Schwangerschaft > Schwangerschaftskalender39. Schwangerschaftswoche: Fruchtwasser oder Urin? Im Zweifel rufst du an Sieglind Riedel In der 39. SSW kann die Geburt jeden Tag beginnen. Viele Frauen horchen jetzt bei jedem Ziehen in sich hinein, und eine nasse Unterhose wirft sofort die Frage auf, ob das schon Fruchtwasser war. Dazu kommen Ungeduld, Vorfreude und bei manchen auch Angst vor dem, was bald kommt. Hier erfährst du, was dein Baby in dieser Woche noch tut, welche Zeichen du ernst nimmst und was dir in den letzten Tagen guttut. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Jetzt heisst es warten, bis sich dein Baby auf den Weg macht. Bild: skynesher, Getty Images 39. Schwangerschaftswoche Dein Baby wiegt jetzt rund 3,2 Kilogramm und legt bis zum Termin noch zu. Weil es eng wird, spürst du eher Drehen und Schieben als kräftige Tritte. Seltener werden seine Bewegungen aber nicht. Ist deine Unterhose nass und du weisst nicht, ob es Urin oder Fruchtwasser ist, leg eine Binde ein und ruf in der Gebärabteilung an, auch mitten in der Nacht. Ruf ebenso an, auch nachts, wenn sich dein Baby seltener bewegt als sonst oder du mehr blutest als ein paar Spuren Blut im Schleim. So entwickelt sich dein Baby in der 39. SSW Ärztinnen und Hebammen zählen die Schwangerschaft in vollendeten Wochen und schreiben das so: 38+0 heisst 38 Wochen und 0 Tage. Die 39. SSW reicht damit von 38+0 bis 38+6. Kommt dein Baby jetzt zur Welt, ist es reif geboren. Babys, die mit 38 vollendeten Wochen geboren werden, wiegen im Mittel knapp 3,2 Kilogramm, wenn es Mädchen sind, und gut 3,3 Kilogramm, wenn es Knaben sind. Sie messen rund 50 bis 51 Zentimeter. Fertig gewachsen ist dein Baby damit nicht: Bis zum Termin legt es im Mittel noch etwa 300 Gramm und gut einen Zentimeter zu.[1] Wie schnell das Wachstum in den letzten Monaten war, zeigt ein Blick zurück. Vor einem knappen halben Jahr, mit 14 Wochen, wog dein Baby im Mittel rund 90 Gramm, mit 26 Wochen rund 900 Gramm. Heute ist es etwa 35-mal so schwer wie mit 14 Wochen.[2] Seine Organe sind angelegt und arbeiten, Lunge und Gehirn reifen aber auch in diesen letzten Wochen noch weiter. Zuletzt hat dein Baby vor allem Fettpolster unter der Haut angelegt, deshalb wirkt es nun rundlich. Weil der Platz knapp ist, liegt es meist eng zusammengerollt, mit angezogenen Armen und Beinen. Sein Kopf war zu Beginn der Schwangerschaft im Verhältnis zum Körper riesig, jetzt passen die Proportionen besser zusammen. Die Schädelknochen sind noch nicht fest miteinander verwachsen. Zwischen ihnen liegen bewegliche Nähte, und dort, wo mehrere Nähte zusammentreffen, weichere Stellen ohne Knochen, die Fontanellen. Bei der Geburt können sich die Knochen an den Nähten etwas verschieben und überlappen, damit der Kopf durch dein Becken passt. Manche Neugeborenen haben deshalb in den ersten Tagen einen etwas länglichen Kopf. Die Fontanellen schliessen sich erst nach der Geburt: die kleine am Hinterkopf in den ersten Lebensmonaten, die grosse am Scheitel meist im Alter von 9 bis 18 Monaten.[3] Die Nabelschnur versorgt dein Baby bis zur Geburt mit Sauerstoff und Nährstoffen aus der Plazenta. Am Termin ist sie meist ungefähr so lang wie dein Baby, bei manchen Kindern aber auch deutlich kürzer oder länger. Schlaf und Bewegungen: Was sich jetzt ändert Dein Baby verbringt jetzt einen grossen Teil des Tages im Schlaf. Seine Schlafphasen dauern meist 20 bis 40 Minuten, länger als 90 Minuten selten.[4] Dazwischen ist es aktiv, und diese Zeiten spürst du. Weil es im Bauch eng geworden ist, fühlen sich seine Bewegungen anders an als noch vor ein paar Wochen: eher wie Drehen, Schieben und Strecken als wie kräftige Tritte. Seltener werden sie bis zur Geburt aber nicht.[4] Du solltest dein Baby weiterhin jeden Tag in seinem gewohnten Rhythmus spüren. Vielleicht hast du gelesen, dass sich Babys kurz vor der Geburt kaum noch bewegen, weil sie Kraft sammeln. Das stimmt nicht: Dein Baby bewegt sich bis zur Geburt anders, aber nicht seltener. Dass sich die Bewegungen anders anfühlen, ist normal. Bewegt sich dein Baby aber seltener als sonst, nicht mehr in seinem gewohnten Rhythmus oder gar nicht mehr, meldest du dich sofort bei deiner Hebamme, deiner Ärztin oder in der Gebärabteilung, auch nachts.