Leben > HaustiereKauf einer Katze - was muss beachtet werden?Katzen sind in der Schweiz die beliebtesten Haustiere. In jedem vierten Haushalt lebt hier eine Samptpfote. Wenn du eine Katze anschaffen möchtest, lohnt sich eine gute Vorbereitung: für das Wohl der Katze – und für euren Familienalltag. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Im Tierheim wird Ihnen empfohlen, ob Sie eine oder zwei Katzen halten sollen. (Foto: Jungyang1/Thinkstock,iStock) Katzen sind ein Phänomen: Einst vergöttert, dann verteufelt und heute die Stars in den sozialen Netzwerken, die zudem jeden Kontinent mit Ausnahme der Antarktis im Gefolge der Menschen erobert haben. Alleine die Vielzahl von Katzenvideos im Internet zeigt, wie gerne Menschen die kleinen Tiger bei sich haben. Gerade weil Katzen so «selbstverständlich» wirken, ist es wichtig, nicht spontan zu entscheiden: Eine Katze ist ein fühlendes Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen – und kann euch viele Jahre begleiten. Passt eine Katze zu uns? Entscheidungscheck für Familien Bevor du dich für ein Büsi entscheidest, hilft ein ehrlicher Realitätscheck. Viele Abgaben passieren nicht aus Bösem Willen, sondern weil Alltag, Wohnung oder Gesundheit unterschätzt wurden. Zeit, Alltag und Betreuung Frag dich: Wer kümmert sich morgens/abends um Futter, Wasser, Toilette, Spiel und Fellpflege? Wer übernimmt Ferien und Notfälle? Gerade mit Kindern ist es hilfreich, die Verantwortung klar bei den Erwachsenen zu lassen und Kinder altersgerecht einzubeziehen. Kinder und Katze: Sicherheit und Respekt Katzen sind keine Kuscheltiere. Für Kinder ist das eine gute Lernchance – aber du musst den Rahmen setzen. Sinnvolle Grundregeln sind: nicht hochheben, wenn die Katze weg will; nicht stören beim Fressen/Schlafen; Rückzugsorte sind tabu; Streicheln nur, wenn die Katze von sich aus Kontakt sucht. Kinder brauchen dabei Aufsicht, besonders im Vorschulalter. Allergien früh bedenken Wenn bei euch Allergien oder Asthma vorkommen, klär das vorab ärztlich ab. Tierallergene können Beschwerden auslösen oder verstärken. Wichtig: «Hypoallergene» Katzen sind wissenschaftlich nicht zuverlässig belegt – einzelne Menschen reagieren zwar weniger, eine Garantie gibt es aber nicht. Langfristige Verantwortung Eine Katze kann sehr alt werden. Überleg dir deshalb auch: Was passiert bei Umzug, Trennung, Jobwechsel oder wenn die Kinder ausziehen? Eine Anschaffung klappt am besten, wenn du einen Plan für verschiedene Lebensphasen hast. Woher soll die Katze kommen? Für Familien zählen vor allem: Gesundheit, gutes Wesen, seriöse Herkunft und eine passende Beratung. Impulskäufe (besonders online) sind ein häufiger Grund für Probleme. Die einfache Variante: Aus dem Tierheim Die Tierheime in der Schweiz laufen über vor lauter Katzen. Wenn du eine Katze anschaffen und einfach einen Spiel- und Schmusegefährten haben möchtest, ist es oft die beste und verantwortungsvollste Option, ein Tierheim aufzusuchen oder einen Bauernhof. Dort findest du Katzen aller Couleur und jeden Alters – und du bekommst meist eine realistische Einschätzung, welche Katze zu eurem Haushalt passt (z.B. kinderfreundlich, eher schüchtern, Einzelkatze oder sozial). Im Tierheim wird in der Regel lediglich eine Gebühr fällig. Sie deckt häufig einen Teil der bisherigen Versorgung (z.B. Impfungen, Entwurmungen, Kastration je nach Alter) und soll zugleich sicherstellen, dass die Abgabe überlegt ist. Lass dir erklären, was