Zum Inhalt
Baby > Entwicklung

Schon wieder eine unruhige Phase? So erkennst du einen Wachstumsschub – und so kommt ihr durch

Dein Baby schläft seit Tagen schlecht, ist quengelig und will am liebsten nur getragen werden? Viele Eltern nennen solche Phasen «Wachstumsschub» oder «Sprung». Wir zeigen dir, woran du unruhige Entwicklungsphasen erkennst, was hinter der bekannten Einteilung in acht Sprünge wirklich steckt und wie du deinem Baby – und dir selbst – durch diese Wochen hilfst.

Baby liegt neben Grössentafel
Babys wachsen im ersten Lebensjahr nicht nur körperlich schnell, sondern machen auch mental eine Entwicklung durch. © Getty Images / Dmitrii Guldin

Wachstumsschub beim Baby: Das Wichtigste in Kürze

Ein Baby entwickelt sich rasant, besonders im ersten Lebensjahr. Laufend kommen neue Fähigkeiten hinzu, und das Kind wächst und wächst. Viele Eltern beobachten dabei Wochen, in denen ihr Kind plötzlich weinerlich und anhänglich ist, schlechter schläft und mehr Nähe braucht. Kein Wunder – schliesslich muss der kleine Mensch viel leisten. Und als ob die mentale Entwicklung nicht genug wäre, wächst auch noch der Körper.

Wachstumsschub oder Entwicklungssprung? Zwei Dinge, die oft verwechselt werden

Im Alltag wird beides in einen Topf geworfen, gemeint sind aber zwei verschiedene Vorgänge:

  • Der körperliche Wachstumsschub: Dein Kind wird in kurzer Zeit länger und schwerer. Das lässt sich messen – Länge, Gewicht und Kopfumfang werden bei den Vorsorgeuntersuchungen erfasst und in Kurven eingetragen. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über die verschiedenen Wachstumsphasen.
  • Der mentale Entwicklungssprung: Dein Kind nimmt die Welt plötzlich anders wahr, versteht neue Zusammenhänge und lernt neue Fähigkeiten. Das lässt sich nicht messen, sondern nur beobachten.

Beides kann gleichzeitig passieren, muss es aber nicht. Wenn du also liest, dass dein Baby «gerade im dritten Wachstumsschub» sei, ist damit fast immer ein mentaler Entwicklungssprung gemeint – nicht ein plötzlicher Wachstumsschub in Zentimetern.

Anzeichen: Symptome bei einem Wachstumsschub

Neue Entwicklungen bahnen sich an? Du kannst sie oft daran erkennen, dass dein Baby unausgeglichener ist als üblich. Womöglich ist es …

  • besonders reizbar
  • unausgeglichen – mal himmelhochjauchzend, dann zu Tode betrübt
  • anhänglich, möchte getragen werden und fremdelt
  • unruhig in der Nacht und schläft schlechter
  • fixiert auf den Nuggi

Wichtig: Diese Anzeichen sind unspezifisch. Sie können auf einen Entwicklungssprung hindeuten – ebenso gut aber auf Zahnen, einen Infekt, zu viele Reize oder schlicht auf eine anstrengende Woche. Ein Sprung ist eine mögliche Erklärung, keine Diagnose.

Deswegen sind Entwicklungsphasen so anstrengend für ein Baby

Kinder wollen wachsen. Sie wollen lernen und gross werden. Doch wenn sich neue Fähigkeiten entwickeln, brauchen Babys oft mehr Geduld, als sie haben. Wie lässt sich der Nuggi drehen, damit er in den Mund passt? Bei dieser komplexen Übung der Koordination von Hand, Fingern und Augen kann sich ein Baby leicht überfordert fühlen und frustriert reagieren.

Das Leben des Babys ändert sich rasant. Lag es zunächst hilflos auf dem Rücken und sah die Welt nur verschwommen, eignet es sich innerhalb weniger Wochen neue Fähigkeiten an. Zum Beispiel, sich vom Rücken auf den Bauch und wieder zurückzurollen, zu greifen, Menschen zu unterscheiden und seine Stimme zu nutzen. Dabei nimmt es die Welt immer deutlicher wahr – was dazu führen kann, dass es phasenweise verängstigt ist.

