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Stoffwindeln: So funktionieren wiederverwendbare Windeln

Mit Stoffwindeln zu wickeln, ist dank moderner Systeme supereinfach. Viele Stoffwindeln bestehen aus einer herzigen Überhose und einer Innenhose oder Einlage, die gewechselt wird. Auch das Waschen ist simpel. Packen Sie die Stoffwindeln einfach in Ihre 60°-Wäsche! Was Sie wissen müssen über die Wickelsysteme, die Nachhaltigkeit von Stoffwindeln und die Pflege.

Stoffwindeln stellen eine nachhaltige Alternative zu Wegwerfwindeln dar.

Stoffwindeln stellen eine nachhaltige Alternative zu Wegwerfwindeln dar. Bild: Crystal Bolin Photography, Getty Images

Das Wichtigste zum Wickeln mit Stoffwindeln

  • Es gibt heute verschiedene Arten von Stoffwindeln: Sie unterscheiden sich nicht nur in Material und Design. Jedes Windel-System hat seine Eigenheiten beim Wickeln und Waschen. Die Auswahl
  • Mit Stoffwindeln zu wickeln, ist genauso einfach und hygienisch wie mit regulären Windeln: Die meisten nutzen ein Windelvlies welches ganz einfach gewechselt werden kann nach Babys Geschäft. So funktionierts.
  • Mit Stoffwindeln spart man Geld: Je nach System werden zwischen fünf und dreissig Stoffwindeln benötigt. Wegwerfwindeln braucht man rund 6000. Damit Stoffwindeln tatsächlich nachhaltig sind, muss man aber noch anderes beachten. Alle Infos
  • Stoffwindeln waschen ist ganz einach: Sie werden einfach mit der anderen Wäsche bei 60 Grad mit Ökowaschmittel gereinigt. Eine Anleitung

Viele denken bei Stoffwindeln an Mullwindeln. Doch die Stoffwindel ist schon lange viel mehr: Heute gibt es viele unterschiedliche Wickelsysteme und Stoffwindeln in süssen Designs. Wir stellen die verschiedenen Arten vor und erklären, wie Sie Stoffwindeln richtig anwenden und pflegen. 

Wie funktionieren Stoffwindeln?

Es gibt heute ganz verschiedene Arten von Stoffwindeln, die allesamt einfach zu handhaben sind. In der Regel besteht eine Stoffwindel heute aus einer Windelhose mit Druck- oder Klettverschluss und einer inneren Windel oder einem Windelvlies als Einlage, um die Ausscheidungen aufzusaugen. Bei manchen Wickelsystemen bestehen die Windelhose und die innere Windel aus einem Teil. Diese ähneln den Wegwerfwindeln am meisten. Beim Wickeln muss man in den meisten Fällen also nur das Windelvlies oder die Innenhose wechseln und reinigen. Die Windelhose kann länger getragen und dann einfach gewaschen werden. 

Die Wickelsysteme: Welche Stoffwindeln gibt es?

Je nachdem für welches Stoffwindel-System Sie sich entscheiden, gibt es auch verschiedene Arten mit Stoffwindeln zu wickeln. Zu unterscheiden ist dabei zwischen der Komplett-Windel, der All-In-Two Windel, der All-in-Three Windel und der Pocketwindel.

Welches Wickelsystem eignet sich für Ihr Baby?

Wenn Sie noch nie Stoffwindeln verwendet haben, überlegen Sie sich erst, was Ihnen wichtig ist im Alltag mit Ihrem Baby. Testen Sie am besten verschiedene Systeme. Viele Shops bieten Testpakete an! Jedes Windel-System hat seine Eigenheiten beim Wickeln und Waschen. Finden Sie heraus, was Ihnen am besten passt. Auch unsere Redakteurin hat sich auf einen Test eingelassen. Über ihre Erfahrungen berichtet sie hier. 

Komplett-Windel oder All-in-One Windel: Diese Stoffwindel funktioniert wie eine Wegwerfwindel, ist aber wiederverwendbar. Sie besteht aus einer wasserdichten Aussenschicht und einer saugstarken Innenschicht. Diese Einlage ist in die Windel genäht und verhindert, dass etwas verrutscht oder ausläuft. Die gebrauchte Windel kommt einfach in die Waschmaschine.

All-in-Two-Windel: Diese Stoffwindel besteht ebenfalls aus einer Aussenhose und einer Innenschicht, die Teile sind allerdings nicht miteinander vernäht. Die Innenschicht, auch Prefold genannt, werden in die Überhose gelegt – So kann die Innenschicht ausgetauscht werden und das Höschen muss nicht jedes Mal mit in die Wäsche.

All-in-Three-Windel: Diese Stoffwindel besteht aus drei Teilen – einer Überhose, einer sogenannte Mittelschicht in Form einer Tasche aus wasserdichtem PUL (Polyurethanelaminat) und in dieser Tasche gibt es eine herausnehmbare Einlage. Auch hier wird nur die Einlage gewechselt, wenn nichts daneben geht.