bereits gemacht wurde und was noch ansteht – und bitte um Unterlagen, damit du beim ersten Tierarzttermin eine gute Ausgangslage hast. Vorteil Tierheim – gerade für Familien Viele Tierheime kennen die Tiere gut: Sie können dir sagen, ob eine Katze stresssensibel ist, wie sie auf Lärm reagiert oder ob sie den Kontakt zu Kindern mag. Diese Passung ist im Familienalltag oft wichtiger als «Rasse» oder Optik. Wenn es etwas mehr sein soll: Vom Züchter Es gibt verschiedene Motive, sich für eine eher teure Katze vom Züchter zu entscheiden. Manche Rassen gelten als eher menschenbezogen oder ruhiger. Trotzdem gilt: Charakter ist immer auch individuell – und eine seriöse Aufzucht, gute Sozialisierung und Gesundheit sind entscheidender als ein schöner Stammbaum. So erkennst du seriöse Zucht Achte darauf, dass du die Zucht vor Ort besichtigen kannst, die Kitten in einer sauberen, familiennahen Umgebung aufwachsen und die Muttertiere zu sehen sind. Ein:e seriöse:r Züchter:in gibt dir Zeit, beantwortet kritische Fragen, macht keinen Druck, gibt Kitten nicht «sofort» ab und übergibt schriftliche Nachweise (Gesundheitsstatus, Impfungen, Entwurmung, Identifikation) sowie einen klaren Vertrag. Wenn dir jemand Treffen auf Parkplätzen anbietet, keine Fragen stellt oder «schnell noch ein Kitten» verfügbar hat, ist das ein Warnsignal. Rasse oder Mischling? Gesundheit geht vor Ob Rassekatze oder Mischling: Entscheidend ist, dass die Katze gesund atmen, sich normal bewegen, fressen, putzen und spielen kann. Bei manchen Extremzuchten können Probleme häufiger sein – zum Beispiel Atem- und Augenprobleme bei sehr kurznasigen Typen oder Fell-/Hautprobleme bei bestimmten Fellvarianten. Für Familien lohnt sich ein einfacher Grundsatz: Wähle keine Merkmale, die offensichtlich mit Einschränkungen verbunden sind (z.B. dauerhaft tränende Augen, hörbares Atmen, sehr kurze Nase, starke Bewegungsauffälligkeiten). Wenn du unsicher bist, lass dich vor dem Kauf tierärztlich beraten. Wer den Exoten möchte Vor allem bei «gefährlichen» Tieren wie einer Savannah ist es wichtig, zu wissen, in welcher Generation der Vorfahren sich das Wildtier befunden hat. Tiere, die erst in der ersten Generation mit Hauskatzenblut versehen sind, können für Kinder durchaus eine Gefahr darstellen und sollten nur von erfahrenen Personen betreut und gehalten werden. Eine Familienkatze ist ein solches Tier jedenfalls nicht, am besten siehst du von einem Kauf lieber ab. Im Grunde ist von Tieren generell abzuraten, für deren Zucht immer wieder Wildtiere gefangen werden müssen: Wilde Tiere gehören in die Freiheit und nicht aus Prestigegründen in eine Wohnung. Heraus lassen kann man ein solches Tier ohnehin nicht. Hauskatze oder Streuner? Wer sich eine Katze anschafft, sollte wissen, dass Katzen zwar an das Leben mit Menschen angepasst sind, aber trotzdem Bedürfnisse nach Bewegung, Spiel, Rückzug und Beschäftigung haben. Wenn du eine Wohnungskatze hältst, braucht sie mehr Struktur: mehrere erhöhte Liegeplätze, Kratzmöglichkeiten, tägliche Spielsequenzen, Futterspiele und ruhige Rückzugsorte. Wenn Freigang geplant ist, denke an Sicherheit: Fenster und Balkon sollten gesichert sein, damit es nicht zu Stürzen kommt. Freigang sollte erst dann Thema werden, wenn du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt die medizinischen Basics (z.B. Impfschutz, Parasitenprophylaxe, Kastration, Identifikation) besprochen hast. Eine oder mehrere Katzen? Katzen gelten als