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Gute Kompromisse für eine entspannte Stimmung in der Familie

Der Vater will nachhause gehen, die Tochter will weiter schaukeln. Der Sohn will sich am Wochenende mit Freunden verabreden, die Eltern haben einen Familienausflug geplant. Der Familienalltag ist voller Konflikte, die zu lösen sind. Mit diesen drei Strategien lassen sich gute Kompromisse finden.

Gute Kompromisse können Konflikte vermeiden

Kinder haben ihren eigenen Kopf: Kompromisse können helfen, ernsthafte Konflikte zu vermeiden. Foto: altrendo images, Stockbyte, Thinkstock

Meinungsverschiedenheiten in der Familie sind normal. Und auch gut. Schliesslich zeugen sie davon, dass wir alle eigenständige Charaktere sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben. So ist es zwar verständlich, dass die Mutter ihre dreijährige Tochter am morgen gerne zügig in die Kita bringen möchte, aber auch nachvollziehbar, dass das Mädchen vorher noch kurz mit der Kinderküche spielen will. Oder der ältere Bruder will am Wochenende ins Kino, während die Eltern gemeinsam mit den Kindern Bekannte besuchen möchten. In den Ferien sehnt sich die Mutter nach Strand und Meer, doch der Vater freut sich aufs Wandern in den Bergen.

Doch wenn jeder fortwährend seine Meinung durchboxen will und seine Bedürfnisse über die der anderen stellt, wird eine Einigung und ein harmonisches Miteinander natürlich unmöglich. Ohne Kompromisse geht es nicht. Wir stellen drei Wege vor, mit denen sich gute Kompromisse erzielen lassen.

Kompromisse durch Aushandeln

Eine Möglichkeit, Kompromisse zu finden, besteht im «Aushandeln einer Lösung». Bekannt ist das Handeln vor allem beim Kauf von Gegenständen oder Dienstleistungen. So lässt sich im Möbelgeschäft ein erschwinglicher Preis für das teure Sofa erzielen, der Stundensatz des Handwerkers senken oder auf dem Trödelmarkt ein Preis finden, der dem Käufer und dem Verkäufer passt. Am Ende eines solchen Handels geben sich die Beteiligten die Hand. Denn alle sind zufrieden mit dem ausgehandelten Ergebnis.

Das Aushandeln erzielt klassische Kompromisse. Beide Seiten gehen einen Schritt oder mehrere Schritte aufeinander zu und geben in verschiedenen Punkten nach. Das Ziel ist eine Einigung, die für beide Seiten akzeptabel ist.

Wer kennt diese Situation nicht? Das Kind rennt begeistert über den Spielplatz, die Mutter aber gerät in Zeitnot. «Lena, komm, wir müssen nach Hause!» so klingt oft die Ansage, die zwangsläufig heftigen Widerspruch nach sich ziehen wird. Doch Lena möchte überhaupt nicht nach Hause! Ihr Bedürfnis ist es zu spielen, hier draussen unter den Bäumen, im Sand zu graben und sich auf der Schaukel den Wind durch die Haare streifen zu lassen. Wer sich jetzt autoritär verhält, reisst das Kind aus dem Spiel. Besser ist es, es darauf vorzubereiten, dass das Spiel bald ein Ende hat. So kann es das Spiel sinnvoll beenden. «Lena, noch drei Mal schaukeln, dann gehen wir nach Hause», ruft also die Mutter. Klar, dass Lena, sofern sie zählen kann, die Zahl nach oben treiben wird. Mutter und Lena einigen sich bei acht oder neun Mal. Und vielleicht drückt die Mutter sogar am Ende bei einem weiteren «noch ein Mal» ein Auge zu. Beide verlassen den Spielplatz mit dem Gefühl, sich geeinigt zu haben.

