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Schwangerschaft

Frühgeburt: Wenn es dein Baby eilig hat

Jährlich kommen in der Schweiz sechstausend Babys zu früh auf die Welt. Die Auswirkungen einer Frühgeburt unterscheiden sich stark, je nachdem, wie früh das Baby zur Welt kommt. Während extrem frühe Frühgeburten oftmals mit lebenslangen Beeinträchtigungen konfrontiert werden, entwickeln sich spätere Frühchen meist normal. Doch jedes Baby, welches vor der abgeschlossenen 38. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, braucht eine sorgfältige medizinische Betreuung, sei es ein langer Spitalaufentalt, oder genaue Beobachtung.

Viele Frühchen müssen nach der Geburt Zeit im Brutkasten verbringen.
Viele Frühchen müssen nach der Geburt Zeit im Brutkasten verbringen. © Getty Images, Ondrooo

Frühgeburt: Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn ein Baby vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblickt, ist es eine Frühgeburt. Mit intensivmedizinischer Unterstützung kann ein Baby ab der 22. Schwangerschaftswoche überleben. Lese hier mehr darüber. 
  • Je nach Zeitpunkt der Frühgeburt sind die Auswirkungen auf das Baby anders. Während Frühchen, welche vor der 27. Schwangerschaftswoche zu Welt kommen, mit vielen Problemen zu Kämpfen haben, Unterscheiden sich Frühchen ab der 34. Schwangerschaftswoche kaum mehr von anderen Babys. Erfahre hier, was Frühgeburten in verschiedenen Stadien bedeuten. 
  • Wenn dein Baby zu früh geboren wurde, besteht die Möglichkeit, deinen Mutterschutz zu verlängern. Dies musst du jedoch beantragen. 
  • Frühchen bleiben ihr Leben lang früh geborene. Sie weisen im Erwachsenenalter beispielsweise mehr chronische Gesundheitsprobleme auf. Das sind die Spätfolgen einer Frühgeburt.

Immer mehr Eltern sind von einer Frühgeburt betroffen. Tatsächlich ist die Schweiz in Sachen Frühgeburten ganz vorne mit dabei und liegt im Europäischen Vergleich an zweiter Stelle hinter Österreich. Die steigende Zahl der Frühgeburten hat vor allem damit zu tun, dass hierzulande die Frauen immer älter schwanger werden. Fast 30 Prozent der Mütter sind beim ersten Kind über 35 Jahre alt. Viele Kinder von späten Müttern kommen zu früh zur Welt.

Wann ist ein Kind eine Frühgeburt?

Ein Baby, das vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt, ist per Definition eine Frühgeburt. Eine Frühgeburt erblickt also mindestens drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin das Licht der Welt– eine reguläre Schwangerschaft dauert 40 Wochen.

In welcher Woche überlebt ein Frühchen?

Bei einer Geburt in der 25. Schwangerschaftswoche liegt die Überlebenschance des Babys bei etwa 50 Prozent. Beim Fortschreiten der Schwangerschaft steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit in den nächsten drei Wochen mit jedem gewonnen Tag um etwa 2 Prozent an. Das speziell für schwierige Fälle eingerichtete Zentrumsspital Luzern gibt für Geburten ab der 26. Schwangerschaftswoche eine Überlebenschance von 90 Prozent an. Ab der 30. Woche sind die Überlebenschancen für das Kind hervorragend, nämlich 97 Prozent.

Wann ist ein Baby lebensfähig?

Mit intensivmedizinischer Unterstützung ist ein Baby ab ca. der 22. Schwangerschaftswoche überlebensfähig. Ein Grossteil der Babys, welche so früh auf die Welt kommen, erleiden jedoch Behinderungen und Beeinträchtigungen.

💡 Was sind Auslöser für eine Frühgeburt? 💡

Diese Faktoren erhöhen das Risiko für eine Frühgeburt.

  • Lebensalter der Mutter unter 18 oder älter als 35 Jahre
  • Erstgebärende
  • Vergangene Frühgeburt vor der jetzigen Schwangerschaft
  • Körperliche Belastung während der Schwangerschaft
  • Schlechte Ernährung und Ernährungszustand
  • Niedriges Körpergewicht der Mutter
  • Bestehende Erkrankungen der Mutter, z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Störungen der Schilddrüsenfunktion
  • Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck (Präeklampsie)
  • Starker Nikotinkonsum
  • Infektionserkrankungen allgemein

Frühgeburt zwischen der 24.–27. Schwangerschaftswoche

Babys, die bereits zwischen der 24. und der 27. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, haben es besonders schwer. Viele Organfunktionen sind zu dieser Zeit noch nicht ganz ausgebildet. Auch das Geburtsgewicht ist typischerweise sehr tief.
Diese extrem frühen Frühchen benötigen bei ihrem Start ins Leben eine intensivmedizinische Unterstützung in Form von strikter Kreislaufüberwachung, künstlicher Ernährung und Atemunterstützung. In diesem Stadium ist das Immunsystem des Babys auch noch nicht gänzlich ausgebildet, daher muss es penibel vor Keimen geschützt werden.

Dem Kleinen steht ein langer Aufenthalt im Krankenhaus bevor. Die meiste Zeit davon wird es im Brutkasten verbringen. Der Grossteil dieser Frühchen darf das Spital erst nach bis zu zehn Wochen verlassen.

