Baby > Baby KalenderDein Baby, 1 Woche alt: Die Zeit im Wochenbett beginnt – was jetzt normal ist Julia Wohlgemuth Dein Baby ist da. Zwischen Glück, Erschöpfung und tausend Fragen beginnt jetzt das Wochenbett. In der ersten Woche muss sich dein Baby von der Geburt erholen – und du dich auch. Hier liest du, was in diesen Tagen normal ist, welche Anzeichen du ernst nehmen solltest und wer dich in der Schweiz unterstützt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Willkommen Baby! Im Wochenbett könnt ihr euch in Ruhe kennenlernen. Foto: Halfpoint/iStock, Thinkstock Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Die erste Woche mit einem Neugeborenen ist selten so, wie man sie sich vorgestellt hat: Sie ist schön und anstrengend zugleich, oft im Abstand von Minuten. Beides darf sein. Als Wochenbett wird die Zeit direkt nach der Geburt bis sechs Wochen danach bezeichnet[4] – eine Zeit, in der dein Körper viel leistet und in der du dir Hilfe holen darfst, ohne dich dafür zu rechtfertigen. Dein Baby in der ersten Woche: Was jetzt normal ist Nach neun Monaten im geschützten Bauch muss sich dein Baby erst an das Leben «draussen» gewöhnen. Da gibt es viele Eindrücke zu verarbeiten. Du kannst ihm bei der Umstellung helfen, indem du viel mit ihm kuschelst und sprichst. Deinen Geruch und deine Stimme erkennt es nämlich, übrigens auch die Stimme deines Partners oder anderer Menschen, mit denen du in der Schwangerschaft viel Zeit verbracht hast. Der Geruchssinn leitet dein Baby zur Brust, wenn es auf deinem Bauch liegt. Der Suchreflex ist nur einer der vielen Reflexe, mit denen dein Neugeborenes bereits ausgestattet ist; auch der Saugreflex gehört dazu. Ansonsten sind die meisten Babys in den ersten Tagen recht verschlafen. Schliesslich müssen auch sie sich von den Anstrengungen der Geburt erholen. Hat dein Baby Papas Augen oder Mamas Nase geerbt? In den ersten Wochen lässt sich das kaum feststellen. Jetzt hat dein Kleines noch das typische Aussehen eines Neugeborenen. Sowohl die Haarfarbe als auch die Augenfarbe können sich noch wesentlich verändern. Auch die Geburt selbst kann zu Rötungen und Schwellungen geführt haben, die in den ersten Lebenstagen zurückgehen. In der ersten Woche nimmt dein Baby zunächst etwas ab. Das gehört dazu und hängt unter anderem mit dem Ausscheiden des sogenannten Mekoniums zusammen: Irgendwann in den ersten Tagen findest du eine dunkle, klebrige Masse in der Windel. Der erste Stuhlgang deines Babys besteht aus den Abfallstoffen, die sich während der Zeit im Mutterleib im Darm angesammelt haben. Wie viel dein Baby abnimmt und wann es sein Geburtsgewicht wieder erreicht, kontrolliert deine Hebamme beim Wiegen. Einordnen musst du die Werte nicht selbst: Wenn die Abnahme zu stark ausfällt, spricht sie dich darauf an und leitet Massnahmen ein. Was dein Baby schon sieht und spürt Scharf sieht dein Neugeborenes vor allem aus der Nähe, etwa so weit, wie dein Gesicht beim Stillen oder im Arm von seinem entfernt ist. Was weiter weg liegt, verschwimmt noch. Gesichter ziehen seinen Blick besonders an, ebenso starke Hell-Dunkel-Kontraste. Farben nimmt es erst nach und nach richtig wahr. Wie sich das Sehen im ersten Jahr entwickelt, liest du im Beitrag über das Sehvermögen deines Babys. Mindestens so wichtig wie das, was es sieht, ist in diesen Tagen deine Nähe. Neun Monate lang wurde dein Baby im Bauch getragen und geschaukelt. Diese Nähe sucht es jetzt wieder. Haut auf Haut auf deinem nackten Oberkörper, das Tragen in einer Tragehilfe, Streicheln oder ein leises Lied beruhigen dein Baby, und das kann dein Partner genauso gut wie du. Wundere dich also nicht, wenn ein quengelndes Kind auf deiner Brust plötzlich still wird. Reagiere ruhig jedes Mal darauf: Weinen heisst nicht immer Hunger, oft braucht dein Baby einfach deine Nähe.