Rückenschmerzen: Mit viel Bewegung Rückenprobleme vertreiben

Vor Rückenschmerzen ist fast niemand gefeit. Sie sind so verbreitet wie Erkältungskrankheiten. Doch selbst starke Rückenschmerzen sind in der Regel harmlos. Mit Hilfe von Schmerztherapien und viel Bewegung klingen die Beschwerden meist nach einigen Wochen ab.

Rückenprobleme

Der Physiotherapeut zeigt Übungen, die hilfreich sind, um Blockaden im Rücken zu lösen. Bild: jordachelr, iStock, Thinkstock.

Was für ein Kreuz! Schon wieder zieht es im Lendenwirbelbereich, erneut schmerzt der Nacken dumpf: Wer morgens mit solchen Beschwerden aufwacht, ist in der Schweiz in guter Gesellschaft. Laut einer Studie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aus dem Jahr 2014 leidet ein Viertel der Bevölkerung unter Rückenschmerzen; die meisten der statistisch erfassten Fälle betreffen dabei chronische Rückenschmerzen und rheumatische Erkrankungen. Schmerzen, die bei den Versicherungen kräftig zu Buche schlagen: Alleine die medizinischen Kosten belaufen sich laut Statistik auf 8,7 Milliarden Franken, rechnet man die Folgekosten wie etwa Abwesenheit am Arbeitsplatz dazu, kostet die Schweizer Volkskrankheit Nummer eins über 20 Milliarden Franken – jährlich.

Erwachsene lernen Rückenschmerzen oft spätestens dann kennen, wenn ihr erstes Kind auf der Welt ist. «Laut Studien leidet jede zweite Person mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen», schreibt dazu Hannu Luomajoki, Professor für Physiotherapie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, in einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung». Damit seien Rückenprobleme etwa gleich häufig wie Erkältungskrankheiten. «Während Betroffene sowie Ärztinnen und Ärzte das Niesen und Schnäuzen jedoch duldsam hinnehmen – das Gehirn wird wohl nicht gleich aus der Nase tropfen –, denken sie bei Rückenschmerzen schnell an das Schlimmste», sinniert Luomajoki weiter. Doch auch Jugendliche können betroffen sein. Rückenschmerzen sind nach Kopfschmerzen die häufigste Schmerzart bei Jugendlichen, ergab eine norwegische Studie (ord-Trøndelag Health Study, Studie online nicht verfügbar).

Rückenschmerzen sind meist harmlos

Rückenschmerzen machen Angst. Doch gerade bei Rückenschmerzen gilt es, locker zu bleiben, um wieder locker zu werden. «90 Prozent der Beschwerden klingen nach zwei bis vier Wochen spontan wieder ab», schreibt Hannu Luomajoki in der «Neuen Zürcher Zeitung» weiter. Nach und nach setzt sich die Meinung durch: Rückenschmerzen gehören wie Erkältungen zum Leben einfach dazu.

Zu wenig Bewegung als häufige Ursache

Die Ursachen von Rückenschmerzen sind bei Jugendlichen und Erwachsenen meist gleich. Zu wenig Bewegung und Fehlhaltungen stören das Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Bändern. Auch Stress und ungelöste Konflikte gehen ins Kreuz. Denn wer seelisch angespannt ist, ist auch körperlich angespannt. Psyche und Körper stehen in enger Wechselwirkung zueinander. «Die Entstehung von chronischem Rückenschmerz hat sehr viel mit dem Alltagsleben zu tun, mehr sogar als mit der Wirbelsäule an sich», verdeutlicht die Deutsche Schmerzliga auf ihrer Webseite.

Muskelverspannungen:
Muskelverspannungen sind eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen. Ein Muskel, der einer Anspannung nicht gewachsen ist, verkrampft sich. Auch ein Hexenschuss (Akuter Kreuzschmerz) ist eine solche, wenn auch sehr blitzartig auftretende, Verspannung, bei der zusätzlich ein Wirbelgelenk blockiert wird.

