Warum Kinder Schimpfwörter lieben - und wie Eltern Sie wieder loswerden

Eltern zucken zusammen, wenn der eigene Nachwuchs Ausdrücke voller Wut in die Welt wirft. Mit diesen sechs Strategien lassen sich Schimpfwörter eindämmen.

Was gegen Schimpfwörter hilft.

Kinder lieben Schimpfwörter, denn ihre Wirkung ist gross. Foto: Hunter Johnson - Unsplash

Wenn Kinder mit harten Schimpfwörtern um sich werfen, sind die Nerven von Eltern schnell überspannt. «Unser viereinhalbjähriger Junge macht uns im Moment Sorgen. Der eigentlich fröhliche und liebenswürdige kleine Bub hat sich in einen Rabauken verwandelt. Ich finde besonders schlimm, dass er andere Kinder schlägt und Fluchwörter benützt wie z.B. «du blöde schiis...» oder «du huere …». Die Schimpfwörter benutzt er auch gegenüber uns … », klagt eine Mutter in der Schweizer Online Erziehungsberatung Elternplanet. Manche Eltern hören bei harten Schimpfwörtern betreten weg, andere reagieren mit Zorn und Verboten.

Kinder ahmen nach was Sie hören … und testen die Wirkung

Während harte Kraftausdrücke bei Eltern Nerven reizen, reizen sie Kinder, sie zu benutzen. Aber warum? Kinder sind wie Schwämme. Je neugieriger und aufgeschlossener sie sind, umso mehr saugen sie auf, was sie hören und wenden es an. Indem sie genau hinschauen und hinhören, was andere tun, lernen sie – zum Beispiel zu sprechen, zu laufen, den Puppenwagen zu schieben, die Puppe zu füttern und sich Zähne zu putzen. «Sie kopieren einerseits viele nützliche Dinge - etwa sich selbständig die Schuhe anzuziehen, Lieder zu singen oder gemeinsam zu spielen. Anderseits lernen sie von den anderen auch Sachen, die, gelinde gesagt, nicht sein müssten - und die in der Welt der Erwachsenen gegen die Benimmregeln verstossen», erklärt der «Beobachter» in einem Artikel über Schimpfwörter.

Wenn Kinder andere Kinder oder Erwachsene nachahmen, wollen sie wissen, welche Wirkung sie erzielen. Und im Fall der Fluchwörter erleben sie: Die Wirkung ist stark! Nicht nur derjenige, der beschimpft wird, reagiert heftig. Auch die Reaktion der Eltern fällt stark aus. Das Kind lernt: «Wenn ich bestimmte Schimpfwörter benutze, stehe ich im Mittelpunkt.»

Sechs Strategien gegen Schimpfwörter

«Das sagt man nicht», «Wo hast du dieses schlimme Wort her? Diesen Ausdruck will ich hier nicht mehr hören!» Solche Plattitüden bewirken in der Regel wenig. Das Kind sieht nicht ein, warum es bestimmte Ausdrücke nicht verwenden soll. Schliesslich benutzen andere sie ja auch! Darüber hinaus werden Schimpfwörter umso interessanter, je mehr sie der Hauch des Verbotenen umweht. Wer Schimpfwörtergebrauch seiner Kinder eindämmen will, braucht andere Strategien. Diese sechs erweisen sich dabei als besonders wertvoll.

1 Vorbild sein

Ein Konflikt bringt die Emotionen in Sekundenschnelle zum Kochen. Ein Wortgefecht entwickelt sich – und plötzlich passiert es: Ein Schimpfwort rutscht einem über die Lippen. Ärgern Sie sich nicht zu sehr, denn Eltern müssen nicht immer perfekt sein. Dennoch sollten Sie sich bemühen, auf Fluchwörter möglichst zu verzichten. «Das Motto «Wie ich in den Wald schreie, hallt es auch zurück» trifft hier vollends zu», warnt Erzieherin und Sozialpädagogin Christina Kursawe, sie ist freie Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. «Wenn Eltern zuhause, beim Autofahren oder im Umgang mit ihren Kindern selbst Kraftwörter gebrauchen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihre Kinder ihnen das gleich tun.»

2 Harmlose Schimpfwörter nicht beachten

Wenn Kinder klein sind, hilft es oft, Fluchwörter konsequent nicht zu beachten. «Bleiben Sie ruhig, schimpfen oder lachen Sie nicht. Wenn Kinder keine Reaktion auf die von ihnen benutzten Wörter erfahren, wird ihnen zumindest zuhause der Gebrauch der Wörter schnell langweilig», so Christina Kursawe.

3 Gefühle erklären, die Schimpfwörter auslösen

Sind die Schimpfwörter hart, ist das Weghören keine Option mehr. Zwar ahnen Kinder, dass sie damit andere beleidigen. Doch oft ist ihnen nicht bewusst, welche Gefühle sie genau auslösen. Doch Kinder müssen wissen, wie sich andere fühlen, wenn sie beschimpft werden. Fluchwörter verletzen, machen traurig und wütend! «Du hast Schlampe zu mir gesagt. Das macht mich sehr traurig!» So können Sie mit Ihrem Kind in ein Gespräch über die Gefühle kommen, die Schimpfwörter auslösen.

4 Fluchwörter erklären

Wichtig ist auch, Kindern zu erklären, was genau ein Schimpfwort bedeuten. Oft sind sie ganz betroffen, wenn sie erfassen, was sie da gesagt haben. Ihnen muss deutlich werden, dass Fluchwörter wie «schwul», «behindert», «Spasti», «Hurensohn», «Schlampe» und «Penner» grundlagenlos ganze Menschengruppen in ihrem Wert herabsetzen. «Machen Sie ihnen klar, wie Kinder sich fühlen, die wirklich gesundheitlich beeinträchtigt sind», so Christina Kursawe. «Dulden Sie diese Wörter bei Ihnen zuhause auf keinen Fall. Hier hilft es nur, durchgehend konsequent zu sein und darauf zu vertrauen, dass Ihre Kinder im Laufe ihrer Entwicklung für diese Wörter sensibel werden. Gleiches gilt für Wörter aus dem Fäkalbereich.»

5 Schimpfwörter aussortieren

Sortieren Sie bestimmte Wörter aus Ihrem Familien-Vokabular aus! «Jedes Familienmitglied erhält eine kleine Plastiktüte», rät der «Beobachter». «Es werden diejenigen Worte in den Sack gesprochen, die von nun an tabu sein sollen. Danach zubinden und wegwerfen. Das ist lustig und bleibt in Erinnerung.»

6 Notfall-Schimpfwörter erfinden

Mit Kindern zusammen lustige, aber harmlose Krafwörter zu erfinden, macht Spass! Sie dürfen benutzt werden, wenn es gilt, bei einem Wutanfall Luft abzulassen. «Du zerbrochener Besenstiel» oder «Grün gepunktete wimpernäugige Kaulquabbe» zu rufen, verletzt kaum und erhellt stattdessen ruck zuck die Stimmung wieder.

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