Haptonomie: Liebevolle Berührung in Schwangerschaft und Geburt

Eine schmerzarme Geburt, wer möchte das nicht. Haptonomie verspricht genau das. Durch sanfte Berührungen wird schon in der Schwangerschaft eine enge Verbindung zum Baby aufgebaut, die schliesslich auch die Geburt erleichtern soll. Besonders Vätern kann dies zu einer frühen Beziehung zum Kind helfen.

Haptonomie

Durch haptonomische Berührungen des Bauchs soll schon vor der Geburt die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt werden. Foto: Wavebreak Media, Thinkstock

Für werdende Väter ist es nicht ganz leicht, zu ihrem ungeborenen Kind bereits eine Beziehung aufzubauen. Frauen haben es da viel leichter. Sie spüren die ersten Kindsbewegungen und gehen durch alle möglichen körperlichen und hormonellen Veränderungen, die sie auf die Rolle des Mutterseins vorbereiten. Für Väter dagegen ist die Schwangerschaft oft lange nicht so real. Haptonomie soll es Vätern leichter machen, ihr Kind schon vor der Geburt kennenzulernen. Auch Mütter sollen dabei unterstützt werden, die Signale ihres ungeborenen Kindes zu deuten und darauf zu reagieren.

Haptonomie kommt aus dem Griechischen und heisst soviel wie die Lehre von der Berührung. Begründet wurde diese Lehre in den 1940er Jahren von dem niederländischen Humanwissenschaftler Franz Veldman. Das von ihm gegründete Internationale Zentrum zur Forschung und Entwicklung der Haptonomie (C.I.R.D.H.) in Südfrankreich bietet noch heute Kurse an und bildet Therapeuten zur haptonomischen Behandlung aus. Haptonomie wird übrigens nicht nur in der Schwangerschaft angewendet, sondern auch in der Krankenbehandlung und Sterbebegleitung.

So funktioniert Haptonomie

Paare, die sich für eine haptonomische Begleitung entscheiden, haben in der Schwangerschaft mehrere Sitzungen mit dem Therapeuten. Dies kann zum Beispiel eine auf Haptonomie spezialisierte Hebamme sein. Die Website des Schweizerischen Verbandes medizinischer Fachpersonen mit Ausbildung in Haptonomie, www.hapto.ch, kann Ihnen dabei helfen, einen Therapeuten in Ihrer Nähe zu finden.

In den Sitzungen erlernen die zukünftigen Eltern Grundkenntnisse in Haptonomie, die von Mutter und Vater dann auch zu Hause durchgeführt werden können. Dabei handelt es sich um Wiegebewegungen oder Bauchberührungen, bei denen ein leichter Druck ausgeübt wird. Gerade Väter können so einen intensiven ersten Kontakt zum Kind im Mutterleib spüren. Mit ein bisschen Übung sollen die teilnehmenden Eltern erlernen, die verschiedenen Stimmungen ihres Kindes zu deuten. Durch die haptonomischen Bewegungen können Mutter und Vater nicht nur eine enge Bindung zum noch ungeborenen Baby aufbauen, oft wird auch die Partnerschaft zwischen den zukünftigen Eltern gestärkt. Schliesslich kümmern sich so beide um das Kind im Bauch.

Auf hapto.ch heisst es, dass eine haptonomische Begleitung so bald wie möglich nach der Befruchtung beginnen sollte, spätestens bis Ende des 6. Schwangerschaftsmonates. Je kleiner das Baby, um so kürzer sind die Sitzungen. Eine Übungsstunde dauert maximal eine dreiviertel Stunde. Auch nach der Geburt werden noch mindestens vier Sitzungen empfohlen.

Haptonomie zur Geburt  

Haptonomie soll auch die Geburt unterstützen. Dadurch, dass die Mutter während der Schwangerschaft gelernt hat, eine Verbindung zu ihrem Kind herzustellen, kann sie auch gemeinsam mit dem Kind die Geburt intensiv erleben. Ausserdem hat sie eine verbesserte Kenntnis über die Position und die Bewegungen des Babys erlangt, die in der Geburt helfen. Bestimmte Übungen der Haptonomie können zudem für eine besonders elastische Beckenbodenmuskulatur sorgen. Dr. Djalali, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und seit über 20 Jahren haptonomischer Therapeut, erklärt in einem Interview für das Familienportal urbia.de, dass Haptonomie die idealen Voraussetzungen für eine natürliche Geburt schaffe. Und er geht noch weiter: «Die Wehen werden ohne den Einsatz von Medikamenten angenehm und erträglich.»

Funktioniert es wirklich? Wie bei allen alternativen Methoden gibt es starke Befürworter und ebenso starke Gegner. Manche Mütter, die haptomonisch begleitet wurden, haben es als kleines Wunder empfunden. Skeptiker bezweifeln, wie Hand auflegen bei Geburtsschmerzen helfen und warum man durch Haptonomie ein engeres Verhältnis zum Kind aufbauen soll. Schliesslich beschäftigen sich wohl alle Schwangere mit ihrem ungeborenen Kind und streicheln es durch die Bauchdecke. Nachgewiesen werden konnte jedoch, dass es bei Geburten mit haptonomischer Begleitung seltener zu Kaiserschnitten oder anderen Operationen kommt. Ob dies an bestimmten vorher bestehenden Voraussetzungen liegt oder ob tatsächlich die Haptonomie dafür verantwortlich ist, bleibt eine Glaubensfrage.

 Mehr Informationen gibt es auf:

  • www.hapto.ch (offizielle Seite des Schweizerischen Verbandes medizinischer Fachpersonen mit Ausbildung in Haptonomie)
  • www.haptonomie.org (Seite des C.I.R.D.H., Internationalen Zentrums zur Forschung und Entwicklung der Haptonomie von Frans Veldman, allerdings in Französisch).

Haben Sie Erfahrungen mit Haptonomie? Schreiben Sie uns. Hier geht es zum Kommentarbereich.

«Als Mami und Hebamme kann ich SWICA nur empfehlen»

Swica

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