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Wenn Kinder ausbrennen: Strategien gegen Schulstress

Mehr denn je beherrschen Tests den Schulalltag. Immer mehr Kinder drohen unter dem Leistungsdruck zu zerbrechen. Diese Strategien gegen Schulstress helfen, innerlich stabil zu bleiben.

Schulstress: Immer mehr Kinder brennen in der Schule aus

Schulstress führt zu Burnout bei Kindern. Foto: fcscafeine, iStock, Thinkstock

Eltern, die an ihre Schulzeit zurückdenken, hatten Schule nur bis zum Mittagessen und viel Freizeit nach den Hausaufgaben. Bei vielen war Schule nichts weiter als eine – wenn auch unliebsame – Nebensache. Das hat sich geändert. Wer heute in eine weiterführende Schule geht, kommt in der Regel erst am Nachmittag nach Hause und muss trotzdem noch Vokabeln lernen und sich auf Tests, Klassenarbeiten und Checks vorbereiten. So ist Schule für die meisten Kinder keine Nebensache, sondern zur Hauptsache ihres Lebens geworden.

Schulstress führt zu Burnout bei Kindern

Längst hat die Leistungsorientierung der Gesellschaft auf die Schule übergegriffen. Die Zahl der Kinder, bei denen eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert wird, wächst. «Burnout ist bei unseren Kindern angekommen», schreibt der Hamburger Professor Dr. Schulte-Markwort, der in seinem Buch «Burnout-Kids» (Patloch Verlag) ausführlich Fallgeschichten aus seinem Berufsalltag schildert. «Die alles durchdringende leistungsorientierte Ökonomisierung unserer Gelellschaft produziert Strukturen, Werte und Prozesse, die - wenn es so weitergeht – zu einem signifikanten Prozentsatz Kinder und Jugendliche ins Abseits stellt.»

Leistungsdruck in der Schule: Anlaufstelle Lehrer

Das Kind weint wegen zu vielen Hausaufgaben? Es hat Bauchschmerzen wegen Prüfungsangst? Das sind klare Zeichen dafür, dass Ihr Kind unter Schulstress leidet. Hilfreich ist es, wenn Eltern und Lehrer sich zusammen an einen Tisch setzen. Hier hilft am besten das Gespräch mit dem Lehrer. Zusammen lässt sich Ursachenforschung betreiben. «Wenn Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen, lassen sich für viele kleine und grosse Probleme gemeinsame Lösungen suchen und finden», erklärt Heidemarie Brosche, Autorin des Buches «Warum Lehrer gar nicht so blöd sind».

Viele Probleme liegen im System. Nicht nur die vielen Klassenarbeiten und Checks stressen. Wo die Klassenzimmer voll sind, sind Lehrer überfordert, wenn sie auf jedes Kind individuell eingehen sollen. Oft wissen die einzelnen Lehrer nicht, was die Kollegen aufgegeben haben, so dass sich die Hausaufgaben an manchen Tagen häufen. Eine bessere Absprache untereinander könnte Hausaufgaben-Häufungen vermeiden. Darüber hinaus sind nicht alle Lehrer gleich begabt, wenn es um anschauliches Erklären, Geduld und Motivation geht.

Schulstress durch besonderen Ehrgeiz

Manche Kinder sind besonders ehrgeizig und setzen sich entsprechend selbst unter Druck. «Wir verlangen nicht, dass unser Kind nur Bestnoten mit nach Hause bringt», wundern sich Eltern. Sinnvoll ist es dennoch, gelebte Werte zu hinterfragen. Sind auch die Eltern besonders ehrgeizig und pflichtbewusst? Wenn ja, woher kommt der Sinn für Perfektionismus? Wichtig ist, dem Kind zu zeigen, dass es geliebt wird – und nicht aufgrund seiner Leistungen. Es macht Freude zu überlegen, wie im Familienalltag möglichst viel Platz für Spass und Ausgelassenheit geschaffen werden kann.

Nicht jedem Kind gelingt es gleich gut, sich im Klassenraum auf den Lernstoff zu konzentrieren. Passt ein Kind wenig auf, fällt es ihm am Nachmittag schwer, Hausaufgaben zu erledigen. Im Gespräch mit dem Lehrer lassen sich Ideen sammeln, wie das Kind im Schulalltag mehr Ruhe findet. Schon ein Sitzplatz neben einem ruhigen Kind, näher beim Lehrer, kann Konzentration stärken.

Doch manche Kinder lernen grundsätzlich langsamer als andere. Dann gilt es, bereits kleine Fortschritte anzuerkennen. Förderungen ausserhalb der Schule können helfen, besser in der Schule zurecht zu kommen, sollten aber nicht übertrieben werden. Denn Therapien und Nachhilfe engen das ohnehin schon schmale Freizeitfenster der Kinder zusätzlich ein. Wird der Leistungsdruck zu gross, kann ein Schulwechsel in Frage kommen.

Leistungsdruck minimieren: Schule zur Kindersache machen

Eltern können Schulstress am besten dadurch minimieren, indem sie keinen zusätzlichen Druck machen. Doch das ist nicht so einfach. Viele Eltern sind sich sicher, dass ihr Kind keinen Finger rührt, wenn sie es nicht zum Lernen anhalten. Sie sorgen sich, dass es – auf sich allein gestellt - Zukunftschancen verbaut. Sicher dürfen Eltern helfen, wenn sie gefragt werden, doch im Wesentlichen ist Schule Kindersache. Nur wenn Kinder mit den Anforderungen der Schule eigenverantwortlich umgehen, können sie eigenständig Lernstrategien, Zeitmanagement und Ziele entwickeln. Solch selbstverantwortlich handelnde bekommen auch die Chance, aus Schaden klug zu werden.

Am besten gelingt das selbstverantwortliche Lernen, wenn Eltern ihrem Kind die Freude am Lernen erhalten, das es von klein auf zeigt. «Kinder, und zwar alle Kinder, kommen schon mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist ein Mensch so neugierig, so entdeckungsfreudig und so gestaltungslustig, also so dafür zu begeistern, das Leben kennen zu lernen, wie am Anfang seines Lebens», heisst es auf der Internetseite der Schweizer Initiative «Zukunft der Schulen». «Diese Begeisterungsfähigkeit, diese enorme Lernlust und diese unglaubliche Offenheit der Kinder sind der eigentliche Schatz der frühen Kindheit.»

Wer den Lerndrang nicht ausbremst, sondern fördert, legt die besten Grundlagen für Eigeninitiative und Konzentration. Gleichgültig, ob das Kind mit allen Sinnen Gegenstände erforscht, den Papierkorb ausräumt, den Schlüssel ins Schloss stecken oder beim Backen experimentieren will – Eltern sollten ihm möglichst die Zeit und Unterstützung geben, die es braucht. So gewinnt es Selbstsicherheit und Selbstvertrauen – wichtige Voraussetzungen für leichtes Lernen in der Schule.

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