Aufklärung in der Pubertät

Teenager

Die Mädchen bekommen ihre erste Regelblutung, die Jungen bekommen den ersten Samenerguss. Das Interesse für das andere Geschlecht wird zum vorherrschenden Thema. Die Teenager verlieben sich, haben Liebeskummer, machen erste Erfahrungen mit Selbstbefriedigung und auch die ersten sexuellen Erfahrungen. Die Erlebnisse behalten die meisten Jugendlichen für sich oder besprechen diese mit den besten Freunden. Die Eltern sind abgemeldet, was völlig normal ist.

Eltern sollten sich langsam an ihre Kinder herantasten und in einer passenden Situation auf das Thema Sexualität zu sprechen kommen. Bei einer ausgedehnten Shoppingtour mit anschliessendem Kaffee trinken kann sich die Mutter erkundigen: Ob die Tochter vielleicht schon verliebt ist? Ob sie einen Frauenarzt aufsuchen möchte? Ob sie sich schon Gedanken zur Verhütung gemacht hat?

Aber nicht nur Mädchen sind in dieser Phase unsicher. Auch Jungs haben mit allen möglichen Pubertätsproblemen zu kämpfen. Väter können versuchen eine Gesprächsbasis herzustellen. Nimmt der Sohn schreiend Reisaus, weil er nichts abschreckender findet, als mit dem 40-jährigen Vater über Flirttipps und geeignete Stellungen fürs erste Mal zu sprechen, bietet sich vielleicht der ältere Bruder als Gesprächspartner an.

Eltern sollten das Thema Sexualität sensibel behandeln und auf Privatsphäre achten:

  • Anklopfen, wenn der Nachwuchs Besuch hat.
  • Einen Schlüssel für das Bad zur Verfügung stellen.
  • Keine Witze über die nette kleine Freundin des Sohnes am Frühstückstisch machen.
  • Die Tochter nicht auf ihre winzige Brust ansprechen.

Wenn aber ernstzunehmende Probleme auftreten, die nicht akzeptiert werden können (wesentlich älterer Freund…), müssen Eltern handeln.

Tipps zur Aufklärung

Der Schuleintritt ist so etwas wie die magische Grenze. Auf dem Pausenhof in der Schule nützen viele Kinder dann die erwachsenenfreie Zone, um über solche Themen zu reden. Behauptet ein Kind dann noch steif und fest, dass die Babys verschluckt oder vom Storch gebracht werden, wird es ausgelacht und verspottet. Deshalb sollten Eltern bis zum Schuleintritt ihr Kind aufklären und auch die gängigsten Begriffe wie Penis und Scheide vermitteln. Bücher, die spielerisch an das Thema heranführen, sind zu empfehlen, besonders für Kinder, die sich noch nicht aus freien Stücken dafür interessieren.

Das rät der Experte

Bruno Wermuth ist Sexualpädagoge und Sexualberater und sagt:

«Als Grundsatz empfehle ich, sich an den Fragen der Kinder zu orientieren und diese dem Alter des Kindes entsprechend ehrlich zu beantworten. Eltern müssen die natürliche Neugierde ihres Kindes zulassen. Diese ist eine Grundlage für die spätere Einstellung zur Sexualität. Wenn Eltern allen sexuellen Fragen verschämt ausweichen, dem Kind verbieten seinen eigenen Körper zu betasten und zu erkunden, erfährt es – Sexualität ist etwas Komisches und Verbotenes. Dies ist eine vollkommen falsche Botschaft. Das Kind verinnerlicht diese Haltung und wird dadurch in seinem Lern- und Entwicklungsprozess eingeschränkt. Deshalb gilt: Berührungen zulassen, auf die Fragen der Kinder antworten. Kinder brauchen keine endlosen biologischen Vorträge und Ausführungen, sondern Eltern die sich offen und differenziert mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen.»

Buch- und Link-Tipps

  • Mein Körper gehört mir!: Ein Aufklärungsbuch der PRO FAMILIA Deuschland.
  • Holde Kreul und Dagmar Geisler: Ich und meine Gefühle: Emotionale Entwicklung für Kinder ab 5
  • Dagmar Geisler: Das bin ich - von Kopf bis Fuß: Selbstvertrauen und Aufklärung für Kinder
  • Sabine Thor-Wiedemann: Wachsen und erwachsen werden: Das Aufklärungsbuch für Kinder
  • «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt». Eine Broschüre für Eltern und Erziehende von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren. Herausgeberinnen: Stiftung Kinderschutz Schweiz | Mütter und Väterberatung Schweiz. Die Broschüre kann gratis bei allen Mütter- und Väterberatungsstellen bezogen werden.
  • Mehr zum Thema Sexualpädagogik und dem Sexualberater Bruno Wermuth gibt es unter www.brunowermuth.ch

 

Text: Natascha Mahle

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter