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Wer ist sie? Wenn Mädchen in die Pubertät kommen

Es ist Pubertät - und Sie können ihre Tochter nicht mehr verstehen? Ihrem Kind geht es genauso. Was in den Köpfen und Körpern von Teenagermädchen passiert und wie Sie Ihre Tochter in dieser wichtigen Entwicklungsphase unterstützen.

In der Pubertät müssen Mädchen lernen sich gesund anzugrenzen und Eltern loslassen können.

Wenn die Tochter in die Pubertät kommt, müssen Eltern loslassen können.  Bild: unsplash

Neben Pferde-Poster gesellen sich neuerdings Bilder von Justin Biber. Doch davon sehen Sie als Eltern ohnehin nicht viel. Denn die Tür zum Kinderzimmer ist verschlossen. Dahinter werden Dauerchats mit der besten Freundin geführt. Es geht um das Outfit heute Abend und Jungs. Und auch sonst ist Ihnen Ihre Tochter von einem auf den anderen Tag fremd geworden. Plötzliche Wutausbrüche gehören zur Tagesordnung und können in Sekunden in verlegenes Kichern umschwenken. Auch die Wortwahl ist anders, cooler.

Wenn Ihnen diese Szenen bekannt vorkommen, dann dürfte Ihre Tochter im Teenager-Alter sein und damit mitten in der Pubertät stecken. In dieser Entwicklungsphase passiert so schnell so viel, dass Ihre Tochter das erst einmal alles verarbeiten muss. Ihr Körper verändert sich. Ihre Tochter entdeckt ihre Sexualität und ein natürliches Schamgefühl entsteht. Während der Pubertät wird sie vom Mädchen zur Frau und muss sich ihren Platz in der Welt suchen, unabhängig von den Eltern.

So verändert sich der Körper während der weiblichen Pubertät

Die Pubertät bei Mädchen beginnt oft früher, als viele Eltern vermuten. Die ersten Veränderungen finden im Gehirn statt – das bereits im Alter von acht bis zehn Jahren. Dabei kommt es zu hormonellen Veränderungen, die aber oft unbemerkt ablaufen.

Durchschnittlich ab dem elften Lebensjahr beginnt die Pubertät bei Mädchen auch sichtbar zu werden: Der Körper verändert sich. Zunächst wachsen die Brüste. Zudem speichert der weibliche Körper nun mehr Fett, so dass die bisher schmalen Hüften weibliche Rundungen erkennen lassen. Schamhaare wachsen und oft dauert es dann auch nicht mehr lange, ehe die erste Menstruation einsetzt. Die Pubertät der Mädchen setzt damit durchschnittlich zwei Jahre früher ein als die Pubertät bei den Jungen.

Neue Identität gesucht! Gefühlschaos in der Pubertät

Neben der körperlichen Entwicklung zur geschlechtsreifen Erwachsenen, ist es aber vor allem die emotionale Seite, die Mädchen in der Pubertät oft unvorbereitet trifft. Mutter Natur verlangt nun nach einer neuen, weiblichen Identität. Aber wie genau diese aussehen kann und soll, verrät sie nicht. Deshalb suchen Teenagermädchen nach Rollenvorbildern. Und dabei bleiben sie nicht selten an realitätsverzerrenden Bildern von Models, Schauspielerinnen oder Musikerinnen hängen. Ob Supermodels mit Traummassen oder die toughe Rapperin mit dem martialischen Tattoo im Genick: Mädchen in der Pubertät träumen gross – und fallen daher oft umso tiefer, wenn sie sehen, dass die Wirklichkeit nüchterner und nie perfekt ausfällt.

Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihren Kindern helfen, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. Denn das ist Voraussetzung für ein gesundes Körperbild und der beste Schutz gegen unerreichbare Schönheitsideale, Gruppenzwang oder Mobbing.

Abgrenzen und Loslassen

Dass die eigene Mutter in der Regel nicht als Rollenvorbild in Frage kommt, sollte Eltern nicht kränken. Die Pubertät dient der Entwicklung der Selbstständigkeit. Deshalb ist es ein Muss, dass sich die heranwachsende Tochter von der eigenen Familie distanziert; jedenfalls für eine gewisse Zeit. Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Mädchen in der Pubertät loszulassen lernen. Auch wenn es Ihnen schwer fällt, weil sie die Kinder als Teil von sich selbst verstehen – Kinder haben eine eigenständige Persönlichkeit und das Recht ihr Leben selbst zu gestalten.

