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Sonnenallergie: Juckender Ausschlag im Sommer

Die Haut ist entzündet – und sie juckt. Gerade bei Kindern kann ein Ausschlag nach dem Spielen oder Baden in der Sonne sehr verunsichern. Häufig steckt hinter den Beschwerden eine sogenannte «Sonnenallergie» – medizinisch meist eine polymorphe Lichtdermatose, manchmal auch Mallorca-Akne oder eine phototoxische/photoallergische Reaktion. Mit der richtigen Einordnung und passenden Massnahmen klingen die Symptome oft innerhalb weniger Tage ab, sagt die Fachärztin für Dermatologie & Venerologie, Dr. Monique Stengel.

Sonnenallergie kann bei Kindern und Erwachsenen auftreten.
Bildunterschrift

Polymorphe Lichtdermatose und ihre Behandlung – Das Wichtigste in Kürze:

  • UV-Licht kann besonders bei hellhäutigen Menschen zu Juckreiz, Rötungen, Knötchen, Bläschen oder pickelartigen Veränderungen führen.
  • «Sonnenallergie» ist ein Sammelbegriff: Am häufigsten ist die polymorphe Lichtdermatose, seltener sind Mallorca-Akne oder photo(allergische)/phototoxische Reaktionen.
  • Typisch: Zu Saisonbeginn reagiert die unverbräunte Haut stärker; später kommt es bei vielen zu einer gewissen Lichtgewöhnung.
  • Soforthilfe: aus der Sonne, kühlen, lockere Kleidung. Bei starkem Juckreiz oder ausgedehntem Ausschlag ärztlich abklären lassen.
  • Vorbeugung nach dem Prinzip «Meiden, Kleiden, Cremen»: Schatten, UV-Schutzkleidung und Sonnenschutz mit UVA- und UVB-Schutz.

Was ist eine «Sonnenallergie»?

Im Alltag meint «Sonnenallergie» meist einen juckenden Ausschlag nach Sonne – medizinisch ist das aber nicht immer dasselbe. Für Familien ist vor allem wichtig: Wo tritt der Ausschlag auf (nur an sonnenexponierten Stellen oder auch unter Kleidung)? Wie schnell nach der Sonne beginnt er? Gab es neue Medikamente, Kosmetika oder Pflanzenkontakt? Diese Hinweise helfen Ärzt:innen und Apotheker:innen bei der Einordnung.

Polymorphe Lichtdermatose 

Die polymorphe Lichtdermatose ist die häufigste Ursache für einen juckenden «Sonnenallergie»-Ausschlag. Typisch ist, dass die Symptome Stunden bis auch 1–2 Tage nach der ersten stärkeren Sonne im Frühling oder Frühsommer auftreten – vor allem auf Haut, die noch nicht an UV-Licht gewöhnt ist. Häufig betroffen sind Dekolleté/Halsausschnitt, seitliche Oberarme, Handrücken, Oberschenkel und seitliches Gesicht. Das Erscheinungsbild ist «vielgestaltig»: mal kleine Knötchen, mal Flecken, mal Bläschen – bei einer Person aber oft immer wieder ähnlich. 

Phototoxische oder photoallergische Reaktion: Wenn ein Auslöser dazukommt

Manchmal reagiert die Haut nicht «nur» auf UV-Licht, sondern auf die Kombination aus Sonne und einem zusätzlichen Auslöser. Das kann zum Beispiel passieren bei:

  • Medikamenten (z.B. einzelne Antibiotika, entwässernde Medikamente, Akne-Medikamente oder pflanzliche Präparate wie Johanniskraut – entscheidend ist immer der konkrete Wirkstoff)
  • Kosmetika/Parfüm oder ätherischen Ölen auf der Haut
  • Pflanzenkontakt (z.B. Wiesenpflanzen) plus Sonne

Solche Reaktionen können stärker brennen, schmerzen oder sehr scharf begrenzt sein. Wenn du einen solchen Trigger vermutest: Auslöser sofort weglassen, konsequent vor Sonne schützen und bei ausgeprägten Beschwerden ärztlich abklären lassen. 

Mallorca-Akne: knötchenförmig, oft in Kombination mit fetthaltigen Produkten

Mallorca-Akne wird oft als Variante der Sonnenreaktionen eingeordnet. Sie zeigt sich eher als gleichförmige, pickelartige Knötchen – häufig an Oberarmen, Schultern, Dekolleté oder Rücken – und kann durch UV-Licht in Kombination mit (bei Neigung) eher fetthaltigen Pflege- oder Sonnenschutzprodukten begünstigt werden. Praktisch heisst das: Wenn dein Kind oder du dazu neigt, kann ein leichteres, nicht-komedogenes Sonnenschutzprodukt sinnvoll sein.

