Baby > Stillen & ErnährungBrustentzündung beim Stillen: Was wirklich hilft und wann du zur Ärztin musst Sigrid Schulze Die Brust schmerzt beim Stillen, eine Stelle ist rot und heiss, und dazu kommen Fieber und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe. Das kann eine Brustentzündung sein, in der Fachsprache Mastitis. Du darfst weiterstillen, die Milch schadet deinem Baby nicht. Viele Brustentzündungen heilen mit Kühlen, Ruhe und einem Entzündungshemmer aus. Lass dich bei Fieber trotzdem rasch ärztlich anschauen: Wird es innert 24 Stunden nicht besser, braucht es ein Antibiotikum. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Auch mit einer Brustentzündung darfst du dein Baby weiter stillen. © Demkat, iStock/Thinkstock Symptome: Woran du eine Brustentzündung erkennst Eine Brustentzündung beginnt meist an einer umschriebenen Stelle. Die Haut dort ist gerötet, geschwollen und überwärmt, darunter tastest du eine harte, schmerzhafte Stelle. Dazu kommen Allgemeinbeschwerden wie hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Viele Frauen fühlen sich, als hätten sie eine Grippe. Tritt die Entzündung in der Stillzeit auf, heisst sie in der Fachsprache Mastitis puerperalis. Eine Brustentzündung ausserhalb der Stillzeit hat andere Ursachen und gehört immer ärztlich abgeklärt. Fachleute sehen die Brustentzündung heute als Teil einer Reihe, die vom Milchstau bis zum Abszess reicht. Beim einfachen Milchstau ist eine Stelle verhärtet und tut weh, sie ist höchstens leicht gerötet, und du hast kein Fieber. Kommen Überwärmung, deutliche Rötung und Fieber dazu, ist es eine entzündliche Mastitis. Breitet sich die Rötung aus und wird die Brust immer härter, sind meist Bakterien beteiligt. Diese Form kann mehrere Bereiche der Brust erfassen. Manchmal bildet sich daraus ein Abszess.[2] Nicht jede pralle, gerötete Brust ist entzündet. Schwellen beide Brüste in den ersten Tagen nach der Geburt an, ist das meist der Milcheinschuss. Er kommt typischerweise drei bis fünf Tage nach der Geburt, nach einem Kaiserschnitt bis zu zehn Tage danach. Auch er kann mit Rötung, Wärme und Fieber einhergehen.[2] Was bei einer harten Stelle ohne Fieber hilft, liest du im Artikel Was bei Milchstau wirklich hilft. Wie eine Mastitis entsteht Am Anfang steht meist eine Schwellung im Gewebe rund um die Milchgänge. Die Gänge werden eng, die Milch fliesst schlechter ab, und das Gewebe entzündet sich. Ein fester Pfropf, der einen einzelnen Gang verstopft, ist es nach heutigem Wissen nicht. Begünstigt wird die Entzündung durch zu viel Milch. Wer die Brust nach jedem Stillen ganz leeren will oder zusätzlich abpumpt, regt die Milchbildung weiter an und hält so die Schwellung in Gang.[3] Häufig gehen auch wunde oder verletzte Brustwarzen voraus.[1] Wie du sie pflegst und schützt, steht im Beitrag über wunde Brustwarzen beim Stillen. Mit mangelnder Hygiene hat eine Brustentzündung dagegen nichts zu tun, und ansteckend ist sie auch nicht. Du musst deine Brustwarzen deshalb nicht extra waschen. Pumpenteile reinigst du nach jedem Gebrauch wie gewohnt, auskochen musst du sie deswegen nicht.[3] Brustentzündung: Was tun? Bei den ersten Anzeichen helfen dieselben Massnahmen wie beim Milchstau. Sie lindern die Entzündung, und oft reichen sie schon aus. Still dein Baby weiter nach Bedarf, auch an der entzündeten Seite. Die Milch ist für dein Kind unbedenklich, eine Stillpause brauchst du nicht. Abzustillen wäre jetzt sogar kontraproduktiv.[1] Möchtest du ohnehin abstillen, warte damit, bis die Entzündung abgeklungen ist. Wichtig ist, dass dein Baby gut angelegt trinkt, nicht dass du möglichst oft anlegst. Leer wird eine Brust ohnehin nie. Zusätzliches Abpumpen regt die Milchbildung an und kann die Entzündung verlängern. Pump deshalb nur, wenn du von deinem Baby getrennt bist oder es nicht an der Brust trinkt, und dann nur so viel, wie es braucht. Etwas Milch von Hand auszustreichen, bis die Spannung nachlässt, ist in Ordnung.