[5] Warte nicht bis zur nächsten Kontrolle.[4] Was die Kindsbewegungen über das Befinden deines Babys verraten, erklärt unser Ratgeber. Dein Körper in der 39. SSW Hat sich dein Baby schon tiefer ins Becken gesenkt, oft begleitet von Senkwehen, drückt es stärker auf Blase und Beckenboden. Du musst noch öfter zur Toilette, und beim Gehen spürst du vielleicht ein Ziehen in der Leiste oder einen Druck nach unten. Dafür bekommst du oft wieder etwas besser Luft. Zwischendurch wird dein Bauch hart und entspannt sich wieder. Solche Übungswehen kommen unregelmässig und lassen nach, wenn du dich ausruhst. Die Nächte sind jetzt oft unruhig. Der Bauch ist schwer, das Umdrehen mühsam, und die Gedanken kreisen um die Geburt. Leg dich tagsüber hin, wann immer es geht, und plane keine grossen Unternehmungen mehr. Spaziergänge und leichte Bewegung tun den meisten trotzdem gut. Schleimpfropf und Zeichnungsblutung: Geht es jetzt los? Während der Schwangerschaft verschliesst ein zäher Schleimpfropf den Gebärmutterhals und hält Keime von deinem Baby fern. Wird der Gebärmutterhals gegen Ende weicher und kürzer und öffnet sich der Muttermund ein wenig, löst sich der Pfropf. Du bemerkst dann einen zähen, glasigen Schleim in der Unterhose oder auf dem WC-Papier, der an rohes Eiweiss erinnern kann. Ist er rosa oder bräunlich und mit etwas Blut vermischt, spricht man vom Zeichnen oder von der Zeichnungsblutung. Das Blut stammt aus kleinen Gefässen, die einreissen, wenn sich der Muttermund zu öffnen beginnt. Der Schleimpfropf kann sich einige Tage vor der Geburt lösen, oft erst kurz davor und manchmal erst während der Wehen. Dass es heute noch losgeht, heisst er also nicht. Etwas Blut im Schleim ist dabei harmlos. Bist du unsicher, ob es noch Zeichnen ist, ruf in der Gebärabteilung an. Blutest du so stark wie bei der Periode, meldest du dich sofort.[5] Wie der Schleimpfropf aussehen kann, ist bei jeder Frau etwas anders. Fruchtwasser oder Urin? So findest du es heraus Dein Baby drückt jetzt auf die Blase. Beim Husten, Niesen oder Lachen gehen deshalb oft ein paar Tropfen Urin ab, und auch der Ausfluss nimmt zu. Ob eine nasse Unterhose von Urin oder von Fruchtwasser kommt, kannst du zu Hause nicht immer sicher sagen. Ein erster Hinweis ist der Geruch: Riecht die Flüssigkeit deutlich nach Urin, war es wahrscheinlich Urin, Fruchtwasser riecht kaum. Es ist meist klar oder leicht milchig und läuft oft immer wieder nach, ohne dass du es zurückhalten kannst. Ein Schwall muss es nicht sein: Oft sickert nur wenig, dafür immer wieder, und die Unterhose bleibt feucht. Geh zur Toilette, leg danach eine frische Binde ein und beobachte, ob sie beim Gehen wieder nass wird. Bleibst du unsicher oder wird die Binde wieder nass, ruf in der Gebärabteilung an, auch mitten in der Nacht. Genau dafür ist die Nummer da. Im Spital lässt sich meist rasch klären, ob es Fruchtwasser ist und ob ein Blasensprung vorliegt. Meist platzt die Fruchtblase erst, wenn die Wehen schon laufen. Reisst sie vorher, rufst du gleich an. Auch ohne Wehen. Sag am Telefon, welche Farbe das Fruchtwasser hat, ob dein Baby mit dem Kopf nach unten liegt und ob bei dir B-Streptokokken nachgewiesen wurden oder das Ergebnis des Abstrichs noch fehlt. Ist das Fruchtwasser grünlich, bräunlich oder blutig oder liegt dein Baby nicht mit dem Kopf nach unten, sollst du sofort kommen. Ob du nach einem Blasensprung ohne Wehen zu Hause abwarten darfst, entscheidet das Geburtsteam erst, nachdem es dich im Spital untersucht hat. Infrage kommt das nur, wenn das Fruchtwasser klar oder leicht milchig ist, also nicht grünlich, bräunlich oder blutig, und der Kopf deines Babys fest im Becken liegt. Auch der Abstrich auf B-Streptokokken muss negativ sein, und es dürfen keine weiteren Risiken bestehen, etwa ein früherer Kaiserschnitt. Ist der Abstrich positiv oder fehlt er, wird die Geburt zügig eingeleitet, und du bekommst ein Antibiotikum. Wartest du zu Hause, miss regelmässig Fieber. Bei Wehen, Blutungen, Fieber, übel riechendem Ausfluss oder wenn sich dein Baby weniger bewegt, meldest du dich sofort. Bleiben die Wehen aus, kommst du spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung zur Einleitung wieder ins Spital.