Frau Dr. Stengel, stellen Sie sich vor, die Kinder haben in der Sonne gespielt. Nun weint ein Kind. Auf seinem Handrücken hat sich ein Ausschlag mit Juckreiz gebildet. Wie können Eltern erkennen, ob es sich bei diesen Symptomen um eine Sonnenallergie oder um Hitzepickel handelt?

Dr. Monique Stengel: Eine Sonnenallergie entsteht immer im direkten Sonnenlicht durch die UV-Strahlung, also nur dort, wo die Haut direkt der Sonne ausgesetzt ist. Sie entwickelt sich demnach besonders häufig im Halsausschnitt, auf den seitlichen Oberarmen, den Handrücken, den Oberschenkeln und dem seitlichen Gesicht. Hitzepickel dagegen bilden sich dagegen durch einen Hitzestau, dort, wo die Haut durch enganliegende Kleidung oder Windeln bedeckt ist.

Eine Sonnenallergie kann in jedem Alter auftreten. Eine besondere Neigung dazu haben aber hellhäutige Menschen.

Zeigt die Haut von Kindern besonders häufig solch eine heftige Reaktion auf die Sonneneinstrahlung?

Nein, eine Sonnenallergie kann in jedem Alter auftreten. Eine besondere Neigung dazu haben aber hellhäutige Menschen, oft auch diejenigen, die eine Atopie, also eine Veranlagung zu Neurodermitis und zu Heuschnupfen haben. In unseren Breitengraden sind es die Frauen, die öfter unter einer Sonnenallergie leiden als Männer. In Kalifornien dagegen sind Frauen und Männer gleich häufig betroffen. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür fehlt noch.

Für Familien wichtig: Bei Säuglingen und kleinen Kindern gilt generell: Ihre Haut ist empfindlicher, sie überhitzen schneller und ein Sonnenbrand kann schwerer wiegen. Unabhängig davon, ob es «Sonnenallergie» ist oder nicht, sollte bei Babys und Kleinkindern bei auffälligen Hautreaktionen früher ärztlich nachgefragt werden – auch, weil andere Ursachen (Infekte, Ekzeme, Medikamentenreaktionen) dahinterstecken können.

Was passiert mit der Haut? Was ist die Ursache für die Symptome?

Die UV-Strahlung, vor allem die langwelligen UVA-Strahlen, die tief in die Haut eindringen, können entzündliche Prozesse in der Haut auslösen. So entstehen Pickel, Rötungen, Knötchen oder Bläschen. Es gibt kein einheitliches Bild für Sonnenallergie, denn sie sieht bei jedem Menschen anders aus. Deshalb trägt die Sonnenallergie auch den medizinischen Fachbegriff Polymorphe, also vielgestaltige, Lichtdermatose. Allerdings zeigt sie sich bei dem Betroffenen immer wieder gleich.

Sofortmassnahmen bei juckendem Ausschlag nach Sonne

Was du sofort tun kannst

  • Raus aus der Sonne (Schatten, drinnen) und die betroffenen Stellen bedecken.
  • Kühlen: kühle Umschläge oder kurz lauwarm abspülen. Nicht eiskalt und nicht direkt Eis auf die Haut.
  • Locker kleiden: Reibung und Wärmestau verstärken Juckreiz.
  • Nicht kratzen: Bei Kindern helfen kurz geschnittene Nägel und Ablenkung; bei starkem Juckreiz lieber frühzeitig beraten lassen.
  • Sanfte Pflege: eine unparfümierte, einfache Feuchtigkeitspflege kann die Hautbarriere unterstützen. «After Sun» kann angenehm sein, behebt aber nicht den Auslöser – entscheidend ist konsequentes Meiden weiterer UV-Exposition.

Medikamente: was oft hilft – und wann du Beratung brauchst

Je nach Ausprägung kann eine kurzfristige Behandlung sinnvoll sein. Wichtig: Bei Kindern (und besonders bei Säuglingen) solltest du Medikamente und Wirkstärken immer mit Ärzt:in oder Apotheker:in absprechen.

  • Zinkschüttelmixtur kann entzündungshemmend wirken und die Haut beruhigen.
  • Kortisonhaltige Lotion/Creme kann bei stärkerer Entzündung die Beschwerden rasch lindern – richtige Wirkstärke, Dauer und Körperstelle sind bei Kindern besonders wichtig.
  • Antihistaminikum kann gegen Juckreiz helfen; mögliche Müdigkeit ist im Alltag relevant (z.B. im Ferienprogramm, beim Velofahren).

