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Schulangst: Wie Eltern Kindern helfen können

Wenn Ihr Kind nicht mehr zur Schule gehen will, leidet es möglicherweise an Schulangst. Das kann an verschiedenen Ursachen wie zu grosser Leistungsdruck oder Problemen mit Kameraden liegen. Als Eltern ist es wichtig, auf Warnsignale von Schulangst zu achten und darauf richtig zu reagieren.

Wenn die Schule mehr Sorgen als Freude bereitet: Ein Kind drückt seine Emotionen auf einem Plakat aus

Wenn die Schule mehr Sorgen als Freude bereitet: Ein Kind drückt seine Emotionen auf einem Plakat aus. (Bild: CherriesJD/iStock, Thinkstock)

Wenn Erwachsene an ihre Schulzeit zurückdenken, können wohl nur die wenigsten von sich sagen, dass sie mit ihr nur positive Erlebnisse verbinden: Der Vortrag vor der gesamten Klasse, die schwere Prüfung im schwächsten Fach oder die Furcht auf dem Pausenplatz vor den älteren Schülern. Solche Erfahrungen sind zwar unangenehm, aber völlig normal und gehören zum Schulleben jedes Kindes dazu. Doch gehen die Sorgen und Ängste des Kindes nicht wieder vorüber, dann können sie sich zu einer regelrechten Angst vor der Schule entwickeln.

Ursachen von Schulangst kennen

Ursachen für Schulangst gibt es viele verschiedene. Grosser Druck aufgrund von Leistungsansprüchen der Eltern, der Lehrperson oder von sich selbst, kann auf den Kindern lasten und sie überfordern. Oder sie leiden vielleicht unter der Furcht vor schlechten Noten. Genauso kann der Grund für Schulangst aber auch im sozialen Miteinander in der Klasse liegen; Ihr Kind fühlt sich im Klassenverband nicht wohl, es wird möglicherweise ausgegrenzt oder wird von einzelnen Schülern gezielt gemobbt.

Wie Ruth Etienne Klemm vom Schulpsychologischen Dienst der Stadt Zürich weiss, ist es manchmal auch nur ein kleiner unbedeutender Konflikt, der zu Schulangst führen kann: «Auch im normalen Schulalltag kommt es immer mal wieder zu Auseinandersetzungen. Vielleicht ist es gerade so ein kleiner Streit, eine kleinere Unstimmigkeiten zwischen der Lehrperson und einem Kind, der das Kind noch lange beschäftigt und für die Lehrperson schon bald einmal vergessen weil erledigt ist.»

Neben diesen Gründen kann auch die Einstellung der Eltern gegenüber der Schule und der Lehrperson eine Angstentwicklung begünstigen. Möchten sie das Kind beispielsweise noch möglichst lange bei sich zu Hause behalten oder ist die Haltung negativ kritisch, abwertend oder gar feindselig, dann fällt es den Kindern schwer, sich positiv auf die Schule einzustellen und jeden Tag gerne dorthin zu gehen.

Symptome erkennen und schnell reagieren

Die Symptome der Schulangst lassen sich nicht vereinheitlichen. Stress in der Schule wirkt sich auf das psychische und körperliche Wohlsein des Kindes aus. Es kann über diffuse Schmerzen wie Bauch- oder Kopfweh klagen, an Schlafstörungen leiden oder sich weigern, in die Schule zu gehen. «Eltern spüren schnell, wenn mit ihren Kindern etwas nicht stimmt. Treten die Symptome wiederholt auf und handelt es sich nicht um ein vorübergehendes Unwohlsein oder eine Krankheit wie die Grippe, dann sollten Eltern beginnen, sich Gedanken zu machen und zu reagieren», meint Etienne Klemm.

Bei der Schulangst ist es wichtig, dass sie rasch angepackt wird und sich nicht als Vermeidungs- und Ausweichverhalten zum gängigen Reaktionsmuster in schwierigen Situationen entwickelt. Solches Verhalten darf von Eltern weder gestützt noch toleriert werden.

Symptome für Schulangst

  • Schlafstörungen: Ihr Kind schläft schlecht, hat Albträume.
  • Müdigkeit: Ihr Kind hat morgens Mühe mit Aufstehen, es fühlt sich oft schlapp.
  • Schmerzen: Ihr Kind klagt wiederholt über Übelkeit, Bauch-, Kopf- oder Beinweh, ohne eigentlichen körperlichen Hintergrund.
  • Schulverweigerung: Ihr Kind sagt offen: «Ich will nicht zur Schule gehen.» Möchte, dass Sie es vom Unterricht abmelden.
  • Appetitlosigkeit
Stellen Sie offene Fragen und teilen Sie Ihre Beobachtungen mit.

