Freizeit > Ferien & ReisenGlamping: Campen mit einem Hauch von Luxus Sigrid Schulze Wenn du als Kind mit deinen Eltern zelten warst, hast du vermutlich noch das Freiheitsgefühl, die langen Abende draussen und das Einschlafen mit Naturgeräuschen im Kopf. Mit eigenen Kindern scheitert Camping aber oft an fehlender Ausrüstung, am Aufwand – oder daran, dass niemand Lust auf harte Isomatten und kalte Nächte hat. Eine alltagstaugliche Alternative ist «Glamping»: naturnah wie Camping, aber deutlich komfortabler und familienfreundlicher. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken 1 von 14 Glamping im Zirkuswagen gibts auf dem Camping Wagenhausen im Kanton Thurgau. Foto: campingwagenhausen.ch «Glamping» ist eine Wortschöpfung aus «Glamourös» und «Campen». Gemeint sind Unterkünfte wie eingerichtete Zelte, Schlaffässer, Pods, Baumhäuser oder hochwertige Mobilheime. Der grosse Vorteil für Familien: Du bekommst oft Betten, Strom, Licht, manchmal sogar eine Küche und ein eigenes Bad – und kannst trotzdem direkt vor der Tür spielen, essen und draussen sein. Für wen eignet sich Glamping besonders? Glamping passt gut, wenn du Camping-Atmosphäre möchtest, aber dir (noch) nicht zutraust, alles selbst zu organisieren – oder wenn du mit Baby, Kleinkind oder Schulkindern unterwegs bist und verlässliche Abläufe brauchst. Viele Plätze bieten kurze Wege zu Sanitäranlagen, Spielplätzen und Aktivitäten. Gerade für den Einstieg ist Glamping oft der entspanntere Schritt, bevor du später vielleicht doch einmal klassisch zeltest. Ausstattung: Was du beim Buchen wirklich prüfen solltest Die Bezeichnung «Glamping» ist nicht geschützt – die Ausstattung kann deshalb stark variieren. Bevor du buchst, hilft eine kurze Checkliste: Schlafen Bettwäsche: Ist sie inklusive oder musst du Schlafsäcke/Decken mitnehmen? Raumtemperatur: Gibt es Isolation (z.B. Pod aus Holz) oder ist es ein Zelt ohne Dämmung? Verdunkelung und Ruhe: Gibt es Vorhänge, getrennte Schlafbereiche oder schläft alles in einem Raum? Kochen und Essen Küche: Küchenzeile, Kochplatte, Wasserkocher, Kühlschrank – oder nur Grillstelle? Geschirr: Ist Grundausstattung vorhanden (Pfanne, Teller, Besteck)? Allergien: Falls du auf Nüsse/Spuren achten musst: Kläre, wie gereinigt wird und ob du besser eigenes Koch- und Essgeschirr mitnimmst. Strom, Licht, Laden Steckdosen: Gibt es genügend Steckdosen im Schlafbereich (Nachtlicht, Babyphone, Handy)? Licht: Innen- und Aussenbeleuchtung – wichtig, wenn Kinder abends noch auf die Toilette müssen. Sanitär: privat oder gemeinschaftlich Eigenes Bad (Dusche/WC) ist mit Kindern Gold wert, aber nicht überall Standard. Gemeinschaftsanlagen: Prüfe Distanz, Öffnungszeiten, Wickelmöglichkeiten und ob es Familienkabinen gibt. Heizung und Wohlfühlen bei kühlen Nächten In der Schweiz können Abende selbst im Sommer kühl werden – besonders in den Bergen oder in Seenähe. «Glamping» heisst nicht automatisch warm. Achte deshalb auf das Heizkonzept und die Sicherheitsregeln der Unterkunft: Isolierte Unterkünfte (z.B. Pods, Jurten mit Ofen) halten Wärme meist besser als reine Zelte. Elektrische Heizung ist oft die einfachste Lösung – kläre, ob sie inklusive ist und ob Stromkosten extra berechnet werden. Holzofen kann sehr gemütlich sein, braucht aber klare Regeln: Wo liegen Holz und Anzünder? Gibt es einen Ofenschutz/Absperrgitter? Wie wird gelüftet? Wichtig: In Innenräumen sollten keine offenen Flammen oder Grills verwendet werden, wenn das nicht ausdrücklich erlaubt ist. Für Familien lohnt es sich, bei der Buchung nach «kinderfreundlicher Heizung» zu fragen – also nach einer Lösung, die Wärme bringt, ohne dass Kinderhände direkt an heisse Oberflächen kommen. Sicherheit: So wird Glamping familienfreundlich Glamping ist oft komfortabler als klassisches Zelten – aber Kinder sind neugierig, und neue Umgebungen erhöhen das