Ein Kind, das quengelt, will seine Eltern nicht nerven

«Hör jetzt auf!» Wenn Kinder jammern und greinen, sind Eltern bald genervt. Kinder wollen ihre Eltern damit aber nicht ärgern. Die vier häufigsten Gründe, warum ein Kind quengelt und was dagegen hilft.

Wenn Kinder quengeln und das ständig, sind Eltern genervt

 Foto: Alvenmod, iStock, Thinkstock

«Ich will aber noch ein Glace!», «Können wir auf den Spielplatz gehen?», «Warum denn nicht …», «Ich will aber …» Es gibt kein kleines Kind auf dieser Welt, dass nicht stundenlang quengeln kann. Eltern bringt das Jammern an ihre Grenzen. Manchmal schleicht sich bei Eltern manchmal auch der Verdacht ein, das Greinen und Jammern habe vor allem ein Ziel: Sie zu ärgern. Doch ein Kind, das nörgelt, will seine Eltern nicht reizen. Häufig ist einfach unzufrieden mit der Situation, in der es sich befindet. Und genau das will es seinen Eltern mitteilen.

Quengeln tritt übrigens meist nur im Klein- und Kindergartenalter stark auf, oft kündigt es einen neuen Entwicklungsschub an. «Kurz vor einem Entwicklungsschub stehen besonders kleine Kinder oft unter einer grossen Anspannung, die sie mit Quengeln und Jammern zum Ausdruck bringen», erklärt die Autorin Doro Kammerer in ihrem Buch über die «Die ersten drei Lebensjahre».

Ermutigen statt Schimpfen

Deshalb schadet es oft mehr als es hilft, das Quengeln mit einem Machtwort beenden zu wollen. Sätze wie «Hör jetzt auf!», «Sei endlich mal still!» «Ich habe genug gehört, geh jetzt in dein Zimmer!» sind menschlich, werden den Kindern aber nicht immer gerecht. Wird mit Schimpfen und Drohen versucht, der Quengelei Einhalt zu gebieten, leidet die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Das Kind fühlt sich unverstanden und sieht seine Bedürfnisse missachtet. Besser ist es, der Ursache der Quengelei auf den Grund zu gehen. Häufig gibt es vier verschiedene Ursachen und Bedürfnisse, die hinter dem Quengeln stecken. 

«Die Erfahrung des Kindes, dass jemand bei Bedarf verlässlich da ist und auf seine Bedürfnisse angemessen reagiert, gibt ihm das Gefühl, wertvoll und wichtig zu sein und mit seinem Verhalten etwas bewirken zu können», erklären Dipl. Psych. Britta Behrends und Prof. Dr. Guy Bodenmann von der Universität Zürich.

1 Quengeln aus Hunger, Durst, Müdigkeit

Sehr häufig hat ein Kind, das quengelt, wichtige, körperliche Bedürfnisse. Es ist hungrig oder durstig, oft auch einfach müde und braucht eine gute Portion Schlaf. Ist ihm zu heiss, friert es oder wird es etwa krank? Manchmal sind Kinder auch einfach überfordert – zum Beispiel, wenn es einen anstrengenden Tag, den es in der Kita oder im Kindergarten hatte, von dem weiten Weg, den es zurückzulegen gilt oder dem langen Stillsitzen im Auto.

Was hilft:

Wenn ein Kind Hunger oder Durst hat, müde ist oder sich überfordert fühlt, gilt es einfach das Bedürfnis so schnell als möglich zu befriedigen. Trinken, essen, schlafen, ausruhen, Pause machen. Lässt sich das Problem aber nicht schnell lösen, brauchen Kinder viel Ermutigung. «Ich verstehe, dass du Hunger hast. Im nächsten Geschäft, das wir sehen, kaufen wir ein Brötchen. Du kannst mithelfen, nach einem Geschäft zu suchen.» Wichtig ist, dass beim Kind ankommt, es wird gehört.

2 Quengeln, weil sie aus dem Spiel gerissen werden

«Ich will noch bleiben!», «Noch ein Mal!» «Neeeeeeeinnnn!» So reagieren Kinder häufig, wenn sie ihr Spiel beenden und nach Hause oder ins Bett gehen sollen. Das Verlassen des Spielplatzes und das Abholen beim Freund oder der Freundin ist oft von Tränen und Dramen begleitet, weil kleine Kinder Zeitabläufe noch nicht verstehen können und die Folgen ihres Tuns noch nicht abschätzen können. Wenn Kinder spielen, verlieren sie sich im Hier und Jetzt. Sie sind in einer anderen Welt versunken, in einer Welt voller interessanter Herausforderungen, aus denen sie lernen können. Kein Kind freut sich, aus dem Spiel gerissen zu werden. Erklärungen der Erwachsenen, wie «Sonst bist du morgen wieder müde» interessiert es in der Regel nicht.

Was hilft:

Eltern sollten rechtzeitig ankündigen, dass das Spiel bald beendet werden muss. So kann sich das Kind darauf vorbereiten und wird nicht unsanft herausgerissen. Häufig hilft es, wenn man dem Kind noch die Möglichkeit gibt etwas Schönes zu Ende zu machen. Eltern könnten zum Beispiel sagen: «Wir müssem bald gehen, schau, dass du deine Tiere jetzt noch einmal verarztet, damit sie heute noch gesund werden können», «Wir gehen nach Hause, vorher darfst du wählen, ob du noch einmal rutschen oder schaukeln möchtest». «Wenn du die Zähne geputzt hast, darfst du dir noch eine Gecchichte zum Vorlesen aussuchen.»

3 Quengeln, weil man noch mehr haben könnte

Noch ein Glacé! Ein Schokoriegel an der Supermarktkasse! Noch eine Runde auf dem Karussell! Manchmal nehmen die Wünsche der Kinder kein Ende. Hier geht es um reine Konsumbefriedigung, die Eltern getrost begrenzen sollten.

Was hilft

Konsum macht nicht glücklich! Und deshalb braucht ein Kind weder ein zweites Glace am Tag noch Süssigkeiten an der Supermarktkasse, noch eine sechste Runde auf dem Karussell. Wichtig ist aber für ein Kind zu wissen, was es erwarten kann, damit es nicht enttäuscht ist. Klare Vereinbarungen helfen: «An heissen Tagen darfst du dir ein Mal am Tag ein Glace aus der Tiefkühltruhe nehmen», «Im Supermarkt darfst du mir helfen, die Dinge zu suchen, die auf der Einkaufsliste stehen», «Ich kaufe dir drei Chips für das Karussell».

4 Quengeln aus Langeweile

Manchmal quengelt das Kind den ganzen Tag scheinbar grundlos, mal will es dies, mal will es das. Oft steckt einfach Langeweile dahinter. Das Kind weiss einfach nichts mit sich alleine anzufangen! Langeweile ist für ein Kind schwer auszuhalten und macht es unleidlich.

Was hilft

Kinder wollen matschen, toben und Abenteuer erleben. Knete, Playmais, eine Bude unterm Tisch, das kleine Trampolin - aus dem Keller nach oben geholt - sorgen für neue Beschäftigung. Doch nicht immer fehlt es dem Kind an Ideen, wenn es Langeweile hat. Es will einfach nicht alleine spielen! Ihm fehlt ein Spielkamerad oder wünscht sich, dass die Eltern sich mit ihm beschäftigen. Schön ist es, wenn Eltern es sich dann einrichten können, mit dem Kind zu basteln, einen Kuchen zu backen oder im Garten auf Löwenjagd zu gehen. Vielleicht hat auch das Nachbarskind Zeit? 

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Wie Sie der Quengelei vorbeugen

Kinder sollten wissen: Ich darf einen Wunsch äussern. Mama und Papa hören mir zu. Dann besprechen wir, ob er erfüllt werden kann oder nicht. Diese Sicherheit, von den Eltern gehört zu werden, beugt Quengeln in vielen Fällen vor. Darüber hinaus hilft vorausschauendes Planen. Ist zum Beispiel eine längere Autofahrt geplant, ist es wichtig, genügend Zeit für Pausen einzukalkulieren, in denen das Kind sich bewegen kann. Hat das Kind im Auto genügend Spielmöglichkeiten? Praktisch sind eine Zaubertafel zum Malen, ein CD-Player für Hörspiele und Kindermusik zum Mitsingen. Auch ein Rätselheft, das bei Langeweile aus der Handtasche gezogen wird, bietet Quengelei schnell Einhalt. Klar, dass auch genügend Trinken und Proviant an Bord sein sollte.

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