Orientierung und Halt suchen Mädchen in der Pubertät jetzt unter Gleichaltrigen. Cliquen-Bildung ist in der Pubertät nicht nur normal, sondern auch wichtig. Was in den meisten Fällen übrigens auch optisch nicht zu übersehen ist: sich gleich zu kleiden und zu stylen wie die Freundinnen, missfällt zwar oft dem elterlichen Blick, stärkt aber massiv das Wir-Gefühl der Clique. Dadurch fühlen sich Teenagermädchen zugehörig und ähnlich behütet, wie einst als Kind in der Familie.

Die Familie bleibt der wichtigste Anker

A propos Familie! Diese bleibt vom pubertären Chaos leider nicht verschont. Zwischen Geschwistern knallen die Türen, Eltern kriegen auch mal unschöne Dinge zu hören und machen sich ernsthafte Sorgen, ob das denn gut ausgeht. Das schmerzt, das sägt an den Nerven. Die ganze Familie kann während der Pubertät emotional an die Grenzen kommen. Und trotzdem brauchen Mädchen in der Pubertät ihre Eltern mehr denn je.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Eltern ihre Töchter in der Pubertät am besten unterstützen.

Pubertät der Mädchen: Wie Eltern helfen. Die sieben wichtigsten Tipps.

Töchter wollen auch während der Pubertät nicht auf ihre Eltern verzichten. Bild: Alexis Brown - unsplash

1 Lassen Sie Autonomie zu

Abgrenzung ist bei Mädchen in der Pubertät nicht nur normal, sondern ein wichtiger Prozess. Nehmen Sie dieses Streben nach Unabhängigkeit nicht persönlich, auch wenn es vielleicht nicht immer sonderlich charmant formuliert wird. Sätze wie „Mama, du nervst“ bedeuten nicht, dass Ihr Kind Sie nicht liebt, sondern vielmehr, dass das Erwachsenwerden richtig anstrengend ist und es wohl eher das ist, was nervt.

2 Nehmen Sie Ihre Tochter ernst

Der veränderte Stil, neue Körperbewegungen oder Mimiken, die übertrieben oder ungelenk wirken, sind die ersten, holprigen Gehversuche Ihrer Tochter in der Erwachsenenwelt. Als Eltern sollten Sie sich über solche Beobachtungen nicht lustig machen oder wertend kommentieren. Zeigen Sie Ihrer Tochter, dass Sie ihre neue Rolle als Erwachsene anerkennen.

3 Reden Sie offen über Gefahren

Der neue, vielleicht recht aufreizende Kleidungsstil sowie die beginnende Sexualität sind ernste Themen. Mädchen in der Pubertät kommen zwar nicht umhin ihre eigenen Erfahrungen zu machen, Eltern sollten dennoch ihrer schützenden Fürsorge nachkommen dürfen. Doch anstatt Verbote oder Standpauken auszusprechen, sollten Eltern mit ihren Töchtern reden, wie man es mit jungen Erwachsenen am besten tut: offen, bestimmt und ehrlich. Erklären Sie, welche Signalwirkung von einem freizügigen Outfit beispielsweise ausgehen können und welche möglichen Gefahren das mit sich bringen kann. So können auch die Mädchen die Situation besser verstehen und eine Entscheidung treffen. Und natürlich gehören jetzt auch Sex und Verhütung auf den Tisch. Erwachsene reden schliesslich auch darüber - und solche, die es werden wollen, erst Recht.

4 Respektieren Sie aber auch, wenn Ihre Tochter nicht mit Ihnen reden möchte

Wenn Ihre Tochter Ihre Sexualität alleine entdecken möchte, sollten Eltern das auch akzeptieren. Halten Sie die Tür offen für Fragen, aber geben Sie auch Ihrer Tochter ihre Privatsphäre. Sorgen sie für abschliessbare Räume oder klopfen Sie an, bevor Sie das Zimmer Ihrer Tochter betreten. Sollten Sie Ihre Tochter zufällig beim Küssen erwischen oder bei der Selbstbefriedigung, sollten Sie sich möglichst galant zurückziehen. Keinesfalls sollten Sie ihre Tochter dafür rügen. Dass Mädchen während der Pubertät beginnen ihre Sexualität zu erforschen, ist normal und nichts, wofür sie sich zu schämen brauchen.