[2] Wie schläft dein Baby in der ersten Woche? Die meiste Zeit des Tages verschläft dein Baby, allerdings selten lange am Stück, weil der Hunger es alle paar Stunden weckt. Einen Unterschied zwischen Tag und Nacht kennt es noch nicht: Es trinkt und ist auch nachts wach. Das ist anstrengend, aber normal. Wenig Licht und leises, knappes Reden in der Nacht helfen ihm, sich langsam an den Tag-Nacht-Rhythmus zu gewöhnen.[2] Wie viele Stunden Schlaf in welchem Alter üblich sind, liest du im Beitrag über Babys Schlafbedarf. Trinkt mein Baby genug? Das ist die häufigste Sorge der ersten Woche. In den ersten Tagen und Wochen will dein Baby etwa 8- bis 12-mal in 24 Stunden trinken, also ungefähr alle zwei bis drei Stunden. Schläft es lange und meldet sich nicht, darfst du es zum Stillen auch wecken.[2] Gut möglich, dass es abends in noch kürzeren Abständen trinken will.[4] Sobald die Milch nach ein paar Tagen richtig fliesst, sind bei einem Baby, das nur Muttermilch bekommt, fünf bis sechs nasse Windeln pro Tag und mehrmals täglich Stuhlgang verlässliche Anzeichen, dass es genug trinkt.[2] Bekommt dein Baby Schoppenmilch, sollte es mindestens alle zwei Tage Stuhlgang haben.[4] Dazu kommt der Gesamteindruck: Dein Baby wirkt nach dem Stillen zufrieden und entspannt, hat eine gesunde Hautfarbe und ist aktiv und interessiert. Lässt es sich dagegen kaum wecken oder trinkt es schlecht, ruf sofort deine Hebamme an; erreichst du sie nicht, die Kinderärztin, den Kinderarzt oder den Kindernotfall. Bist du unsicher oder hast du das Gefühl, dein Kind nehme zu wenig zu, melde dich bei deiner Hebamme oder einer Stillberaterin.[2] Gelbsucht, Nabel und Fieber Bei vielen Neugeborenen färben sich Haut und Augenweiss in den ersten Tagen leicht gelblich. Deine Hebamme und die Kinderärztin achten darauf und beurteilen, ob eine Behandlung nötig ist. Sprich sie an, wenn dir eine Gelbfärbung auffällt, dein Baby auffallend schläfrig wirkt oder schlecht trinkt. Mehr dazu liest du im Beitrag über Gelbsucht bei Neugeborenen. Der Nabelstumpf trocknet in den ersten Tagen ein und fällt von selbst ab. Halte ihn sauber und trocken; deine Hebamme zeigt dir, wie du ihn pflegst. Bemerkst du nach dem Abfallen mehrmals Blut auf der Windel, wende dich an die Kinderärztin, den Kinderarzt oder deine Hebamme.[4] Praktische Handgriffe findest du in unseren Tipps zur Babypflege. Wichtig: Misst du bei deinem Neugeborenen im Po 38 °C oder mehr, hat es Fieber. In diesem Alter gehört Fieber immer sofort ärztlich abgeklärt: Bring es unverzüglich zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt, ausserhalb der Praxiszeiten auf den Kindernotfall.[5] Untersuchungen in den ersten Tagen Dein Baby wird nach der Geburt und vor dem Austritt aus dem Spital ärztlich untersucht. Dabei wird beurteilt, wie es deinem Kind geht und ob es sich gut an das Leben ausserhalb des Bauchs anpasst. Zu den Routinen der ersten Tage gehören ausserdem ein Hörtest und Vitamin K, das Blutungen vorbeugt. Wie lange ihr im Spital bleibt, hängt vom Geburtsverlauf und von eurem Befinden ab. Welche Vorsorgeuntersuchungen im ersten Jahr folgen, haben wir separat zusammengestellt. Am dritten oder vierten Tag nach der Geburt werden deinem Baby ausserdem wenige Tropfen Blut für das Neugeborenen-Screening entnommen. Das Labor am Universitäts-Kinderspital Zürich untersucht als einzige Stelle in der Schweiz das Blut aller hier geborenen Säuglinge auf bestimmte angeborene Krankheiten, die unbehandelt zu schweren Organschäden führen könnten. Dank des Screenings sind eine frühe Diagnose und eine gezielte Behandlung möglich.