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Diabetes während der Schwangerschaft: Das sollten Sie beachten

Als Gestationsdiabetes bezeichnet man eine Kohlenhydratstoffwechselstörung, die während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftreten kann. Frauen, die bereits einmal schwanger waren, über 30 Jahre alt sind oder einen erhöhten BMI haben, erkranken eher an Schwangerschaftsdiabetes. Was Sie über den Diabetes bei Schwangeren wissen müssen.

Schwangerschaftsdiabetes verläuft oft symptomlos. Gestationsdiabetes kann gefährlich werden für Mutter und Kind.

Regelmässige Blutzuckerkontrollen bei Schwangeren sind wichtig, denn Gestationsdiabetes verläuft oft symptomlos. Bild: GettyImages Plus, Halfpoint

Schwangerschaftsdiabetes – Das Wichtigste in Kürze

  • Gestationsdiabetes ist die häufigste Komplikation, die während der Schwangerschaft auftaucht. Mehr Informationen
  • Wer schon in einer früheren Schwangerschaft an einem Gestationsdiabetes litt, ein besonders schweres Kind zur Welt brachte oder mehrere Fehlgeburten hatte, muss mit einem erhöhten Risiko rechnen. Mehr dazu
  • Schwangerschaftsdiabetes taucht fast ohne Symptome auf und bleibt deshalb in vielen Fällen unerkannt. Deshalb lohnt sich der Zuckertest in der zweiten Schwangerschaftswoche. Bei diesen Anzeichen ist Vorsicht geboten
  • Eine Folge von dem Schwangerschaftsdiabetes ist zum Beispiel eine kompliziertere Geburt. Erfahren Sie mehr

Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine der häufigsten Komplikationen, die während einer Schwangerschaft auftaucht. Wie er entsteht, welche Folgen er unbehandelt für Kind und Mutter haben kann und weshalb die richtige Ernährung schon viel ausmacht.

Was genau ist Schwangerschaftsdiabetes?

Bei Gestationsdiabetes, auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die mit konstant erhöhten Blutzuckerwerten einhergeht. Von Gestationsdiabetes spricht man, wenn eine Nicht-Diabetikerin im Verlauf der Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt. Sie zählt zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen und betrifft etwa zehn bis 15 Prozent aller schwangeren Frauen.

Wie schlimm ist ein Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes muss nicht schlimm sein. Der Gestationsdiabetes (GDM) lässt sich im Verlauf der Schwangerschaft gut behandeln. Neben möglichen Medikamenten ist vor allem die Ernährung der werdenden Mutter ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Beschwerden bei der Schwangeren können Harnwegsinfektionen, Scheidenentzündungen und Bluthochdruck sein. Unerkannt kann der Schwangerschaftsdiabetes allerdings Folgen für Mutter und Kind haben.

Ursache des Gestationsdiabetes

Die Ursache für einen Diabetes ist das Unvermögen der Bauchspeicheldrüse, das Hormon Insulin in ausreichenden Mengen zu produzieren. Man spricht auch von einer gestörten Glukosetoleranz. Das Insulin wird vom Körper benötigt, um den Zuckerhaushalt zu regulieren. Im Verlauf der Schwangerschaft hat die werdende Mutter einen höheren Bedarf an Insulin. Bei manchen schwangeren Frauen gelingt es der Bauchspeicheldrüse nicht, den erhöhten Insulinbedarf abzudecken. 

Auch die Ernährung kann zu Schwangerschaftsdiabetes führen. Die Insulinausschüttung ist zu Beginn der Schwangerschaft eher vermindert, weshalb es oft zu Hungergefühlen kommt. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft steigt die Insulinproduktion erheblich an. 

Welche Frauen haben ein hohes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes?

Ein erhöhtes Risiko, an Gestationsdiabetes zu erkranken, haben Frauen über 30 sowie Frauen mit erblicher Veranlagung für Diabetes mellitu. Ausserdem erkranen auch Frauen, die Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung oder Übergewicht haben (Body Mass Index > 27) oder von vornherein zu hohe Blutzuckerwerte haben, eher. Wer schon in einer früheren Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes entwickelte, ein besonders grosses Kind zur Welt brachte oder mehrere Fehlgeburten hatte, muss mit einem erhöhten Risiko rechnen. 

Welche Symptome treten bei Schwangerschaftsdiabetes auf?

In vielen Fällen verläuft der Gestationsdiabetes symptomlos für die Schwangere ab. Das erschwert die Diagnose. Symptome können aber häufiges Wasserlassen, starker Durst, Müdigkeit und Schwäche. Diese Anzeichen treten aber bei vielen Schwangeren auf, auch ohne Gestationsdiabetes.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes bei der Vorsorge festgestellt?

