.
  • Die Symptome haben ihre Ursache in der Diagnose Sonnenallergie, auch polymorphe Lichtdermatose genannt.
  • Im Laufe des Sommers gewöhnt sich die Haut oft an die Sonneneinstrahlung und es tritt dann meist eine abgeschwächte Reaktion auf das Licht auf.
  • Tipp: Schützen Sie Ihre Haut mit langer Kleidung und Sonnencreme. Eine Behandlung mit Medikamenten kann im Akutfall Linderung verschaffen.

Frau Dr. Stengel, stellen Sie sich vor, die Kinder haben in der Sonne gespielt. Nun weint ein Kind. Auf seinem Handrücken hat sich ein Ausschlag mit Juckreiz gebildet. Wie können Eltern erkennen, ob es sich bei diesen Symptomen um eine Sonnenallergie oder um Hitzepickel handelt?

Dr. Monique Stengel: Eine Sonnenallergie entsteht immer im direkten Sonnenlicht durch die UV-Strahlung, also nur dort, wo die Haut direkt der Sonne ausgesetzt ist. Sie entwickelt sich demnach besonders häufig im Halsausschnitt, auf den seitlichen Oberarmen, den Handrücken, den Oberschenkeln und dem seitlichen Gesicht. Hitzepickel dagegen bilden sich dagegen durch einen Hitzestau, dort, wo die Haut durch enganliegende Kleidung oder Windeln bedeckt ist.

Eine Sonnenallergie kann in jedem Alter auftreten. Eine besondere Neigung dazu haben aber hellhäutige Menschen.

Zeigt die Haut von Kindern besonders häufig solch eine heftige Reaktion auf die Sonneneinstrahlung?

Nein, eine Sonnenallergie kann in jedem Alter auftreten. Eine besondere Neigung dazu haben aber hellhäutige Menschen, oft auch diejenigen, die eine Atopie, also eine Veranlagung zu Neurodermitis und zu Heuschnupfen haben. In unseren Breitengraden sind es die Frauen, die öfter unter einer Sonnenallergie leiden als Männer. In Kalifornien dagegen sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür fehlt noch.

Was passiert mit der Haut? Was ist die Ursache für die Symptome?

Die UV-Strahlung, vor allem die langwelligen UVA-Strahlen, die tief in die Haut eindringen, können entzündliche Prozesse in der Haut auslösen. So entstehen Pickel, Rötungen, Knötchen oder Bläschen. Es gibt kein einheitliches Bild für Sonnenallergie, denn sie sieht bei jedem Menschen anders aus. Deshalb trägt die Sonnenallergie auch den medizinischen Fachbegriff Polymorphe, also vielgestaltige, Lichtdermatose. Allerdings zeigt sie sich bei dem Betroffenen immer wieder gleich.

Wenn man die Sonne gänzlich meidet, geht die Sonnenallergie innerhalb von mehreren Tagen weg und hinterlässt auch keine bleibenden Spuren.

Sollte zügig der Arzt aufgesucht werden, um die Symptome und deren Ursache, die polymorphe Lichtdermatose, zu behandeln?

Ja, es gibt verschiedene Szenarien, in denen ein Arztbesuch sinnvoll ist. Zum Arzt sollte es zum Beispiel dann gehen, wenn das Kind oder der Erwachsene unter starkem Juckreiz leidet. Wichtig ist ein Arztbesuch auch dann, wenn die Sonnenallergie sehr stark ausgedehnt ist. Ich hatte neulich einen Patienten, der gerötete Knötchen auf den Ober- und Unterarmen, im Dekolleté und im Gesicht hatte. Und schliesslich kann es sein, dass der Betroffene oder die Eltern unsicher sind, ob es sich überhaupt um eine Sonnenallergie handelt. Ist es nicht doch etwa eine Kontaktallergie oder ein Ausschlag durch einen Virusinfekt oder auf ein Arzneimittel, das kürzlich eingenommen wurde?

Mit welcher Therapie kann man diese spezielle Allergie behandeln, welche Medikamente kann man zur Behandlung der Symptome verwenden?

Die Abheilung lässt sich durch eine freiverkäufliche Zinkschüttelmixtur fördern. Zink wirkt entzündungshemmend. Bei einer stärkeren Ausprägung verschreiben Hautärzte Cortison in Form einer kühlenden Lotion oder Creme. Gegen den Juckreiz hilft ein freiverkäufliches Antihistaminikum aus der Apotheke. Wenn man die Sonne gänzlich meidet, geht die Sonnenallergie innerhalb von mehreren Tagen weg und hinterlässt auch keine bleibenden Spuren.

Im Laufe der Sommersaison erfahren die meisten Patienten eine Lichtgewöhnung. Dann ist die Haut nicht mehr so empfindlich.

Muss ein Familienmitglied, das betroffen ist, damit rechnen, dass die polymorphe Lichtdermatose beim nächsten Bad im UV-Licht wieder auftritt oder kann es sich schützen?

Die Sonnenallergie tritt meist zu Beginn der Sommersaison auf. Im Laufe der Sommersaison erfahren die meisten Patienten eine Lichtgewöhnung. Dann ist die Haut nicht mehr so empfindlich. Aber die Veranlagung zur Sonnenallergie bleibt bestehen. Zum Sommeranfang im nächsten Jahr kann sie also wieder auftreten.

Wie kann man vorbeugen? Haben Sie einen Tipp?

Mein Tipp: Bitte ein vernünftiger Umgang mit der Sonne, ganz nach dem Motto «Meiden, Kleiden, Cremen». In unseren Breitengraden sollten wir die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden und uns im Schatten aufhalten. Darüber hinaus schützt langärmlige Kleidung gut vor Sonne. Wenn sie aus luftiger Baumwolle oder Leinen besteht, lässt sie sich angenehm tragen. Ein Sonnenhut beugt Hautkrebs- und Hautkrebsvorstufen auf der Kopfhaut und an den Ohren und auch dem Sonnenstich vor.

Wichtig ist ein Sonnenschutzmittel mit entsprechend hohem Lichtschutzfaktor 50 plus.

Welchen Sonnenschutz sollten Menschen verwenden, die zur Diagnose Sonnenallergie neigen?

Wichtig ist ein Sonnenschutzmittel mit entsprechend hohem Lichtschutzfaktor 50 plus. Es gibt Lichtschutzmittel, die speziell für Sonnenallergiker entwickelt worden sind. Solche Sonnenschutzmittel sind fett- und emulgatorfrei, da diese beiden Substanzen als wichtigste Auslöser der Mallorca-Akne, einer Variante der Sonnenallergie, gelten.

Hin und wieder ist zu lesen, Calcium, Betakarotin oder Escherichia coli Extrakt könnten der polymorphen Lichtdermatose oder auch Mallorca-Akne vorbeugen und seien zur Therapie geeignet.

Die Vorbeugung durch Einnahme von Calcium, Betakarotin oder Escherichia coli Extrakt ist leider enttäuschend. Kontrollierte Studien konnten ihre Wirksamkeit nicht belegen. Deshalb können sich Familien das Geld dafür sparen.

Dr. Monique Stengel kennt sich mit Sonnenallergie aus.

Dr. Monique Stengel ist Fachärztin für Dermatologie & Venerologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie und Naturheilverfahren. Sie ist dreifache Mutter und unter anderem auch auf Kinderdermatologie spezialisiert. Ihre Dermatologische Privatpraxis befindet sich in Starnberg.