[6] Warnzeichen bei dir: Wann du Hilfe holst Im Wochenbett geht es nicht nur um das Baby. Dein Körper heilt von einer Geburt, und dabei können Komplikationen auftreten. Die folgenden Anzeichen gehören abgeklärt. Erste Ansprechpartnerin ist deine Nachsorgehebamme, sonst deine Ärztin oder dein Arzt. Wo bei einem Punkt «sofort» steht, wartest du nicht auf die Hebamme: Blutung, die wieder stärker wird oder ungewöhnlich lange anhält. Die Blutung nach der Geburt nimmt normalerweise stetig ab. Blutest du plötzlich sehr stark oder wird dir dabei schwindlig, ruf sofort den Notruf 144 an. Fieber – allein oder zusammen mit anderen Beschwerden. Übelriechender Ausfluss oder starke Unterbauchschmerzen. Schmerzen, Rötung, Überwärmung oder Verhärtung der Brust, oft zusammen mit Kopfweh und Gliederschmerzen. Wende dich an deine Hebamme, deine Ärztin oder die Stillberaterin.[4] Einseitige Schmerzen, Schwellung oder Rötung an einem Bein – das kann auf eine Thrombose hinweisen. Starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen oder Schmerzen im Oberbauch, die nicht nachlassen: Melde dich sofort in deiner Geburtsklinik oder auf dem nächsten Notfall. Atemnot oder Schmerzen im Brustkorb: Ruf sofort den Notruf 144 an. Zögere nicht, weil du niemanden stören willst. Im Wochenbett gilt: lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. Deine Hebamme rechnet damit, dass du dich meldest – genau dafür ist sie da. Was in deinem Körper passiert In den ersten Tagen kommt die Milchbildung in Gang, und die Gebärmutter beginnt sich zu verkleinern. Der Wochenfluss dauert in der Regel höchstens vier bis sechs Wochen: Dort, wo sich die Plazenta gelöst hat, verheilt das Gewebe und scheidet dabei Blut, Sekret und Gewebsreste aus. Am Anfang ist er stark und blutig, wird dann aber zusehends schwächer und verändert sich in Farbe und Konsistenz. Für die Intimpflege genügt Wasser oder ein pH-neutrales Produkt, keine Seife; verwende Binden statt Tampons.[4] Die Nachkontrolle zwischen der sechsten und der zehnten Woche nach der Geburt übernimmt die Grundversicherung, ob du sie bei deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme machst.[1] Mit Rückbildungsgymnastik hat es keine Eile: Mit der sanften Aktivierung des Beckenbodens kannst du schon in den ersten Tagen beginnen, einen Kurs besuchst du frühestens acht Wochen nach der Geburt.[4] Zu früh zu starten, ist nicht sinnvoll, und für einen Kurs ist es nie zu spät. Stimmungstief oder Wochenbettdepression? Mehr als die Hälfte der Mütter erlebt nach der Geburt ein Stimmungstief, auch «Heultage» oder «Babyblues» genannt. Es beginnt meist drei bis vier Tage nach der Geburt. Du weinst schnell, bist gereizt, niedergeschlagen oder ängstlich, und deine Stimmung schwankt. In der Regel ist der Babyblues vorbei, wenn dein Kind etwa zehn Tage alt ist, und er braucht keine Behandlung.[3] Nach einer so grossen Lebensveränderung ist ein solches Tief eine natürliche Reaktion. Der Babyblues ist aber nicht dasselbe wie eine Wochenbettdepression. Der wesentliche Unterschied liegt in der Dauer: Hält die gedrückte Stimmung länger als zwei Wochen an, sprich mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder deinem Arzt, damit sie eine postpartale Depression abklären können. Eine solche Depression kann auch erst Wochen oder Monate nach der Geburt beginnen.[3] Die zwei Wochen musst du nicht abwarten: Wird deine Stimmung nach dem zehnten Tag nicht besser, sprich es beim nächsten Hebammenbesuch an. Etwa 15 Prozent der Mütter erkranken nach der Geburt an einer Depression.[2] Eine postpartale Depression ist eine behandelbare Erkrankung und kein Zeichen von Versagen. Sofort Hilfe brauchst du, wenn du dich und dein Baby nicht mehr versorgen kannst, wenn du den starken Drang oder konkrete Pläne hast, dir etwas anzutun, oder wenn du Stimmen hörst oder Dinge siehst, die andere nicht wahrnehmen.[3] Warte dann nicht auf den nächsten Termin: Ruf deine Ärztin oder deinen Arzt an, geh auf den nächsten Notfall oder wähle 144. Quält dich dagegen die Angst, du könntest deinem Baby etwas antun, ist auch das ein bekanntes Zeichen einer Wochenbettdepression.