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So behaltet ihr als Familie die Finanzen im Griff

Monatsende – und wieder ist das Geld knapp? Besonders in kinderreichen Familien ist Geld ein allgegenwärtiges Thema. Ein Familienbudget hilft, die Finanzen im Blick und im Griff zu haben sowie Geld einzusparen. Wir geben Tipps für ein gelungenes Budget. 

InhaltsverzeichnisÜberblick verschaffenKosten streichenEinnahmen erhöhenSich beraten lassenAusgaben kontrollierenBudget-Apps nutzen
Ein Vater erklärt der Tochter das Sparschwein, dahinter die schwangere Mutter
Kinder kosten viel Geld. Wir zeigen, wie du deine Einnahmen und Ausgaben im Griff hast und sparen kannst. © Rawpixel, Getty Images

Warum ein Budget? Ein Haushaltsbudget hilft dir, den Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu behalten, mögliches Sparpotenzial zu erkennen und finanzielle Entscheidungen als Familie ruhiger und planbarer zu treffen. Es lohnt sich, zu wissen, wohin das Geld genau fliesst – gerade in der Schweiz mit typischen grossen Posten wie Krankenkassenprämien, Steuern und Betreuungskosten. Ein solches Budget zu erstellen, ist zwar aufwändig, doch mit den folgenden Schritten geht es deutlich leichter. 

Familienbudget in 30 Minuten: Quickstart

Wenn du gerade wenig Zeit hast: Diese Minimal-Version bringt euch in 30 Minuten zu einem soliden Start. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern dass ihr eine gemeinsame Ausgangslage schafft. Später kannst du das Budget verfeinern.

Schritt 1 - Einnahmen und fixe Ausgaben zusammentragen

Nimm die letzten Lohnabrechnungen und notiere eure monatlichen Netto-Einnahmen: Lohn, Kinder- und Ausbildungszulagen, Betreuungszulagen, Unterhaltsbeiträge/Alimente, regelmässige Nebeneinkünfte. Danach listest du fixe Ausgaben, die jeden Monat (oder sehr regelmässig) anfallen: Miete/Nebenkosten, Krankenkassenprämien, Kita/Hort/Tagesschule, Abos (Internet/Handy/Streaming), Leasing/Autokosten oder GA/Halbtax, Versicherungen, allfällige Abzahlungsraten. So siehst du in kurzer Zeit, wie viel Spielraum realistisch übrig bleibt.

Schritt 2 - Variable Ausgaben 14 Tage tracken 

Statt gleich drei Monate alles zu erfassen, startest du mit 14 Tagen: Jede variable Ausgabe (Einkauf, Drogerie, Take-away, Kaffee, Spielplatz-Kiosk, spontane Onlinekäufe) notierst du direkt – im Notizbuch oder am Handy. Danach rechnest du hoch (14 Tage x 2 = ungefährer Monat). Das ist nicht perfekt, aber erstaunlich aufschlussreich. Achte besonders auf kleine, häufige Posten: Sie fühlen sich einzeln harmlos an, summieren sich aber schnell.

Schritt 3 - Jahreskosten auf einen Monat umlegen 

Viele Familien geraten nicht wegen der Alltagsausgaben in Druck, sondern wegen unregelmässiger Rechnungen. Darum lohnt sich ein schneller Jahreskosten-Check: Steuern, Serafe, Versicherungsrechnungen, Vereins- und Schulkosten, Ferien, Zahnarzt, Brille, Sportlager oder Klassenlager. Teile jede Jahresausgabe durch 12 und reserviere den Betrag monatlich. So wird aus dem «plötzlichen» Problem eine planbare Ausgabe.

Rückstellungen und Notgroschen - der Unterschied

Rückstellungen (planbar) vs. Notgroschen (ungeplant)

Rückstellungen sind Geldtöpfe für absehbare Ausgaben: zum Beispiel Steuern, Jahresfranchise/Selbstbehalt, neue Winterjacken, ein grösseres Velo, Schulmaterial, Vereinsbeiträge oder eine Ersatzanschaffung für Haushaltsgeräte. Der Notgroschen ist dagegen für wirklich Ungeplantes gedacht: plötzlicher Jobverlust, grössere Reparatur, unerwartete Selbstkosten nach einem Unfall. Wichtig: Vermische beides nicht. Wenn der Notgroschen regelmässig für planbare Rechnungen herhalten muss, ist er im Ernstfall nicht da.