Unfallrisiko. Ein paar Punkte, die sich in der Praxis bewähren: Brandschutz und Hitzequellen Rauchmelder und Feuerlöscher: Gibt es in der Unterkunft Hinweise, wo sie sind, und wie du im Notfall reagierst? Kerzen, Feuerstellen, Öfen: Kläre Regeln und sichere Wege. Wenn Kinder klein sind, ist ein Ofenschutz oder eine klare «Nicht-dran»-Zone hilfreich. CO-Risiko: Bei Unterkünften mit Ofen ist korrektes Lüften entscheidend. Nutze nur vorgesehene Heizquellen und halte dich an die Platzregeln. Wasser, Höhen, Umgebung Seen und Flüsse: Viele Glampingplätze liegen am Wasser. Plane klare Regeln (z.B. «Kind bleibt in Sichtweite») und sichere Zeiten (z.B. Wasser nur mit Begleitung). Hochbetten, Leitern, Terrassen: Prüfe Geländerhöhe, Rutschgefahr und ob Kleinkinder sicher schlafen können. Zecken und Sonne: Gerade in Wiesen, am Waldrand und am Wasser lohnt sich konsequenter Schutz und tägliches Kontrollieren. Schlaf- und Hygienesicherheit Wenn dein Kind noch sehr klein ist, ist ein sicherer Schlafplatz zentral. Eine sichere Schlafumgebung trägt dazu bei, das Risiko für schlafbezogene Unfälle zu senken: Rückenlage, eigener Schlafplatz, nicht zu warm, keine weichen Kissen oder lose Decken im Babybett. Wenn vor Ort kein geeignetes Babybett verfügbar ist, nimm lieber eine sichere Reisebett-Lösung mit. Kostenvergleich: Glamping, Camping und Hotel – was lohnt sich für Familien? Glamping wirkt auf den ersten Blick teuer, kann sich für Familien aber rechnen, weil du weniger Ausrüstung anschaffen musst und oft mehr Komfort inklusive ist. Eine pauschale Zahl ist schwierig, weil Preise je nach Saison, Lage und Ausstattung stark schwanken. Für deine Planung hilft dieser Vergleich: 1) Klassisches Camping (eigenes Zelt/Wohnwagen) Fixkosten: Ausrüstung (Zelt, Matten, Schlafsäcke, Kocher, Lampen, evtl. Campingmöbel) – je nach Qualität schnell mehrere hundert Franken. Laufende Kosten: Standplatz, Personenpauschalen, Kurtaxen, Strom, Duschen (teils kostenpflichtig). Für wen gut: Wenn du regelmässig campst und die Ausrüstung über mehrere Ferien nutzen willst. 2) Glamping (Mietunterkunft) Fixkosten: Wenig bis keine Anschaffung – oft reichen Kleidung, persönliche Dinge und ggf. eigene Bettwäsche. Laufende Kosten: Höherer Übernachtungspreis, dafür meist Betten, Strom, Licht und teils Küche/Bad inklusive. Für wen gut: Für Einsteigerfamilien, für Kurzferien und wenn du möglichst stressfrei ankommen willst. 3) Hotel/Ferienwohnung Fixkosten: Keine Ausrüstung. Laufende Kosten: Häufig höher als Camping; dafür kalkulierbarer Komfort, Heizung, eigenes Bad und Wetterunabhängigkeit. Für wen gut: Wenn du maximale Planbarkeit brauchst oder wenn jemand in der Familie gesundheitlich empfindlich ist. Praxis-Tipp: Wenn du unsicher bist, rechne nicht nur den Preis pro Nacht, sondern auch «Nebenkosten» wie Anreise, Verpflegung, Mietbettwäsche, Endreinigung, Strom, sowie die Zeit, die du in Aufbau, Kochen und Organisieren investierst. Viele Familien merken: Glamping ist zwar teurer als ein einfacher Zeltplatz, aber deutlich günstiger als ein Hotel – und spart viel Logistik. Aussergewöhnliche Glamping Unterkünfte in der Schweiz Auch in der Schweiz ist Glamping etabliert: Viele Campingplatzbetreiber investieren in komfortable Unterkünfte, und für Kinder gibt es teilweise Animation oder Spielprogramme. Das kann dir als Elternteil echte Erholung ermöglichen – vor allem, wenn ihr tagsüber aktiv seid und abends schnell zur Ruhe kommen möchtet. Hier findest du sieben besondere Übernachtungsmöglichkeiten: Übernachten im Zirkuswagen «Meine Damen und Herren, Manege frei für die Akrobaten!» Dieser Urlaub kann ganz unter dem Motto «Zirkus-Familie» stehen. Camping Wagenhausen im Thurgau und der TCS Camping Solothurn stellen Familien Zirkuswagen bereit. Nach einem Tag voller Zirkusspiele können grosse und kleine Akrobaten auf der kleinen