Leben mit 4 Kindern

4 Kinder sind für Eltern eine besondere Herausforderung. Streit schlichten, Windeln wechseln, Wunden verarzten, kochen, trösten, spielen, zuhören, füttern: Das Leben besteht aus unzähligen kleinen und grossen Aufgaben, für deren Bewältigung eine gute Portion Organisationstalent benötigt wird.

4 Kinder bedeuten eine grosse Herausforderung für die Familie.

Wer 4 Kinder hat, muss vor allem finanziell zurückstecken. Foto: iStock, David Broberg, Thinkstock

Jan war fünf Jahre und Karla wurde gerade sieben Jahre alt, als Sabina M. entschied, wieder halbtags als Zahnarzthelferin zu arbeiten. Das Familieneinkommen musste dringend aufgebessert werden, denn der Veloladen ihres Mannes brachte seit Monaten weniger Ertrag als im Vorjahr. Kein Wunder, dass die 36-Jährige nicht begeistert war, als sie merkte, dass sie wieder schwanger war. Der grosse Schock aber kam erst: Der Frauenarzt teilte lächelnd mit, dass er gleich zwei Herzen schlagen hörte. « Mein Mann und ich fühlten uns von der Vorstellung, Zwillinge zu bekommen, zunächst völlig überfordert. Und je länger wir versuchten, uns die Zukunft vorzustellen, um so mehr Probleme tauchten auf», erinnert sich Sabina M.

4 Kinder: eine grosse Herausforderung

4 Kinder sind für Eltern eine grosse finanzielle Herausforderung. Zum einen wird das Zeitfenster, in dem beide Partner Geld verdienen können, kleiner, denn die Betreuung der Kinder und die Organisation des Haushaltes sind zeitintensiv. Zum anderen steigen die Ausgaben: Eine geräumigere Wohnung mit mehr Kinderzimmern und einer Küche, in die ein grosser Familientisch passt, wird notwendig. Wenn die Zahl der Familienmitglieder von 4 auf 6 anwächst, muss in der Regel auch ein grösseres Auto angeschafft werden. Dazu kommen tägliche Ausgaben für Kleidung, Nahrungsmittel oder Wasch- und Pflegemittel.

«Kinderreiche Familien und Alleinerziehende kämpfen vermehrt um ihre Existenzsicherung. Die Zahl der Familien, die an der Armutsgrenze lebt, nimmt zu. Viele Kinder sind deshalb auch in der reichen Schweiz direkt von Armut betroffen», berichtet die Stiftung Pro Juventute.

Hilfen für kinderreiche Familien

Familienpass Region Basel

Für 30 Franken pro Jahr bietet der Familienpass Familien in der Nordwestschweiz ein umfangreiches Angebot an Vergünstigungen und Gratis-Angeboten. Weitere Informationen: www.familienpass.ch

«Pro Juventute»-Familienpatenschaften

Die Organisation «Pro Juventute» vermittelt Paten, die kinderreiche Familien finanziell unterstützen. Mit Hilfe dieser finanziellen Unterstützung können die Kinder an sozialen, kulturellen und sportlichen Angeboten teilnehmen. Darüber hinaus unterstützt Pro Juventute Kinder mit Hilfe eines Fonds, damit sie trotz Geldnot am sozialen Leben teilnehmen können. Beispielsweise wird einem Kind die Teilnahme an einem Lager ermöglicht, ein Spielgruppenplatz bezahlt oder Nachhilfestunden bezahlt. Die Pro Juventute-Bezirke wenden jährlich insgesamt 6 Millionen Franken für diese finanzielle Unterstützung auf.

Weitere Informationen: www.projuventute-bern.ch

Preisgünstige Ferien

Die Reisekasse Reka, eine Organisation für soziale Ferienhilfe in der Schweiz, bietet günstige Ferien für finanzschwache Familien an. Weitere Informationen: www.reka.ch

Die Zwillinge Maria und Mira sind mittlerweile drei Jahre alt. Das Geld ist knapp, doch die Familie kommt über die Runden. «Schon kurze Zeit nach der Geburt der Zwillinge habe ich wieder begonnen zu arbeiten», berichtet Sabina M. «Ich musste einfach raus. Die Arbeit empfand ich vor allem in der ersten Zeit als Erholung.» So konnte Sabina, wie ursprünglich geplant, das Einkommen aufbessern. Ihr Mann passte die Ladenzeiten den Kern-Verkaufszeiten an. In der neugewonnen freien Zeit beschäftigte er sich viel mit den 4 Kindern.

