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Das ist doch unfair?! Wie Eltern mit Kindern über Rassismus reden können

Juni 2020, der Tod von George Floyd, eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe, durch Polizeigewalt in den USA erschüttert die Welt und stösst unter dem Hashtag #blacklivesmatter eine Diskussion über Rassismus an. Es handelt sich dabei nicht um ein Problem in Amerika, auch in der Schweiz ist Rassismus für viele Menschen Alltag. Wie Sie mit Kindern darüber reden können.

Über Rassismus sprechen: Vielfalt

Es gibt Mädchen und Buben, verschiedene Haut- und Haarfarben, dunkel, hell, irgendwas dazwischen: Mit Kindern über Diversität zu sprechen ist wichtig. Bild: GettyImages Plus, Kudryashka

Rassismus begenet vielen Menschen im Alltag und ist Folge der jahrelangen Diskriminierung. Um jeden Menschen würdevoll zu behandeln, müssen wir über Rassismus sprechen – auch mit Kindern. Vereinfacht gesagt bedeutet Rassismus, Vorurteile gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion zu haben und diese nicht gleichwertig zu betrachten oder zu behandeln. Dieses Gedankengut wurde Jahrhunderte lang verbreitet und diente Europäern und Nordamerikanern zur Legitimation von Kolonialisierung und Sklavenhandel. 

150 Jahre nach Abschaffung des Sklavenhandels ist das Thema nicht weniger aktuell. Alice Hasters beschreibt in ihrem Buch «Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten» ein Problem, das uns alle betrifft: Rassismus «ist schon so lange in unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Sprache verankert, hat unsere Weltsicht so sehr geprägt, dass wir gar nicht anders können, als in unserer heutigen Welt rassistische Denkmuster zu entwickeln.»

Denkmuster führen zu Alltagsrassismus

Rassismus geschieht oft ohne böse Absicht. Trotzdem wird aufgrund der Ethnie geurteilt. Um ein gutes Vorbild für Kinder zu sein, müssen Verhaltens- und Denkmuster hinterfragt und Kinder zu antirassistischem Verhalten motiviert werden. Kinder haben vielleicht schon unbewusst rassistische Gedanken. 

Perspektiven aufzeigen und Betroffenheit vermitteln

Ich habe helle Haut. Ich bin nicht von Rassismus betroffen. Das heisst aber nicht, dass mich das Thema nicht betrifft und ich Rassismus nicht ansprechen oder aufzeigen sollte. In Gesprächen mit meiner Patchwork-Tochter über Diversität versuche ich ihr zu vermitteln, dass es viele verschiedene Körper gibt.

Alle sind unterschiedlich: Es gibt Mädchen und Buben, verschiedene Haut- und Haarfarben, dunkel, hell, irgendwas dazwischen. Das ist normal, es wäre ja langweilig, wenn wir alle gleich wären. Trotzdem ist es so, dass manche Menschen von anderen unfair behandelt werden. Das ist nicht richtig.

Sind Sie Person of Colour oder Elternteil von Kids of Colour? Dann gehören Gespräche über Rassismus und Diskriminierung vermutlich zu Ihrem Alltag, wie die Anti-Rassismus-Trainerin und Autorin Tupoka Ogette schildert. Sie erzählt ihren Kindern von ihren Erfahrungen und auch davon, dass sie selbst von Rassismus betroffen sein könnten und höchstwahrscheinlich sein werden, solange sich nicht in unserer Gesellschaft etwas ändert.

Kinder haben keine Vorurteile? Oh, doch!

Eine weitverbreitete Meinung unter Erwachsenen ist, dass Kinder keine Vorurteile haben. Das stimmt nicht. Kinder bewerten Ungleichheiten zwar zunächst nicht, nehmen sie aber sehr wohl wahr. Beobachten sie in diesem Zusammenhang Ungleichbehandlung, verinnerlichen sie diese Muster und vorgelebtes Verhalten. So entstehen unbewusste Feindbilder.

Da Kinder gleichzeitig ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis haben, sollten wir möglichst früh mit ihnen über Themen wie Ungleichbehandlung aufgrund von Rassismus sprechen, damit sie keine bewussten oder unbewussten rassistischen Denkmuster entwickeln.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Hinterfragen Sie Sprüche, die Sie selbst sagen oder die Ihr Kind aus Kindergarten oder Schule mitbringt. Wenn Ihnen Rassismus im Alltag begegnet, reflektieren sie gemeinsam. Erleben Sie in der Öffentlichkeit eine rassistische Situation, sprechen Sie sie an und unterstützen Sie betroffene Personen. Damit sind Sie ein Vorbild, Kinder lernen mutig zu sein, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren und diese nicht bloss hinzunehmen.