Praktisch hilft eine klare Regel: Rückstellungen sind «zum Ausgeben vorgesehen» (zu einem späteren Zeitpunkt), der Notgroschen ist «zum Nicht-Ausgeben» (bis wirklich etwas passiert).

Das 3-Konten-System 

Viele Eltern erleben Budgetieren als ständiges Rechnen. Ein einfaches System nimmt Druck raus: drei Konten (oder Unterkonten), die du einmal pro Monat fütterst.

1) Fixkosten-Konto: Alles, was laufend bezahlt wird (Miete, Prämien, Kita/Hort, Abos, Versicherungen, ÖV-Abo/Auto). Ziel: Dieses Konto bleibt ruhig und berechenbar.
2) Alltags-Konto: Lebensmittel, Drogerie, Ausflüge, kleinere Anschaffungen. Das ist euer «Leben»-Budget – und darf auch Spass enthalten.
3) Rücklagen-Konto: Rückstellungen + Notgroschen. Wenn möglich, trenne hier nochmals in zwei Töpfe, damit planbare und ungeplante Ereignisse nicht durcheinander geraten.

Der Vorteil: Du musst nicht jede einzelne Ausgabe moralisch bewerten. Wenn das Alltags-Konto gegen Monatsende knapp wird, ist das ein neutrales Signal – kein persönliches Versagen. Dann passt du für den nächsten Monat entweder den Betrag an oder schaust, welche Gewohnheit euch am meisten Geld kostet.

6 Tipps für dein persönliches Familienbudget

1. Zahlen erfassen und Überblick verschaffen

Zuerst ist es wichtig, die Einnahmen und die monatlichen Ausgaben zu erfassen. Alle Zahlungen über einen längeren Zeitraum zu notieren, schafft bereits ein erstes Gefühl für den neuen bewussten Umgang mit Geld. Die Budgetberatung Schweiz hilft mit ihrer Budgetvorlage, keine Posten zu vergessen. Zu den Einnahmen gehören unter anderem Netto-Einkommen, Familien- und Betreuungszulagen, 13. Monatslohn, Alimente oder Unterhaltsbeiträge.

Das erwirtschaftete Geld wird ausgegeben für Wohnen, Kommunikation und Energie, Steuern, Versicherungen und Vorsorge, Mobilität, Medien, Mitgliedschaften, Schulgeld, Computer & Co., Hobbys, Kinderbetreuung, Haushaltshilfe und Abzahlungsraten. Dazu kommen die Posten Haushalt, Kleidung, auswärtige Verpflegung, Arztkosten, Geschenke, Spenden, Freizeit und Urlaub.

Tipp: Sinnvoll ist es, ein Konto für Rückstellungen zu eröffnen. Mit diesem Geld lassen sich Rechnungen begleichen, die unregelmässig anfallen – etwa Arztkosten oder Anschaffungen wie ein neues Kindervelo.

Wenn ihr mit eurem Dokument fertig seid, zeigt sich vielleicht, dass die Einnahmen sogar höher als die Ausgaben und finanzielle Spielräume vorhanden sind. Möglicherweise aber offenbart die ausgefüllte Vorlage, dass das Geld gar nicht reichen kann. Das ist ernüchternd, heisst aber nicht, dass ihr «schlecht mit Geld» seid: Oft sind es Rahmenbedingungen wie Miete, Prämien oder Betreuung, die den Spielraum stark begrenzen. Dann helfen klare Prioritäten, realistische Anpassungen und bei Bedarf professionelle Budgetberatung.

2. Kosten streichen

Der erste Schritt, ein Budget auszugleichen, ist, Kosten zu streichen. Frag dich: Welche Ausgaben bringen euch wirklich Lebensqualität – und welche laufen einfach mit? Lässt sich eine Mitgliedschaft pausieren oder kündigen, um stattdessen im Wald ganz kostenfrei joggen zu gehen?

Und ja: Einmal im Monat als Familie essen zu gehen, ist ein schönes Ritual. Wenn das Budget eng ist, kann «Restaurant zu Hause» (Menükarte basteln, Tisch decken, Kinder bedienen) ein fast gleichwertiges Erlebnis sein – bei deutlich geringeren Kosten. Auch gegenseitige Hilfe bei der Kinderbetreuung (z.B. mit befreundeten Familien im Wechsel) kann entlasten, sofern sie zu eurer Situation passt.

