Husten und Halsweh am Wickel packen

Lange Zeit waren sie in Vergessenheit geraten, doch seit einigen Jahren gewinnen Wickel an Beliebtheit. Kein Wunder, schliesslich können sie viele Beschwerden lindern – von Schnupfen, Husten und Fieber über Ohrenschmerzen und Halsentzündungen bis hin zu Verdauungsstörungen, Verspannungen und Verletzungen. Wickel richtig anzulegen, lässt sich leicht lernen, weiss die Pflegefachfrau Brigitte Witzemann aus Reinach im Baselland.

Wickel und Kompressen gewinnen wieder an Bedeutung: Sie lindern Beschwerden bei Krankheiten wie Husten, Ohrenschmerzen und Fieber

Die mit Quark, Ölen oder Naturkräutern behandelten Baumwolltücher werden um die schmerzende Körperstelle gewickelt. Foto: wojciech_gajda, iStock, Thinkstock

Das Wissen, das unsere Grosseltern noch über Wickel hatten, ist in der breiten Bevölkerung verloren gegangen. Was glauben Sie, woran das liegt?

Brigitte Witzemann: Wickel und Kompressen gehören zu den klassischen Naturheilverfahren, die über Jahrhunderte in Europa als Gut der Volksmedizin überliefert wurden. Doch die Entwicklung der modernen Pharma-Industrie hat die bewährten Anwendungen in Vergessenheit geraten lassen. Der Effekt der erstaunlich schnell wirkenden Medikamente wie zum Beispiel fiebersenkender Mittel, Schmerzmittel und Antibiotika ist so verblüffend, dass das Wissen über die einfachen Hausmittel, zu denen Wickel gehören, einfach nicht mehr genutzt wurde. Heute aber gibt es wieder viele Menschen, die gesundheitliche Beschwerden auf natürliche Weise behandeln wollen. Besonders junge Eltern sind dafür offen! In der Komplementärmedizin, der anthroposophischen Medizin und der Kneipp-Medizin sind Wickel wichtige Bestandteile bei der Behandlung von vielen Krankheiten.

Welchen Vorteil haben Wickel im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten der Pharma-Industrie?

Wickel eignen sich hervorragend bei einfachen gesundheitlichen Beschwerden. Sie unterstützen den Heilungsprozess schnell und auf natürliche Weise. Ausserdem sind sie ungeheuer praktisch, weil sie sich überall und jederzeit anwenden lassen, auch mitten in der Nacht oder am Wochenende, wenn ein Hausarzt gerade nicht erreichbar ist. Darüber hinaus vermittelt das Anlegen eines Wickels, wenn er richtig gemacht wird, Geborgenheit und Fürsorge. Das ist wichtig, denn wer krank ist, ist besonders zuwendungsbedürftig. Das Gefühl, mit seinen Bedürfnissen ernst genommen, besser verstanden und umsorgt zu werden, hat einen besonderen Stellenwert für das Gesundwerden kranker Menschen, besonders bei Kindern. Wickel ersetzen aber auf keinen Fall die ärztliche Behandlung! Mit dem Auftreten von Antibiotika-Resistenzen können Wickel wieder an Wichtigkeit zunehmen.

Auf welche Weise wirken Wickel?

Wickel wecken die körpereigenen Selbstheilungskräfte. Kalte Wickel wirken durch den Wärmeentzug abschwellend, entzündungshemmend, fiebersenkend, hemmen das Bakterienwachstum und lindern oder stillen Schmerzen durch ihre leicht betäubende Wirkung. Sie helfen deshalb bei Verstauchungen, Prellungen und akuten Entzündungen. Wickel, die intensive Wärme ausstrahlen, fördern dagegen die Durchblutung, erweitern die Gefässe, entspannen und lösen so Krämpfe. Sie sind bei Bronchitis, Verspannungen, Bauch- oder Nierenproblemen sinnvoll. Milde Wärme eignet sich dazu, zum Beispiel Hustenreiz und Ohrenschmerzen zu mildern. Öle, Heilpflanzen und Kräuter können die Wirkung eines Wickels verstärken. Es begeistert mich immer wieder zu sehen, wie leicht sich mit den Mitteln der Natur gesundheitliche Störungen beheben lassen!

Es gibt Kinder, die keine Wickel mögen, wenn sie krank sind. Wie lassen sie sich zum Mitmachen animieren?

Ja, es gibt Kinder, die Wickel nicht mögen. Da hilft es dann, die Fantasie anzustrengen und herauszufinden, wie sie sich begeistern lassen. Sinnvoll ist es, Kindern vorzuleben, dass Wickel der Gesundheit nutzen und selbst Wickel und andere Naturheilverfahren bei gesundheitlichen Beschwerden anzuwenden. Besonders schön ist es, mit Kindern im Sommer gemeinsam Heilkräuter für den Winter zu sammeln oder – wenn möglich - die Anwendungen gemeinsam zuzubereiten. Wenn das Kind dann krank ist, können die Eltern es auch mit Hilfe einer Geschichte oder eines Gesundwerde-Püppchen auf den Wickel vorbereiten. Wichtig ist grundsätzlich, genügend Zeit einzuplanen und für eine ruhige und entspannte Umgebung zu sorgen. Es gilt, das Zimmer zu lüften, den Patient oder die Patientin auf die Toilette zu schicken und das nötige Material zusammen zu suchen, aber auch genügend Zeit für die Nachruhe einzuplanen – also Wellness pur.

