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Familienferien mit Gastkind: Erholung von Anfang an

«Mama, mir ist langweilig!» Diesen Satz hören Eltern selten in den Familienferien, wenn sie einen Freund oder eine Freundin ihres Kindes mitgenommen haben. Zusammen können die Gleichaltrigen die tollsten Abenteuer erleben! Damit sich das Gastkind rundum wohl fühlt, gilt es, einige Aspekte zu beachten.

Unbedingt klären, bevor ihr losfahrt

Ein Gastkind dabei zu haben, kann Ferien für alle entspannter machen – gleichzeitig übernimmst du Verantwortung. Wenn ihr die wichtigsten Punkte vorab klärt, sinkt das Risiko für Stress, Missverständnisse oder unangenehme Überraschungen unterwegs.

Einverständniserklärung der Eltern (inkl. Ausweiskopie)

Lass dir schriftlich bestätigen, dass das Gastkind mit euch verreisen darf und dass du im Notfall handeln darfst (z.B. ärztliche Behandlung organisieren). Sinnvoll ist auch eine Kopie von Pass oder Identitätskarte eines Elternteils (oder beider), damit bei Rückfragen klar ist, wer unterschrieben hat.

Gesundheit: Allergien, Medikamente, Arzt/Notfallkontakt, Krankenkassenkarte

Frag konkret nach Allergien und Unverträglichkeiten (z.B. Nüsse, Insektenstiche, Medikamente), nach chronischen Themen (z.B. Asthma) und danach, wie das Kind im Alltag reagiert. Lass dir Medikamente zeigen und schriftlich notieren, was wann in welcher Dosierung gegeben werden soll. Nimm die Krankenkassenkarte/Versicherungsangaben mit und speichere Notfallkontakte doppelt: im Handy und auf Papier.

Versicherung & Haftung: wer ist wofür zuständig? 

Klär vorab, wie ihr Kosten handhabt (z.B. Eintritte, ÖV, Skikurs, Restaurant). Prüfe ausserdem kurz, ob das Gastkind unfall- und haftpflichtversichert ist und ob deine Haftpflichtversicherung Schäden abdeckt, die im Rahmen der Aufsicht entstehen können. Eine kurze Rückfrage bei der Versicherung kann viel Unsicherheit nehmen.

Wenn ihr ins Ausland reist

Reisedokumente des Gastkindes: Pass/ID + Kopien

Für Reisen ins Ausland braucht das Gastkind gültige Ausweispapiere (Pass oder Identitätskarte, je nach Land). Mach Kopien der Dokumente und bewahre sie getrennt von den Originalen auf (oder zusätzlich als geschütztes Foto im Handy).

Was an der Grenze helfen kann: Vollmacht, Reiseplan, Erreichbarkeit der Eltern

Damit es bei Kontrollen nicht zu Verzögerungen kommt, ist es hilfreich, eine unterschriebene Vollmacht sowie euren Reiseplan (Reisedaten, Unterkunft, Rückreise) dabei zu haben. Wichtig: Die Eltern des Gastkindes sollten während der Reise zuverlässig erreichbar sein.

«Gastkind-Notfallkarte»

Diese Angaben solltest du kompakt dabei haben (Papier im Portemonnaie oder als Handy-Notiz):

Gastkind: Name, Geburtsdatum

Eltern: Name, Telefon, zweite Kontaktperson

Arzt/Notfall: Kinderärzt:in/Hausärzt:in, Telefon; Notfallkontakt am Ferienort (falls bekannt)

Krankenversicherung: Kasse, Versichertennummer, Krankenkassenkarte dabei: ja/nein

Allergien: (z.B. Nüsse, Insektenstiche, Antibiotika)

Medikamente: Name, Dosierung, Zeitpunkt, Hinweise (z.B. Kühllagerung)

Wichtige Hinweise: z.B. Asthma, Epipen, Reisekrankheit, Neigung zu Fieberkrämpfen

Einverständnis: «Im Notfall dürfen die Begleitpersonen medizinische Entscheidungen veranlassen.» (Datum/Unterschrift Eltern)

Sandburg mit Gastkind
Obwohl das Sändeln mit dem Papi auch Spass macht, ist es mit einem Gspändli lustiger. Foto: Photick/Odilon Dimier, Photick, Thinkstock

Endlich Ferien! Doch kaum am Ziel der Träume angekommen, klagt das Kind über Langeweile. Was ihm in den Familienferien fehlt, ist ein Spielkamerad. Der Versuch, dem Kind selbst ein Spielkamerad zu sein, ist für dich anstrengend und für dein Kind oft unbefriedigend. So sehr du dich auch bemühst: Erwachsene können das Spiel mit Gleichaltrigen nicht ersetzen.

Wenn dein Kind sich schwer tut, auf fremde Kinder zuzugehen, kann es sinnvoll sein, einen gleichaltrigen Freund oder eine Freundin mitzunehmen – zum Quatsch machen, im Sand buddeln, auf den Spielplatz gehen und barfuss durch den Regen stapfen. Während die Kinder spielen, kannst auch du relaxen. Damit die Familienferien mit Gastkind harmonisch verlaufen, solltest du einiges beachten.

Auf die Bedürfnisse des Gastkindes eingehen

Besprich im Vorfeld mit den Eltern des Gastkindes:

Kuscheltier
Welches Kuscheltier ist wichtig? Muss es bei jedem Ausflug dabei sein? Oder leistet es nur abends beim Einschlafen emotionale Unterstützung?

Lieblingsspeisen
Was mag das Kind essen, was mag es nicht? Klär auch, ob es bestimmte Regeln gibt (z.B. vegetarisch, keine Süssgetränke) – so vermeidest du Diskussionen am Tisch.

Vorlieben
Welche Freizeitaktivitäten liebt das Kind, was unternimmt es nicht so gern? Hilfreich ist auch zu wissen, ob das Kind schwimmen kann, ob es Höhenangst hat oder ob es in grossen Gruppen schnell überfordert ist.

Gesundheit
Braucht das Gastkind spezielle Medikamente? Hat es eine Allergie? Welche Mittel helfen ihm daheim, wenn es erkältet ist oder Durchfall hat? Welche Rituale trösten das Kind, wenn es weint?

Heimweh in den Familienferien vorbeugen

Kinder können Heimweh bekommen: Je jünger sie sind und je länger der Urlaub dauert, umso eher. Sinnvoll ist es deshalb, die gemeinsame Zeit auf ein paar überschaubare Tage zu beschränken – besonders, wenn das Gastkind noch nie ohne Eltern verreist ist. Ist der Ferienort in der Nähe, besteht die Möglichkeit, dass die Eltern des Gastkindes das Urlaubskind erst in der Mitte der Familienferien bringen. Und fühlt es sich nicht wohl, kann es im Zweifelsfall auch wieder abgeholt werden.

Hilfreich sind vertraute Routinen: ein fixes Abendritual, das gewohnte Kuscheltier und kleine «Inseln» im Tag (z.B. nach dem Mittagessen eine ruhige Pause). Das gibt Sicherheit, wenn alles neu ist.

Ist es dem Gastkind wichtig, während der Ferien mit den Eltern zu telefonieren? Oft ist es ratsam, den Kontakt auf SMS oder Mails zu beschränken. Die vertraute Stimme von Mama oder Papa zu hören, kann schnell Heimweh auslösen. Wenn ihr telefoniert, dann am besten kurz, zu einer vereinbarten Zeit und ohne langes «Vermissen»-Gespräch.

Viele Eltern berichten, dass ein Gute-Nacht-Brief Wunder wirkt. Das Vorlesen eines liebevollen Elternbriefes am Abend kann zum Ritual während der Ferien werden. Unter dem Kopfkissen begleitet der Brief das Kind die ganze Nacht.

Familienferien mit Gastkind: die Kosten

Wer ein Gastkind mit in die Familienferien nimmt, hat höhere Urlaubskosten. Zum Glück halten sie sich in der Regel in Grenzen. Die Ferienwohnung wird meist durch einen weiteren kleinen Bewohner nicht teurer. Und auch, wer mit Zelt unterwegs ist, muss nur mit wenigen Zusatz-Kosten rechnen. Eintrittspreise, Sportkurse und Restaurantbesuche schlagen dagegen zu Buche. Wenn du ein Kind einlädst, mit in die Familienferien zu kommen, solltest du allerdings nicht zu kleinlich sein. Gleichzeitig ist es fair, Kosten früh abzusprechen: Vielleicht beteiligen sich die Eltern mit einem Pauschalbetrag oder übernehmen bestimmte Ausgaben (z.B. Skipass, Kurs, Ausflug).

Vor dem Familienurlaub Regeln besprechen

Ein Gast ist König, doch einen Urlaub lang einen König zu bewirten, kann mühsam sein. Besser ist es deshalb, wenn dein Kind und das Gastkind in den Familienferien dieselben (überschaubaren) Rechte und Pflichten haben. Damit nicht gleich nach der Ankunft ein Streit darüber entbrennt, welches Kind welches Bett bekommt, ist es wichtig, die Regeln im Vorfeld zu besprechen.

Sich abwechseln, teilen und hin und wieder nachgeben sind Strategien, die für viel Harmonie sorgen. Lässt sich keine Einigung erzielen, kann das Los entscheiden. Der Verlierer darf dann beim nächsten Mal bestimmen.

Rechtliche Aspekte für die Familienferien mit Gastkind

Vollmacht
Immer wieder werden Kinder ins Ausland entführt. Eine Vollmacht bewahrt Eltern davor, in einen solchen Entführungsverdacht zu geraten. Auf eine Vollmacht gehören folgende Angaben: Datum, Namen und Adressen der Familie und der Gastfamilie, Länge der Reise und Reisedaten, Übertragung der Personensorge während der Dauer der Reise auf die Gastfamilie, Unterschrift der Gasteltern, Telefonnummer und Passnummer.

Wer dazu noch eine Kopie von den Ausweispapieren der Eltern mit im Gepäck hat, kann beweisen, dass diese die Vollmacht unterschrieben haben. Noch mehr rechtliche Sicherheit bietet eine notariell beglaubigte Vollmacht.

Ausweis
Pass oder Identitätskarte ist Pflicht, wenn die Reise ins europäische Ausland geht. Ausserhalb von Europa brauchen Kinder einen Reisepass. In manchen Ländern muss der Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig sein. Je nach Reiseland ist auch ein Visum erforderlich.

Arztbesuch
Auch das Gastkind kann in den Ferien krank werden. Wichtig ist deshalb, dass Krankenversichertenkarte, Impfpass und wenn nötig der Auslandskrankenschein mit auf Reisen sind.

Aufsichtspflicht in den Familienferien
Das Wohlergehen des Gastkindes liegt in den Händen der Gastfamilie. Klar, dass du ein wachsames Auge auf das Kind haben musst. Du haftest nun nicht nur für dein eigenes Kind, sondern auch für das Gastkind. Sinnvoll ist es, im Vorfeld des Urlaubs mit der Haftpflichtversicherung abzuklären, auf welche Weise sich gegen Schadenersatzansprüche aus einer Aufsichtsverletzung absichern lässt.

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