Nehmen Sie sich bewusst Zeit für ein beruhigendes Gespräch mit Ihrem Kind.

Wenn Kinder etwas bedrückt, brauchen sie jemanden, der sie wahrnimmt, sich interessiert und bereit ist, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Für viele Kinder ist es nicht einfach, ihre Sorgen richtig zu benennen und sich mitzuteilen. Suchen Sie daher von sich aus das Gespräch mit Ihrem Kind und nehmen Sie sich bewusst Zeit dafür. Betrachten Sie die Sorgen Ihres Kindes nicht als eine Sache, die am Familientisch nebenbei erledigt werden kann. Vielleicht möchte es nicht vor andern, wie beispielsweise vor seinen Geschwistern, darüber reden und bevorzugt ein Gespräch unter vier Augen.

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen sein Wohl am Herzen liegt. Versuchen Sie den Grund für sein Unbehagen heraus zu finden. Damit Sie auf Ihre Fragen nicht nur ein JA oder NEIN als Antwort erhalten, ist es wichtig, dass Sie offene Fragen stellen. Offene Fragen sind Fragen, die das Kind einladen zu erzählen (z.B. W-Fragen: Wie, Welche, Was, Wer, Wo, Wann?), z.B. «Wie verstehst du dich mit den anderen Kindern in der Schule?»

Nehmen Sie sich Zeit, zuzuhören und nachzufragen. Bringen Sie dann auch Ihre eigenen Beobachtungen zur Sprache: «Ich sehe seit längerem, dass du oft bedrückt bist, was ist los?» oder «du scheinst gar keinen Spass mehr zu haben, in die Schule zu gehen und zu lernen.» «Eltern sollten ruhig auch Bezug auf die Symptome nehmen. Wenn man schon beim Doktor war und der nichts gefunden hat, dann können sie klar sagen, dass sie den Grund fürs Unwohlsein irgendwo anders vermuten», rät die Schulpsychologin. Sprechen Sie beruhigend mit Ihrem Kind, beschwichtigen Sie die Ängste Ihres Kindes aber nicht als Nebensächlichkeit. Genauso sollten Sie die Situation auch nicht dramatisieren.

Mit der Lehrperson sprechen

In einem weiteren Schritt, lohnt es sich mit der Lehrperson zu sprechen. Diese kennt die Situation aus einem anderen Blickwinkel. Ihr können zusätzliche Dinge aufgefallen sein. Sollte die Ursache beim Plagen liegen, dann liegt es auch im Wesen der Sache, dass die Lehrperson vielleicht noch nichts hat wahrnehmen können. Es lohnt sich zu versuchen, mit ihr zusammen die Situation sachlich zu klären und nach neuen Handlungsmöglichkeiten zu suchen.

In schwierigen Situationen gibt es auch Fachleute wie SchulpsychologInnen, die zu Rate gezogen werden können. Diese haben zusätzliche Möglichkeiten, mit Ihnen und Ihrem Kind nach den Ursachen für die Schulangst zu forschen, Sie zu beraten und je nach Ergebnis mit Ihnen die geeignetsten Massnahmen zu besprechen.

Wird das Problem Schulangst nicht angegangen, hat dies für die betroffenen Schüler längerfristig negative Folgen. Neben den schulischen Lücken durch das Fernbleiben vom Unterricht, hat das Kind vermehrt Probleme im sozialen Umgang und entwickelt eine mangelhafte Fähigkeit zur Bewältigung von Konfliktsituationen. Bei der Behandlung von Schulangst ist Schulpsychologin Etienne Klemm jedoch optimistisch: «In meiner Berufserfahrung haben Gespräche und das Anpacken und Ernstnehmen des Problems bisher immer dazu geführt, dass die Gründe entdeckt und später auch Lösungen gefunden wurden.»

 

 

Tipps für Eltern bei Schulangst:

  • Nehmen Sie sich Zeit für ein ruhiges und beruhigendes Gespräch unter vier Augen.
  • Stellen Sie offene Fragen: W-Fragen (Wie, Wer, Was, Wo, Wann), Bsp. «Wie geht es dir in der Schule?», «Wie verstehst du dich mit der Lehrperson?»
  • Teilen Sie Ihre eigenen Beobachtungen mit, nehmen Sie Bezug zu den Symptomen, zeigen Sie Ihr Interesse am Wohlergehen Ihres Kindes.
  • Suchen Sie das Gespräch mit der Lehrperson
  • Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach einer guten neuen Lösung
  • Kontaktieren Sie gegebenenfalls eine Fachperson, den Schulpsychologischen Dienst. Hier finden Sie den schulpsychologischen Dienst in Ihrem Kanton: schulpsychologie.ch