Dass Babys in den ersten Monaten viel weinen, ist übrigens völlig normal und hat nichts mit dir zu tun. Unspezifisches Schreien nimmt bis etwa zur sechsten Lebenswoche kontinuierlich zu – viele Babys schreien dann zwei bis drei Stunden täglich, vor allem abends. Danach nimmt es wieder ab und hört bei den meisten Babys nach rund drei Monaten auf. [4]

Vom Baby zum Kleinkind: Im ersten Lebensjahr finden acht Wachstumsschübe statt
Vom Baby zum Kleinkind: Im ersten Lebensjahr lernt ein Kind enorm viel dazu. © Getty Images, Ruslan Dashinsky

Woher die «acht Sprünge» kommen – und was die Forschung dazu sagt

Die Vorstellung, dass Babys eine feste Zahl von Sprüngen zu festen Zeitpunkten durchlaufen, ist keine allgemeine Lehrmeinung. Sie geht auf die niederländischen Forschenden Hetty van de Rijt und Frans Plooij zurück, die 1993 im «Journal of Child Psychology and Psychiatry» wiederkehrende «Regressionsphasen» beschrieben. Ihre Datenbasis: Fragebögen und Interviews mit 15 Müttern von Kindern zwischen 0 und 20 Monaten. [1] Bekannt wurde das Modell durch ihr Buch «Oje, ich wachse!». Es beschreibt zehn solcher Phasen in den ersten rund 20 Monaten – die ersten acht davon fallen ins erste Lebensjahr beziehungsweise knapp danach.

Wie gut ist das belegt? Ehrlich gesagt: unklar, und die Befunde widersprechen sich.

  • Eine Überprüfung fand das Muster nicht. Carolina de Weerth und Paul van Geert beobachteten vier Mutter-Kind-Paare über 15 Monate wöchentlich nach ethologischer Methode. Ihr Fazit: Die Ergebnisse stützten das Muster der zehn fest getakteten Phasen nicht. [2]
  • Eine andere Untersuchung fand es teilweise. Marta Sadurní und Carles Rostan begleiteten 18 Babys in Katalonien und bestätigten die Regressionsphasen für das erste Lebensjahr. Sie arbeiteten allerdings mit derselben Methodik wie van de Rijt und Plooij – eine unabhängige Prüfung mit anderem Vorgehen ist das damit nicht. [3]

Alle diese Studien beruhen auf sehr kleinen Gruppen von 4 bis 18 Kindern, und die Daten stammen überwiegend aus Elternberichten. Eine grosse, unabhängige Bestätigung fehlt bis heute.

Was das für dich heisst

Dass Babys Phasen der Unruhe durchlaufen, bevor sie etwas Neues können, beobachten viele Eltern und Fachpersonen – daran zweifelt kaum jemand. Umstritten ist nur, ob diese Phasen bei allen Kindern zu denselben Wochen kommen. Nimm die Zeitangaben deshalb als grobe Orientierung, nicht als Fahrplan. Wenn dein Kind «zu früh» oder «zu spät» dran ist, ist das kein Grund zur Sorge.

Überblick: Tabelle der Entwicklungsschritte eines Babys

Du willst wissen, was bei deinem Kind als Nächstes anstehen könnte? Wir haben die Phasen aus dem Modell von van de Rijt und Plooij zusammengefasst und zeitlich eingeordnet. Die Wochenangaben sind Richtwerte aus diesem Modell – keine Termine, und keine Messlatte für dein Kind.

Tabelle: Übersicht über die acht Entwicklungsschübe bei Babys im ersten Lebensjahr
Sehen, drehen, greifen, erkennen: In den ersten Lebensmonaten lernt dein Kind viel. Bild: Redaktion

Erster Sprung: 3 bis 6 Wochen

Die Sinne des Babys werden empfindlicher. Dein Kind zeigt jetzt mehr Interesse an seiner Umgebung. Nun kann es weiter als 20 bis 30 Zentimeter sehen. Zwar sieht es immer noch verschwommen, doch es kann vertrauten Gesichtern schon mit den Augen folgen. Diese Phase kann bis zu einer Woche dauern.