An Weihnachten wollen alle 4 Kinder beschenkt werden.

Bei einer Familie mit 4 Kindern gibt es an Weihnachten manchmal nur je ein Geschenk für die Kinder. Foto: © Kzenon - Fotolia.com

In dem Mehrfamilienhaus, in dem die Familie lebt, haben Carina und ihr Mann vor zwei Jahren eine zweite, kleine Wohnung angemietet. Noch dient sie vor allem als Lager für all die vielen Dinge des Alltags, die sich in einer Familie mit 4 Kindern anstauen. Darüber hinaus übernachtet Sabinas Mutter dort oft, wenn sie kommt, um auszuhelfen. Sie beteiligt sich auch an der Miete. «Wenn die beiden Grossen etwas älter sind, sollen sie dort oben ihre Zimmer bekommen», plant Sabina.

Zahlen zur Grossfamilie

Die Zahl der Grossfamilien geht zurück. «Während im Jahr 2008 nur 5,7 Prozent der Privathaushalte aus 5 oder mehr Personen bestand, lag dieser Anteil in den 1960er Jahren noch bei 21 Prozent», teilt das Bundesamt für Statistik mit. Seit den 80er Jahren nehme die Zahl der kleinen Haushalte permanent zu, heisst es in dem Bericht 'Demografisches Verhalten der Familien in der Schweiz 1970 bis 2008' . «Heutzutage haben sowohl verheiratete Paare als auch Einelternhaushalte häufiger zwei Kinder. Der zweithäufigste Fall sind bei Verheirateten drei Kinder und bei Alleinerziehenden ein einziges Kind.» Wie viele Familien vier Kinder haben, geht aus dem Bericht nicht hervor. Möglicherweise werden die Ergebnisse der Volkszählung aus dem Jahr 2010 darüber mehr Aufschluss geben.

Eine gute Organisation ist das A und O, um den Alltag einer Grossfamilie managen zu können. «Da habe ich viel dazugelernt», lacht Sabina. «Zum Beispiel, den Tag in klare Zeitabschnitte einzuteilen.» Schon als Sabina mit den Zwillingen schwanger war, bekamen Karla und Jan mehr Eigenverantwortlichkeit übertragen – beim Anziehen und Zähneputzen zum Beispiel. Gleichzeitig übernahmen sie kleinere Aufgaben. «Karla räumt ein Mal am Tag die Spülmaschine aus. Jan bringt den Müll nach draussen », erzählt Sabina. Kleine Hilfen, die den Alltag enorm entlasten.

In der Regel verläuft der Alltag harmonisch. Sicher, an manchen Tagen geht gar nichts. Wenn Jan krank und weinerlich wird. Wenn Karla bei den Hausaufgaben weint. Wenn die Zwillinge sich ständig streiten. Dann hat Sabina das Gefühl, dass nichts klappt. Als stressig empfindet sie auch all das, was ausser der Reihe abzuwickeln ist: «Elterngespräche in der Schule. Neue Wintersachen kaufen. Kindergeburtstag vorbereiten.»

Doch wenn Jan ihr ein selbst gemaltes Bild schenkt, Karla sich bei ihrem Liebeskummer trösten lässt und die Zwillinge ihr nach dem Kindergarten fröhlich um den Hals fallen, dann ist sich Sabina sicher, dass sich die Mühen des Alltags lohnen. Wünsche bleiben dennoch offen: «Ein bisschen mehr finanzieller Spielraum für kleinere Vergnügungen. Zum Beispiel mal Pizza essen zu gehen. Das Theater zu besuchen. Einen Tag im Zoo zu verbringen.»

Weiterführende Links für Familien mit 4 Kindern

  • Kinderreiche Familien - Zahlen und Fakten: www.bfs.admin.ch
  • Die IG Familie 3plus ist ein lockerer Zusammenschluss von Familien mit drei und mehr Kindern. Sie erarbeitet konkrete Forderungen für eine Verbesserung der Situation kinderreicher Familien und trägt diese zur Umsetzung an Parteien, Verbände und Sozialpartner heran: www.ig3plus.ch
  • Materielle Hilfe für Familien in Not: http://jugendundfamilie.ch

Kennen Sie eine Familie mit 4 Kindern? Sind Sie selbst eine Grossfamilie? Schreiben Sie uns einen Kommentar.

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