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Hyperemesis: Übelkeit und Erbrechen lassen Schwangere leiden

Fast alle Frauen leiden im ersten Drittel ihrer Schwangerschaft unter Beschwerden wie Unwohlsein und Erbrechen. Bei einigen Frauen ist diese Übelkeit aber so stark, dass sie gefährlich wird – auch fürs Kind. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer sogenannten Hyperemesis oder Hymperemesis gravidarum, die behandelt werden muss.

Schwangere Frau sitzt vor einer Wand am Boden. Ihr geht es schlecht, sie hält sich den Kopf.

Wer an Hyperemesis Gravidarum erkrankt ist, fühlt sich extrem schlecht und muss teilweise sogar im Spital behandelt werden. Foto: GettyImages Plus, ljubaphoto

Übelkeit in der Schwangerschaft ist an sich kein Grund zur Sorge, man kann sagen, sie ist fast schon normal. Bei etwa 80 Prozent der schwangeren Frauen in der Schweiz tritt während der ersten drei Monaten häufig Übelkeit auf, viele müssen sogar erbrechen. Die Ursache dafür ist der abrupte Anstieg der Hormonkonzentration im Körper während dieser ersten Phase der Schwangerschaft.

In den meisten Fällen sind diese Beschwerden zwar unangenehm, aber die Übelkeit ist nicht gefährlich und schadet auch dem Baby nicht. Nach etwa drei Monaten lässt sie in der Regel deutlich nach. Es gibt aber auch Fälle, bei denen Vorsicht geboten ist. 

Hyperemesis: Eine von hundert Schwangeren betroffen

Etwa ein Prozent der schwangeren Frauen in der Schweiz ist von Hyperemesis oder auch Hypermesis gravidarum betroffen. Bei diesen Frauen ist die Übelkeit sehr stark und der Magen entleert sich bis zu zehn Mal am Tag. Sie können weder essen noch trinken und so keine Nährstoffe bei sich behalten. In einigen Fällen halten die Symptome an, bis die Geburt kurz bevor steht.

Tritt bei Ihnen starke Übelkeit auf? Wenn Sie weder Nahrung noch Flüssigkeit bei sich behalten können und innerhalb kurzer Zeit an Gewicht verlieren, müssen Sie vorsichtig sein und Ihren Arzt kontaktieren. In diesem Fall leiden Sie unter Umständen an einer Hyperemesis gravidarum – und diese kann gefährlich sein für Frau und Kind.

Der Verlauf der Hyperemesis gravidarum

Wann und wie entsteht eine Hyperemesis gravidarum? Der Beginn der Erkrankung liegt für gewöhnlich in der sechsten oder siebten Schwangerschaftswoche. Erbricht die Schwangere wiederholt, erhält der Körper nicht ausreichend Flüssigkeit und Nahrung. Austrocknung gefährdet zunächst die Mutter und schlussendlich auch das Kind.

Entgleist der Stoffwechsel der Schwangeren, was sich durch eine Verschiebung der Elektrolyte im Blut nachweisen lässt, bleibt als Konsequenz nur die stationäre Aufnahme in ein Spital zur intravenösen Behandlung. Denn wenn der Körper der Mutter zu wenige Nährstoffe wie Vitamine und Spurenelemente zur Verfügung stellt, gefährdet das auch die Entwicklung des Babys. Für das Baby besteht das Risiko einer Wachstumsverzögerung.

Weitere besorgniserregende Symptome sind extreme Schwäche, Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen, Licht und Geräuschen. Im fortgeschrittenen Stadium treten Fieber und Benommenheit auf. Speiseröhre und Mageneingang können mit Schleimhautschäden reagieren. Daher werden betroffene Frauen in schweren Fällen häufig über einen längeren Zeitpunkt in einem Spital beobachtet und über einen Tropf ernährt. Der Zeitraum, in dem eine Behandlung notwendig ist, kann unterschiedlich lang ausfallen. Wichtig ist, dass sich die werdenden Mütter schonen und ausruhen. Ihr Körper und damit auch das gesamte Immunsystem sind stark geschwächt, sodass die Anfälligkeit für Krankheiten steigt.