Wenn man die Sonne gänzlich meidet, geht die Sonnenallergie innerhalb von mehreren Tagen weg und hinterlässt auch keine bleibenden Spuren.

Sollte zügig der Arzt aufgesucht werden, um die Symptome und deren Ursache, die polymorphe Lichtdermatose, zu behandeln?

Ja, es gibt verschiedene Szenarien, in denen ein Arztbesuch sinnvoll ist. Zum Arzt sollte es zum Beispiel dann gehen, wenn das Kind oder der Erwachsene unter starkem Juckreiz leidet. Wichtig ist ein Arztbesuch auch dann, wenn die Sonnenallergie sehr stark ausgedehnt ist. Ich hatte neulich einen Patienten, der gerötete Knötchen auf den Ober- und Unterarmen, im Dekolleté und im Gesicht hatte. Und schliesslich kann es sein, dass der Betroffene oder die Eltern unsicher sind, ob es sich überhaupt um eine Sonnenallergie handelt. Ist es nicht doch etwa eine Kontaktallergie oder ein Ausschlag durch einen Virusinfekt oder auf ein Arzneimittel, das kürzlich eingenommen wurde?

Mit welcher Therapie kann man diese spezielle Allergie behandeln, welche Medikamente kann man zur Behandlung der Symptome verwenden?

Die Abheilung lässt sich durch eine freiverkäufliche Zinkschüttelmixtur fördern. Zink wirkt entzündungshemmend. Bei einer stärkeren Ausprägung verschreiben Hautärzte Cortison in Form einer kühlenden Lotion oder Creme. Gegen den Juckreiz hilft ein freiverkäufliches Antihistaminikum aus der Apotheke. Wenn man die Sonne gänzlich meidet, geht die Sonnenallergie innerhalb von mehreren Tagen weg und hinterlässt auch keine bleibenden Spuren.

Im Laufe der Sommersaison erfahren die meisten Patienten eine Lichtgewöhnung. Dann ist die Haut nicht mehr so empfindlich.

Muss ein Familienmitglied, das betroffen ist, damit rechnen, dass die polymorphe Lichtdermatose beim nächsten Bad im UV-Licht wieder auftritt oder kann es sich schützen?

Die Sonnenallergie tritt meist zu Beginn der Sommersaison auf. Im Laufe der Sommersaison erfahren die meisten Patienten eine Lichtgewöhnung. Dann ist die Haut nicht mehr so empfindlich. Aber die Veranlagung zur Sonnenallergie bleibt bestehen. Zum Sommeranfang im nächsten Jahr kann sie also wieder auftreten.

Wann ärztliche Abklärung – und wann ist es ein Notfall?

Checkliste: Dann solltest du medizinische Hilfe holen

  • Sofort Notruf 144, wenn Atemnot, Kreislaufprobleme, Ohnmacht, schwere allergische Allgemeinsymptome oder rasch zunehmende starke Schwellungen auftreten.
  • Heute noch ärztlich abklären, wenn grossflächige Blasen entstehen, starke Schmerzen da sind, Fieber dazukommt, das Gesicht/ die Augenlider stark anschwellen oder der Ausschlag sehr schnell zunimmt.
  • Frühzeitig abklären, wenn es ein Säugling betrifft, wenn du einen Medikamenten-Auslöser vermutest oder wenn unklar ist, ob es nicht doch z.B. eine Infektion, ein Ekzem oder eine Kontaktreaktion ist.

Vorbeugen: So reduzierst du das Risiko in Alltag und Ferien

Wie kann man vorbeugen? Hast du einen Tipp?

Mein Tipp: Bitte ein vernünftiger Umgang mit der Sonne, ganz nach dem Motto «Meiden, Kleiden, Cremen». In unseren Breitengraden sollten wir die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr meiden und uns im Schatten aufhalten. Darüber hinaus schützt langärmlige Kleidung gut vor Sonne. Wenn sie aus luftiger Baumwolle oder Leinen besteht, lässt sie sich angenehm tragen. Ein Sonnenhut beugt Hautkrebs- und Hautkrebsvorstufen auf der Kopfhaut und an den Ohren und auch dem Sonnenstich vor.

Wichtig ist ein Sonnenschutzmittel mit entsprechend hohem Lichtschutzfaktor 50 plus.

