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Hormone aus Pflanzen: Gesund oder gefährlich?

Rotklee gegen Hitzewallungen, Seed Cycling zur Zyklusregulation: Die gezielte Einnahme pflanzlicher Substanzen soll einen positiven Einfluss auf den Hormonhaushalt haben. Zu Wirkung und Nebenwirkung der Pflanzenhormone fehlen allerdings genaue Erkenntnisse. 

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Pflanzliche Hormone als Alternative zu synthetischen Präparaten? Die Wirkungen wurden noch nicht umfassend erforscht. Bild: Olesia Bekh, Getty Images

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die Prozesse im menschlichen Körper regulieren. Sie steuern beispielsweise den weiblichen Zyklus, die Sexualentwicklung oder Knochenwachstum und Muskelaufbau. Der Hormonhaushalt eines Menschen ändert sich im Laufe des Lebens. Und: Durch die gezielte Einnahme von Hormonen kann das körpereigene System manipuliert werden.

Vor allem in der Frauenheilkunde wird mit Hilfe von hormonellen Stoffen wie beispielsweise mit der Antibabypille auf den weiblichen Zyklus Einfluss genommen. Wenn ein Ungleichgewicht an Hormonen Beschwerden hervorruft, wie in den Wechseljahren mit Östrogen oder Progesteron der Fall, können diese ebenfalls von außen zugeführt werden. Meistens wird dann im Rahmen einer Hormonersatztherapie künstliches Östrogen eingenommen. Seit einigen Jahren sind dabei neben den synthetischen Präparaten auch pflanzliche Stoffe in den Fokus gerückt: Die Phytohormone die über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

Was Phytohormone bewirken

Ganz allgemein sind Phytohormone, auch Pflanzenhormone oder Pflanzenwuchsstoffe genannt, für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen zuständig. Manche dieser Stoffe haben auch im menschlichen Körper, ähnlich wie die körpereigenen Botenstoffe, eine hormonähnliche Wirkung. Sie gelten als sanfte Alternative zu synthetischen Hormonpräparaten, da die Pflanzenstoffe vermeintlich weniger Nebenwirkungen haben. Nahrungsergänzungsmittel mit Phytohormonen sind frei verkäuflich. Die pflanzlichen Substanzen sollen bei Beschwerden in den Wechseljahren oder durch das prämenstruelle Symptom zur Regulation des Hormonhaushalts beitragen.

Phytoöstrogene und Phytogestagene 

Nehmen wir das Beispiel die weiblichen Hormone in der Menopause: Durch die Umstellung des Hormonhaushalts tritt ein Progesteronmangel im Körper auf. Dieser kann unter anderem Osteoporose und Depressionen fördern. Die Hitzewallungen, mit denen Wechseljahre vor allem in Verbindung gebracht werden, sind primär auf Östrogenmangel zurückzuführen. Manche Phytohormone haben eine ähnliche Struktur wie das körpereigene Gestagen oder Östrogen. Die aus Pflanzen gewonnen Stoffe können zur Regulation des Hormonhaushalts in den Wechseljahren und somit zur Linderung von Beschwerden beitragen.

Die bekanntesten Vertreter der Phytoöstrogene, die eine Wirkung zeigen, sind Isoflavone. Besonders viele Isoflavone sind in Soja, Bohnen, Leinsamen oder Vollkorngetreide enthalten. Dagegen wirken die in Pflanzen enthaltenen Lignane wie Phytogestagene. Sie finden sich in Fenchel oder der Yams-Wurzel. Phytoöstrogene aus Soja oder Rotklee sollen beispielsweise eine Schutzwirkung für Knochen und Herz haben, also gegen Osteoporose wirken und das Herzinfarktrisiko senken.

Wirkung und Nebenwirkungen von Phytohormonen

Jedes körpereigene Hormon hat einen zu ihm passenden Rezeptor, wie ein Schlüssel und ein dazu passendes Schloss. Phytohormone sind weniger spezifisch als körpereigene Botenstoffe. Das heisst, sie passen nicht hundertprozentig zu den Rezeptoren im menschlichen Körper. Die Wirkung pflanzlicher Präparate ist deshalb geringer. Dadurch galten sie lange als sanfte Alternative zur Behandlung mit synthetischen Hormonpräparaten und wurden in der Frauenheilkunde zeitweise uneingeschränkt empfohlen.

Die pflanzlichen Hormone wirken aber nicht nur weniger, sondern auch breiter: Sie können an mehreren Rezeptoren andocken. Das wiederum führt dazu, dass sie nicht nur positive Effekte im Körper auslösen können, sondern sich auch negativ auswirken, zum Beispiel durch erhöhtes Wachstum von Krebszellen. Genaue klinische Studien fehlen, Experten raten daher zur Vorsicht bei hoch dosierter Einnahme

Pflanzliche Ernährung ja, Nahrungsergänzungsmittel nein

Eine auf Ernährungsumstellung basierende Zufuhr von pflanzlichen Hormonen kann das Wohlbefinden steigern und ausgleichend wirken, besagt die allgemeine Lehrmeinung. Werden Lebensmittel wie Soja, Leinsamen oder Rotklee in den Speiseplan eingebaut und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet, können Hitzewallungen oder Menstruationsbeschwerden gemildert werden. Aufgrund der geringen Konzentration der enthaltenen Phytohormone sind keine negativen Folgen zu erwarten. Dagegen sollten pflanzliche Mittel, bei denen die hohe Konzentration der Wirkstoffe oftmals die empfohlenen Grenzwerte übersteigt, nicht ohne medizinische Beratung und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Vorsicht bei Babys und Krebserkrankungen

Wann ist Vorsicht geboten? Vor allem Frauen mit Krebserkrankungen oder erhöhtem Krebsrisiko sollten sich vor einer Einnahme von hoch dosierten Phytohormonen medizinisch beraten lassen. Da die pflanzlichen Hormone anders wirken als körpereigene, können sie das Wachstum von Krebszellen fördern. Von der Verwendung von Sojamilch als Babynahrung wird dringend abgeraten. Untersuchungen haben gezeigt, dass die darin enthaltenen Isoflavone negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Geschlechtsorgane von Säuglingen haben können.