Plötzliche Geburt: So verhalten Sie sich richtig!

Der errechnete Zeitpunkt der Geburt rückt immer näher. Doch jeder weiss, Kinder halten sich selten an Terminabsprachen. Der Gedanke, das Baby könne so unpassend kommen, dass die Geburt ohne Hilfe verläuft, erschreckt. So können Sie sich bei einer plötzlichen Geburt selber helfen.

Plötzliche Geburt: Was im Notfall zu tun ist

Plötzliche Wehen können einer Frau ganz schön Angst machen. Foto: dolgachov, iStock, Thinkstock

Wenn der Geburtstermin näher rückt, entsteht manche «Was wäre wenn»-Frage.

  • Was wäre, wenn mein Kind zur Welt kommen will und niemand erreichbar ist, der mich ins Krankenhaus bringt?
  • Was wäre, wenn ich die Kinderbetreuung nicht erreiche, wenn mein Baby kommt?
  • Was wäre, wenn ich eine Sturzgeburt zu Hause oder im Auto habe?

Vor allem Erstgebärende haben vor solchen Szenarien Angst, die sie gelegentlich in TV-Filmen sehen. In der Realität treten sie zum Glück nur selten ein. «Wenn schnelle Geburten vorkommen, dann eher bei Zweitgebärenden. Und ich habe nie erlebt, dass es dann Komplikationen gab», beruhigt Barbara Stocker Kalberer, Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbandes. Wer trotzdem Antworten auf diese «Was wäre wenn»-Fragen kennt, kann im Zweifelsfall richtig handeln. Wir spielen ein schwieriges Szenario durch.

Die Fruchtblase platzt oder die Wehen treten plötzlich stark und fordernd auf. Sie brauchen Hilfe, jemanden, der Sie beruhigt, jemanden, der sie ins Spital fährt. Doch es ist, als hätte jemand Ihre Liebsten aus der Welt gefegt. Der Vater des Babys ist telefonisch einfach nicht zu erreichen. Ihre eigenen Eltern leben im Ausland, und Sie haben es versäumt, eine freie Hebamme oder eine Doula zu engagieren. Freunde in der Nähe haben Sie nicht.

In diesem Fall gilt es, kein Risiko einzugehen. Hier geht es nicht nur um Ihre Gesundheit, sondern auch um die Gesundheit Ihres Babys. «Gleichgültig, ob Sie in einem Spital zur Geburt angemeldet sind oder nicht: sofort und zu jeder Tag und Nachtzeit die Gebärsaalnummer wählen», rät Barbara Stocker Kalberer. Dort sei immer eine Hebamme am Telefon, die geschult sei, die Situation schnell zu erfassen, und direkt die Ambulanz anrufen könne. «In einem solchen Fall rückt in der Regel auch eine Hebamme mit aus», erklärt Barbara Stocker Kalberer. «Die Hebamme wird mit Ihnen in telefonischem Kontakt bleiben und Anweisungen geben, was zu tun ist, bis die Ambulanz eintrifft.»

Wer die Nummer des Spitals nicht im Kopf oder im Handy gespeichert hat, wählt im Notfall die «144», auch dann, wenn Unsicherheit herrscht, ob ein Krankentransport nötig ist oder nicht. Der Disponent in der Einsatzzentrale, der Ihren Anruf entgegen nimmt, ist geschult. Mit Hilfe verschiedener Fragen kann er sich ein Bild von Ihrer Situation machen und sich mit Ihnen beraten, was zu tun ist. «Lieber ein Mal zu viel als zu wenig anrufen», rät Roland Portmann, Leiter Kommunikation von «Schutz und Rettung Zürich», der grössten zivilen Rettungsorganisation der Schweiz. Die Nummer «144» ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Wenn Sie Ihre Wohnung hell erleuchten und auch die Aussenbeleuchtung einschalten, sind Sie leichter zu finden.

Notruf wählen ist gut und schön. Doch das Geld ist knapp. «Wer zahlt am Ende den Krankenwagen?»

In der Regel zahlt die Grundversicherung einen Teil der Kosten. Die restlichen Kosten übernimmt, falls abgeschlossen, die Zusatzversicherung.

Ist ein Taxi eine Alternative?

Eine Frau in Wehen kann sich auch von einem Taxi fahren lassen, vorausgesetzt, die Wehen sind leicht und es liegt kein medizinisches Problem vor. «Vielleicht lehnt ein einzelner Taxifahrer den Transport ab, weil er sich überfordert fühlt oder er Angst hat, dass das Fahrzeug schmutzig wird», berichtet Barbara Stocker Kalberer. «Grundsätzlich übernehmen Taxis aber schon Fahrten mit Frauen mit Wehen.»

Weit mehr als die Kosten des Krankenwagens beunruhigt Sie vielleicht die Frage, wer nun auf Ihr älteres Kind aufpasst. Eigentlich sollten Ihre Eltern in der nächsten Woche kommen, aber noch haben sie sich nicht einmal auf den Weg gemacht. Umso schwieriger ist dieses Problem, weil das Kind im Moment stark fremdelt.

«Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen, wo es geht», erklärt Roland Portmann. Vielleicht lässt sich telefonisch noch eine Bezugsperson bestellen, möglicherweise lässt sich das Kind auf dem Weg ins Spital bei Bekannten absetzen. «Im Zweifelsfall nehmen wir das Kind mit ins Spital und schauen dort weiter.» Eine Anlaufstelle ist in diesem Fall das Schweizerische Rote Kreuz (SRK). Die Rotkreuz-Kinderbetreuung springt ein, wenn Kinder krank sind oder Eltern eine schwierige Zeit durchmachen. Melden Sie sich beim Rotkreuz-Kantonalverband des Wohnkantons. Dieser schickt möglichst rasch eine Betreuerin zu Ihnen. Sie beaufsichtigt das Kind, spielt mit ihm und bereitet Mahlzeiten zu. Sie ist geschult, Kinder in dieser schwierigen Situation aufzufangen und Mut zu machen. Dank einkommensabhängiger Tarife und Spenden kann das Angebot auch von Familien mit kleinem Budget genutzt werden. Darüber hinaus übernehmen einige Krankenkassen die Kosten.

Wenn wirklich alle Stricke reissen und Sie ganz alleine sind, was ist dann bei einer Geburt zu beachten?

Die meisten Frauen handeln in dieser schwierigen Situation intuitiv richtig. Sie legen sich oder knien sich hin, und halten das Kind, so dass es nicht zu Boden stürzt. «Wichtig ist, dass das Neugeborene gut abgetrocknet wird», erklärt Barbara Stocker Kalberer. «Dann sollten sie es zu sich nehmen und gut zudecken, damit es nicht auskühlt.» Die Nabelschnur müsse nicht durchtrennt werden, die Plazenta komme in der Regel spontan. Es gilt, einfach liegend zu warten, bis die Ambulanz kommt.»

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