Facebook Pixel

Diabetes während der Schwangerschaft: Das sollten Sie beachten

Als Gestationsdiabetes bezeichnet man eine Kohlenhydratstoffwechselstörung, die während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftreten kann. Frauen, die bereits einmal schwanger waren, über 30 Jahre alt sind oder einen erhöhten BMI haben, haben ein grösseres Risiko an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. In diesem Beitrag lesen Sie alles, was Sie über den Schwangerschaftsdiabetes wissen müssen.

Hebamme misst den Blutzucker bei einer Schwangeren. Schwangerschaftsdiabetes verläuft oft symptomlos. Gestationsdiabetes kann gefährlich werden für Mutter und Kind.

Regelmässige Blutzuckerkontrollen bei Schwangeren sind sehr wichtig, denn Gestationsdiabetes verläuft oft symptomlos. Bild: GettyImages Plus, Halfpoint

Gestationsdiabetes, auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, ist eine Stoffwechselstörung, die mit konstant erhöhten Blutzuckerwerten einhergeht. Diese Form des Diabetes zeichnet sich dadurch aus, dass sie erstmals im Verlauf der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Sie zählt zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen und betrifft etwa zehn bis 15 Prozent aller schwangeren Frauen.

Die verschiedenen Diabetes-Typen

Der Gestationsdiabetes lässt sich im Verlauf der Schwangerschaft, sofern er frühzeitig erkannt wird, gut behandeln. Neben möglichen Medikamenten ist vor allem die Ernährung der werdenden Mutter ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Wir erklären, wie Sie die Symptome dieses Diabetes-Typs erkennen und was Sie dagegen unternehmen können.

Frauen, bei denen ein Gestationsdiabetes auftritt, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an Typ-2-Diabetes, seltener am Typ 1 zu erkranken. Bei 30 bis 50% aller Mütter mit Gestationsdiabetes tritt dieser innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein. Frauen, die vor und während der Schwangerschaft zu Übergewicht neigen, müssen damit rechnen, dass die Krankheit nach der Entbindung anhält. Wie Sie die Erkrankung verhindern können und nicht am Typ 2 erkranken, lesen Sie weiter in diesem Artikel.

Entstehung der Gestationsdiabetes

Die Ursache für einen Diabetes ist das Unvermögen der Bauchspeicheldrüse, das Hormon Insulin in ausreichenden Mengen zu produzieren. Man spricht auch von einer gestörten Glukosetoleranz. Das Insulin wird vom Körper benötigt, um den Zuckerhaushalt zu regulieren. Im Verlauf der Schwangerschaft hat die werdende Mutter einen höheren Bedarf an Insulin. Bei manchen schwangeren Frauen gelingt es der Bauchspeicheldrüse nicht, den erhöhten Insulinbedarf abzudecken. In diesem Fall entsteht dann der Gestationsdiabetes.

«Schwangerschaftsdiabetes ist eine ernsthafte Störung, die bei allen Frauen gesucht und behandelt werden sollte, weil erhebliche Komplikationen sowohl beim Kind als auch bei der Mutter während und nach der Schwangerschaft daraus resultieren können», sagt der Diabetologe Prof. Dr. med. Roger der Zeitschrift der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft (SDG).

Die häufigsten Komplikationen für Mutter und Kind

Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes kann negative Folgen für Kind und Mutter haben. Das erhöhte Geburtsgewicht des ungeborenen Kindes steigt, was auch Makrosomie genannt wird. Dabei speichert das Kind den Zucker als Fett im eigenen Körper. Zusätzlich produziert das Kind mehr Urin, sodass die Fruchtwassermenge zunimmt. Das Risiko einer Frühgeburt erhöht sich.

Das Neugeborene kann eine Gelbsucht entwickeln, da die Durchblutung des Mutterkuchens und damit der Sauerstoffversorgung gestört ist. Das Risiko, Fehlbildungen oder Anpassungsstörungen zu bekommen, steigt beim Kind.

Die Geburt wird schwieriger aufgrund der Grösse des Kindes. Häufiger kommt es zum Einsatz von Kaiserschnitten, Saugglocken und Dammschnitten bei Müttern mit Gestationsdiabetes. Auch steigt beim unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes bei Müttern die Wahrscheinlichkeit, später einen Diabetes-Typ-2 für den Rest des Lebens zu entwickeln.

Welche Frauen sind besonders betroffen?

Ein erhöhtes Risiko haben Frauen, die bereits über 30 sind und eine erbliche Veranlagung für Diabetes mellitus mitbringen, sowie Frauen, die Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung oder Übergewicht haben (Body Mass Index > 27) oder von vornherein einen zu hohen Blutzucker haben. Diese Frauen könnten auch nach der Schwangerschaft wegen des erhöhten Blutzuckers an einem Diabetes mellitus erkranken. Wer schon in einer früheren Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes entwickelte, ein besonders schweres Kind zur Welt brachte oder mehrere Fehlgeburten hatte, muss mit einem erhöhten Risiko rechnen. 

Die Entstehung eines Diabetes liegt einerseits an den verschiedenen Schwangerschaftshormonen, die zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels führen, andererseits an der Ernährung, die in der Schwangerschaft häufig nicht optimal ist. Das zieht den Insulinstoffwechsel und damit den Blutzuckerspiegel in Mitleidenschaft. Die Insulinausschüttung ist zu Beginn der Schwangerschaft eher vermindert, weshalb es oft zu Hungergefühlen kommt. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft steigt die Insulinproduktion erheblich an. Dabei gibt die Bauchspeicheldrüse das Insulin um ca. 15 Minuten verzögert in die Blutbahn ab. Sehr häufig schafft es die Bauchspeicheldrüse nicht mehr, genügend Insulin zu produzieren. Die Folgen sind erhöhte Blutzuckerwerte vor und nach dem Essen mit den erwähnten Risiken.