Auch beim Einkauf besteht Einsparpotenzial: Spielzeug, Möbel, Haushaltsgeräte und Kleidung gibt es gebraucht auch preiswert in Secondhandläden und Internetbörsen. Darüber hinaus macht ein Versicherungscheck Sinn. So lassen sich auf comparis.ch Krankenkassen- und Versicherungsprämien miteinander vergleichen.

Wichtig: Sparen gelingt nachhaltiger, wenn ihr nicht alles gleichzeitig ändert. Wählt eine Kategorie (z.B. Abos, Essen ausser Haus, Mobilität) und testet zwei Wochen lang eine konkrete Massnahme. So bleibt es machbar – auch mit wenig Energie im Familienalltag.

Beispielrechnungen für das Familienbudget

Familie mit einem Kind

Eine Familie mit einem Kind verdient ohne 13. Monatslohn 6.000 Franken netto im Monat. Für Wohnen, Steuern, Krankenkasse, Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung, Festnetz, Internet, TV und Handys, Energie, Fahrkosten, Medien-Abos und Mitgliedschaften gibt die Familie 3.410 Franken aus. Der Haushalt kostet etwa 1.050 Franken. Für Kleider, Schuhe, Taschengeld stehen 520 Franken zur Verfügung.

Auf einem Extra-Konto spart die Familie für Jahresfranchise, Selbstbehalt, Arzt, Geschenke, Freizeit, Schule und Unvorhergesehenes 420 Franken. Für Kinderbetreuung, auswärtige Verpflegung, Zusatzversicherung, PC, Haustiere, Sparen, Auto und Ferien bleiben weitere 600 Franken. So ist das Budget ausgeglichen. 

Familie mit zwei Kindern

Vielleicht hat die Familie aber auch zwei Kinder bei gleichem Einkommen. Kosten für Wohnen, Steuern, Krankenkasse, Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung, Festnetz, Internet, TV und Handys, Energie, Fahrkosten und Medien-Abos und Mitgliedschaften belaufen sich hier auf 3.370 Franken. Der Haushalt verschlingt etwa 1.170 Franken. Für Kleider, Schuhe, Taschengeld stehen 570 Franken zur Verfügung – so muss das zweite Kind vielleicht auch die Kleidung vom ersten Kind weiter tragen.

Auf einem Extra-Konto legt die Familie für Jahresfranchise, Selbstbehalt, Arzt, Geschenke, Freizeit, Schule und Unvorhergesehenes 420 Franken zurück. Mit zwei Kindern kann die Familie für Kinderbetreuung, auswärtige Verpflegung, Zusatzversicherung, PC, Haustiere, Sparen, Auto und Ferien immerhin noch 470 Franken sparen.

Quelle: Budgetberatung Schweiz

3. Einnahmen erhöhen 

Ist auch durch Einsparungen das Familienbudget nicht auszugleichen, lassen sich möglicherweise die Einnahmen steigern. Das heisst konkret: Mehr arbeiten, einen Stellenwechsel prüfen oder eine Gehaltserhöhung ansprechen. Rechne verschiedene Varianten durch: Wie verändert sich das Budget, wenn wieder beide Elternteile erwerbstätig sind? Und welche Differenzen entstehen, wenn ein Elternteil 20 Prozent, 50 Prozent oder Vollzeit arbeitet? Wichtig ist, die Kinderbetreuungskosten, die durch eine höhere Erwerbstätigkeit entstehen, realistisch abzuziehen (inklusive Zusatzkosten wie Mittagstisch, Fahrten oder höhere Verpflegungskosten).

Denke dabei auch an die «unsichtbaren Kosten»: Wenn der Alltag sehr eng getaktet ist, steigt häufig die Bereitschaft zu teuren Erleichterungen (mehr Take-away, mehr Lieferdienste, kurzfristige Betreuung). Das ist kein Vorwurf, sondern eine realistische Nebenwirkung von Stress. Plane deshalb bewusst einen kleinen Puffer im Alltagsbudget ein, statt ihn jeden Monat neu zu überziehen.

