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RS-Virus (RSV) als neue Gefahr für Kinder? Was Eltern wissen müssen

Das RS-Virus, auch RSV Infektion genannt (kurz für Respiratory Syncytial Virus), sorgt gerade schweizweit für volle Kinderbetten in Spitälern. Eine Infektion ähnelt meist einer Erkältung. Bei kleinen Kindern und Kindern mit Vorerkrankungen kann RSV jedoch zu gefährlicher Atemnot führen. Wie Sie eine Infektion erkennen, behandeln und wann Sie zum Arzt müssen.

Fieber, Husten und Schnupfen – und im schlimmsten Falle Atemnot: Derzeit stecken sich viele Kleinkinder mit dem RS-Virus an. Bild: GettyImages Plus, skynesher

Alle wichtigen Fakten über das RS-Virus bei Kindern:

  • Das RS-Virus verbreitet sich unter Kinder und Erwachsenen. Aber Kinder unter zwei Jahren erleiden eher einen schlimmen Verlauf. Gefährlich ist das Virus vor allem für Kinder mit Vorerkrankungen oder Frühgeborene.
  • Die Symptome des RS-Virus ähneln einer Erkältung. Typisch sind Husten, Schnupfen und Fieber. In gewissen Fällen führt RSV zu Atemnot. Betroffene Kinder sind dann auf künstliche Beatmung angewiesen.
  • Das RS-Virus geht normalerweise in den Wintermonaten um. Durch die Coronamassnahmen steigen in der Schweiz die Zahlen seit Juni.
  • Der beste Schutz ist Hygiene. Halten Sie sich und Ihr Baby fern von Personen mit Erkältungssymptomen und waschen Sie sich regelmässig die Hände.

Das RS-Virus sorgt derzeit für Schlagzeilen. Seit Juni werden vermehrt Infektionen bei Babys und Kleinkindern gemeldet. Es ist gar die Rede von vollen Kinderbetten in den Spitälern – dabei ist das Virus sonst im Winter unterwegs. Was bedeutet das für Eltern mit kleinen Kindern? Wir geben Antworten.

Was ist das RS-Virus?

Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, befällt Atemwege und kann Atemwegserkrankungen auslösen. Die Symptome wirken meist harmlos, da die Erkrankung einer Erkältung gleicht. In vielen Fällen verläuft eine Infektion auch fast genauso unproblematisch. In seltenen Fällen ist auch ein schwerer Verlauf möglich – vor allem, wenn Vorerkrankungen vorliegen.

Wen trifft das RS-Virus?

Das RS-Virus ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ansteckend. Allerdings wird die Krankheit meist nur für Risikopatienten unter zwei Jahren gefährlich. Dazu zählen Frühgeborene und Kinder mit chronischen Lungenkrankheiten oder angeborenen Herzfehlern. Wie Kinderärztin Victoria Marty gegenüber der Luzerner Zeitung sagt, werden bei uns nur ein Prozent der Kinder, die sich mit dem RS-Virus infizieren, wegen eines schweren Verlaufs ins Spital eingeliefert. 

RS-Virus: Wie gefährlich ist die Situation in der Schweiz?

Trotz hoher Fallzahlen seit Juni geben Ärzte und Ärztinnen Entwarnung. Es handle sich bei RSV nicht um eine Epidemie. Kinder würden zwar teilweise aus Platzmangel in andere Spitäler verlegt, noch gebe es aber ausreichend Kapazität, um alle Erkrankten zu behandeln. Aussergewöhnlich seien nicht die Zahlen, sondern das Timing, so die Experten. Normalerweise infizieren sich Kinder hauptsächlich im Winter mit RSV.

Warum ist das Virus plötzlich im Sommer so aktiv?

Grund für den Umschwung des RS-Virus sind laut Experten die Coronamassnahmen. Dr. Christoph Berger, Leiter der Infektiologie am Kinderspital Zürich, sagt gegenüber 20Minuten, Kinder hätten im Winter keine Immunität aufbauen können, da sie die meiste Zeit zu Hause waren. In einer Mitteilung der Pädiatrie Schweiz heisst es zudem: «Im Rahmen der COVID-19 Pandemie ist es im Winter 2020/2021 auch in der Schweiz zu einem kompletten Einbruch der RSV Fallzahlen gekommen.» Deshalb sei es völlig normal, dass die Infektionszahlen des RS-Virus nun erst im Sommer steigen, wie Kinderärztin Dr. Marty gegenüber der Luzerner Zeitung sagt.

