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Der Islam für Kinder einfach erklärt

«Mami, warum darf Yussuf aus meiner Klasse kein Schweinefleisch essen?» Solche Fragen sind in einer globalisierten Welt keine Seltenheit mehr. Damit Sie Ihren Kindern die richtige Auskunft geben und andere Kulturen bzw. Religionen verständlich erklären können, finden Sie hier eine kurze Zusammenfassung über den Islam.

Islam für Kinder erklärt

Muslimische Kinder in der traditionellen Tracht. Foto: Hemera-Thinkstock

Weshalb, wieso und warum? Kinder interessieren oft ganz andere Aspekte an Religionen als Erwachsene. Andere Religionen, andere Sitten, andere Geschichte. Wir versuchen Antworten auf die häufigsten Kinderfragen zu geben.

Drei Kinderfragen zum Christentum

Was ist Ramadan?

Ramadan ist eine der fünf Säulen, die Muslime vollführen, um ihren Glauben zu bekräftigen. Der Ramadan ist die Bezeichnung für den Fastenmonat, der im neunten Monat (Juni, Juli) des islamischen Mondkalenders stattfindet.  Jährlich wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet. Erst nach Sonnenuntergang dürfen Muslime wieder alles essen Zu den fünf Säulen zählen unter anderem noch das Gebet, die Pilgerreise nach Mekka, die Almosensteuer und das Glaubensbekenntnis.

Weshalb essen Muslime kein Schweinefleisch?

Das Verbot findet sich im Koran (unter anderem auch im Alten Testament) wieder. Gott verbietet den Verzehr von Schweinefleisch, Blut und Aas. Begründungen sind schwierig zu finden. Allahs Gesetz gilt, ausser man ist gezwungen. Dann ist es dem Muslim erlaubt, Schweinefleisch zu essen.

Warum tragen muslimische Frauen Kopftücher?

Nicht alle muslimischen Frauen tragen Kopftücher. Zudem ist es im Koran auch nicht ausdrücklich festgehalten. Allerdings verweist der Koran auf «Schicklichkeit». Frauen sollen nicht belästigt werden und ihre Keuschheit wahren können. Je nach Interpretation und Glaubensströmung entwickelten sich dadurch unterschiedliche Kleidungskodexe für die Frauen.

Reicht das Ihren Kindern noch nicht, dann finden Sie hier weitere Hintergründe um Kindern den Islam verständlich zu machen.

Geschichte des Islams in Kürze

Der Islam nahm seine Ursprünge im fernen Arabien. Die religiösen Ansichten waren dazumal noch polytheistisch. Die Menschen glaubten an viele Götter. 570 n. Chr. wurde Mohammed in der Stadt Mekka geboren. In einer Zeit in der mächtige Sippen das Sagen hatten, wurde er von seinem Onkel Abu Talib zum Kaufmann erzogen. Eine reiche Geschäftsfrau –Chadidscha - verliebte sich in Mohammed und zusammen führten sie ein glückliches Leben. Mohammed reichte dies aber mit der Zeit nicht aus. Er suchte nach Wahrheit und nach Frieden. Zunehmend zog er sich zum umliegenden Berg Hira zurück. Eines Tages erschien ihm dort der Engel Gabriel. Er sprach «Iqra- Sprich Gott nach». Und Mohammed ging zurück in die Stadt und verbreitete die Lehre Allahs. Seine Offenbarungen teilte er mit seiner wachsenden Glaubensgemeinschaft, die er im Kampf um die Anerkennung des einzig wahren Gottes anführte.

Der Islam weitete sich über die ganze arabische Halbinsel aus und ist heute in vielen weiteren Regionen der Welt die Hauptreligion.

Was steht im Koran?

Der Koran bedeutet das unverfälschte Wort Gottes. Er beschreibt die Handlungen und Aussagen von Mohammed. Da Allah durch Mohammed sprach, gilt der Koran als Gottes Offenbarung und dient als Leitfaden für das Leben. Der Koran ist in 114 Suren gegliedert und erzählt von der Geschichte der alten Völker, über Naturerscheinungen und die Schöpfung.

Wo wird gebetet?

Das Gebetshaus der Muslime ist die Moschee. Die Moschee besteht aus einem Betsaal, Minaretten und Waschgelegenheiten. Vom Minarett aus ruft der Muezzin die Muslime fünfmal am Tag zum Gebet auf. Wer keine Moschee in der Nähe hat, kann auch bei sich zu Hause seine täglichen Betpflichten erledigen. Wichtig ist, dass man sich vorher gründlich wäscht und seinen Gebetsteppich nach Mekka ausrichtet. Das Gebet der Muslime verläuft knieend. Das wichtigste Gebet ist aber das Freitagsgebet. Dann hält der Imam - der Vorbeter - eine Predigt.

Islam für Kinder erklärt

Muslime beten kniend. Foto: iStockphoto-Thinkstock

Die wichtigsten Feste im Islam

Fest des Fastenbrechens: Aid el Fitr

Am Ende des Fastenmonats Ramadan beginnt das Fest des Fastenbrechens. Am letzten Fastentag bei Sonnenuntergang versammeln sich die Muslime zum rituellen Festgebet. Speisen und Süssigkeiten werden verteilt und in der Moschee sowie zu Hause wird gefeiert und gespiesen. Das Fest dauert 3 Tage.

Das Opferfest: Aid el Adha

Das Opferfest ist das grösste und wichtigste Fest im Islam. Man feiert den Propheten Abraham, der seinen Sohn opfern wollte als Beweis seiner Loyalität gegenüber Allah. Mit einem Tieropfer danken die Muslime der Rettung von Abrahams Sohn Ismael, dem Stammvater der Muslime. Das Fleisch wird an arme Leute oder Bedürftige verteilt. Das Fest dauert vier Tage.

Die verschiedenen Strömungen: Schiiten und Sunniten

Wie im Christentum oder Judentum haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche islamische Gruppierungen geformt. Die zwei Hauptströmungen sind die Shiiten und die Sunniten. Die Differenzierung begann mit dem Tod Mohammeds und der Frage, wer von nun an die Muslimische Gemeinschaft führen soll. Die Schiiten waren der Meinung es sollte ein biologischer Nachfahre des Propheten sein, während die Sunniten sich für die geeignetste Person aussprachen.

Diese Meinungsverschiedenheit führte dazu, dass die Schiiten und Sunniten andere Personen als Führungsoberhäupter anerkannten. Bei den Schiiten entwickelte sich der sogenannte Imamismus. Der Imam ist das Oberhaupt des Islams und Nachfolger Mohammeds. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Strömungen. Der grösste Teil der Schiiten glaubt, dass es nur 12 wahrhaftige Nachfolger Mohammeds gibt. Bis heute wartet man in messianischer Hoffnung auf die Rückkehr des 13. Imams.

Die Sunniten erkennen das Kalifat als Führungssystem an. Oft wird es durch Verwandtschaft weitergegeben. Die Sunniten bilden die meist verbreitete muslimische Glaubensrichtung. Unterschiede lassen sich auch in der Koraninterpretation, Feiern von Festtagen und in weiteren religiösen Aspekten wiederfinden.

Autor: Martina Waldis im September 2012