Viele Kinder, die so früh zur Welt kommen, haben Beeinträchtigungen wie Seh- oder Hörprobleme, neurologische Schäden oder Lernstörungen. Auch akute Komplikationen sind häufig, wie beispielsweise Atemprobleme, Bewegungsstörungen oder eine verstärkte Neigung zu Blutungen.

Sternenkinder: Wenn ein Baby die Welt verlässt

Leider gibt es auch immer wieder Fälle, in denen alle medizinischen Massnahmen nichts mehr nützen. Dann werden palliative Massnahmen eingeleitet, damit das Kleine möglichst friedlich die letzte Reise antreten kann.

Zur optimalen Sterbebegleitung gehört, dass man das Kind den Eltern in die Arme legt. Dies hilft auch vielen Eltern dabei, sich von ihrem Kind zu verabschieden.

Der Tod eines Babys ist immer eine traumatische Erfahrung. Such dir dringend Hilfe. Bei der Fachstelle Kindsverlust findest du eine Sammlung von Adressen und weiterführenden Informationen. Wer sich gerne mit anderen Sterneneltern austauschen möchte, kann dies auf der Plattform Sternenkinder Eltern tun.

Frühgeburt zwischen der 28.–33. Schwangerschaftswoche

Frühchen, die zwischen der 28. und der 33. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken, haben eine Überlebenswahrscheinlichkeit von 96 bis 98 Prozent. Bei nur 2 bis 3 Prozent dieser Kinder kommt es zu langfristigen Beeinträchtigungen oder Defiziten. Viele dieser Probleme lassen sich jedoch durch Behandlungen und Therapien ausgleichen.

Die Organe des Babys sind in der 28. Schwangerschaftswoche bereits voll ausgebildet. Für dein Frühchen geht es jetzt vor allem darum, an Grösse und Gewicht zuzulegen. Lediglich der Atem muss oftmals noch unterstützt werden. 

Diese Frühchen müssen meistens auch nur kurze Zeit im Brutkasten verbringen, da sie ihren Wärmehaushalt noch nicht selbst regulieren können.

Frühgeborene Babys sind auf intensivmedizinische Hilfe angewiesen.
Frühgeborene Babys sind auf intensivmedizinische Hilfe angewiesen. © Sviatlana Lazarenka, Getty Images

Frühgeburt zwischen der 34-36. Schwangerschaftswoche

Ein Baby, welches die 34. Schwangerschaftswoche überstanden hat, unterscheidet sich kaum von den Babys, die später geboren worden sind.

Die Vitalfunktionen, die es für sein Leben braucht, sind in der Regel voll ausgebildet. Diese Frühchen haben keine besonderen Risiken, wenn es um ihre Gesundheit geht, werden aber trotzdem eingehend medizinisch überwacht, um Komplikationen vollständig auszuschliessen.

Höchstwahrscheinlich wird das Baby keinen langen Spitalaufenthalt hinter sich bringen müssen, sofern es keine gesundheitlichen Probleme hat.

💡 So viele Frühgeburten gibt es in der Schweiz 💡

Die Anzahl an Frühgeburten in der Schweiz blieb in den letzten Jahren konstant. 2020 kamen 6.4 Prozent aller Babys zu früh zur Welt. Davon sind lediglich 0.4 Prozent extrem frühe Frühgeburten, also Geburten, die vor der 27. Schwangerschaftswoche stattfinden.

Frühgeburt: Mutterschutz verlängern?

Falls dein Baby ein Frühchen ist, hast du die Möglichkeit, deinen Mutterschutz zu verlängern. Voraussetzung ist, dass dein Frühchen direkt nach der Geburt über zwei Wochen im Spital bleiben musste. Es können maximal 56 zusätzliche Taggelder bezogen werden. Auf diese Verlängerung haben jedoch nur Mütter Anspruch, die nach dem Mutterschaftsurlaub wieder erwerbstätig sein werden. Die Verlängerung muss beantragt werden. 

Diese Reform trat am 1. Juli 2021 in Kraft.

Frühgeburt: Diese Spätfolgen können auftreten

Eine Studie aus den USA besagt, dass die geistige Entwicklung sehr früh geborener Kinder oft verzögert ist, sich aber durchaus bis ins Schulalter normalisieren kann – besonders mit entsprechender therapeutischer Unterstützung.

Dennoch: Fehlbildungen treten bei extrem Frühgeborenen doppelt so häufig auf wie bei Normalgeburten. Das Spektrum reicht von leichten motorischen Störungen, die das Leben kaum beeinträchtigen, bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Auch chronische Lungenerkrankungen und Erkrankungen der Netzhaut bis hin zur Erblindung können vorkommen.

📚 Ressourcen für Frühchen-Eltern 📚

Eltern von Frühchen haben oftmals viele Fragen und Sorgen zu ihrem Kleinen. Da verhältnismässig viele Familien betroffen sind, finden sich auch zahlreiche Ressourcen.

Im Frühchen-Portal finden sich zahlreiche Artikel rund um das Leben mit einem Frühchen. Wer sich lieber persönlich mit anderen Betroffenen austauschen möchte, kann dies in einer Selbsthilfegruppe tun.

Wer Frühchen-Eltern und ihre Kleinen mental unterstützen möchte, kann sich beim Verein Oktopus für Frühchen engagieren. Diese häkeln kleine Oktopus-Plüschtiere, die dann an Spitäler abgegeben werden. Ziel des Vereins ist es, dass jedes Frühchen im Spital einen kleinen Oktopus erhält.