Pocketwindeln: Diese Stoffwindeln sind ähnlich aufgebaut, wie die All-In-One Windel. Hier gibt es aber zwischen Innen- und Aussenschicht eine Öffnung, in welche eine Saugeinlage gelegt wird. Die Saugeinlage kann auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt werden.

Faltwindeln: Diese Stoffwindel haben schon unsere Grosseltern angewendet. Verwendet wird eine Mullwindel, die um das Kind gewickelt wird. Darüber kommt meist eine Überhose als Nässeschutz. 

Stoffwindeln kommen entweder kompakt in einem Teil oder haben eine herausnehmbare Einlage.

Stoffwindeln kommen entweder kompakt in einem Teil oder haben eine herausnehmbare Einlage. Bild: Getty Images princessdlaf

Wie Stoffwindeln richtig sitzen

Im Gegensatz zu Wegwerfwindeln sitzen Stoffwindeln etwas tiefer, direkt über der Hüfte. Der Gummi am Rücken darf eng anliegen, soll aber nirgends einschneiden und nicht so straff gespannt sein. Die Stoffwindel wächst mit dem Kind mit und kann die komplette Windelzeit genutzt werden. Bei Neugeborenen sollte die Windel daher etwas zusammen geknautscht werden, damit sie dünner wird.

Grundausstattung: Wie viele Stoffwindeln braucht man?

Wieviele Stoffwindeln Sie brauchen, hängt vom Windelsystem ab. Entscheiden Sie sich für die Kompaktwindel oder eine Pocketwindel, müssen Sie mit etwa 30 Windeln rechnen. Bei der All-in-Two Windel reichen etwa fünf bis sechs Überhosen sowie dreissig Einlagen, da die Überhosen nur in die Wäsche müssen, wenn Sie schlecht riechen oder mal etwas daneben geht. Wenn Sie die All-in-Three Windel möchten, brauchen Sie etwa drei bis sechs Überhöschen, 10 Innenwannen und 30 Einlagen. 

Was Sie sonst noch brauchen, fürs Wickeln mit Stoffwindeln

  • Für die Lagerung: Um schmutzige Stoffwindeln zu lagern, eignen sich Wetbags oder ein Windeleimer inklusive Wäschenetz.
  • Man kann ein Wegwerf-Windelvlies in die Überhose legen, damit vor allem kein Stuhl daneben geht. So wird der Kot abgefangen und das Vlies kann einfach die Toilette runtergespült werden – das spart den ein oder anderen Waschgang.
  • Neben dem Vlies kann man die Windel noch mit Saugeinlagen, sogenannten Boostern füllen. So bleibt die Überhose noch länger frisch.

Was kosten Stoffwindeln?

Auf den ersten Blick sind die Anschaffungskosten für Stoffwindeln sehr hoch. Eine All-in-one-Windel kostet 30 bis 40 Franken – mit 5 Windeln für die Grundausstattung sind Sie da also gleich bei etwa 200 Franken. Für die gesamte Windelzeit müssen Sie mit Kosten von etwa 700 Franken rechnen. Wenn Sie diese Investition mit den Kosten für Wegwerfwindeln vergleichen, kommen Sie gut weg: Die meisten Familien brauchen etwa rund 6000 Wegwerfwindeln für ein Baby und geben schnell einmal über 2'000 Franken für Windeln aus. 

Sind Stoffwindeln besser als Wegwerfwindeln?

Währen einige sagen, Stoffwindeln sind besser als Wegwerfwindeln, denken andere das Wickeln mit Stoffwindeln sei aufwändig und eklig. Rund um Stoffwindeln kursieren viele Mythen und Vorurteile. Wir wollen Ihnen hier die Fakten zu den drei gängigsten Vorurteilen aufzeigen. 

1 Stoffwindeln sind besser für die Haut

Wegwerfwindeln enthalten Chemikalien, die den Urin vom Körper wegleiten und binden. Manch kleiner Babypopo reagiert darauf empfindlich mit Windeldermitis und verträgt Stoffwindeln besserViele Eltern berichten, dass ihre Kinder weniger an Hautausschlägen leiden. Grund hierfür könnte sein, dass Stoffwindeln weniger saugfähig sind und öfter gewickelt werden muss und die Haut folglich öfter in Kontakt mit der Luft kommt. Wissenschaftlich belegt ist das aber nicht. 

2 Sind Stoffwindeln nachhaltiger als Wegwerfwindeln?

Wer Stoffwindeln verwendet, hat auf jeden Fall viel weniger Abfall. Nachhaltiger und umweltschondender sind die Stoffies aber nur, wenn man sie richtig anwendet und vor allem wäscht: Mehr dazu hier. Ein weiterer Aspekt ist, wieviele Kinder die Windeln tragen: Stoffwindeln können auch gut aus zweiter Hand gekauft werden. 