Symptome des RS-Virus: So erkennen Sie eine Ansteckung

Das RS-Virus befällt die Schleimhäute der oberen Atemwege, das Flimmerepithel der Luftröhre und der Bronchien. Die Symptome gleichen einer Erkältung, in schweren Fällen droht Kindern eine RSV-Bronchiolitis und Atemnot sowie Sauerstoffmangel.

Typische Symptome sind:

  • Fieber
  • Das Kind trinkt wenig: Eingesunkene Fontanelle bei Babys unter 18 Monaten
  • Husten
  • Keuchen und/oder eine erschwerte rasselnde Atmung
  • Atemnot 

Achtung: Die Symptome können sich innert Stunden verschlimmern, suchen Sie also unbedingt einen Arzt auf, wenn sich der Zustand des Kindes schnell verschlechtert.

RS-Virus behandeln: Das hilft bei einer Infektion

Ihr Kind hat sich mit RSV angesteckt? Wichtig sind nun ausreichend Flüssigkeit und fiebersenkende Massnahmen wie Wadenwickel oder Paracetamol. Auch schleimlösende Dampfbäder können hilfreich sein, sowie freihalten des Nasenraums, zum Beispiel mit Nasentropfen. Weitere Behandlungstipps finden Sie hier. Auch Hausmittel haben sich bewährt. 

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind keine Luft bekommt, können Sie die Sauerstoffzufuhr unterstützen. Zum Beispiel, indem der Oberkörper auf Kissen in Hochlage gebracht wird. Sie können auch zu einem Inhalator greifen. Wenn Ihr Kind weiterhin schlecht Luft bekommt, gehen Sie unbedingt zum Arzt.

RS-Virus: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Infektion mit dem RS-Virus?

In der Regel sind Kinder innerhalb von zwei bis vier Tagen wieder gesund. In seltenen Fällen, bei einem schwerem Verlauf, müssen sich die Schleimhäute des Atemtraktes regenerieren – das kann dann vier bis acht Wochen dauern.

Wie lange ist das RS-Virus ansteckend?

Ein Patient, der am RS-Virus erkrankt ist, ist etwa drei bis fünf Tage ansteckend und infektiös. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis acht Tage.

Wie wird das Virus übertragen?

RSV ist eine Tröpfcheninfektion. Das RS-Virus wird also vor durch engen Kontakt sowie über Kleidung, aber auch Spielzeug übertragen werden.

Wie kann man sich vor RSV schützen?

Mittlerweile kennen wir es: Hygienemassnahmen sind am effektivsten, vor allem regelmässiges Händewaschen. Das Virus betrifft Kinder bis zum zweiten Lebensjahr. Diese sollten wenn möglich, keinen Kontakt zu Menschen mit starken Erkältungssymptomen haben.

Was sind die Folgen des RS-Virus?

Die meisten Kinder überstehen das Virus ohne Langzeitfolgen. Eine häufige Folge des RS-Virus ist eine Mittelohrentzündung. Das Virus kann auch zur Überempfindlichkeit des Atemtraktes führen und frühkindliches Asthma verursachen. Sie können sich und Ihre Kinder übrigens nach Heilung erneut anstecken, allerdings ist der zweite Verlauf der Krankheit meist besser.

Impfung gegen RSV nur für Gefährdete

Um sich zu schützen, gibt es eine prophylaktische Impfung, die in der Regel nur gefährdete Kinder bekommen – die Impfung ist jedoch sehr kostspielig. Eine frühzeitige Kostengutsprache lohnt sich, mehr Informationen zur Prophylaxe bekommen Sie hier.

RS-Virus: Die wichtigsten Tipps 

Grundsätzlich gilt: Achten Sie auf Ihre Hygiene, das RS-Virus ist eine Tröpfcheninfektion und hochansteckend. Schicken Sie ihr Kind nicht krank in die Kita. Stillkinder leiden übrigens seltener an Atemwegserkrankungen. Wenn in der Umgebung des Kindes viel geraucht wird, ist das schädlich für Ihr Baby und begünstigt einen schweren Verlauf.