4. Lasst euch beraten

Nicht immer fällt das Erstellen eines Familienbudgets leicht. Professionelle Hilfe kann sehr entlastend sein – besonders, wenn Rechnungen sich stapeln, Mahnungen eintreffen oder du dich von der Situation blockiert fühlst. Die Budgetberatung Schweiz bietet über 30 Standorten konkrete Hilfe an, um die finanzielle Situation besser einschätzen zu können.

Eine Risikoanalyse durchführen

Wenn plötzlich ein Elternteil verunfallt oder verstirbt, gerät oft die finanzielle Basis ins Wanken. Vorsorge ist daher ein wichtiges Thema für Familien. Eine gute Massnahme ist eine Risikoanalyse mit einem Kundenberater der Bank. Dabei werden Vorsorgelücken aufgezeigt und Lösungsvorschläge gemacht, zum Beispiel Konten der Säule 3a und Risikoversicherungen.

Absicherungen im Scheidungsfall schaffen

Im Falle einer Scheidung ist der Güterstand massgeblich. Wenn nichts Anderweitiges vereinbart wurde, gilt die Errungenschaftsbeteiligung: Beide Ehepartner behalten, was vor der Ehe vorhanden war, sofern es das Vermögen noch gibt. Das Vermögen, das während der Ehe dazu gekommen ist, wird aufgeteilt, auch die Pensionskasse. Nebst der Errungenschaftsbeteiligung kann auch die Gütergemeinschaft oder Gütertrennung gewählt werden. Dafür ist ein Notar vonnöten.

An die Zukunft denken – die Säule 3a

Wenn ihr genug Geld am Monatsende übrig habt, solltet ihr über eine private Altersvorsorge mit der Säule 3a nachdenken. Grundsätzlich gilt: Je früher ihr euch damit befasst, desto besser. Sobald es das Budget zulässt, solltet ihr das abwägen. Die Einzahlung auf das 3a-Konto kann von den Steuern abgezogen werden und ist deshalb steuertechnisch attraktiv. Allerdings ist zu beachten, dass man über die 3a-Gelder nicht mehr frei verfügen kann. Ein Bezug ist beispielsweise für ein Eigenheim oder fünf Jahre vor der ordentlichen Pensionierung möglich.

5. Ausgaben kontrollieren

Euer Familienbudget, das die finanzielle Situation stabilisiert, ist fertig? Prima! Jetzt geht es darum, die Ausgaben zu kontrollieren – ohne dass es im Alltag zur Dauerbelastung wird. Die Budgetberatung Schweiz bietet auch eine Vorlage für die Einnahmen-Ausgaben-Kontrolle, die Platz für die Buchhaltung eines Jahres bietet. 

Viele Budgets scheitern nicht an den Lebensmitteln, sondern an unregelmässigen Kosten. Erstelle darum eine einfache Jahresliste und prüfe einmal pro Quartal, ob eure Rückstellungen noch stimmen. Typische Posten in der Schweiz sind: Steuern (je nach Zahlungsmodus), Krankenkasse (Prämien, Franchise, Selbstbehalt), Kita/Hort (Ferienbetreuung, Zusatzmodule), ÖV-Abos (GA, Halbtax, Verbundabo), Schule (Lager, Ausflüge), Sport/Vereine (Mitgliederbeiträge, Ausrüstung) und Zahn-/Augenkosten, die oft ausserhalb der Grundversicherung anfallen.

Alltagstauglich ist die «12er-Regel»: Jede grössere Rechnung, die nicht monatlich kommt, wird auf einen Monatsbetrag heruntergebrochen (Betrag ÷ 12) und automatisch zur Seite gelegt. Das reduziert Stress, weil du nicht mehr jedes Mal neu improvisieren musst.

6. Die richtige App nutzen

Eine App macht die Buchhaltung noch leichter. Die App der Budgetberatung Schweiz liefert dabei auch Vergleichswerte, sodass es leichter fällt, die Höhe von Ausgaben in neun verschiedenen Bereichen einzuschätzen. 

Wichtig bei Apps (und auch bei Excel): Entscheide dich für ein System, das du mit wenig Aufwand durchhältst. Viele Familien profitieren davon, nicht jede einzelne Kategorie perfekt zu treffen, sondern lieber konsequent einen wöchentlichen Check-in zu machen (z.B. jeden Sonntag 10 Minuten): Was ist diese Woche abgeflossen, was steht nächste Woche an, und reicht das Alltagsbudget?

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