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Stimmungskiller Handy: Besinnliche Festtage trotz digitaler Begleiter

Besinnliche Festtage – dazu gehört für viele auch mal etwas Abstand zum Smartphone, zu Social Media und Chat-Nachrichten. Doch ist das überhaupt noch zeitgemäss? Die Medienexperten von zischtig.ch verraten ihre Tipps und Ideen für einen sinnvollen Umgang mit den digitalen Begleitern in den nächsten Tagen.

Immer nur am Handy? Drei Jugendiche sitzen auf dem Sofa und starren auf ihr Smartphone

Kinder, jetzt legt doch mal das Handy weg! Mit den Tipps von zischtig.ch sorgen die digitalen Begleiter nicht für Streit an den Festtagen. Bild: kate_sept2004, Getty Images

Handy, Familientablets und andere Gadgets sind mittlerweile nicht nur fester Bestandteil unseres Alltags, sondern gehören auch an den Festtagen dazu. Gerade dieses Jahr findet wohl die eine oder andere Weihnachtsfeier über Skype, Zoom oder Facetime statt. Gleichzeitig möchte man sich besonders über die Feiertage auf die Familie konzentrieren können, ohne andauernd von Whatsapp, Snapchat oder lästigen Anrufen gestört zu werden. Wie gelingt also der Spagat zwischen besinnlichen Weihnachten und der Verbindung zur Aussenwelt?

4 Ideen für den sinnvollen Umgang mit Smartphone & Co.

1 Erwartungen runterschrauben – auch wenn’s ums Handy geht

Die Feiertage sind oft mit hohen Erwartungen verbunden. Im Vornherein stellt man sich eine Familienidylle mit schön geschmücktem Baum, feinen Guetzli und perfektem selbstgekochtem Fünf-Gang-Menü vor. Selbstverständlich ist niemand am Handy oder Tablet – schon gar nicht man selbst. In der Realität ist der Baum vielleicht doch krumm geraten, die Guetzli schon hart geworden und es hat doch «nur» für den Dreigänger gereicht. Und sogar man selbst ist zwischendurch am Handy…

Machen Sie sich keine Vorwürfe: Weihnachten ist nicht selten trotz aller schönen Momente auch stressig. Und da kann gerade das Handy helfen: Die Leibniz-Studie hat 2019 erste Hinweise darauf geliefert, dass Smartphones Eltern oft dabei helfen, den alttäglichen Stress zu reduzieren, was positive Auswirkungen auf den Umgang mit den Kindern hat. Haben Sie also kein schlechtes Gewissen, wenn auch Sie zwischendurch aufs Handy schauen.

2 Alternativen statt Verbot: medienfreie Zeit und Handyturm

Sie wollen trotzdem nicht, dass die ganze Familie – statt Zeit miteinander zu verbringen – nur in den Bildschirm starrt? Gerade bei Teenagern kann es hilfreich sein, gemeinsam handyfreie Zeiten zu vereinbaren. Setzen Sie sich als Familie zusammen und legen Sie fest, wann Sie alle gemeinsam auf digitale Geräte verzichten, zum Beispiel am 24.12. von 14:00 Uhr bis 21:00 Uhr, weil Sie da zusammen den Baum dekorieren und anschliessend feiern. Schöne Fotos machen und den Freunden und Freundinnen «Schöne Weihnachten» wünschen können dann alle danach. Wichtig: Achten Sie darauf, dass alle Familienmitglieder sich daran halten, auch die Erwachsenen.

Diese Variante ist Ihnen zu streng? Versuchen Sie es mit dem Handyturm! Während gemeinsamen Aktivitäten oder Abenden legen alle ihre Smartphones auf einen Stapel. Die erste Person, die ihr Handy aus dem Turm nimmt, macht den Abwasch oder muss mit dem Hund raus (oder etwas anderes, das Sie im Vornherein gemeinsam festlegen). Der Handyturm funktioniert auch gut mit Gästen und kann als Spiel oder kleiner Wettbewerb angegangen werden. Im Festlegen der «Strafen» sind Sie frei: Alles was sich für das im Fondue verlorene Brotstückchen anbietet, passt auch für den Handyturm.

3 Besondere Medienerlebnisse schaffen

Medien gehören zu Weihnachten dazu: Viele Familien lesen gemeinsam eine Weihnachtsgeschichte oder hören sich jedes Jahr ihre Lieblingsweihnachtslieder auf CD an. Und das gilt auch für Bildschirmmedien: Was wären die Feiertage ohne «Drei Nüsse für Aschenbrödel», «Sissi» oder «Kevin allein Zuhaus»? Gerade aus solchen Traditionen lassen sich tolle gemeinsame Medienerlebnisse erschaffen. Schliessen Sie die Fensterläden, basteln Sie mit den Kindern Popcorntüten wie im Kino und gönnen Sie sich ihre Lieblingsklassiker als Familie gemeinsam auf dem Sofa. So werden Medien wieder zu einem besonderen Ereignis, ganz ohne Multitasking.

Filme sind nicht so Ihr Ding? Vielleicht passt eine andere (neue) Tradition besser zu Ihrer Familie: Warum nicht ausnahmsweise als besonderes Erlebnis am Weihnachtsmorgen «Mario Kart»an der Konsole spielen oder eine gemeinsame Familien-Foto-Session mit der Handykamera machen und sich bei der Gelegenheit von den Kindern die neusten Snapchat-Filter erklären lassen.

4 Mit dem Handy an die frische Luft: Geocaching

Nach dem Festtagsschmaus sollten sich alle mal wieder draussen bewegen, aber im kalten, vielleicht schneelosen Winterwetter fehlt die Motivation? Hier kann das Handy Abhilfe schaffen: Gehen Sie mit Ihrer Familie geocachen! So lassen sich auch Stubenhockerinnern und -hocker motivieren, rauszugehen.

Wie das geht? Laden Sie sich eine Geocaching-App aufs Handy. Diese zeigt Ihnen in der ganzen Schweiz (und weltweit) sogenannte Geocaches: Dabei handelt es sich um von anderen Menschen versteckten Gegenstände oder Logbücher. Koordinaten führen an die richtige Stelle und dann gilt es, die Umgebung nach geheimen Verstecken zu durchsuchen wie bei einer Schatzsuche. Manchmal liefern Rätsel oder Tipps zusätzliche Hinweise oder das Handy weiss über spannende Hintergründe zum Ort zu berichten. Die versteckten Caches lassen sich nach Terrain (rollstuhl- und kinderwagentauglich!) und Schwierigkeitsstufe sortieren, so dass auch Anfängern und Anfängerinnen der Einstieg leichtfällt. Eine ausführliche Anleitung finden Sie hier.

Medienkompetenz mit dem Verein zischtig.ch

Der Verein zischtig.ch setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche auf ansprechende, verständliche, berührende und wirksame Weise vor Onlinesucht, Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Gefahren zu schützen. Im Vordergrund stehen ein begeisternder Vermittlungsstil und die Befähigung zu einer gewinnbringenden, kreativen und sicheren Mediennutzung. Auf Familienleben.ch schreibt Kim Gray vom Verein regelmässig über Themen rund um Medienkompetenz.

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