[3] Sprich noch am selben Tag mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber. Wo du in der Schweiz Hilfe findest: Sprich deine Hebamme, deine Ärztin oder deinen Arzt an.[2] Der Verein Periparto (früher «Postpartale Depression Schweiz») bietet Information und Beratung. Die Mütter- und Väterberatung in deiner Gemeinde ist ebenfalls eine niederschwellige Anlaufstelle. Und wenn es akut wird, etwa weil du dich völlig überfordert fühlst, erreichst du den Elternnotruf rund um die Uhr unter 0848 35 45 55.[2] Mehr über Anzeichen und Verlauf liest du im Beitrag zur postnatalen Depression. Hebamme zu Hause: Was die Grundversicherung zahlt Auch nach dem Austritt aus dem Spital bist du nicht allein. Die Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme zu Hause geht deutlich über die ersten Tage hinaus, und die Kosten übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse: In den 56 Tagen nach der Geburt kann die Hebamme Hausbesuche zur Pflege und Überwachung von Mutter und Kind sowie zur Beratung machen. Bis zu 16 Hausbesuche sind es nach einer Frühgeburt, einer Mehrlingsgeburt, bei Erstgebärenden und nach einem Kaiserschnitt, in allen übrigen Fällen bis zu 10. In den ersten 10 Tagen nach der Geburt sind zusätzlich bis zu fünf weitere Zweitbesuche am gleichen Tag möglich. Die Stillberatung durch Hebammen oder speziell ausgebildete Pflegefachpersonen wird für drei Sitzungen übernommen. Für zusätzliche Hausbesuche braucht es eine ärztliche Anordnung.[1] Nutze dieses Angebot: Deine Hebamme beantwortet dir auch die Fragen, die dir nachts durch den Kopf gehen. Wie du dir darüber hinaus im Wochenbett echte Unterstützung organisierst, liest du hier. Stillen in den ersten Tagen Wenn du stillen möchtest, trinkt dein Baby in den ersten Tagen die Vormilch (Kolostrum). Nach ein paar Tagen bemerkst du, dass deine Brust plötzlich gross geworden ist – ab jetzt gibt es richtige Milch. Verzage nicht, wenn es nicht gleich von Anfang an klappt: Stillen ist für euch beide neu und will geübt sein. Tipps von der Hebamme helfen über die ersten Hürden. Bei wunden Brustwarzen, Milchstau oder dem Verdacht auf eine Brustentzündung meldest du dich früh, nicht erst, wenn es kaum mehr auszuhalten ist. Und wenn du nicht stillen kannst oder willst, musst du kein schlechtes Gewissen haben. Auch mit Schoppenmilch wächst und gedeiht dein Kind. Tipps für die erste Woche Nicht nur für dein Neugeborenes, auch für euch als Eltern sind die Geburt und die Tage danach eine grosse Umstellung. Nimm dir jetzt Zeit für deine kleine Familie und lerne dein Baby kennen. Euren eigenen Rhythmus findet ihr mit der Zeit. Der Grossfamilie kann der Nachwuchs auch später vorgestellt werden – Besuch, der dich erschöpft statt entlastet, darf warten. Leg dich hin, wenn dein Baby schläft; so lassen sich die schlafarmen Nächte besser überstehen. Und nimm Hilfe an, wenn jemand einkaufen, kochen oder putzen will. Was das Wochenbett sonst noch für dich bereithält, liest du im ausführlichen Überblick. Nächste Woche: Dein Baby mit 2 Wochen Quellen Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) / Fedlex: Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV, SR 832.112.31), Art. 13, 15 und 16, Stand 1. August 2026 (PDF). Abgerufen am 28.09.2026. Stillförderung Schweiz / Gesundheitsförderung Schweiz: Stillen – ein gesunder Start ins Leben (PDF). Abgerufen am 07.08.2026. Royal College of Psychiatrists (Grossbritannien): Postnatal depression, Patienteninformation, Stand November 2018. Abgerufen am 28.09.2026. See-Spital, Frauenklinik: Das Wochenbett – Information für Eltern. Abgerufen am 07.08.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Notfall-Elterninformation Fieber (PDF). Abgerufen am 28.09.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Labor für Neugeborenen-Screening. Abgerufen am 07.08.2026.