Mit Kindern über Rassismus sprechen: So geht's

1 Verständnis fördern mit einfachen Beispiele

Versuchen Sie Rassismus anhand einfacher Beispiele zu erklären: Rassismus ist unfair. Rassismus ist, wenn jemand, weil er eine andere Hautfarbe hat oder aus einem anderen Land kommt, ungleich behandelt wird. Zum Beispiel, dass eine Person einen Job oder eine Immobilie aufgrund der Hautfarbe nicht bekommt. Warum das so ist? Weil Menschen Vorurteile gegenüber anderen Menschen haben. Wenn jemand diesen Vorurteilen glaubt, kann es sein, dass er einem anderen Menschen wehtut. So wie der Chef. Es kann aber auch sein, dass die Lehrerin ein dunkelhäutiges Kind nicht so oft dran nimmt wie ein hellhäutiges, auch das ist Rassismus.

Bei komplizierten Themen können Hilfsmittel wie Bücher oder Erklärvideos, die sich mit dem Thema beschäftigen, nützlich sein. In diesem Video wird zum Beispiel der Begriff Rassismus in einer Minute einfach erklärt. 

2 Diskutieren und Nachdenken

Erklären, Diskutieren und Philosophieren fördert die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen. Kinder haben schon im Vorschulalter ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Rassismus ist ein ungerechtes System, bei dem Menschen anderer Herkunft schlechter behandelt werden. Das ist falsch und wir alle müssen daran arbeiten. Wenn es in den Nachrichten Berichte über rassistische Polizeigewalt gibt, sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber und drücken Sie Mitgefühl aus.

3 Fragen über Haut und Herkunft stellen

Kinder sind nicht farbenblind, sie haben viele Fragen zum Thema Herkunft, Hautfarbe und Haar. Wenn Eltern sich unwohl fühlen, darüber zu sprechen, merken das die Kinder und lernen nicht, Fragen zu stellen. Reden Sie über äusserliche Unterschiede und erklären Sie, dass diese Unterschiede nichts über den Charakter der Person aussagen.

4 Spielerische Auseinandersetzung

Spielsachen fördern Diversität und prägen die Wahrnehmung. Solche ausgewählten Spielsachen vom Stifteset mit Hautfarben und Lernspiele bis zu Ermutigungsbüchern für Mädchen, Jungs und alle, die sich anders fühlen, finden Sie zum Beispiel hier.

5 Geschichten und Bilder nutzen

Bücher beeinflussen das Denken und Fühlen von Kindern. Ausserdem bieten sie eine gute Vorlage, um später über die Geschichte zu diskutieren. Wieso wurde der Junge in der Geschichte ausgegrenzt? Und warum ist das falsch? Was würdest du anders machen?

6 Wie Kinder zu Verbündeten werden

Bringen Sie Ihrem Kind bei, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Das funktioniert am besten, wenn man seinen Kindern ein gutes Vorbild ist. Zum Beispiel können Kinder Zeugen sein, wenn ein schwarzer Klassenkamerad belästigt wird. Oder Sie können andere Kinder bei einem rassistischen Witz darauf hinweisen, dass die Äusserung nicht in Ordnung ist.

Unsere Kinderbuchtipps zu den Themen Fairness, Diversität und Gleichheit:

  • Die Savannenkicker: Am Beispiel vom Fussballspielen und spielen in der Gruppe wird das Thema Fairness angesprochen.
  • Unser Freund Valentin: Der Elefant Valentin ist anders als die Kinder in der Spielgruppe. Doch gemeinsam finden sie einen Weg, miteinander zu spielen und den Grossen zu integrieren. Auf einfache Art lernen Kinder so, dass wir alle verschieden sind – und dass das gut so ist.
  • Das Beste überhaupt: Miro Meerschwein ist durchschnittlich und mittendrin. Wenn er doch nur grösser, schneller, besser wäre..? Das Buch nimmt das wichtige Thema Gleichheit auf und lädt zur Auseinandersetzung damit ein.