[6] Wann du dich in der Gebärabteilung meldest Speichere dir jetzt die Nummer deiner Gebärabteilung im Handy. Ruf dort, bei deiner Hebamme oder bei deiner Ärztin an, wenn die Wehen regelmässig alle fünf bis zehn Minuten kommen und schmerzhaft sind, Fruchtwasser abgeht oder du es vermutest, du stärker blutest, als es bei etwas Blut im Schleim der Fall ist, du starke Bauchschmerzen hast, deine Hände, Füsse oder dein Gesicht stark anschwellen, du Kopfschmerzen, Augenflimmern oder Schmerzen im Oberbauch bekommst, sich dein Baby seltener bewegt als sonst oder du Fieber über 38 Grad hast.[5] Am Telefon schätzt eine Hebamme mit dir ein, ob du schon kommen sollst oder noch zu Hause bleiben kannst. Lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. Kurz vor der Geburt dreht sich vieles ums Warten. Bild: iStock, Thinkstock Angst vor der Geburt: Was dir jetzt hilft Neben der Vorfreude ist in diesen Tagen oft auch Angst da, vor allem vor den Schmerzen oder davor, dass etwas schiefgeht. Das ist verständlich, gerade beim ersten Kind. Sprich darüber, mit deiner Begleitperson und mit deiner Hebamme oder Ärztin. Oft hilft es schon, genauer zu wissen, wie eine Geburt abläuft und was gegen die Schmerzen hilft. In vielen Geburtskliniken kannst du vor der Geburt mit einer Hebamme über deine Wünsche und Sorgen sprechen, etwa zur Schmerzlinderung. Manche Frauenkliniken haben ausserdem eine psychologische Sprechstunde für Schwangere, die auch bei Angst vor der Geburt berät. Frag in deiner Geburtsklinik oder bei deiner Ärztin nach, was es in deiner Nähe gibt. Raubt dir die Angst den Schlaf, kreisen deine Gedanken kaum noch um etwas anderes oder fürchtest du dich nach einer schweren ersten Geburt vor der nächsten, such dir diese Unterstützung jetzt. Was eine starke Angst vor der Geburt ausmacht und was dagegen hilft, liest du in unserem Ratgeber. Die letzten Tage vor der Geburt Die letzten Tage vor der Geburt dürfen ruhig sein. Gönn dir, was dir guttut: ein Essen zu zweit, einen Abend mit Freundinnen, einen Spaziergang. Nach der Geburt bleibt dafür eine Weile wenig Zeit. Übernimm dich aber nicht und bleib in der Nähe deiner Geburtsklinik. Steht deine Tasche für das Spital oder das Geburtshaus bereit? Wenn du stillen möchtest, gehören ein oder zwei bequeme Still-BHs hinein. Und vergeht diese Woche ohne Wehen, ist das kein Grund zur Sorge. Der errechnete Termin ist ein Richtwert: Nur wenige Babys kommen genau an diesem Tag zur Welt, viele in den Tagen davor oder danach. Quellen Voigt M. et al.: Analyse des Neugeborenenkollektivs der Bundesrepublik Deutschland, 12. Mitteilung: Vorstellung engmaschiger Perzentilwerte (-kurven) für die Körpermasse Neugeborener, Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2006 (Tabellen 1, 2, 5 und 6; Daten aus Deutschland), abgerufen am 30.09.2026. Kiserud T. et al.: The World Health Organization Fetal Growth Charts: A Multinational Longitudinal Study of Ultrasound Biometric Measurements and Estimated Fetal Weight, PLOS Medicine 2017 (Tabelle 11, geschätztes Gewicht), abgerufen am 02.10.2026. Liniger B.: Endoskopisch assistierte Kraniosynostose-Operation, Paediatrica (pädiatrie schweiz) 2022, Abschnitt «Anatomie, Physiologie», abgerufen am 30.09.2026. NHS Lanarkshire: Reduced/altered fetal movements guideline (PDF, Version 5, Oktober 2025; Leitlinie aus Schottland), abgerufen am 02.10.2026. Kantonsspital Frauenfeld, Spital Thurgau: Wegleitung für Schwangere (PDF, Juli 2024), abgerufen am 24.09.2026. Obsgyn-Wiki, Luzerner Kantonsspital: Vorzeitiger Blasensprung am Termin (fachliche Weisung, Version 01.09.2026, gültig bis 31.12.2027), abgerufen am 21.09.2026.