[2][3] Kommt an der entzündeten Seite gar keine Milch, weder beim Stillen noch beim sanften Ausstreichen von Hand, ist das Gewebe hinter der Brustwarze meist stark geschwollen. Dann stillst du vorübergehend an der anderen Seite und kühlst weiter. Sobald die Schwellung zurückgeht, legst du dein Baby wieder an beiden Seiten an. Die Milchmenge auf der betroffenen Seite sinkt dabei für eine Weile, lässt sich danach aber wieder steigern.[3] Kühlen lindert Schmerz und Schwellung. Leg bis zu alle 30 Minuten für zehn Minuten eine kühle Auflage auf, etwa ein in ein Tuch gewickeltes Coolpack. Eis gehört nie direkt auf die Haut, und die Brustwarze sparst du aus.[2] Gegen Schmerz und Entzündung ist Ibuprofen das Mittel der ersten Wahl. Hilfreich sind ausserdem Bettruhe, so gut es mit Baby eben geht, und genug zu trinken.[1] Bei manchen Ibuprofen-Präparaten, etwa Brufen, steht die Stillzeit in der Arzneimittelinformation allerdings als Gegenanzeige.[4] Besprich Einnahme und Dosis deshalb mit deiner Ärztin, deiner Hebamme oder in der Apotheke, und frag dort auch nach Paracetamol. Was nicht mehr empfohlen wird Manche Ratschläge halten sich seit Jahren, gelten heute aber als wirkungslos oder sogar schädlich.[2] Feucht-warme Wickel, Wärmflasche oder eine warme Dusche vor dem Stillen. Wärme weitet die Blutgefässe und kann die Schwellung verstärken. Kräftig massieren oder Knoten ausdrücken. Das verletzt das Gewebe und kann eine Infektion fördern. Die Brust nach dem Stillen leer pumpen oder ausstreichen, auch unter der warmen Dusche. Das hält die Überproduktion in Gang. Stillen im Vierfüsslerstand über dem Baby. Für das Baby besteht dabei Erstickungsgefahr. Pfefferminzöl und ähnliche Hausmittel, die du auf die Brustwarze aufträgst, um die Brustentzündung zu behandeln. Für wunde oder entzündete Brustwarzen gibt es dagegen eigene Salben. Wann du ärztliche Hilfe brauchst Hast du Fieber und eine gerötete, schmerzhafte Stelle in der Brust, lass dich noch am selben Tag ärztlich untersuchen. Ist deine Praxis zu, etwa nachts oder am Wochenende, hilft dir die ärztliche Notfallnummer deines Kantons weiter. Eine Brustentzündung sollte innert 24 Stunden richtig behandelt werden.[5] Die Ärztin klärt, ob eine Entzündung ohne Infektion vorliegt oder ob Bakterien beteiligt sind. Rasch wieder melden solltest du dich, wenn es dir nach 24 Stunden mit Kühlen, Ruhe und Entzündungshemmer nicht besser geht, ein Knoten in der Brust bestehen bleibt, mit oder ohne Fieber,[1] beide Brüste entzündet sind, die Rötung sich ausbreitet oder die Brust immer härter wird, es dir trotz Behandlung zunehmend schlechter geht, die Haut über der Rötung aussieht wie eine Orangenschale.[2] Fühlst du dich schwer krank oder kannst du keine Flüssigkeit und keine Tabletten bei dir behalten, geh sofort auf den Notfall. Dann braucht es eine Behandlung im Spital.[3] Hast du eine harte, schmerzhafte Stelle, aber kein Fieber und in letzter Zeit keine Brustentzündung, ist es meist ein Milchstau. Ist der Milchstau nach einem Tag trotz Kühlen und Stillen nicht besser, hilft dir deine Hebamme oder eine Stillberaterin weiter. Mastitis-Behandlung mit Antibiotika Bessert sich eine Brustentzündung unter Kühlen, Ruhe und Entzündungshemmer innert 24 Stunden nicht, braucht es ein Antibiotikum. Es muss gegen Staphylokokken wirken, die häufigsten Erreger, und mit dem Stillen verträglich sein. Häufig verschrieben wird ein Penicillin, kombiniert mit Clavulansäure, oder ein Cephalosporin. Bei einer Penicillinallergie gibt es Alternativen.