Kompromisse leicht gemacht: die Win-Win-Methode

Die Win-Win-Methode geht davon aus, dass beide Beteiligten gewinnen, wenn sie sich einigen. «Niederlagelose-Methode der Konfliktlösung», nannte der amerikanische Psychologe Thomas Gordon diese Strategie. Tritt ein Konflikt auf, denken alle Beteiligten über eine Lösung nach. «Sie beurteilen sie kritisch und entscheiden sich schliesslich für eine für alle annehmbare, endgültige Lösung», so Thomas Gordon. Überredungskünste und Machtanwendung sind dabei völlig überflüssig.

Der Stuttgarter Familiencoach Kai Rurainski beschreibt eine Ausgangssituation:

Vater: «Grossmutter hat morgen Geburtstag. Sie möchte, dass alle Familienmitglieder zu ihrer Feier im Altenheim kommen.»
13jähriger Sohn: «Das geht nicht! Morgen ist die Premiere im Kino von ...»
Vater (fasst zusammen): «Der Besuch beim Grosi passt dir morgen nicht.»

Sohn: «Ja, gar nicht. Ich will unbedingt ins Kino! Ich bin so froh, dass die anderen mich gefragt haben, ob ich mitkomme!»
Vater (fasst zusammen): «Aah, die Premiere ist dir also besonders wichtig.»
Sohn: «Ja, total! Ich weiss von Grosis Geburtstag. Aber das Kino ist mir einfach wichtiger.»
Vater (fasst zusammen): «Grossmutter möchte, dass du zu ihrem Geburtstag kommst. Du möchtest ins Kino. Was können wir tun?»

Jetzt werden gemeinsam Vorschläge gesammelt. Mögliche Lösungen können sein: Der Junge besucht das Grosi vor oder nach dem Kinobesuch. Oder er kommt nach dem Kino mit seinen Freunden zur Feier ins Altenheim. Oder er fragt die Grossmutter, ob sie ihre Feier ein wenig nach hinten verlegt und mit ins Kino kommt. Gleichgültig, wie schräg die Lösungen in den Ohren des anderen klingen – sie werden nicht abgewertet.
Dann folgt das Streichkonzert: Jeder darf Lösungen, die ihm nicht passen, ausschliessen. «Der andere muss das hinnehmen, selbst dann, wenn er ausgerechnet eine dieser Lösungen für besonders sinnvoll hält», erklärt Kai Rurainski. Die verbliebene Lösung ist dann die, die genommen wird. «Es gibt immer eine Lösung», weiss Rurainski aus Erfahrung. «Sie ist mehr als ein Kompromiss, weil alle mit ihr einverstanden sind.»

Kompromisse durch Abwechseln und Teilen

«Abwechseln und Teilen» sind leicht zu lernende, höchst wirkungsvolle Strategien, um Kompromisse zu finden. Conni möchte den Zucker in den Kuchen geben, Lars aber auch! Und nun? Entweder, die beiden teilen sich das Ausgiessen des Zuckers, in dem jeder die Hälfte der vorgegebenen Menge in die Schüssel kippt, oder sie wechseln sich ab. Conni darf beim Zucker helfen, Lars darf die Eier aufschlagen. Und was, wenn Babsi immer allein auf der Matte turnen will? Sie muss warten, bis Kai an der Reihe war, danach ist Ikra dran. Wenn Kinder früh lernen, sich abzuwechseln und zu teilen, werden diese Konfliktlösungsstrategien verinnerlicht.

Abwechseln und Teilen brauchen dennoch Augenmass. Lieblingskuscheltiere und Lieblingsspielzeuge können nicht geteilt werden. Wenn ein Kind ein Spielzeug nicht abgeben will, bedeutet das nicht, dass es geizig ist. Oft hängt einfach das Herz an dem Gegenstand.  Abgeben wird darüber hinaus oft von Angst begleitet, das Teil beschädigt oder niemals zurück zu bekommen. So dürfen Kinder eigene Dinge durchaus für sich behalten. Niemand kann gezwungen werden, etwas zeitweise abzugeben. Will ein Kind grundsätzlich nicht, dass andere Kinder mit seinem Spielzeug spielen, könnte eine Regel des Abwechselns lauten: «Wenn du bei Piet bist, darfst du mit seinen Sachen spielen. Wenn Piet bei uns ist, darf er deine Dinge nutzen!»

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