Bei der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung wird der nüchterne Wert des Blutzuckers bestimmt und auch kontrolliert, wie viel Zucker im Urin vorhanden ist. Der Urintest ist jedoch nicht allzu aussagekräftig. Bei auffälligen Werten muss der Verdacht dann durch weitere Tests abgeklärt werden. Wenn die Ultraschalluntersuchung besonders viel Fruchtwasser oder ein sehr grosses Kind zeigt, muss genauer untersucht werden.

In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft (25. SSW – 27. SSW) kann ein Zuckertest beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin gemacht werden. Experten und Expertinnen raten dringend dazu. Hier lesen Sie mehr dazu.

Komplikationen und Folgen des Diabetes

Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann negative Folgen für Kind und Mutter haben und sollte daher unbedingt erkannt und behandelt werden.

1 Hohes Geburtsgewicht beim Kind

Das erhöhte Geburtsgewicht des ungeborenen Kindes steigt durch den Schwangerschaftsdiabetes. Das Geburtstgewicht von über 4000 g nennt sich Makrosomie. Dabei speichert das Kind den Zucker als Fett im eigenen Körper. Zusätzlich produziert das Kind mehr Urin, sodass die Fruchtwassermenge zunimmt. Das Risiko einer Frühgeburt erhöht sich.

Gelbsucht und Fehlbildungen

Das Neugeborene kann durch den unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes eine Gelbsucht entwickeln, da die Durchblutung des Mutterkuchens und damit der Sauerstoffversorgung gestört ist. Das Risiko, Fehlbildungen oder Anpassungsstörungen zu bekommen, steigt beim Kind.

3 Schwere Geburt – Häufigere Komplikationen

Die Geburt wird wegen der Grösse des Kindes oft komplizierter. Häufiger kommt es bei Müttern mit Gestationsdiabetes zum Einsatz von KaiserschnittenSaugglocken und Dammschnitten. Auch steigt beim unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes bei Müttern die Wahrscheinlichkeit, später einen Diabetes-Typ-2 für den Rest des Lebens zu entwickeln.

Schwangerschaftsdiabetes mit der Ernährung behandeln

Erst wenn die Ernährungsumstellung und die Bewegung gegen Ende der Schwangerschaft keine Wirkung mehr zeigen, muss Insulin gespritzt werden

Monika Kämpf, Leiterin vom  Projekt für Diabetesprävention «action d»

Monika Kämpf, ehemalige Krankenschwester mit Abschluss in Public Health und Leiterin von «action d», ein Projekt für Diabetesprävention in der Schweiz, hat ein paar Tipps: «Schwangerschaft bedeutet nicht, für zwei zu essen», sagt sie. Durch regelmässige körperliche Bewegung sprechen die Körperzellen besser auf das körpereigene Insulin an. Deshalb ist moderater Sport während der Schwangerschaft sinnvoll. «Erst wenn die Ernährungsumstellung und die Bewegung gegen Ende der Schwangerschaft keine Wirkung mehr zeigen, muss Insulin gespritzt werden.», sagt Monika Kämpf. Doch das ist bei weniger als einem Viertel der Frauen mit Gestationsdiabetes erforderlich.

Ein Ernährungsplan für den Gestationsdiabetes

Eine gesunde Ernährung ist ein wesentlicher Baustein im Umgang mit dem Diabetes während der Schwangerschaft.

Ernährung bei Diabetes: Viele Vollkornprodukte, wenig Pasta

Da Diabetes eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels ist, liegt bei der Ernährung der Fokus auf sogenannten komplexen Kohlenhydraten (Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte). Einfache Kohlenhydrate in Zucker, Weissmehl, Nudeln und Reis lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und sollten mit Bedacht in nur kleinen Mengen gegessen werden. Eine umsichtige Schwangerschaftsdiabetes-Ernährung beinhaltet täglich Vollkornprodukte, Milchprodukte sowie reichlich Obst und Gemüse.

Auch Fisch kann mindestens einmal die Woche gegessen werden. Fleisch liefert Eiweiss und kann an zwei bis drei Tagen wöchentlich gegessen werden. Bewegung kann ebenfalls helfen, den Diabetes vorzubeugen. Reicht Bewegung und Ernährung zur Behandlung nicht mehr aus, muss Insulin gespritzt werden.

Folgen des Diabetes nach der Schwangerschaft

Ab der Geburt verschwindet der Gestationsdiabetes wieder. Allerdings besteht ein erheblich erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes bei den Müttern in späteren Jahren. Das Risiko liegt bei mehr als 50 Prozent. Ein Lebensstil mit regelmässigem Sport sowie ausgewogener und gesunder Ernährung hilft sehr, das Risiko zu verringern.