[1] Nimm das Antibiotikum so lange wie verordnet, meist 10 bis 14 Tage, auch wenn es dir schon nach wenigen Tagen besser geht. Stillen darfst du die ganze Zeit. Was bei anderen Infekten und Medikamenten in der Stillzeit gilt, liest du im Beitrag Krank in der Stillzeit. Wird es unter dem Antibiotikum nach 24 Stunden nicht besser, lässt die Ärztin eine Milchprobe auf Erreger untersuchen. Mit Ultraschall schaut sie nach, ob sich ein Abszess gebildet hat.[2] Brustabszess: erkennen und behandeln Bei 3 bis 11 von 100 Frauen mit einer akuten Brustentzündung bildet sich ein Abszess, eine Eiteransammlung in der Brust. Oft ist das Fieber dann schon zurückgegangen, und du tastest einen prallen, druckempfindlichen Knoten. Im Ultraschall ist der Abszess gut zu sehen. Die Ärztin saugt den Eiter mit einer feinen Nadel ab, je nach Grösse auch mehrmals. Reicht das nicht, legt sie über einen kleinen Schnitt eine Drainage, möglichst weit weg von der Brustwarze.[2] Weiterstillen kannst du auch danach, sogar an der betroffenen Seite. Eine kleine, feste Stelle kann noch einige Wochen tastbar bleiben. Die Ärztin kontrolliert sie, bis sie ganz verschwunden ist.[3] Einer Brustentzündung vorbeugen Am besten schützt du dich, indem du nach Bedarf stillst und dein Baby gut angelegt trinkt. Lass das Anlegen von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin anschauen, vor allem wenn die Brustwarzen wund sind oder das Stillen immer wieder schmerzt. Pump nicht mehr ab, als dein Baby trinkt. Und trag einen gut sitzenden, stützenden BH. Worauf du dabei achtest, steht im Beitrag über den passenden Still-BH. Kommt die Brustentzündung immer wieder, steckt oft zu viel Milch dahinter. Das lässt sich mit der Stillberaterin angehen. Bei wiederkehrenden Entzündungen kann die Ärztin auch Probiotika mit bestimmten Milchsäurebakterien vorschlagen.[2] Tritt der Knoten mehrmals an derselben Stelle auf, gehört die Brust bildgebend untersucht, damit nichts anderes dahintersteckt. Auch eine Rötung mit einer Haut wie Orangenschale gehört rasch abgeklärt, weil sich dahinter eine seltene, entzündliche Form von Brustkrebs verbergen kann.[3] Hilfe holen: Was die Krankenkasse zahlt In den ersten 56 Tagen nach der Geburt übernimmt die Grundversicherung die Hausbesuche deiner Hebamme. Bei deinem ersten Kind, nach einem Kaiserschnitt, einer Früh- oder Mehrlingsgeburt sind es bis zu 16 Besuche, sonst bis zu 10. Braucht es mehr Besuche oder später noch welche, zahlt die Grundversicherung sie, wenn deine Ärztin sie anordnet. Dazu kommen drei Sitzungen Stillberatung bei einer Hebamme oder einer dafür ausgebildeten Pflegefachfrau. Für diese Leistungen fallen weder Franchise noch Selbstbehalt an. Auch eine ärztliche Behandlung ist bis acht Wochen nach der Geburt von der Kostenbeteiligung befreit.[6] Eine Hebamme in deiner Nähe findest du über die Hebammensuche des Schweizerischen Hebammenverbands, Still- und Laktationsberaterinnen im Verzeichnis ihres Berufsverbands. Frag dort vorher, ob die Beratung über die Grundversicherung läuft. Auch die Mütter- und Väterberatung an deinem Wohnort berät dich kostenlos zum Stillen. Was die Hebamme im Wochenbett sonst alles übernimmt, liest du im Beitrag Zur Hebamme statt zum Arzt? Quellen Vökt, Cora A.: Laktationsprobleme. Schweizer Zeitschrift für Gynäkologie 1/2026, Rosenfluh Publikationen. (abgerufen am 08.10.2026) Kantonsspital Winterthur, Frauenklinik: Fachliche Weisung Mastitis puerperalis, Version 1.0, Dezember 2023. (abgerufen am 08.10.2026) Academy of Breastfeeding Medicine (USA): Clinical Protocol #36: The Mastitis Spectrum, 2022. Internationale Fachgesellschaft, englisch. (abgerufen am 08.10.2026) Compendium (HCI Solutions): Brufen Filmtabletten 400 mg, Kontraindikationen. (abgerufen am 08.10.2026) Stillförderung Schweiz: FAQ Stillen und Säuglingsernährung, Stand 2024. (abgerufen am 08.10.2026) Bundesamt für Gesundheit BAG: Krankenversicherung: Leistungen bei Mutterschaft. (abgerufen am 08.10.2026)