Terrasse ausruhen. Wer lieber in den Süden reist, findet auf dem TCS Camping Lugano – Muzzano ein ähnliches Domizil. Ein Zimmer in einem Rohr Glamping in der Swiss Tube. Was futuristisch klingt, ist ein Rohr. Die Swiss Tubes am Thunersee sind übereinandergestapelt und ermöglichen direkten Blick aufs Wasser. Jede Tube auf dem TCS Camping Thunersee verfügt über ein gemütliches Familienschlafzimmer, eine Dusche mit WC und einen Gardarobenbereich. Schlafen im Mini-Tunnel So richtig gemütlich ist es im Pod. Pods aus Naturmaterialien finden sich zum Beispiel auf den Campingplätzen TCS Camping Bern – Eymatt, TCS Camping Buochs Vierwaldstättersee und TCS Camping Flaach am Rhein. Sie sind aus massivem Holz gefertigt und mit Schafswolle isoliert und bieten Platz für maximal drei Personen. Die Pods sind reine Schlafstätten mit einer kleinen Terrasse - Kochmöglichkeiten bieten sie nicht. Leben wie die Indianer Wie lebt es sich eigentlich in einem Tipi? Das können Familien ganz genau erfahren, wenn sie in einem Indianerzelt Urlaub machen. Möglich ist das auf dem TCS Camping Disentis bei Andermatt. Auf dem Holzboden des circa sechs Quadratmeter grossen Zeltes stehen zwei Doppelbetten, ein Tisch, vier Stühle, eine Kommode und ein Ständer für Kleider. An der Feuerstelle vor dem Zelt lässt sich am Abend grillieren. Auf Safari-Tour Zelten und trotzdem im Bett schlafen – das ermöglichen mietbare Safarizelte. Manche sind voll ausgestattet, zum Beispiel das Safarizelt auf dem TCS Camping Solothurn. Das Zelt umfasst zwei Schlafbereiche und einen Wohnbereich mit einer Küchenzeile. Auf der Holzterrasse warten Tisch, Stühle und Sonnenliegen auf Gäste. Der Platz liegt direkt an der Aare am Stadtrand von Solothurn. Ein luxuriöses Safarizelt findest du auch am Zürichsee auf dem Camping Fischers Fritz. Es ist ideal für einen Kurztrip zu zweit, denn ein Champagner ist inklusive. Auch einfachere Familien-Safarizelte sind am Seeufer platziert. Camping im Bungalowzelt Ein Zelt kann sich in einen richtigen Bungalow verwandeln, wie zum Beispiel auf dem TCS Camping Morges am Genfersee. Er bietet bis zu fünf Personen Platz. Neben dem Schlafbereich hat er auch eine Aufenthaltsecke/Küche und einen Vorplatz mit Holzboden und wasserfestem Überdach. Übernachten wie in der Mongolai «Jurte» nennt sich das traditionelle Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien. Es ist die ideale Mischung von Naturnähe und Hotelkonfort. Wer eine solche Unterkunft testen will, ist auf dem Camping Gadmen richtig. Bis zu vier Personen können hier Urlaub machen. Es hat auch einen gemütlichen Holzofen. Für die Kinder hat es vor der Jurte einen Sandkasten und ein Spielplatz zum Spielen. Praktische Packliste: Das brauchst du trotz Glamping fast immer Für die Nacht: Pyjamas im Zwiebellook, warme Socken, ggf. dünne Decke oder Schlafsack-Inlett (falls Bettwäsche nicht inklusiv ist). Für draussen: Regenjacke, Ersatzschuhe, Mückenschutz, Sonnenhut, Sonnencreme, Trinkflaschen. Für Sicherheit: Kleine Reiseapotheke (Pflaster, Desinfektion, Fieberthermometer), Zeckenzange, Nachtlicht/kleine Taschenlampe. Für kleine Kinder: Reisebett oder Rausfallschutz (wenn nötig), vertrautes Kuscheltier, evtl. kleines Töpfchen. Wenn du mit Baby oder Kleinkind glampst Mit sehr kleinen Kindern ist weniger oft mehr: kurze Wege, eine gut beheizbare Unterkunft und ein planbarer Schlafplatz sind wichtiger als das spektakulärste Erlebnis. Achte darauf, dass ihr nachts nicht überhitzt (zu warme Innenräume oder zu dicke Schlafsäcke) und dass euer Baby sicher schläft. Für alle, die weiter reisen möchten: Auch im Ausland gibt es aussergewöhnliche Glamping Unterkünfte. Ein Holzschloss steht in Nojals-et-Clotte in Frankreich und auf dem Waldcamping am Brombachsee in Deutschland sind viele Troll-Häuser verteilt. Wie das genau aussieht, siehst du in unserer Galerie.