Zweiter Sprung: 6 bis 8 Wochen

Das Baby nimmt seinen Körper bewusster wahr. So entdeckt es zum Beispiel seine Hände. Gleichzeitig verliert es einige Reflexe. Es kann jetzt Farben, einzelne Gegenstände und Formen sehen. Diese Phase kann bis zu drei Wochen dauern.

Dritter Sprung: 12 Wochen

Das Baby hat erkannt, dass es fliessende Übergänge gibt. Zum Beispiel von Hell zu Dunkel oder von Leise zu Laut. Seine Sinne sind geschärft. Die Stimme zu trainieren, macht besonders Spass. Diese Phase kann ein bis zwei Wochen dauern.

Vierter Sprung: 19 Wochen

Das Baby versteht, dass Übergänge, Muster und Empfindungen zusammenhängen. Es kann jetzt Dinge greifen und Silbenketten plappern. Viele Babys drehen sich jetzt. Diese Phase kann bis zu sechs Wochen dauern.

Fünfter Sprung: 26 Wochen

Bisher erlernte Fähigkeiten und auch Dinge und Menschen werden miteinander in Verbindung gebracht. So kann das Baby zum Beispiel Entfernungen einschätzen oder Gegenstände Personen zuordnen. Diese Phase dauert vier bis fünf Wochen.

Sechster Sprung: 37 Wochen

Das Baby kann vergleichen und Kategorien erkennen und erstellen – zum Beispiel Bauklötze nach Kriterien wie Farbe, Form, Material oder Geruch sortieren. Das führt auch dazu, dass es Menschen unterscheiden kann. Diese Phase dauert zwischen drei und sechs Wochen.

Siebter Sprung: 47 Wochen

Das Baby kann jetzt Dinge zusammensetzen und verbinden, also aus Einzelteilen etwas Ganzes machen. Es hat verstanden, dass es Reihenfolgen gibt. Es probiert nicht einfach herum, es geht überlegt vor – zum Beispiel beim Puzzeln. Was muss ich zuerst tun? Möglicherweise lernt es jetzt auch zu krabbeln oder vom Bett herunterzuklettern. Es gibt erkennbare Fortschritte beim Sprechen. Diese Phase dauert bis zu vier Wochen.

Achter Sprung: 55 Wochen

Das Baby hat sich zum Kleinkind gemausert. Es hat verstanden, dass eine Reihe von Handlungen einen Vorgang ergibt, und kann Schrittfolgen selbst durchführen. Zum Beispiel weiss es, wie ein Frühstück vorbereitet wird. Oder wie es sich am Tisch hochzieht und ein paar Schritte frei geht. Jetzt ist es selbstständiger und selbstbewusster und übt das Wort «Nein!». Diese Phase dauert bis zu fünf Wochen. Mit 55 Wochen ist der erste Geburtstag übrigens schon vorbei – die achte Phase fällt streng genommen ins zweite Lebensjahr.

App-Empfehlungen: Entwicklungsphasen beim Baby verfolgen

Die folgenden Apps sind Angebote von Drittanbietern.

  • Die «Oje, ich wachse!»-App setzt das Modell von van de Rijt und Plooij um und begleitet die zehn beschriebenen Phasen – acht im ersten Lebensjahr und zwei weitere in der 64. und 75. Woche. Sie erklärt, warum die Phasen das Kind aus der Balance bringen sollen und was du tun kannst, um dein Kind zu begleiten. Für iOS und Android.

  • Baby Tracker hilft, Übersicht zu gewinnen: Hier kannst du festhalten, wann und wie das Kind geschlafen hat, wie der Windelinhalt beschaffen war und was und wie viel es getrunken und gegessen hat. So lässt sich gut nachvollziehen, wie sich der Alltag deines Kindes entwickelt. Für iOS und Android.
  • Die App Preglife setzt schon in der Schwangerschaft an und lässt sich bis zum zweiten Geburtstag des Kindes nutzen. Checklisten sorgen für Übersicht, Tipps helfen Elternteilen, sich gegenseitig zu unterstützen. Für iOS und Android.

Unruhige Phasen sind anstrengend – so kommt ihr durch

Es liegt nicht an dir. Sich das bewusst zu machen, wenn das Kind weinerlich und unruhig ist, hilft oft schon. Und das Wissen, dass solche Phasen vorbeigehen und danach meist spannende Fortschritte folgen.