Bandscheibenvorfall:
Bei einem Bandscheibenvorfall treten Teile der Bandscheibe, Stossdämpfer zwischen den Wirbeln, in den Wirbelkanal ein. Dort drücken sie auf die Nerven, die das Rückenmark verlassen.

Ischialgie:
Wenn Schmerzen im Gesäss bis ins Bein hinein strahlen, kann der Ischiasnerv gereizt sein. Möglichweise liegt dieser sogenannten Ischialgie ein Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung zugrunde.

Erste Massnahmen

Einfache Hilfsmittel haben bereits einen positiven Effekt bei Rückenschmerzen. Eine Wärmflasche, ein Kirschkernsäcken und Wärmepflaster tragen effektiv dazu bei, Verhärtungen und Verspannungen der Muskeln zu lösen. Entspannung verspricht auch folgende Übung: Flach auf den Rücken legen und die Beine im 90-Grad-Winkel auf die Sitzfläche eines Stuhls legen.

Wann muss man mit Rückenschmerzen zum Arzt?

Wer an starken Rückenschmerzen leidet, überlegt möglicherweise, einen Arzt aufzusuchen, um eine Linderung zu erfahren. Die Wirbelsäulen- und Schmerz-Klinik Zürich rät, in folgenden Fällen den Arzt aufzusuchen:

  • bei Rückenschmerzen, die mehr als vier bis sechs Wochen andauern
  • bei Rückenschmerzen, die über Monate hinweg immer mehr zunehmen
  • bei Rückenschmerzen, die ins Bein oder in den Arm ausstrahlen
  • bei Gefühlsstörung im Bein oder Arm
  • bei Schwächegefühl im Bein oder Arm
  • bei Schwierigkeiten beim Gehen

Diagnostik bei Rückenschmerzen

Bei normalen Rückenschmerzen, die nach zwei bis vier Wochen wieder von selbst verschwinden, braucht es keine aufwändige Diagnose durch einen Arzt. Wenn die Schmerzen aber nachts oder nach einem Unfall auftreten oder die Rückenschmerzen mit weiteren Symptomen wie Fieber, Lähmungserscheinungen oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl verbunden sind, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen, rät die Rheumaliga Schweiz. Denn dies seien Warnzeichen für eine ernsthafte Erkrankung, warnt die Rheumaliga.

«Studien in namhaften medizinischen Fachzeitschriften verglichen Röntgenbilder von Rückenschmerzpatienten mit solchen von Gesunden. Das Fazit war stets dasselbe: Zwischen den Aufnahmen gibt es keine Unterschiede», erklärt Hannu Luomajoki in der «Neuen Zürcher Zeitung». So seien Bandscheibenschäden bei schmerzfreien Personen genauso häufig zu erkennen wie bei Patienten mit Rückenschmerzen. Viel wichtiger als Ursachenforschung zu betreiben, ist deshalb eine wirkungsvolle Schmerztherapie.

Schritt 1: Bewegung statt schonen

Wer Rückenprobleme hat, versucht sich zu schonen, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Doch genau diese Schonhaltung kann die Beschwerden verschlimmern. «Eine mehrtätige Bettruhe ist unwirksam und kann sogar schaden: Sie baut Muskel- und Knochensubstanz ab», warnt die Schweizerische Rheumaliga. Solange die Rückenschmerzen jedoch noch so stark sind, dass an Bewegung und Sport nicht zu denken ist, ist Physiotherapie mit Massage, Fango, Wärme- und Kältebehandlung hilfreich. Lassen die Schmerzen allmählich nach, ist es wichtig, selbst aktiv zu werden. Der Physiotherapeut zeigt Übungen, die hilfreich sind, um Blockaden im Rücken zu lösen.

Schritt 2 gegen Rückenschmerzen: Schmerztherapie

Ziel der medikamentösen Schmerztherapie ist, dass der Patient bald wieder aus seiner Schonhaltung herauskommt und aktiv den Alltag stemmt.  Wichtig ist laut Rheumaliga, dass die Medikamente nicht nur dann eingenommen werden, wenn die Rückenschmerzen akut sind, sondern in regelmässigen Abständen. Auch alternative Schmerzbehandlungsmethoden wie etwa Akupunktur und Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der Elektroden auf der Haut niederfrequente Wechselströme aussenden, können gegen Rückenschmerzen helfen.