3 Stoffwindeln sind unhygienisch und machen viel Arbeit?

Viele denken, das Wickeln mit Stoffwindeln sei eklig. Aber: Nur weil Sie Stoffwindeln verwenden, haben Sie nicht mehr Kontakt mit den Ausscheidungen Ihres Babys als bei Wegwerfwindeln haben. Die meisten Windelsysteme nutzen ein Windelvlies oder ein Microfleece als Einlage, welches das grosse sowie das kleine Geschäft des Babys auffängt. Dieses können Sie ganz einfach wegwerfen oder abspülen. Und auch der Aufwand hält sich in Grenzen – die Windelhöschen müssen gewaschen und getrocknet werden. Aber Arbeit haben Sie mit Wegwerfwindeln auch: Sie müssen ständig neue Windeln kaufen und viel öfters den Abfallsack nach draussen tragen.

Wickeln mit Stoffwindeln: Das müssen Sie wissen

Wickeln mit Stoffwindeln funktioniert nicht viel anders als mit Wegwerfwindeln. Je nach Wickelsystem wechseln Sie die Einlage oder das Höschen. 

Wie entfernt man Kot aus der Stoffwindel?

  • Milchstuhl kann einfach in der Waschmaschine entfernt werden. Eventuell können Flecken bleiben, es ist aber trotzdem hygienisch.
  • Breistuhl sollte im Vorfeld mit einem Wasserstrahl entfernt werden
  • Wegwerfbares Windelvlies sorgt kann im Kübel oder in der Toilette entsorgt werden. Beim nächsten Mal wird eine neue Vlieseinlage verwendet. 

Was macht man unterwegs mit Stoffwindeln?

Schütteln Sie die Windel über der Toilette aus. Mit Toilettenpapier können Sie hartnäckige Reste entfernen. Für unterwegs eignen sich kleinere Wetbags zum Lagern. Wer sich für den Windeleimer entscheidet, legt die gebrauchten Windeln einfach in ein Wäschenetz. Achten Sie aber darauf, den Windeleimer nicht luftdicht zu verschliessen – sonst fangen die Windeln früher an zu stinken.

So lange sind Stoffwindeln dicht

Wenn die Stoffwindel richtig angelegt ist und sitzt, hält sie auch dicht. Wird eine Stoffwindel undicht, wurde sie meist falsch angelegt oder sie wurde einfach zu lange nicht gewechselt. Wenn Stoffwindeln falsch gewaschen werden, kann es sein, dass sie undicht werden. Normalerweise werden die Windeln aber saugfähiger nach mehreren Waschgängen. Mit der richtigen Pflege halten Stoffwindeln etwa drei Jahre dicht. 

So waschen und pflegen Sie Stoffwindeln

Alles rund um die Pflege von Stoffwindeln.

Alles rund um die Pflege von Stoffwindeln und wie man sie wäscht. Bild: Getty Images lightspeedshutter

So bekommen Sie Stoffwindeln sauber

Um Stoffwindeln wieder sauber zu bekommen, können Sie sie einfach bei 60 Grad mit Vollwaschmittel oder Pulver waschen. 60 Grad sind notwendig, um alle Keime abzutöten. Beachten Sie am besten die Waschanleitung des Windelherstellers. Benutzen Sie Ökowaschmittel, um die Haut ihres Kindes zu schützen und verzichten Sie auf Weichspüler. Auch Duftstoffe sind nicht gut für die Stoffwindeln und auch die Babyhaut! Es kann sein, dass auch nach dem Waschen der unangenehme Geruch von Ammoniak bleibt. Dann hilft ein Vorwaschprogramm. Feinwaschprogramme spülen die Windel mit viel Wasser durch. 

Übrigens: Die Windeln müssen nicht in den Trockner – Sie können Sie einfach aufhängen zum Trocknen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt. Sie bleiben so auch weich und geschmeidig.

Lagerung der benutzten Stoffwindeln

Wohin nur mit den benutzten Windeln? Ganz einfach in den Wäschekorb. Lagern Sie sie nicht in luftdichten Eimern oder Plastiksäcken. Es bildet sich Konsenswasser und die Windeln beginnen schnell zu stinken. Weichen Sie die Stoffwindel auch nicht ein, denn Harn und Wasser können sich zu Ammoniak verbinden und auf diesen Geruch können Sie verzichten. Alternativen zur trockenen Lagerung im Wäschekorb sind zum Beispiel atmungsaktive Wetbags, offene Windeleimer oder man lässt die vollen Windeln im Freien trocknen, bevor sie in die Waschmaschine kommen.

Wann soll man die Stoffwindel waschen?

Der Wäscheberg wird schnell mal gross, wenn man mit Stoffwindeln wickelt. Alle zwei bis drei Tage sollten Sie die vollen Windeln waschen, damit es nicht zu viel wird. Stark verschmutzte Einlagen können sofort ausgespült und getrocknet werden.