Die Therapie: Ausgewogene Ernährung und Sport

«Schwangerschaft bedeutet nicht, für zwei zu essen», sagt Monika Kämpf. Die ehemalige Krankenschwester mit Abschluss in Public Health leitet action d, das Projekt für Diabetesprävention in der Schweiz. «Über die Ernährung können wir Einfluss nehmen. In 85% aller Fälle genügt zur Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Nur in 15% der Fälle muss zusätzlich Insulin gegeben werden.»

Durch regelmässige körperliche Bewegung sprechen die Körperzellen besser auf das körpereigene Insulin an. Deshalb ist moderater Sport während der Schwangerschaft sinnvoll. «Erst wenn die Ernährungsumstellung und die Bewegung gegen Ende der Schwangerschaft keine Wirkung mehr zeigen, muss Insulin gespritzt werden. Dann müssen auch die Blutzuckerwerte zu Hause selbst überprüft werden», sagt Monika Kämpf. Doch das ist bei weniger als einem Viertel der Frauen mit Gestationsdiabetes erforderlich.

Wie wird Gestationsdiabetes diagnostiziert?

Da die Krankheit symptomlos verläuft, sind regelmässige Blutzuckerkontrollen bei Schwangeren sehr wichtig. Die häufigen Symtome des Typ-2-Diabetes wie häufiges Wasserlassen, starker Durst und Müdigkeit sowie Schwäche bemerken die wenigsten Schwangeren. Die meisten deuten diese Symptome zusammen mit der Schwangerschaft, sodass die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes häufig nicht gestellt wird.

Bei der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung wird der nüchterne Wert des Blutzuckers bestimmt und auch kontrolliert, ob Zucker im Urin vorhanden ist. Der Urintest ist allerdings nicht allzu aussagekräftig. Bei auffälligen Werten muss der Verdacht dann durch weitere Tests abgeklärt werden. Auch wenn die Ultraschalluntersuchung besonders viel Fruchtwasser oder ein sehr grosses Kind zeigt, muss genauer untersucht werden.

Während der oGTT nur bei Schwangeren mit Risikofaktoren durchgeführt wird, gibt es auch einen Screeningtest für alle Schwangeren. «Bei erhöhten Risiko oder Verdacht lohnt sich die genaue Abklärung,» sagt Monika Kämpf. «Bei Gestationsdiabetes handelt es sich um eine Krankheit, die aufgrund ihrer Folgerisiken behandelt werden muss.»

Die diagnostischen Kriterien sind international unterschiedlich. Für die Schweiz gelten vor allem die empfohlenen Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie (SGED). Für eine ärztliche Diagnose wird in der Regel ein sogenannter Glukose-Toleranztest vorgenommen. Hierbei gilt es, in kurzer Zeit eine konzentrierte Zuckerlösung zu trinken. Unmittelbar vor dem Test sowie eine und zwei Stunden danach werden die Blutzuckerwerte erhoben. Übersteigen diese die entsprechenden Referenzwerte, ist von einer Gestationsdiabetes auszugehen. Ein oraler Glukosetoleranztest ist in den meisten Fällen Standard.

Die Veranlagung bleibt bestehen

Bei manchen Frauen verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes kurz nach der Geburt wieder. Doch in manchen Fällen trifft dies nicht zu. Vor allem bei Übergewichtigen bleibt die Stoffwechselstörung oft auch nach der Geburt weiter bestehen. Bis zu 50% aller Mütter, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, entwickeln in den Folgejahren einen Diabetes. «Das Problem: Auch bei den Müttern, bei denen der Diabetes wieder verschwunden ist, bleibt die Anlage lebenslang bestehen», weiss Monika Kämpf. Empfohlen sind deshalb auch nach der Geburt regelmässige Arztbesuche und die Blutzuckerkontrolle alle ein bis zwei Jahre. Das Risiko eines erneuten Ausbruchs kann allerdings mit einem aktiven Lebensstil – also ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung – gesenkt werden.

Ab der Geburt verschwindet der Gestationsdiabetes wieder. Allerdings besteht ein erheblich erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes bei den Müttern in späteren Jahren. Das Risiko liegt bei mehr als 50 Prozent. Ein Lebensstil mit regelmässigem Sport und ausgewogener und gesunder Ernährung hilft sehr, das Risiko zu verringern.

Ein Ernährungsplan für den Gestationsdiabetes

Die richtige und vor allem gesunde Ernährung ist ein wesentlicher Baustein im Umgang mit der Krankheit. Da Diabetes eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels ist, liegt bei der Auswahl der Lebensmittel der Fokus auf sogenannten komplexen Kohlenhydraten, also unverarbeiteten und ballaststoffreichen Kohlenhydraten, wie sie beispielsweise in Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten zu finden sind. Einfache Kohlenhydrate hingegen in Zucker, Weissmehl, Nudeln und Reis lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und sollten mit Bedacht nur in kleinen Mengen gegessen werden. Eine umsichtige Schwangerschaftsdiabetes-Ernährung beinhaltet täglich Vollkornprodukte, Milchprodukte sowie reichlich Obst und Gemüse.

An ein oder mehreren Tagen wöchentlich ist Fisch ratsam. Der Eiweisslieferant Fleisch kann an zwei bis drei Tagen wöchentlich massvoll gegessen werden. Zusätzlich zur gesunden Ernährung sollte auf ausreichend Bewegung geachtet werden, um für die eigene Gesundheit und die des Kindes zu sorgen. Insulintherapie wird nur dann verschrieben, wenn Bewegung und Ernährung allein nicht mehr ausreichen.