Baby > Baby KalenderDein Baby, 11 Monate alt: Sprachentwicklung – erste Worte und wann zum Kinderarzt Julia Wohlgemuth Mit 11 Monaten sagen manche Babys schon die ersten Worte. Andere sind in diesem Alter mehr mit ihrer Krabbel- oder Lauftechnik beschäftigt. Wie du dein Kind bei der Sprachentwicklung unterstützt – und woran du merkst, dass du sie abklären lassen solltest –, erfährst du hier. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Sprachentwicklung: Wenn dein Kind erst sprechen lernt, kann es bald auch telefonieren. Foto: iStockphoto, Thinkstock Entwicklung deines Babys: Mobil sein ist alles Dein Baby wird nun wahrscheinlich immer besser im Krabbeln und bewegt sich mit fast rasender Geschwindigkeit durchs Zimmer. Manch kleiner Entdecker kann jetzt auch schon die Treppe hochkrabbeln – oft aber noch nicht wieder herunter. Auch wenn du ein Treppengitter hast: Zeig deinem Baby, wie es sicher wieder hinunterkrabbelt, damit es nicht zu Unfällen kommt, falls der Treppenschutz doch einmal offen steht. Als dein Kind das erste Mal von selbst aufgestanden ist, hatte es möglicherweise keine Ahnung, wie es sich wieder hinsetzen sollte. Mit 11 Monaten kann es sich nun nicht nur wieder hinsetzen, sondern auch aus dem Stand in die Knie gehen und einen Gegenstand aufheben. Gibt es etwas Schöneres, als wenn sich kleine Babyärmchen um deinen Hals schlingen? In diesem Alter kann dein Baby dich nun bewusst umarmen, wenn es Trost bei dir sucht oder sich einfach an dir erfreut. Tipps für Eltern: So hilfst du bei der Sprachentwicklung deines Babys Gegen Ende des ersten Lebensjahres warten viele Eltern ungeduldig darauf, dass ihr Baby endlich das erste Wort sagt. Im Grunde genommen ist dein Baby schon seit seiner Geburt mit der Sprachentwicklung beschäftigt. Alles, was du sagst, saugt es wie ein Schwamm auf, und in den letzten Monaten hat es dich sicher schon mit seinem Babybrabbeln erfreut. Irgendwann jetzt kommt es auch zum ersten Wort. Rund um den ersten Geburtstag ist es so weit: Im Gesundheitsheft von pädiatrie schweiz, das alle in der Schweiz geborenen Kinder erhalten, steht als Meilenstein zur Vorsorgeuntersuchung mit 12 Monaten schlicht «sagt seine ersten Worte» [1]. Die Spannbreite ist trotzdem gross – manche Kinder fangen schon mit 8 Monaten an, andere brauchen bis weit ins zweite Lebensjahr. Oft ist zu beobachten, dass sich ein Kind abwechselnd entweder auf das Laufen lernen oder die Sprachentwicklung konzentriert. Wenn dein Kleines also motorisch schon sehr weit ist, kann es sein, dass das erste Wort noch etwas auf sich warten lässt. Mädchen haben im Durchschnitt etwas früher einen grösseren Wortschatz als Jungen – der Unterschied zwischen einzelnen Kindern ist allerdings viel grösser als der zwischen den Geschlechtern. Auch grosse Geschwister, die für das Kleine «übersetzen», werden oft als Grund genannt, wenn es länger dauert; belegt ist das nicht. Solche Faustregeln sagen wenig über dein einzelnes Kind aus – und sie sind kein Grund, ein Warnzeichen zu übersehen. Mehrsprachig aufwachsen: kein Grund für eine späte Sprachentwicklung Ein Irrtum hält sich besonders hartnäckig: dass mehrsprachig aufwachsende Kinder später zu sprechen beginnen. Der Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband stellt klar, dass Mehrsprachigkeit das Auftreten einer Sprachentwicklungsstörung nicht begünstigt – die Häufigkeit ist bei ein- und mehrsprachigen Kindern identisch [3]. Auch dass ein Kind Sprachen mischt, ist kein Grund zur Sorge; es gehört zum mehrsprachigen Familienalltag [3]. Wichtig ist die Umkehrung: Wenn ein mehrsprachig aufwachsendes Kind in beiden Sprachen wenig Fortschritte macht, lohnt sich eine logopädische Beratung [4] – die Mehrsprachigkeit ist dann keine Erklärung, mit der sich weiter zuwarten liesse. Was mehrere Sprachen deinem Kind bringen, liest du im Beitrag zur zweisprachigen Erziehung. Wann du die Sprachentwicklung abklären lassen solltest «Das kommt schon noch» stimmt für viele Kinder – aber nicht für alle. Damit du nicht raten musst, nennt das Gesundheitsheft von pädiatrie schweiz konkrete Beobachtungen, bei denen du deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt aufsuchen sollst [1]: mit rund 2 Monaten: keine Lautbildung in verschiedenen Tonlagen mit rund 6 Monaten: keine neuen Lautbildungen oder kein Plappern mit rund 12 Monaten: dein Kind beginnt nicht, einzelne Worte zu sagen mit rund 18 Monaten: es benutzt nicht etwa 3 bis 10 Worte mit rund 24 Monaten: es benennt keine Gegenstände oder Personen und verbindet keine Worte (etwa 20 bis 50 Worte) Dein Baby ist jetzt 11 Monate alt – der Punkt, der es als Erstes direkt betrifft, steht also kurz bevor. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, genau hinzuschauen, statt einfach abzuwarten. Zum 12-Monats-Termin nennt das Gesundheitsheft ausserdem Beobachtungen zur Kommunikation insgesamt: Wenn dein Kind dich beim Spielen nicht anschaut, nicht reagiert, wenn du es beim Namen rufst, nicht mit dem Finger auf Dinge zeigt, um sie dir zu zeigen oder zu verlangen, kein einziges Wort sagt oder «in seiner eigenen Welt» wirkt, gehört das ebenfalls in die Sprechstunde [1]. Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird die Sprachentwicklung ohnehin überprüft – du musst mit einer Beobachtung aber nicht bis zum nächsten Termin warten. Hört dein Baby gut? Ein häufiger Grund für einen verzögerten Spracherwerb liegt beim Gehör. Das Gehör ist beim Neugeborenen bereits voll entwickelt – und selbst wenn das Hörscreening nach der Geburt unauffällig war, solltest du auf das Verhalten deines Kindes achten [1]. Zwischen 6 Monaten und 3 Jahren sind laut Gesundheitsheft Warnzeichen: Dein Kind dreht sich nicht um, wenn du es rufst, scheint dich beim Reden nicht zu verstehen, entwickelt die Sprache nicht altersentsprechend – oder du fragst dich schlicht, ob es gut hört [1]. Wie ein Hörtest beim Kind abläuft, liest du hier. Die Schwelle im zweiten Lebensjahr Später gilt eine klare Grenze: Das Kinderspital Zürich empfiehlt eine logopädische Abklärung spätestens ab 2 Jahren, wenn erste Wörter ausbleiben, der Wortschatz weniger als 50 Wörter umfasst, das Kind keine Zweiwortäusserungen bildet oder seine Kommunikation auffällig ist [2]. Genau diese Kinder meinen Fachleute, wenn sie von Late Talkern sprechen; ein Teil von ihnen holt den Rückstand später von selbst auf. Welcher Fall vorliegt, lässt sich im Voraus nicht sicher sagen – deshalb sind die Beobachtungen oben so nützlich. Wie eine Abklärung abläuft und wer sie bezahlt, ist in der Schweiz kantonal geregelt; das liest du im Artikel Wann muss mein Kind zur Logopädie. Und falls du verunsichert bist, deine Kinderärztin eine Abklärung aber für unnötig hält: Du darfst dich direkt an eine logopädische Abklärungs-, Fach- oder Therapiestelle wenden und dich beraten lassen [4]. So verstehst du die ersten Worte deines Babys Die ersten Worte werden oft nur von Menschen verstanden, die viel Zeit mit dem Kind verbringen. So verstehst du vielleicht, dass dein Baby unvollständig den Namen eines Geschwisterchens sagt, während eine fremde Person darin gar kein Wort erkennen würde. Hat dein Kind erst ein Wort gelernt, so nutzt es das gern für eine ganze Gruppe von Dingen. Ein «Muh» kann dann nicht nur für die Kuh, sondern für alle möglichen grossen Tiere stehen. Du kannst deinem Kind bei der Sprachentwicklung helfen, indem du viel mit ihm sprichst, Bilderbücher anschaust und ihm vorsingst. Das Gesundheitsheft hält dazu fest, dass elektronische Medien wie Fernseher, Tablet oder Handy die gemeinsam erlebten Erfahrungen nicht ersetzen können – der Fernseher soll in Gegenwart deines Kindes nicht dauernd laufen, auch nicht während der Mahlzeiten [1]. Beim gemeinsamen Spielen und Anschauen wächst der Wortschatz deines Kindes, der im Moment zwar noch nicht aktiv ist, es aber irgendwann sein wird. Und dann wird das Plappermäulchen kaum noch stillstehen. Quellen pädiatrie schweiz: Gesundheitsheft, 22. Auflage, überarbeitete Ausgabe 2025 (PDF) – Meilenstein «sagt seine ersten Worte» mit 12 Monaten, Kapitel «Wie erkennt man ein Sprachproblem?», «Wie erkennt man eine Hörstörung?» und «Wie erkennt man eine Entwicklungsstörung?» sowie «Gut zu wissen» zum 12-Monats-Termin. Abgerufen am 08.08.2026. Kinderspital Zürich: Logopädie – wann wir eine Abklärung empfehlen. Abgerufen am 08.08.2026. Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV): Gerüchteküche mehrsprachige Erziehung. Abgerufen am 08.08.2026. Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV): Häufige Fragen zur Logopädie. Abgerufen am 08.08.2026. Vorherige Woche Nächste Woche