Lesen Sie auch: Das erste Mal Sex - So öffnen Eltern die Tür für Fragen

Das erste Mal - Wie Eltern mit ihren Teenagerkindern darüber sprechen.

Wenn aus Knutschen mehr wird. Bild: Nathan Walker - unsplash

5 Hinterfragen Sie Schönheitsideale

Teenager neigen dazu, falschen Schönheitsidealen hinterher zu eifern. Eltern können und sollten diesen übertriebenen Körperkult in einem offenen Gespräch durchaus hinterfragen. Wenn die Mädchen merken, dass ihr Idol auch nur ein Mensch ist, das viele Bilder bearbeitet werden und dass auch die vermeintlichen Stars nicht unbedingt ein so perfektes und glückliches Leben führen, wie es aussehen mag, kann das durchaus stärkend auf das Selbstvertrauen wirken.

6 Zeigen Sie die Grenzen auf

Die pubertären Entwicklungen gutzuheissen bedeutet nicht, dass man alles tolerieren muss. Wer mit den Wutausbrüchen, ständigen Provokationen, Schulschwänzen, Alkohol- oder Drogenexperimenten seiner Tochter natürlich nicht einverstanden ist, muss das auch sagen. Allerdings ist eine sachliche Argumentation und ein ruhiger Ton in solchen Gesprächen jetzt wichtiger denn je. Schreien und Strafen wird Sie in diesen Situationen gemeinsam nicht weiterbringen, sondern weiter entfremden. Mädchen in der Pubertät sind junge Erwachsene – und wollen auch so behandelt werden.

7 Verschaffen Sie sich Zeit

Mädchen in der Pubertät können Eltern zur Weissglut treiben. Was dagegen hilft? Sich eine kleine Auszeit zu gönnen! Eltern müssen nicht in der Lage sein, jederzeit die perfekte Antwort parat zu haben. Sagen Sie Ihrer aufgebrachten Tochter ruhig, dass Sie sich vielleicht kurz beruhigen müssen oder Zeit brauchen, um darüber nachzudenken. Das ist erwachsen.

Liebe Väter, so gehen Sie besser mit der Pubertät Ihrer Tochter um

Mit der Verwandlung ihres süssen, unschuldigen Mädchens zu einer attraktiven, jungen Frau, kommen Väter häufig schwer zurecht. Sie wollen ihre Tochter beschützen, die Zeit bewahren, bei der Sexualität noch kein Thema war. Weil das aber natürlich nicht geht, ziehen sich viele Väter (vielleicht auch unbewusst) in der Pubertät eher als Mütter zurück und erreichen damit oft das Gegenteil, von dem, was sie wollen: die Tochter fühlt sich nicht angenommen. Mit diesen Tipps verlieren Sie auch während der Pubertät nicht den Draht zu Ihrer Tochter.
 
Ehrlich bleiben: Es ist Ihnen unangenehm, über die wachsenden Brüste Ihrer Tochter zu sprechen? Oder über Tampongrössen? Dann sagen Sie Ihrer Tochter die Wahrheit. Sagen Sie ihr, dass Sie als Vater zwar nicht desinteressiert sind, sich Mama aber besser damit auskennt.

Vorbild sein: Mädchen in der Pubertät orientieren sich an ihrem Vater. Und zwar vor allem auch, um ein männliches Rollenverständnis zu entwickeln. Väter sollten deshalb versuchen ein gutes Vorbild zu sein. Verhalten Sie sich möglichst so, wie sie es von dem Menschen wünschen, in den sich ihre Tochter vielleicht einmal liebt.

Veränderungen bemerken und gutheissen: Unsichere Mädchen in der Pubertät brauchen elterliche Bestätigung. Auch wenn es Ihnen schwer fallen mag, ignorieren Sie die Entwicklung Ihrer Tochter nicht. Auch gelegentliche Komplimente helfen wie «Wow, ich kann ja richtig stolz sein, dass meine Tochter eine so hübsche, junge Frau wird.» Sätze dieser Art sind nicht unangenehm, sondern stärken das Selbstbild Ihrer Tochter.