Wie eine Freundin auf Zeit: die Doula

Wenn im eigenen Bauch ein kleiner Mensch heranwächst, schlagen die Gefühle oft Purzelbäume. In der Schwangerschaft entstehen viele Fragen, die Antworten suchen. In dieser Zeit wünschen sich werdende Mütter oft eine verlässliche Freundin. Eine Doula hört zu, fragt nach, tröstet und hilft.

Doula: Unterstützung während der Schwangerschaft

Eine Doula steht der werdenden Mutter vor der Geburt bei. Foto: Monkey Business - Thinkstock

Gerade hat die Hebamme des Spitals das Gebärzimmer verlassen, um nebenan nach einer Gebärenden zu schauen. Doch die Schwangere, bereits seit Stunden mit der Geburt ihres Sohnes beschäftigt, muss sich dennoch nicht verlassen fühlen. Sie hat bereits vor Wochen eine Doula engagiert, die in den letzten Stunden mit ihr durch den Gang gelaufen, ihr die Hand gehalten, den Rücken massiert, viele Fragen beantwortet, Wasser geholt - kurzum ihr Zuversicht vermittelt hat.

Eine Doula vermittelt Sicherheit

Nicht jede werdende Mutter hat eine geburtserfahrene Freundin, die ihr während der fortgeschrittenen Schwangerschaft, der Entbindung und im Wochenbett zeitintensiv zur Seite stehen kann. Eine professionelle Doula kann diese Lücke füllen. Vor allem dann, wenn der Vater des Kindes bei der Geburt nicht dabei sein kann, wenn die erste Geburt traumatisch erlebt wurde oder die Mutter die Umgebungssprache nicht versteht, vermittelt die Anwesenheit einer Doula grosse Sicherheit und erleichtert dadurch die Geburt.

Die Aufgaben der Doula

Der Begriff «Doula», «Dula» ausgesprochen, stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa: «Dienerin der Frau». Das Ziel ihrer Arbeit: Schwangerschaft und Geburt sollen so erfüllend und positiv wie möglich erlebt werden. Damit ergänzt sie die Leistungen der Hebamme.

«Seit Stunden spüre ich ein Ziehen in der Leiste – was hat das zu bedeuten?», «Maria hat seit 48 Stunden keine Verdauung mehr gehabt – was soll ich tun?»: Für solche Fragen ist und bleibt die Hebamme zuständig, die sich hauptsächlich auf gesundheitliche Fragen konzentriert. Beispiel Entbindung: Die Hebamme leitet die Geburt und fällt in Absprache mit dem Arzt medizinische Entscheidungen. Die Doula übernimmt dagegen keine medizinische Funktion.

Die Arbeit der Doula lebt vom Vertrauensverhältnis zur Mutter. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig kennenzulernen. Wie beruhigend zu wissen, dass die Doula mindestens zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ihren Bereitschaftsdienst aufnimmt! Sicherheit vermittelt darüber hinaus die Vorstellung, dass die Doula die gesamte Entbindung begleitet, gleichgültig, wie lange sie dauert. Dabei kümmert sie sich nicht nur um die Mutter. Auch der Vater braucht manchmal jemanden, der ihn emotional auffängt, wenn zum Beispiel die Geburt lange dauert, sich Komplikationen einstellen oder Ängste auftreten. Auch nach der Geburt ist die Doula präsent. Sie gibt praktische Unterstützung im neuen Alltag mit dem Neugeborenen und hilft in Gesprächen der Mutter, das Geburtserlebnis zu verarbeiten.

Das leistet eine Doula:

  • Ein Kennenlerngespräch
  • Ein bis zwei Vorgespräche
  • Vier Wochen 24h-Pikettzeit (Rufbereitschaft) rund um den Geburtstermin
  • Begleitung während der ganzen Geburt (Spontangeburt oder Kaiserschnitt, im Spital, Geburtshaus oder zuhause)
  • Zwei Nachgespräche
  • Telefon- und Emailspesen sind in der Pauschale inbegriffen, restliche Spesen nach Vereinbarung
  • Ständige Ansprechperson für Fragen in der Schwangerschaft und nach der Geburt

(Quelle: Verband Doula CH)

 

Die Ausbildung der Doula

«Doula» ist im Gegensatz zur «Hebamme» kein staatlich anerkannter Beruf. «Eine gute Doula braucht nicht Mengen von Wissen, sondern eine reflektierte Haltung und viel Sorgfalt im zwischenmenschlichen Kontakt», erklärt Ursula Oetiker Eggli, Pressesprecherin des Verbandes Doula CH. Im Rahmen eines 16-tägigen Kurses vermittelt der Verband notwendiges Rüstzeug. «Wir machen keine Abschlussprüfung, sondern setzen stark auf Selbstreflexion und persönlichen Prozess auf dem Weg zur Doula.» An dem Kurs dürfen nur Frauen teilnehmen, die mindestens ein Kind selbst geboren haben, damit sie sich in die Gefühle und Gedanken der werdenden Mütter hineinversetzen können.

Wer zahlt die Doula?

Die Kosten einer kompletten Geburtsbegleitung liegen zwischen 800 bis 1.000 Franken. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in der Regel nicht, da die Leistungen in den nicht-medizinischen Bereich fallen. «Dennoch lohnt es sich, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob ein Teil über die Zusatzversicherung abgerechnet werden kann», so Ursula Oetiker Eggli. «Weil in einigen Spitälern die Wochenbettzeit verkürzt wurde, ist es darüber hinaus vereinzelt möglich, die Doula als Haushilfe mit der Krankenkasse abzurechnen.» Als Wochenbett-Begleitung unterstützt sie u.a. die Mutter emotional, gibt Tipps zum Stillen, zur Säuglingspflege und Flaschenernährung, übernimmt leichte Hausarbeiten und betreut Geschwister-Kinder.

Weiterführende Links:

  • Studie über die Auswirkungen einer Doula-Geburtsbegleitung auf medizinische Interventionen: http://www.doula.ch

 

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