UV-Schutz, der wirklich zählt (UVA und UVB)

Für die Vorbeugung ist entscheidend, dass der Sonnenschutz nicht nur «hohen LSF» hat, sondern auch UVA- und UVB-Schutz bietet. UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein und spielen bei lichtbedingten Hautreaktionen eine wichtige Rolle. Praktisch im Familienalltag:

  • Mittagssonne meiden und Schatten nutzen (auch im Wasser und bei Wolken).
  • Schutz durch Kleidung: dicht gewebte Stoffe oder UV-Shirts, plus Sonnenhut.
  • Grosszügig eincremen und regelmässig nachcremen – besonders nach Baden, Schwitzen und Abtrocknen.
  • Bei empfindlicher Haut: eher parfümfreie, gut verträgliche Produkte wählen.

«Langsame Gewöhnung» – aber sicher

Viele Betroffene erleben im Verlauf des Sommers eine Lichtgewöhnung. Das bedeutet nicht, dass «viel Sonne» die Lösung ist – sondern dass kurze, kontrollierte Aufenthalte zu Beginn der Saison (mit Schutz) oft besser vertragen werden als ein plötzlicher, langer Tag am See. Wenn schon Symptome da sind: erst wieder in die Sonne, wenn die Haut abgeheilt ist, und dann langsam steigern.

Trigger vermeiden: kurzer Auslöser-Check vor dem Sonnenbad

Wenn bei dir oder deinem Kind der Verdacht auf eine phototoxische/photoallergische Reaktion besteht, kann diese Mini-Checkliste helfen:

  • Wurde ein neues Medikament begonnen oder die Dosis verändert?
  • Gab es neues Parfüm, Aftershave, ätherische Öle, Sonnenspray oder eine neue Creme?
  • Gab es Pflanzenkontakt (Wiese, Garten) auf der Haut, bevor es in die Sonne ging?

Wenn du hier «Ja» ankreuzen würdest und die Reaktion deutlich ist: lieber medizinisch abklären lassen, statt weiter zu experimentieren.

Welchen Sonnenschutz sollten Menschen verwenden, die zur Diagnose Sonnenallergie neigen?

Wichtig ist ein Sonnenschutzmittel mit entsprechend hohem Lichtschutzfaktor 50 plus. Es gibt Lichtschutzmittel, die speziell für Sonnenallergiker entwickelt worden sind. Solche Sonnenschutzmittel sind fett- und emulgatorfrei, da diese beiden Substanzen als wichtigste Auslöser der Mallorca-Akne, einer Variante der Sonnenallergie, gelten.

Hin und wieder ist zu lesen, Calcium, Betakarotin oder Escherichia coli Extrakt könnten der polymorphen Lichtdermatose oder auch Mallorca-Akne vorbeugen und seien zur Therapie geeignet.

Die Vorbeugung durch Einnahme von Calcium, Betakarotin oder Escherichia coli Extrakt ist leider enttäuschend. Kontrollierte Studien konnten ihre Wirksamkeit nicht belegen. Deshalb können sich Familien das Geld dafür sparen.

FAQ: Häufige Fragen von Eltern

Kann mein Kind trotzdem in die Sonne?

Ja – wenn die Haut wieder symptomfrei ist und du konsequent schützt: Schatten, Kleidung und Sonnenschutz mit UVA/UVB. Starte mit kurzen Zeiten und beobachte die Haut. Wenn der Ausschlag jedes Mal wiederkommt oder stärker wird, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Ist eine Sonnenallergie ansteckend?

Nein. Ein Ausschlag nach Sonne kann aber auch andere Ursachen haben (z.B. viraler Ausschlag, Ekzem, Kontaktreaktion oder Medikamentenreaktion). Wenn du unsicher bist oder das Kind sich krank fühlt, lass es abklären.

Welche Rolle spielen Nahrungsergänzungen?

Für Calcium, Betakarotin oder Escherichia coli Extrakt ist der Nutzen zur Vorbeugung nicht überzeugend belegt. Wenn du trotzdem über Supplemente nachdenkst (z.B. wegen anderer Gründe), besprich das am besten mit Kinderärzt:in oder Apotheker:in – gerade bei Kindern.

Dr. Monique Stengel kennt sich mit Sonnenallergie aus.

Dr. Monique Stengel ist Fachärztin für Dermatologie & Venerologie mit Zusatzbezeichnung Allergologie und Naturheilverfahren. Sie ist dreifache Mutter und unter anderem auch auf Kinderdermatologie spezialisiert. Ihre Dermatologische Privatpraxis befindet sich in Starnberg.

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