Die 20. Schwangerschaftswoche ist häufig der Wendepunkt der Hyperemesis gravidarum. Die zweite Hälfte der Schwangerschaft gestaltet sich wesentlich entspannter und die Schwangere erholt sich bis zur Geburt wieder. In einigen Fällen hält die Übelkeit in der Schwangerschaft jedoch an bis das Kind auf der Welt ist. Sobald das Baby da ist, legt sich die Symptomatik.

Welche Ursachen stecken hinter übermässigem Schwangerschaftserbrechen?

Es existieren verschiedene Theorien zu ihrer Entstehung, wobei neben biologischen auch soziale und psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Die weitverbreitete These, die einen hohen Beta-HCG-Spiegel für das Erbrechen in der Schwangerschaft verantwortlich macht, reicht zur Erklärung nicht aus. Manche Mediziner vermuten einen Zusammenhang zwischen einer Hyperemesis gravidarum und einer eventuellen starken psychischen Belastung der werdenden Mütter. Noch konnte aber keine Studie die These bestätigen, dass vor allem Frauen betroffen sind, die ungewollt schwanger wurden.

Unbestritten ist hingegen, dass vor allem Frauen unter starkem Erbrechen leiden, denen eine Mehrlingsgeburt bevor steht. Bei Folgeschwangerschaften treten bei etwa 50 Prozent der betroffenen Mütter erneut die gleichen Beschwerden wie in der ersten Schwangerschaft auf. Und eine Hyperemesis gravidarum ist möglicherweise vererbbar, wie im Fachmagazin «Frauenheilkunde aktuell» berichtet wird. 

Prominente Frauen, die unter Hyperemesis litten

Das weltweit prominenteste Opfer von Hyperemesis ist die britische Herzogin Kate. Bereits in ihrer ersten Schwangerschaft mit dem englischen Thronfolger George musste sie stationär in einer Londoner Klinik behandelt werden. Auch beim zweiten Kind wurde eine Hyperemesis Therapie in der Schwangerschaft notwendig. 

Was hilft gegen Hyperemesis gravidarum?

Ein Medikament oder eine spezielle Therapier gegen die Hyperemesis gravidarum gibt es nicht. Einige Schweizer Mediziner behandelten die Hyperemesis erfolgreich mit alternativen Heilmethoden wie beispielsweise Hypnose. Auch eine besonders proteinreiche Ernährung scheint dazu beizutragen, dass der Magen seltener rebelliert.

Viele Ärzte beginnen die Behandlung mit einer Ernährungsberatung. Fette und stark gewürzte Speisen sind beim Auftreten von Hyperemesis gravidarum ebenso zu meiden wie Eisentabletten und intensive Gerüche. Bekömmlich sind viele kleine, proteinreiche, über den Tag verteilte Mahlzeiten in Kombination mit viel Flüssigkeit. Die nächste Stufe der Therapie nutzt die Kraft der Homöopathie und der Akupunktur.

Beruhigt sich der Magen dennoch nicht, folgt die Behandlung mit Medikamenten der Schulmedizin. Wirkstoffe wie Diphenhydramin, Ondansetron, Promethazin, Metoclopramid und Vitamin B6 sind wirksam gegen unstillbares Schwangerschaftserbrechen. Im Fall eines Spitalaufenthalts können die Medikamente über die Vene verabreicht werden. Infusionen gleichen dort auch den Flüssigkeitsverlust aus. Die Infusionen gleichen den Stoffwechsel aus und reduzieren gleichzeitig den Brechreiz.

Weitere Informationen und Hilfe

Wichtige Hinweise über Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft erhalten Sie vom Schweizerischen Hebammenverband: www.zora.uzh.ch