 

Pflegefachfrau Brigitte Witzemann erklärt, welche Wirkung Wickel bei Krankheiten auf den Körper habenWickel stehen schon lange im Focus der Pflegefachfrau HF Brigitte Witzemann. Bereits ihre vier Kinder behandelte sie wirkungsvoll mit Wickeln bei Erkältung, Husten und Fieber. Als sie während ihrer Seminare über Wickel immer häufiger gefragt wurde, woher sich geeignetes Material beziehen lässt, begann sie 2009 über eine eigens gegründete Firma WIWO-Tex Tücher professionell herstellen zu lassen und zu vertreiben. Besonders liegt ihr am Herzen, möglichst fair, regional und mit guten Materialien zu arbeiten. Damit Wickeltücher jederzeit praktisch zur Hand sind, entwickelte sie auch Gesundheits-Wickel-Taschen für Kinder und entsprechende Taschen für Erwachsene. Ein Buch und eine DVD veranschaulichen die richtigen Wickeltechniken.

 

Video «Wickel und Kompressen leicht gemacht»:

Weitere Informationen zum Schulungsvideo: www.wiwo-wickel.ch

 

Halswickel mit Quark gegen Schluckbeschwerden und Halsentzündungen

Das brauchen Sie

  • Magerquark (zehn Minuten vor Gebrauch aus dem Kühlschrank nehmen, bei Milchallergie sollte eine Alternative verwendet werden, zum Beispiel Heilerde oder Zitrone.)
  • Zellstoff-Vlies (Windeleinlage)
  • WIWO-Halswickelset oder Rohwolle und Halstuch

So geht es

Streichen Sie den Quark wenige Millimeter dick auf das Vlies. Schlagen Sie das Vlies zu einem länglichen Päckchen ein, das Sie nun in die Gazetasche des Halswickels legen. Binden Sie das zubereitete Halswickelset oder Quarkrolle, Rohwolle und Halstuch um den Hals und lassen Sie den Wickel etwa 20 Minuten wirken.

 

Brustwickel mit Lavendelöl gegen Husten und Erkältungen

Nicht geeignet für Säuglinge und Kleinkinder, da das ätherische Öl in untenstehender Konzentration zu stark ist!

Das brauchen Sie

  • 1 Baumwolltuch, das rund um die Brust reicht
  • Lavendelöl zehn Prozent
  • Backtrennpapier
  • Wärmeflasche
  • Rohwolle oder Watte in Gaze eingewickelt
  • Aussentuch aus Schurwolle, Innentuch aus Baumwolle. Die Tücher sollten so gross sein, dass sie rund um die Brust reichen und die Brust bis zur Magengrube bedecken.

So geht es

Schneiden Sie das Baumwolltuch brustbreit zu und beträufeln Sie es sparsam mit Lavendelöl, bevor Sie es in Backtrennpapier einschlagen und mit der Wärmeflasche auf Körpertemperatur erwärmen (ca. zehn Minuten). Dann nehmen Sie das ölgetränkte Tuch aus dem Backtrennpapier und legen es rasch auf die Brust. Bedecken Sie den Wickel mit der in Gaze eingewickelten Rohwolle oder Watte und befestigen Sie es straff mit Innen- und Aussentuch rund um den Körper. Wenn Sie kein extra Wickeltuch mit Klettverschluss besitzen, befestigen Sie das Wolltuch mit zwei Baby-Sicherheitsnadeln.

Anwendungsdauer: Tagsüber eine Stunde oder während der ganzen Nacht.

 

Wadenwickel mit Zitronensaft

Zur Senkung des Fiebers. Wickel werden nur bei warmen Füssen angewendet und in der Regel nicht unter 39 Grad Körpertemperatur. Das gilt vor allem für grippale Infekte, da die Viren erst ab einer Temperatur von 39 Grad zugrunde gehen.

Das brauchen Sie

  • Saft einer ungespritzten Zitrone oder ein wenig Essig
  • 1 Schüssel mit handwarmem Wasser (ca. zwei Grad unter der Körpertemperatur)
  • 2 Wickeltücher zum Beispiel Gazewindeln
  • Frotteetuch als Bettschutz
  • Kniesocken

So geht es

Geben Sie den Zitronensaft oder den Essig in das lauwarme Wasser. Nun falten Sie die Wickeltücher in Wadenbreite, rollen Sie ein und tauchen Sie in die Flüssigkeit. Wenn Sie die Bettdecke von unten her zurück geschlagen haben, können Sie das Frotteetuch unter die Beine legen. Die eingerollten Wickeltücher auswringen und jeweils vom Fuss bis zum Knie um das Bein wickeln. Mit Kniesocken fixieren.

Anwendungsdauer: Bei hohem Fieber können die Wickel alle zehn Minuten erneuert werden. Nach dreimaligem Wechsel ein bis zwei Stunden Pause einlegen.

 

Services & Newsletter