einzelgängerische Wesen. In der Tat lebt der Vorfahre unserer Katzen, die nubische Falbkatze, in der Regel solitär. Allerdings sind die Tiere durchaus in der Lage, Freundschaften zu schliessen – nicht nur mit einem Menschen, sondern auch mit Artgenossen. Speziell bei Wohnungskatzen ist es oft entlastend, wenn das Tier einen passenden Sozialpartner hat. Wichtig ist «passend»: Alter, Temperament und Vorerfahrungen sollten zueinander passen. Manche Katzen bleiben lieber Einzelkatzen – das ist kein Mangel, sondern ein Charakterzug. Im Tierheim kannst du dich dazu beraten lassen. Vorbereitung zu Hause: Damit die Eingewöhnung gelingt Eine gute Eingewöhnung entscheidet oft darüber, wie entspannt die ersten Wochen werden – für Kinder genauso wie für die Katze. Das brauchst du vor dem Einzug Plane mindestens: zwei Toiletten für eine Katze (mehr bei mehreren Katzen), Kratzbaum, Rückzugsplatz, Transportbox, Näpfe, geeignetes Futter, Spielzeug und Möglichkeiten zum Klettern. Stelle die Katzentoiletten ruhig und gut erreichbar auf (nicht direkt neben Futter/Wasser). Die ersten Tage Gib der Katze anfangs ein Zimmer oder einen klar abgegrenzten Bereich, damit sie sich orientieren kann. Kinder sollten die Katze nicht bedrängen: Beobachten ist am Anfang besser als Anfassen. Viele Katzen zeigen Stress subtil (z.B. Verstecken, wenig fressen, Unsauberkeit). Dann hilft Ruhe, Routine und bei Bedarf tierärztliche Beratung. Erste Termine: Tierarzt, Impfungen, Kastration, Parasiten Auch wenn die Katze aus dem Tierheim kommt oder geimpft übergeben wird: Ein früher Check bei der Tierärztin oder beim Tierarzt ist sinnvoll, um Gesundheitsstatus, Gewicht, Zähne, Parasitenrisiko und die passende Vorsorge zu besprechen. Welche Impfungen wann sinnvoll sind, hängt unter anderem von Alter, Herkunft und Haltungsform (Wohnung/Freigang) ab. Das gilt auch für Kastration, Kennzeichnung (z.B. Mikrochip) und Parasitenprophylaxe. Die Expert:innen können dir einen Plan machen, der zu eurer Situation passt. Was beachtet werden muss Katzen hinterlassen überall im Haus Haare. Wenn bei euch Allergien ein Thema sind, lass das vor der Anschaffung medizinisch abklären: Nichts ist schwieriger für Mensch und Katze, als das Tier nach kurzer Zeit wieder abgeben zu müssen. Eine Katze kann bis zu 20 Jahre alt werden. Speziell wenn du alleine lebst oder eure Betreuungssituation knapp ist, überlege, ob du für diesen Zeitraum wirklich zuverlässig Verantwortung übernehmen kannst. Eine Katze ist kein «Projekt», sondern ein Familienmitglied mit Bedürfnissen – auch dann, wenn du gestresst bist oder die Lebensumstände sich ändern. Die Kosten in der Schweiz Eine Katze ist oft günstiger als ein Hund und kann euer Leben trotzdem stark bereichern. Rechne neben den Anschaffungskosten (von kostenlos bis mehrere Tausend Franken) mit einmaligen Startkosten (Kratzbaum, Toiletten, Transportbox, Sicherungen für Fenster/Balkon) und laufenden Ausgaben. Dazu gehören Futter und Streu, regelmässige tierärztliche Kontrollen sowie – besonders wichtig – eine Reserve für Notfälle. Je nach Lebensphase (z.B. Zahnbehandlungen im Alter) können Tierarztkosten deutlich steigen. Als grobe Orientierung kann ein Katzenjahr in der Schweiz schnell im vierstelligen Bereich liegen, besonders wenn du Vorsorge, Parasitenprophylaxe, Qualitätsfutter und mögliche Notfälle realistisch einrechnest. Eine Versicherung kann in einzelnen Situationen entlasten – sie ersetzt aber nicht die Notfallreserve.