Verhaltens- oder Psychotherapie

Manchmal hält der Schmerz dennoch an. Dann kann auch eine Verhaltens- und Psychotherapie sinnvoll werden. Hier lässt sich lernen, mit Konfliktsituationen sinnvoll umzugehen und belastende Konflikte, die im wahrsten Sinne des Wortes ins Kreuz gehen, zu lösen.

Operation nur selten sinnvoll

Nur in seltenen Fällen sind Operationen notwendig, um Rückenprobleme zu lösen. «Gerade Bandscheibenvorfälle werden nach wie vor zu oft operiert – ein Eingriff, der bei 90 von 100 Patienten überflüssig ist», schreibt Hannu Luomajoki. Die konservative Behandlung mit Physiotherapie und Rückenübungen zeige langfristig gleich gute oder sogar bessere Ergebnisse.

Vorbeugen ist besser als heilen

Wer Rückenproblemen vorbeugen will, bewegt sich viel und vielseitig, um die Rückenmuskulatur zu stärken. Schon mit leichteren Strategien lässt sich Bewegung selbst in den Arbeitsalltag einbauen. Das Auto stehen lassen und mit dem Velo zur Arbeit zu fahren, trainiert nicht nur Muskeln, sondern bringt auch den Kreislauf in Schwung. Während der Arbeit lassen sich Mails im Stehen oder mal nur auf einem Bein stehend checken. In der Mittagspause entspannt ein Spaziergang. Nach Feierabend lässt sich der Bewegungsdrang der Kinder nutzen, selbst aktiv zu sein. Mit den Kindern Fangen, Fussball oder Federball zu spielen, macht nicht nur Spass, sondern kommt auch dem Bewegungskonto zugute.

… und Sport

«Gut, um Rückenproblemen vorzubeugen, sind Schwimmen, Laufen, Klettern und Tanzen. Auch Leichtathletik und Kampfsport gelten als rückenfreundlich, vorausgesetzt, der Trainer achtet auf gesunde Bewegungsabläufe», sagte Christian Larsen, Leiter des Spiraldynamik Med-Center in Zürich kürzlich dazu. Regelmässige Rückengymnastik unter fachkundiger Anleitung trainiert gezielt die Rückenmuskulatur. Entspannungskurse wie Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung tun darüber hinaus Psyche und Muskeln gut.

Tipps und Tricks: Rückengerecht bewegen

Besondere Bewegungsregeln, wie sie früher oft in Rückenschulen vermittelt wurden, erscheinen heute fragwürdig. Wurde früher noch gerades Sitzen propagiert, dürfen heute Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf Stühlen und Sofas herum lümmeln wie sie wollen – vorausgesetzt, sie verändern immer wieder ihre Position. Manche Tipps sind aber immer noch sinnvoll.

Sie müssen länger stehen?
Achten Sie darauf, dass die Füsse parallel und mit einer Handlänge Abstand zueinander stehen und die Knie nicht durchgedrückt sind. Gleichzeitig gilt es, das Becken aufzurichten und den Nacken lang werden zu lassen. Die Schultern entspannen und nach unten in die Breite drücken.

Sie müssen Schweres heben?
Stellen Sie sich aufrecht hin und spannen Sie Gesäss und Bauch an. Gehen Sie so nah wie möglich an den Gegenstand heran, den Sie heben wollen. Gehen Sie in die Knie und halten Sie den Rücken gerade, während Sie die Last hochheben. «Um die körperliche Belastung gering zu halten, sollte sich der Schwerpunkt der Last immer so nahe wie möglich am Körper befinden», rät die Rheumaliga.

Sie müssen Schweres tragen?
Verteilen Sie Lasten möglichst gleichmässig. «Wenn Sie beispielsweise zum Einkaufen gehen, benutzen Sie anstelle einer Tasche lieber zwei und tragen Sie diese beidseits», rät der Deutsche Turnerverband. Das schont Wirbelsäule und Bandscheiben.

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