Rückenprobleme: So stärken Eltern ihrem Kind den Rücken

Aufrecht und selbstsicher soll das Kind durchs Leben gehen. Ein gerader Rücken ist dafür Voraussetzung. Was Eltern tun können, damit ihr Kind ohne Rückenprobleme durchs Leben kommt, weiss Dr. med. Christian Larsen, Leiter des Spiraldynamik® Med Center Zürich und Co-Autor des Buches «Starker Rücken, starkes Kind».

Rückenprobleme: So stärken Eltern ihren Kindern den Rücken

Eine kleine Kletterpartie macht Spass und stärkt gleichzeitig den Kinderrücken. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Herr Dr. Larsen, viele Kinder leiden heute unter Haltungsschäden. Sind Rückenprobleme angeboren?

Nein, glücklicherweise kommen die allermeisten Kinder mit gesundem Rücken zur Welt.

Was braucht der Rücken, um sich gut zu entwickeln?

Die Entwicklung läuft nach dem Masterplan der Evolution: So lange einem Kind viel Bewegungsfreiheit und -vielfalt gewährt wird, kann es sich in Sachen Rückengesundheit frei entfalten. Der Rücken als zentrale Bewegungseinheit liebt die Bewegung. Diese ist bereits im Baby-Alter extrem wichtig.

Müssen Eltern schon mit Babys Gymnastik machen, um Rückenproblemen vorzubeugen?

Babys bewegen sich selbst, wenn man sie nur lässt. Stützsitze, Gehhilfen und Wippen schränken die natürlichen Trainingserfolge des Kindes ein. Wer seinen Nachwuchs in solche Geräte steckt, staucht den kindlichen Rücken und schadet der gesamten Entwicklung. Babys in Bauchlage hilft eine Krabbeldecke auf dem Boden, Babies in Rückenlage brauchen (hängende) Spielsachen, um sich entfalten zu können.

Babys strampeln zu sehen, ist niedlich. Doch werden Kinder älter, kann der ständige Bewegungsdrang für Eltern anstrengend werden.

Dennoch bleibt er ausgesprochen sinnvoll. So erbringen körperlich aktive Kinder bessere Schulleistungen. Manchmal lässt sich der Bewegungsdrang durch gezielte Bewegungsangebote kanalisieren: Hilfreich sind zum Beispiel eine Schaukel im Wohnzimmer, eine Sprossenwand im Kinderzimmer, eine Turnstange in der Tür …

Schulkinder sitzen bereits viele Stunden am Tag vor dem Fernseher und Computer. Gibt es einfache Rezepte, mit deren Hilfe sich trotz des vielen Sitzens Rückenprobleme vermeiden lassen?

Ja, ganz leicht, zum Beispiel mit Hilfe eines Sitzballs oder eines kombinierten Sitz-/Stehpults. Eltern sollten neue Sitzideen kultivieren und sich gemeinsam mit ihrem Kind bewegen. Vor dem Fernseher heisst das: alle fünf Minuten Positionswechsel – mal auf dem Bauch, mal auf der Seite liegen, dann im Schneidersitz sitzen. Kinder sollten einen grossen Teil ihrer Freizeit draussen verbringen, am besten zusammen mit anderen Kindern. Viele Kinder lieben Klettern - das stärkt den Rücken.

Teenager hängen oft ziemlich durch. Warum eigentlich?

Jugendliche schiessen wie Kopfsalat im Sommerregen. Körpergewicht und Körperlänge bringen Statik und Dynamik durcheinander. Schlaffe Muskeln verkürzen sich zusätzlich. Das natürliche Stützkorsett verliert an Kraft. Zudem gilt «schlacksig» als cool. Nicht ganz zu unrecht angesichts der vielen steifen Krawattenträger unter den Eltern.

Leider fühlen sich Jugendliche leicht genervt, wenn Eltern sie zu einer besseren Haltung auffordern.

Dennoch wollen gerade Teenager gut aussehen und gut rüberkommen. Dafür ist eine gute Haltung Voraussetzung! Wie wäre es, gemeinsam mit dem Nachwuchs Bilder und DVD-Sequenzen von Schauspielern mit besonders guter Haltung zu begutachten? Selbst der coolste Rocker hängt nicht in den Seilen und aufstrebende Starletts schon gar nicht. Sie alle richten sich mit Rückgrat und Schwanenhälsen auf! Selbstbewusstsein, Charisma und vor allem einige Zentimeter mehr Körperlänge sind die bestechend attraktiven Vorteile. Aufrichtung stärkt und dehnt zudem die Muskulatur.

Gerade sitzen:

  • Wer gerade sitzen will, belastet die beiden Sitzbeinhöcker, nicht das Steißbein. Dabei gilt es, den Nacken und Rücken in die Länge zu ziehen, ähnlich einer afrikanischen Wasserträgerin.

Gerade stehen:

  • Die Füsse stehen parallel und mit einer Handlänge Abstand zueinander. Gut geerdet, ohne die Knie durchzudrücken, das Becken aufrichten und den Nacken lang werden lassen. Die Schultern entspannen und nach unten in die Breite drücken. Das lässt sich auch beim Flötenspielen, Zähneputzen, Warten auf den Bus und an der Kasse üben.

 

Gibt es Sportarten, von denen der Rücken besonders profitiert und Sportarten, die Rückenprobleme geradezu anziehen?

Gut um Rückenproblemen vorzubeugen, sind Schwimmen, Laufen, Klettern und Tanzen. Auch Leichtathletik und Kampfsport gelten als rückenfreundlich, vorausgesetzt, der Trainer achtet auf gesunde Bewegungsabläufe. Ringen und Turmspringen können dem Rücken schaden.

Zur Person

Dr. med. Christian Larsen ist Leiter des Spiraldynamik® Med Center Zürich. «Wie ein Bildhauer bearbeitet der Mensch seinen Körper - ein Leben lang. Nur verwendet er Bewegung und Bewusstsein statt Hammer und Meissel», so lautet sein Leitspruch.

Weiterführende Informationen:

  • Der richtige Schulthek, hier.
  • Buchtipp: Starker Rücken – starkes Kind. Von Dr. med Christian Larsen, Bea Miescher und Dagmar Dommitzsch. Trias-Verlag.

 

 

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