Die Wahrheit über das Entschlacken

Viele schwören auf eine Entschlackungskur, um die Gifte, die sich durch ungesunde Lebensmittel, Rauchen oder durch Medikamente in unserem Körper ablagern, auszuspülen. Selbst einige Krankheiten sollen auf diese Weise gelindert werden. Der Haken an der Sache? Aus medizinischer Sicht gibt es so etwas wie Schlacke im menschlichen Organismus gar nicht. Was soll man nun glauben? Wir klären Sie auf.

Die Wahrheit über das Entschlacken

Was muss man beim Entschlacken beachten und wissen? Wir verraten es Ihnen. Foto: nensuria/iStockphoto, Thinkstock

Für die einen heisst Entschlacken, den Körper und die Seele von Giftstoffen und jeglichem Ballast zu reinigen, für die anderen ist es nur ein Ammenmärchen. Es gibt unzählige Anleitungen in Form von Büchern oder Internetseiten, Entschlackungskuren und subjektive Schilderungen von vielen, denen die Entschlackung geholfen hat. Genauso gibt es aber Ärzte, die behaupten, so etwas wie Schlacke gäbe es gar nicht. Wirkt denn Entschlackung nun? Oder schadet sie dem Körper eher?

Was ist Entschlacken?

Unter Schlacken versteht man laut zentrum-der-gesundheit.de Säuren und Gifte, die beispielsweise im Binde- oder Fettgewebe eingelagert werden. Sie entstammen ungesunden Lebensmitteln und Umwelt- beziehungsweise Giftbelastungen. Zu diesen Giften gehören unter anderem Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel und Konservierungsmittel. Eine Entschlackungskur soll helfen diese Gifte aus dem Körper zu spülen.

Um die Entgiftung zu bewirken, verzichten die Entschlackenden in der Regel auf säurebildende Nährungsmittel wie tierische Produkte, Lebensmittel, die Weissmehl oder Zucker jeglicher Art enthalten, Kaffee und schwarzen Tee, Softdrinks, Alkohol und kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Raucher sollten während der Entschlackung auch auf das Rauchen verzichten. Gleichsam sollte die Zufuhr basischer Lebensmittel erhöht werden. Zu diesen gehören zum Beispiel viel rohes Gemüse, Salate, Hirse, Früchte, Nüsse und Samen sowie reines, stilles Quellwasser. Ideen für basische Rezepte finden Sie hier.

Das spricht für Entschlackung

Wer fasten will, sollte sich bewusst machen, warum. Es geht bei einer Entschlackungskur nicht nur darum ein paar Kilo zu verlieren. Denn die Gewichtsabnahme ist nur ein positiver Nebeneffekt. Viel mehr geht es darum: «Freiwilliges Fasten, im Gegensatz zum Hungern, bewirkt beim Menschen körperliche, aber auch seelische Veränderungen im Sinne einer Wendung nach innen», erklärt Ernährungsmedizinerin Francoise Wilhelmi de Toledo gegenüber focus.de. Dadurch komme es zu einem Glückszustand bei manchen Menschen.

Neben dem psychischen Wohlbefinden kann das Entschlacken auch bei entzündlichen Erkrankungen helfen. Eine Studie des Universitätsklinikums Jena konnte anhand 36 Arthrose-Patienten, die 15 Tage lang auf Fleisch verzichteten, nachweisen, dass der Verzicht die eingeschränkte Gelenkfunktion verbesserte und die Schmerzen linderte.

Das spricht gegen Entschlackung

Experten raten laut Ktipp strikt von Blutreinigungstees und Entschlackungsmitteln ab. «Die Industrie nützt die falsche Vorstellung aus, dass man den Körper von Schadstoffen reinigen müsse, um auf Kosten der Konsumentinnen und Konsumenten Geld zu machen», empört sich der Ernährungsfachmann Sven-David Müller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin Bad Aachen. In der Regel sorgen Leber und Nieren für eine Reinigung von Schadstoffen wie Blutalkohol, Medikamentenreste und anderer Stoffwechselprodukte. Nur bei schweren Krankheiten wie einer Leberzirrhose oder chronischer Nierenschwäche käme es zu einer Vergiftung, so Müller weiter. Seiner Meinung nach existieren Schlacken nicht im menschlichen Körper. Auch Susanne Klaus, Professorin für den Energiestoffwechsel am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke sagt gegenüber stern.de, dass es Schlacken nicht gibt.

Entschlacken: Alles Quatsch, oder was?

Wir fassen zusammen: In einem gesunden Körper sorgen der Verdauungstrakt, die Leber und Nieren für einen reibungslosen Stoffwechsel und für eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen. Anders sieht das bei einem übermässigen Konsum von Fett, Alkohol, Medikamenten oder der Aufnahme von Giftstoffen wie Dioxin und Quecksilber aus. Diese können von unseren Organen nicht abgebaut werden, weswegen sie im Fettgewebe gespeichert werden. In diesem Fall könnte eine Entschlackungskur helfen die gespeicherten Schadstoffe auszuspühlen.  Doch auch hierbei ist Vorsicht geboten. Ernährungsexperten warnen vor allem bei Übergewicht vor einer radikalen Entschlackung. Denn laut einer kanadischen Studie führe ein schneller Gewichtsverlust zu erhöhten Schadstoffwerten im Blut, heisst es bei spiegel.de. Übergewichtige seien aus dem Grund einer höheren Gefahr ausgesetzt, weil sie durch den Konsum ungesunder Nahrungsmittel stärker mit Umweltgiften belastet sind. Im Fettdepot der Übergewichtigen lagern sich die Schadstoffe ab und werden bei der Fettreduzierung ausgeschüttet, so dass sie im Blut nachweisbar sind.

Eine Entschlackung mache in gewisser Hinsicht also doch Sinn, sagen selbst Kritiker wie die Stoffwechselexpertin Susanne Klaus. «Eine Fastenkur kann auch für gesunde Menschen als Einstieg in eine Ernährungsumstellung sinnvoll sein. Das ist ein psychologischer Effekt: Ich setze eine Zäsur, weil ich es aus dem allgemeinen Alltagstrott heraus nicht schaffe. In seriösen Heilfastenkliniken wird dazu ein ganzes Programm angeboten, zum Beispiel mit Bewegung, Wandern oder psychologischer Betreuung. Da kann man dann zwei Wochen aus dem Alltag aussetzen und sich auf sich selbst besinnen.»

Wie richtig Entschlacken?

All jenen, die sich für eine Entschlackung entscheiden, ist Folgendes zu empfehlen: Lassen Sie sich vorab von Ihrem Arzt beraten und untersuchen, denn nur gesunde Menschen sollten entschlacken. Zudem sollten Sie am besten an einem Kurort eine Entschlackung vornehmen, da die Vorbereitung des Körpers auf die Kur sowie die zehn Tage bis maximal fünf Wochen lange Entschlackung sehr anstrengend sein kann. 

Eine Entschlackungs- oder Fastenkur ist zu empfehlen, wenn man sich in seinem Körper unwohl fühlt, zum Beispiel aufgrund von Übergewicht, oder wenn man schon lange auf eine gesunde Ernährung umsteigen wollte. So kann eine Entschlackungskur der erste Schritt zu einem gesünderen Lebensstil sein.

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