Wie kannst du deinem Baby helfen? Geduld ist das A und O. Wenn du für dein Kind da bist, ihm zeigst, dass du es verstehst, und ihm Sicherheit und Geborgenheit gibst, unterstützt du es am besten.

Entspannt durch jede neue Phase: Tipps für Eltern und Kind

  • Nähe und Kuschelzeit: Ein Baby ins Tragetuch nehmen, mit ihm kuscheln und Körperkontakt halten vermittelt Sicherheit und Geborgenheit.
  • Ruhiges Umfeld: Lieber nicht ins Getümmel oder an laute Orte gehen. Gönne dem Baby Ruhe und eine entspannte Zeit ohne unnötige Termine.
  • Struktur und Rituale: Achte darauf, dass sich das Kind an Abläufe gewöhnt und Einschlafrituale und Alltagsstrukturen einigermassen eingehalten werden. Mehr dazu, wann Babys durchschlafen.
  • Mental Load beachten: Nicht nur das Baby muss sich wohlfühlen, sondern auch die Betreuungspersonen. Schau, dass du ab und zu durchatmen kannst, und hol Hilfe, wenn du sie brauchst. Nur so kannst du deinem Kind die Unterstützung geben, die es nötig hat.

Wenn dir das Schreien zu viel wird: Baby niemals schütteln

Ein Baby zu schütteln kann in wenigen Sekunden zu schweren, bleibenden Hirnschädigungen führen – oder tödlich enden. Die meisten Babys mit einem Schütteltrauma bleiben lebenslang beeinträchtigt oder sterben. [4] Wenn du merkst, dass dir das Schreien zu viel wird: [4]

  • Leg dein Baby an einen sicheren Ort, zum Beispiel ins Gitterbett.
  • Geh aus dem Zimmer und schliess die Tür. Atme tief durch, iss oder trink etwas.
  • Lass dein Baby in dieser Zeit schreien – das ist sicherer, als die Beherrschung zu verlieren.
  • Hol Hilfe: Ruf eine nahestehende Person an oder frag die Nachbarn.

Wurde ein Baby geschüttelt, muss es sofort in den Notfall: Telefon 144[4] Rund um die Uhr erreichbar ist auch die Elternberatung von Pro Juventute unter 058 261 61 61[6] Hilfe zu holen ist ein Zeichen von Stärke.

Wann du ärztlich abklären lassen solltest

Eine unruhige Phase erklärt vieles – aber nicht alles. Bis zum Alter von drei Monaten gelten schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Säuglinge als sogenannte Schreibabys. [5] Hinter anhaltendem, exzessivem Schreien können auch gesundheitliche Ursachen wie Reflux, Allergien oder Infektionen stecken. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig, um solche Erkrankungen auszuschliessen und die passende Unterstützung einzuleiten. [5]

Erste Anlaufstelle ist deine Kinderärztin oder dein Kinderarzt. [5] Auch die Mütter- und Väterberatung in deiner Gemeinde berät kostenlos. Warte nicht, bis du völlig erschöpft bist: Eine frühe Beratung entlastet die ganze Familie. [5]

Quellen

  1. van de Rijt-Plooij, H. H. C.; Plooij, F. X.: Distinct periods of mother-infant conflict in normal development. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 34(2), 1993, S. 229–245 (abgerufen am 07.08.2026).
  2. de Weerth, C.; van Geert, P. L. C.: Emotional instability as an indicator of strictly timed infantile developmental transitions. British Journal of Developmental Psychology, 16, 1998, S. 15–44 (abgerufen am 07.08.2026).
  3. Sadurní, M.; Rostan, C.: Regression periods in infancy: a case study from Catalonia. The Spanish Journal of Psychology, 5(1), 2002, S. 36–44 (abgerufen am 07.08.2026).
  4. Kinderschutz Schweiz: Schütteltrauma – Babys können daran sterben (abgerufen am 07.08.2026).
  5. Kantonsspital Winterthur: Schreien im Säuglingsalter (abgerufen am 07.08.2026).
  6. Pro Juventute: Elternberatung rund um die Uhr (abgerufen am 07.08.2026).

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren